Wie für die Grünen plötzlich Frauen zum Problem geworden sind

Grüne Männer entdecken sich selbst – und lösen Panik aus, weil sie plötzlich mehr sein wollen als Problemfälle mit Bart. Das zeigt, wie sehr der Feminismus es mit dem Männerhass übertrieben hat. Das Pendel schwingt zurück.

picture alliance / Jörg Carstensen | Joerg Carstensen

Die Grünen haben einen sensationellen Fund gemacht: den Mann. Und zwar diesmal nicht als Täter, als gesellschaftliche Problemzone, als unwillkommener Restposten des Patriarchats oder als wandelnde Strukturgewalt – sondern als Adressat politischer Werbung.

Eine Gruppe grüner Bundes-, Landes- und Europapolitiker hat ein Manifest vorgelegt. „Starke Männer übernehmen Verantwortung – Eine Einladung für moderne Männlichkeit“ heißt es. Darin wird zarte Selbstkritik am grünen Feminismus geübt. Die Partei, das steht da tatsächlich, habe viel und lange erklärt, was Männer nicht sein sollen: nicht dominant, nicht zu ehrgeizig, auf keinen Fall gewalttätig oder sonst irgendwie unterdrückend. Dabei habe man vergessen, ein Angebot zu machen, was Männlichkeit stattdessen sein kann.

Für grüne Verhältnisse ist dieser Gedanke ungefähr so unerhört wie ein Spanferkel-Grillfest auf dem Firmenparkplatz eines Sportwagenhändlers. Das kann nicht gutgehen, hat man sich gedacht.

Und es ist nicht gutgegangen.

Panik im Partei-Patriarchat

„Das ist nicht unser Männerbild.“ Sofort kam heftige Kritik aus der grünen Bundestagsfraktion. Die Debatte sei „neben der Spur“. Das wichtigste Argument jedoch lautet: Das Papier sei vor den Wahlen im Herbst „fatal“, weil es Frauen abschrecke.

Das schreit geradezu nach zwei Kommentaren.

Der erste Kommentar dürfte alle grünen Feminismus-Fetischisten freuen. Der zweite Kommentar dürfte derselben Gruppe den Puls auf 180 treiben. Mindestens.

Also erstens: Bitte erschrecken Sie jetzt nicht, lieber Leser, aber die Kritikerinnen des grünen „Männer-Manifests“ – es sind ja fast nur Kritikerinnen – haben recht.

Jahrelang, ach was, jahrzehntelang haben die Grünen aller Parteien ihre ideologischen Abonnenten mit feministischen Pseudo-Gewissheiten traktiert. Unzählige gehirngewaschene Frauen, vor allem jüngere, haben die Grünen gerade deshalb gewählt, weil nach Joschka Fischer dort der Mann nur noch in einer maximal domestizierten, maximal devoten und maximal weichgespülten Variante geduldet wurde: chronisch schuldbewusst, nachdenklich-zögernd statt zupackend, vom Temperament her introvertiert und in der Rhetorik gendersicher.

Früher hätte man gesagt: ein Softie. Oder auch: ein Lappen.

Und jetzt das? Ein Papier, das den Mann aus der pädagogischen Quarantäne entlässt? Ein Papier, das körperliche Fitness, charakterliche Stärke und klare Orientierung nicht mehr reflexhaft zu Symptomen der barbarischen patriarchalischen Unterdrückung erklärt? Und das Ganze auch noch von grünen Männern? Da zuckt es im Milieu der Männerverächterinnen.

Zu recht. Denn aus der Perspektive der Grünen stimmt es ja: Ein anderes Männerbild wird viele Frauen verschrecken. Doch das – und damit wären wir beim angekündigten zweiten Kommentar – liegt an einer Wahrheit, der sich vor allem junge Frauen mit unfassbarer Sturheit verweigern:

Das grün-linke Milieu hat normale Männer längst verschreckt.

