Vom Komiker zum Politkommissar der Brandmauer: Nach dem Willen der Linken soll Hape Kerkeling eines Tages Steinmeier im Schloss Bellevue beerben. In Erfurt glänzt er vorerst als Rechtsextremismus-Experte. Seine größte Rolle spielt er ohne Kostüm: den berufenen Deuter des Bösen.
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Eines Tages wird sicherlich ein vom VEB Fischer Verlag bezahlter Hagiograph die Lehr-Biographie des letzten Bundespräsidenten Deutschlands, von Hans-Peter Wilhelm Kerkeling, schreiben, bevor das Land in tribalistischen Auseinandersetzungen versinkt.
Schon der flüchtige Blick in die Fernseh-Archive wird den Hagiographen anfangs überraschen. Doch dann spürt er bei jedem Sketch des Komikers und großen Imitators Kerkeling ein Lachen, eine wilde, eine befreiende Freude. Schließlich bleibt dem Hagiographen das Lachen im Halse stecken. Er errötet bei dem Gedanken, dass dieser wilde, hummelfröhliche Hape Kerkeling der Bundespräsident ist. Dem armen Hagiographen ist so zumute, als hätte er seinen Chef zufällig beim Verlassen eines Bordells gesehen oder als habe dessen Ehefrau ihm angeschickert bei einer Firmenfeier von der Angst ihres Mannes vor Wespen erzählt.
Einerseits entwickelt sich das Anschauen der Sketche aus „Total Normal“ und Filmen wie „Kein Pardon“, „Willi und die Windzors“, „Die Oma ist tot“, „Ein Mann, ein Fjord!“ und „Samba in Mettmann“ zu einer Sucht, andererseits stellte sich bei dem gewissenhaften Hagiographen wie ein Nierenleiden immer stärker das Gefühl ein, selbst ins Bordell zu gehen oder angeschickert bei einer Firmenfeier der Frau des Chefs mit einer Beichte über seine Angst vor Wespen zu langweilen, während sein Chef mit dem hübschen Sekretär tanzt.
Doch dann stößt der Hagiograph auf die größte Rolle von Hape Kerkeling, auf den Film: „Horst Schlämmer – Isch kandidiere!“. Jetzt, jetzt erkennt er in dem kühn antizipierenden Werk Hans-Peter Wilhelm Kerkeling als jungen Dachs, als Hape Kerkeling, der den stellvertretenden Chefredakteur des „Grevenbroicher Tagblatts“ spielt, der aus Versehen seinen Chef vergiftet. An seiner Stelle führt Hape Kerkeling alias Horst Schlämmer Interviews mit Politikern. Irgendwann denkt sich Hape Kerkeling alias Horst Schlämmer, was die können, das kann ich auch, beschließt Politiker zu werden, gründet die Hape-Kerkeling-Partei (HKP) alias Horst-Schlämmer-Partei (HSP), sucht Unterstützung und gibt sich dabei als „liberal, konservativ und links“ aus, d.h. als typischer Brandmauerpolitiker, der verkünden könnte: Ich kenne keine Parteien mehr, sondern nur noch drei Feinde: erstens meine Vergangenheit, zweitens die deutschen Bürger und drittens die AfD.
Aus den Interviews hinter der Brandmauer sammelt Kerkeling Anregungen von großen Geistern und noch größeren Politikern wie Daniel Günther, Cem Özdemir, Heidi Reichinnek, Katharina Dröge und vor allem von Ralf Stegner. Im TV-Kanzlerduell gegen Friedrich Merz schlägt er sodann ein neues Wappentier, die Milchkuh, vor, die von allen gemolken wird.
Und wie im Traum wird aus Hape Kerkeling Hans-Peter Wilhelm Kerkeling, steigt der Imitator wie durch den Sender Phoenix und die ARD und das ZDF zum Rechtsextremismusexperten auf. Und die SED-Linken kaufen ihm den Rechtsextremismusexperten ab, schließlich kennen die sich nur mit Linksextremismus aus.
Überall entdeckt der neue Hape Kerkeling Homophobie, zieht aus Berlin weg, weil er sich dort nicht mehr sicher fühlt, wegen der „homophoben Atmosphäre“. Doch welch Uneigennützigkeit, welche Größe unternimmt er selbstlos, predigt unermüdlich in tausend Sendungen dafür, dass immer mehr Homophobe in die Sozialsysteme einwandern können, wenn sie nur aus dem islamischen Raum kommen, dafür, dass die Atmosphäre in Berlin immer homophober wird. Aber auch in Italien, in Umbrien, fühlt er sich nicht mehr sicher. Nichts auf der Welt übertrifft Hape Kerkelings Phantasie, denn natürlich ist die Regierung Meloni, die die Einwanderung von Leuten, unter denen für nicht wenige homophobe Überzeugungen zur kulturellen Grundausstattung gehören, Schuld daran, dass sich Hape Kerkeling als schwuler Mann „tagtäglich“ in Italien diskriminiert fühlt.
