Hunderte Schiiten huldigen Hisbollah-Chef Nasrallah und Revolutionsführer Chamenei

Die Hitze konnte ihnen nichts anhaben. Hunderte Muslime versammelten sich zu einem religiös-politischen Marsch durch die Berliner Mitte. Die Politik erregt sich über Kinder in der Sommerglut. Die Sprengkraft dieser Prozession lag an einem ganz anderen Punkt.

picture alliance / Anadolu | Ilkin Eskipehlivan
Schiitische Muslime versammeln sich am Berliner Dom zum Aschura-Marsch, 27.06.2026

Sengende Hitze über Berlin. Aber das konnte die Anhänger einer bestimmten Religion nicht davon abhalten, ihren Glauben auf den Straßen und Plätzen der Stadt zu zelebrieren. Diese Darbietungen und Prozessionen sind nicht mehr ganz unbekannt in westlichen Ländern. Trotzdem scheinen sie die Behörden immer aufs Neue vor schier unlösbare Probleme zu stellen. Früher gab es Fronleichnam und Wasserweihe. Heute heißen die wichtigen aber oft nur quasi-religiösen Umzüge in Berlin Al-Quds-Tag und Aschura-Tag.

Am Samstagnachmittag fand die Prozession statt, zwischen Schlossplatz und Tiergarten, wie man auf den Bildern sehen kann. Das ergab Bilder aus feinster Repräsentationsarchitektur. Unmittelbar anschaulich wird so: Das war ein Marsch durchs alt-neue Berliner Regierungsviertel.

Rund 400 Teilnehmer sollen sich zusammengefunden haben, die meisten davon in Schwarz gekleidet, die Frauen durchweg im Hidschab verhüllt. In der Mitte Berlins begingen sie den Aschura-Tag, den höchsten Feiertag des schiitischen Islam, dessen Anhänger vor allem im Iran und im Libanon leben. Berichtet wird neben vielen islamistischen Teilnehmern auch von Aktivisten aus der linksislamistischen Szene, was in der Tat dasselbe in Grün wäre.

Nationale und islamische Fahnen zuhauf

Sicher ist: Religiöse Inbrunst war nicht die einzige Botschaft dieses Umzugs. Ja, es gab sie, die jungen Männer, die sich etwas unroutiniert auf die Brust schlugen – eine rituelle Selbstgeißelung darstellen wollend. Aber daneben gab es viele politische Inhalte auf dieser angemeldeten Demonstration.

So mangelte es nicht an ehrerbietigen Adressen an den früheren Revolutionsführer im Iran, Ali Chamenei. Auch der frühere Führer der Hisbollah, Hassan Nasrallah, wurde von den Teilnehmern mit Rufen geehrt – Personen, die Kritikern als „Ikonen des islamischen Terrorismus“ gelten, denn der geht seit vielen Jahren vom Teheraner Regime aus. Auch die Hisbollah erfährt seit ihrer Gründung im Jahr 1982 Unterstützung aus Teheran. Die Hisbollah ist und bleibt ein Geschöpf der Mullahs in Teheran.

Auch Fahnen verschiedener Nationen wurden geschwenkt, darunter die der Türkei, des Irans und jene des Libanons, auch die der Entität „Palästina“. Ebenso waren die „schwarzen Fahnen des Islam“ mit dem Glaubensbekenntnis in arabischer Schrift zu sehen. Diese Fahne wird auch von der Terror-Organisation IS verwendet. Und hier nur zur Klarstellung: Auch Sunniten begehen den Aschura-Tag. So rief die türkische Religionsbehörde Ditib am 19. Juni zum Fasten und gegenseitigen Kennenlernen auf. Das Verteilen einer bestimmten Süßigkeit stärkt demnach „das Teilen, die Solidarität und die Hilfsbereitschaft in einer Gesellschaft“.

Gefesselte Kinder als „islamistisches Schauspiel“

Makaberer Höhepunkt der Prozession – zumindest aus Sicht deutscher Medien – war eine Kindergruppe, die an den Händen gefesselt ein Schauspiel aufführen sollten. Man sieht, wie sie mit Wasser übergossen werden, damit sie die Kombination aus hohen Temperaturen und Sonneneinstrahlung aushalten. Glücklich sehen sie nicht aus, darunter auch einige verschleierte Mädchen, die allerdings ein bis zwei Köpfe größer sind als die Jungen.

Später wurde das Seil offenbar losgeknotet, die Kinder hielten es nun in den Händen. Das könnte schon eine Forderung der Polizei gewesen sein, die den Auftritt der „versklavten“ Kinder am Ende ganz unterband – offenbar „wegen der gewaltverherrlichenden Darstellung“, wie der Tagesspiegel berichtet.

Das Jüdische Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus e.V. (JFDA), das Aufnahmen des Marsches veröffentlichte, sah den Kinderaufmarsch als „eine Inszenierung, die politische Botschaft, religiöse Symbolik und Einschüchterungsästhetik miteinander verband“, ein so das JFDA „islamistisches Schauspiel“ im Kleinen, das sicher mit der großen Botschaft des Gesamt-Umzuges zusammenhing.

Islam greift auf Gesellschaft aus

Im politischen Berlin sorgte vor allem dieser Kindermarsch für Erregung. Innensenatorin Iris Spranger sprach von einer „Funktionalisierung und Instrumentalisierung von Kindern auf Versammlungen“, wobei „durch emotionale Bilder politische Botschaften“ gesendet würden. Kinder bei extremer Hitze auf Demonstrationen vorzuführen, das habe nichts mit freier Meinungsäußerung zu tun, „sondern mit einer Gefährdung des Kindeswohls“, erfährt man. Damit ist es aber nicht getan, ein wichtiger Punkt wird in dem Spranger-Statement allenfalls gestreift. Die Gefahr für das Gemeinwesen geht über dieses Detail des Berliner Aschura-Marsches hinaus. Sie liegt im gesellschaftlichen Machtanspruch des Islams, die sich hier ausdrückt.

Für den Sonntagabend um 18 Uhr wurde nun noch eine „Gedenkversammlung für Imam Hussein – Symbol für Gerechtigkeit, Menschenwürde und gesellschaftliche Verantwortung“ angekündigt, und zwar an der Straße des 17. Juni am S-Bahnhof Tiergarten. Hussein gilt als Enkel Mohammeds und dritter Imam der Schiiten wie auch als „Herr der Märtyrer“. Die Schlacht bei Kerbela, in der dieser „Imam“ im Jahr 680 starb, gilt als wichtiger Markstein der Trennung von Schiiten und Sunniten. Die teils gemeinsame Feier beider Konfessionen in Berlin lässt insofern aufhorchen. Man könnte darin eine Annäherung der sunnitisch-erdoganistischen Türkei und des schiitischen Irans sehen. Unverkennbar ist jedenfalls das Ausgreifen islamischer Vereine auf die Gesellschaft als Ganzes.

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