Man(n) wählt woanders

Nicht erst bei der Bundestagswahl 2025 ist ein riesiger Geschlechtergraben sichtbar geworden.

AfD, Union und FDP haben bei Männern stark abgeschnitten – Grüne, SPD und „Linke“ bei Frauen. Die „Forschungsgruppe Weltanschauungen“ (Fowid) fasst das so zusammen: Jüngere Frauen wählten stark links, dagegen gaben sensationelle 27 Prozent der jüngeren Männer ihre Stimme der AfD. Der Mann ist also nicht weg. Er wählt nur woanders.

Männer sind in der grünen Blase das, was Kanarienvögel in Kohleminen sind: Sie zeigen an, wenn die Luft giftig wird.

Und die Luft ist giftig. Teilweise ist sie schon letal – nicht nur in den grünen Parteibüros, sondern in weiten Teilen der grün-links beherrschten Institutionen und sogar vieler Unternehmen. Die meisten Universitäten, auch die meisten Schulen, die Medien und die Verwaltung: Sie alle haben den zeitgenössisch feministischen Generalverdacht gegen alles Männliche übernommen und ein Organisationsprinzip daraus gemacht.

Nach dem Vorbild der Grünen behandelt unsere Gesellschaft Männlichkeit sukzessive nur noch als zu therapierende Krankheit.

Morsche Meritokratie

Vor diesem Hintergrund fahren die meisten westlichen Gesellschaften unter dem Deckmantel einer angeblichen Förderung von Frauen in Wahrheit ein Programm zur systematischen Behinderung von Männern.

Und das vordergründig zentrale Instrument ist die Quote.

Angeblich sorgt die Geschlechterquote dafür, dass Frauen gegenüber gleich qualifizierten Männern bevorzugt werden – so lange, bis genauso viele Frauen wie Männer in den betroffenen Jobs sind. Das wäre schon ein bizarr fragwürdiger Ansatz, wenn die Begründung stimmte. Denn so etwas wie historische Gerechtigkeit gibt es nicht, genauso wenig wie historische Schuld.

Gänzlich irre wird der Ansatz, weil die Begründung gar nicht stimmt. Sie ist eine Lüge. In Wahrheit bevorzugt die Geschlechterquote Frauen gegenüber BESSER qualifizierten Männern. Der Feminismus segelt hier komplett moralfrei unter falscher Flagge (wie Piraten das eben tun).

Jede Quote nach anderen als Leistungskriterien bedeutet eine systematische Abkehr vom Leistungsprinzip. Keine Frage, die Meritokratie ist nicht perfekt. Sie ist niemals perfekt umgesetzt worden und wird niemals perfekt umgesetzt werden – einfach, weil nichts perfekt ist, was Menschen machen. Aber wir geben ja auch das Streben nach Wahrheit nicht auf, nur weil wir die Wahrheit nie erreichen werden und uns ihr immer nur annähern können. Genauso wäre es schlichter Wahnsinn, das Leistungsprinzip ganz offiziell aufzugeben, nur weil wir es nicht perfekt umsetzen können.

Das Leistungsprinzip ist die gedankliche Grundlage unserer Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung. Über die Quote hat der Feminismus es beinahe schon geschafft, diese Grundlage zu zertrümmern.

Fatale Feminisierung

Viel schlimmer als die formale Ausrichtung unserer Institutionen an feministischen Vorgaben ist die erzwungene Dominanz weiblicher Codes.

Das wird gern absichtlich missverstanden. Es geht nicht um Frauen im Beruf und in der Politik generell. Frauen arbeiten, führen, gründen, entscheiden, tragen Verantwortung. All das ist selbstverständlich. Nicht selbstverständlich und sogar ausdrücklich schädlich hingegen ist die moralische Überhöhung von allem, was weiblich ist – und die moralische Herabsetzung von allem, was männlich ist.

Nach dieser feministischen Lesart ist Harmonie immer besser als Streit. Prozesse sind immer wichtiger als das Ergebnis. Gesprächskultur ist immer wertvoller als hierarchische Entscheidungen. Gefühle stehen immer über den Fakten.