Jetzt auf einmal geht dem Hagiographen ein Seifensieder auf, was die größte Leistung für einen so großen Künstler wie Hape Kerkeling ist, nämlich nicht die größte, sondern unter all seinen Rollen die kleinste Rolle zu spielen, nicht mehr die anderen, die Großen und Übergroßen und Mittelgroßen zu imitieren, zu persiflieren, sondern ganz man selbst zu sein. Hape, der Rechtsextremismus-Experte. Weniger war noch nie von ihm verlangt, doch er meistert die Herausforderung bravourös, nichts belegen, nur behaupten zu müssen, jedes Wort ein Schlag.
Da trifft es sich gut, dass die Linke in Erfurt gerade die AfD verbieten will, wie die SED das Neue Forum, aber die Linke ist ja die SED. In Erfurt im Landtag veranstaltet die SED-Linke deshalb ein Tribunal, das einen Titel trägt wie ihn Horst Schlämmer nicht besser hätte erfinden können: „Einleitung eines Parteiverbotsverfahrens gegen die AfD Antrag der Fraktion Die Linke – Drucksache 8/1034“.
Viele, viele Voll-, Halb- und gar nicht Prominente sollen sich dazu äußern. Fachkräfte wie die Gesellschaft für Freiheitsrechte e.V. (Valentina Chiofalo/Dr. Bijan Moini), denen das Kunststück gelang einen KI-generiertes Gutachten zur Klamauk Nummer zu machen, wie es Horst Schlämmer nicht besser hätte hinbekommen.
Doch der eigentliche Sinn der Anhörung besteht darin, Hape Kerkeling als Experten für Rechtsextremismus auftreten zu lassen. Hatte er doch als Horst Schlämmer schon als neues Wappen der Bundesrepublik Deutschland den Bundeshasen (Hasenpower für Deutschland) vorgeschlagen.
Und umso mehr sich Hape Kerkeling in seiner Rolle als Experte für Rechtsextremismus, als Politkommissar der Antifa einfühlt, umso mehr er sich vom Humor befreit und Hape Kerkeling zum Genossen Hans-Peter Wilhelm Kerkeling wird, umso mehr es Bodo Ramelow, Heidi Reichinnek und Ikkimel gelingen, Deutschland zur Zoten und Clownsrepublik zu machen, umso wahrscheinlicher wird, dass Horst Schlämmer Bundeskanzler wird und Hans-Peter Wilhelm Kerkeling Bundespräsident. Als Eignungsvoraussetzung wird nur noch verlangt, sich als Experte für Rechtsextremismus dargestellt zu haben, das Land nicht im Lachen zu einen, sondern durch Ideologie zu spalten.
Es ist Frank-Walter Steinmeier gelungen, das Amt so zu entwerten und so zu minimieren, dass auch Hape Kerkeling es annehmen kann, wenn die Brandmauereinheitspartei es will. Hinter der Brandmauer wiegt das Wort von Heidi Reichinnek mehr als von Friedrich Merz.
Die staatspolitische Weihe hat Kerkeling bereits erhalten. Bei der „Power List 2026“ von WELT, Politico und Business Insider überreichte ihm Bundesfamilienministerin Karin Prien einen Sonderpreis für Zivilcourage. Ausgezeichnet wurde seine Rede zum 81. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald, in der Kerkeling an seinen dort inhaftierten Großvater Hermann erinnerte und vor einer Gefährdung der Demokratie warnte. Prien erhob den Komiker in ihrer Laudatio zum gesellschaftlichen Vorbild, dessen Wort weit über die Unterhaltung hinaus Gewicht besitzen würden. Die Republik hat damit den nächsten Schritt vollzogen: Aus Horst Schlämmer wird eine moralische Autorität, aus dem Entertainer ein politischer Wegweiser und aus „Ich bin dann mal weg“ die Ankündigung, dass Hape Kerkeling nun überall dort auftaucht, wo die Brandmauer nach prominenter Beglaubigung verlangt.
Der Hagiograph, mittlerweile schwer schizophren und in psychologischer Betreuung, vermag, nachdem er alles Material gesichtet hat, nur einen einzigen Satz für die Hagiographie zu schreiben: „Man hätte den Jungen wirklich an die frische Luft bringen sollen, dann wäre er dem ganzen wohl ferngeblieben.“


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