Diese Feminisierung unserer sozialen, politischen und ökonomischen Kultur ruiniert die westliche Zivilisation.

Die US-Autorin Helen Andrews beschreibt die Entwicklung als „The Great Feminization“ – die große Feminisierung. Ihre These lautet: Das, was heute unter „Wokeness“ läuft, besteht wesentlich darin, möglichst allen Institutionen weibliche Wertvorstellungen aufzuzwingen: Empathie schlägt Rationalität, Sicherheit schlägt Risiko, Zusammenhalt schlägt Wettbewerb.

Das erklärt ganz gut, warum so viele Institutionen inzwischen daherkommen wie ein endloses Konfliktvermeidungsseminar mit Diversity-Regeln. Auch dazu, warum sich dieser Unfug so flächendeckend durchsetzen konnte, gibt es ein paar sehr interessante Erklärungen. Doch das ist ein Thema für einen anderen Text.

In den unproduktiven Teilen der Gesellschaft – Politik, Universitäten, Schulen, Verwaltung – hat sich das woke Virus rasend schnell ausgebreitet. Das war zu erwarten. Weniger zu erwarten war, wie willfährig, jedenfalls in Deutschland, auch Großunternehmen das Knie vor den neuen Herrinnen beugen.

Überall dort, wo es eine HR-Abteilung gibt („Human Resources“), bietet sich inzwischen dasselbe Bild: Es wird nicht entschieden, sondern moderiert. Die Personalabteilung verwaltet nicht Arbeitsverträge, sondern Befindlichkeiten. Das Meeting löst kein Problem, es erzeugt ein Folge-Meeting, in dem ausgewertet wird, ob sich alle beim ersten Meeting gesehen fühlten. Die klare Ansage gilt als Härte, der Wettstreit gilt als toxisch, die Niederlage gilt als traumatische Erfahrung, Chefs (sogar Chefinnen) gelten insgesamt als Gefahrenquelle für die mentale Gesundheit, und Hierarchie gilt als Zumutung.

Im angelsächsischen Sprachraum gibt es für die Hohepriesterinnen dieser Ideologie mittlerweile einen stehenden Begriff: Man nennt sie „HR-Ladys“.

Die „HR-Ladys“

Das ist inzwischen die universale Umschreibung für Mitarbeiterinnen, die in unproduktiven Abteilungen arbeiten – aber gleichzeitig mit Befugnissen ausgestattet sind, mit denen sie die wertschöpfenden, produktiven Bereiche einer Firma lahmlegen können (und es nur allzu oft auch tatsächlich tun).

Die Begründung dafür ist immer die gleiche: Man wolle die „Unternehmenskultur“ so ändern, dass Frauen sich im Betrieb „mehr willkommen“ fühlen. So könne man den Frauenanteil in der Belegschaft erhöhen. Das mag funktionieren oder auch nicht. In jedem Fall kommt ein eigentlich doch naheliegender Gedanke dabei zu kurz.

Ja: Vielleicht zieht man Frauen an. Vielleicht. Aber: Ganz sicher schreckt man Männer ab.

Man sollte das einmal genauer untersuchen. Ich stelle hier die These auf, dass der Niedergang der deutschen Wirtschaft maßgeblich mit der Feminisierung der Arbeitsumfelder zusammenhängt. Unser größtes Problem ist inzwischen die toxische Weiblichkeit. Wer mich widerlegen will, möge das versuchen. Der Kommentarbereich ist ja offen. Ich bin sehr gespannt.

Die Feminisierung schreckt Männer ab – vor allem jene, die kompetitiv, ergebnisorientiert und leistungsbereit sind. Sie wollen bauen, verkaufen, entwickeln, führen, riskieren, gewinnen, verlieren und wieder antreten. Sie wollen nicht jeden Konflikt in einem „Safe Space“ narkotisieren. Sie wollen nicht für jede klare Entscheidung vorab ein emotionales Brandschutzgutachten einreichen. Sie wollen nicht in Organisationen arbeiten, in denen Entschlossenheit und Ehrgeiz als Gewaltfantasien bewertet werden.

Das Bestreben, alle Arbeitsplätze attraktiver für Frauen zu machen, hat unendlich viele Arbeitsplätze unattraktiv für Männer gemacht. Nicht durch die Frauen selbst, sondern durch diesen nervtötenden feministischen Organisationsstil, der das Männliche so lange abschleift, bis nur noch der unauffällige Konsensmann ohne Eigenschaften übrigbleibt: ohne Kanten, ohne Wagemut, ohne Libido.

Diesen Mann – und nur diesen Mann – wollen die grün-linken Damen aller Parteien züchten. Er passt ideal in eine politische Kultur, die Männer nicht abschaffen muss, weil sie sie entkernt.

Orientierungslose Jungs

Was die Frauen mit ihrer geschlechterpädagogischen Dauermahnung erreichen, zeigt sich an den Schulen.

Junge Männer treten auf, als sei ihr Dasein eine historische Gruppenstrafarbeit. Wer als junger Mann nach Stolz, Leistung, Wettbewerb, Technik, Risiko, Unternehmertum und robuster Freiheit strebt, muss entweder in Sensibilitätsschulungen – oder er ist gleich ein kleiner Andrew Tate.

Aber so degenerierte Rollenvorbilder suchen sich Jungs ja nur, weil ihnen andere, brauchbare Rollenvorbilder fehlen.

Ich will niemandem zu nahe treten, wirklich nicht. Aber bei allem Respekt: Der grüne Bundestagsabgeordnete Anton Hofreiter oder der grüne Parteivorsitzende Felix Banaszak taugen nicht zur Vermittlung eines positiven Bildes von moderner Männlichkeit. Banaszak versucht sich mit der Formel, man könne ins Fitnessstudio gehen oder sich die Fingernägel lackieren, Lastenrad fahren oder BMW X3 – entscheidend sei, „kein Arschloch“ zu sein.

Das ist als politisches Programm immerhin ehrlich: Die Grünen bieten dem Mann keine Freiheit an, sondern eine Hausordnung.

Das feministische Männerbild macht junge Männer orientierungslos, weil es Männlichkeit als Risiko behandelt, das gestutzt werden muss – und nicht als Energie, die in positive Bahnen gelenkt werden kann. Und dann wundert man sich, wenn junge Männer ihre Vorbilder nicht mehr in Parteien, Schulen und Leitmedien suchen, sondern bei Muskel-Influencern, auf Kampfsportkanälen, bei Krypto-Predigern, bei islamistischen Hasspredigern und bei irgendwelchen Social-Media-Ersatzvätern mit Sonnenbrille.

Pendulum

Der Aufstand der grünen Männer ist totgetreten, bevor er überhaupt so richtig angefangen hatte. Einerseits.

Andererseits ist es ein Vorgeschmack auf etwas Größeres. Die Feminisierung unserer Gesellschaft ist überdreht. Der Feminismus hat in vielen Milieus gewonnen. Er hat Sprache, Institutionen, Personalpolitik und Moral auf seine männerfeindliche Verdachtslogik verpflichtet. Doch jede Kraft erzeugt eine Gegenkraft.

Die Grünen merken das zuerst, weil sie das Wuhan-Labor dieses Virus sind. Bei ihnen wurde der Mann am gründlichsten dekonstruiert. Plötzlich stellen sie fest, dass sie vielleicht die Frauen gewonnen haben – aber die Männer verloren. Immer mehr Männer sagen zu dieser Ideologie nicht nur an der Wahlurne: Danke, ohne uns.

Das Pendel schwingt zurück. Nicht ein bisschen. Sehr weit, denn das macht ein Pendel so. Das wird kein Spaß, und ich freue mich überhaupt nicht darauf. Aber es wird passieren.

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