Fregatten-Kapitän steuert vom Homeoffice

Er sollte junge Offiziere zu Führungskräften formen, stattdessen wurde Konteradmiral Ralf Kuchler intern nur noch „das Phantom" genannt: Der Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr, eine der wichtigsten Kaderschmieden der Streitkräfte, soll über weite Strecken seiner Amtszeit kaum präsent gewesen sein.

picture alliance/dpa | Marcus Brandt

Während EU-Politiker immer wieder vor einem russischen Angriff im Jahr 2029 oder doch erst 2030 warnen, wird diese Bedrohung bei gewissen Führungskräften der Bundeswehr offenbar nicht ganz so ernst genommen: In den ersten eineinhalb Jahren seiner Tätigkeit an der Akademie in Hamburg war Konteradmiral und Ex-Fregatten-Kapitän Ralf Kuchler nach Recherchen von „The Pioneer“ und BILD nur eingeschränkt greifbar.

Allein im Sommer 2024 soll er etwa acht Wochen, im Sommer 2025 sieben Wochen gefehlt haben – jeweils inklusive seines regulären Jahresurlaubs. Wichtige Termine soll er ausgelassen haben: So erschien er nicht persönlich zur NATO-Konferenz der Leiter militärischer Ausbildungsstätten in Athen im Mai 2025. „Das ist das große Klassentreffen der Top-Leute. Da darf man als Chef eigentlich nicht fehlen“, zitiert BILD einen Insider.

Homeoffice

Auch bei regionalen und nationalen Informationstagen internationaler Lehrgänge blieb er fern, obwohl für den Kommandeur Präsenzpflicht bestehen würde. Kuchler, einst Musterkarrierist und Jahrgangsbester der Akademie, ehemaliger Kommandant der Fregatte „Hamburg“ und Büroleiter des Generalinspekteurs, begründete seine Fehlzeiten intern mit seiner Rolle als Alleinerziehender und mit einer Rückenerkrankung.

Laut Kritikern in der Truppe sei sein Verhalten und Auftreten umstritten. Hinzu kommen Vorwürfe zur privaten Nutzung eines Dienstwagens samt Fahrer: Kuchler soll das Fahrzeug unter anderem für seinen Umzug von Berlin nach Norddeutschland verwendet haben, um private Gegenstände zu transportieren. Ermittelt wird zudem, ob Fahrdienstzeiten des Chauffeurs abgerechnet wurden, obwohl der Admiral im Homeoffice oder anderweitig abwesend war.

Das Verteidigungsministerium bestätigte die internen Untersuchungen nicht offiziell, verwies auf Datenschutz und Persönlichkeitsrechte.

Erst im Sommer 2025 griff Generalinspekteur Carsten Breuer persönlich ein: In einem deutlich formulierten Brief machte Deutschlands ranghöchster Soldat klar, dass die „angemessene Anwesenheit eines Kommandeurs an einer herausgehobenen Dienststelle wie der Führungsakademie unabdingbar“ sei. Dies zeigte offenbar Wirkung: Seitdem soll Kuchler deutlich öfter in der Akademie sein.

In Kürze wechselt der Konteradmiral regulär zum Unterstützungskommando nach Bonn als Leiter des Stabes – eine Querverschiebung ohne Beförderung, die einige als dezente Quittung für sein Verhalten werten.

Die Admiralität der Deutschen Marine

Konteradmiral Kuchler gehört zu einer kleinen Gruppe hochrangiger Offiziere der Marine: Die Deutsche Marine verfügt derzeit über 12 bis 15 aktive Admiräle (Flottillenadmirale, Konteradmirale, Vizeadmirale und einen Admiral). Diese Elite ist für die Führung der 16.000 Marinesoldaten verantwortlich. Ein Konteradmiral (Besoldungsgruppe B7) erhält derzeit etwa 11.900 bis 12.300 Euro brutto pro Monat, bei Kuchler dürfte das Gehalt bei etwa 12.000 Euro liegen. Höhere Ränge wie Vizeadmiral (B9) kommen auf etwa 13.200 Euro, ein Admiral auf bis zu 15.600 Euro.

Anzeige

Unterstützung
oder

Kommentare ( 20 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

20 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
A-Tom
21 Minuten her

Der Mann macht es genau richtig. Als Jahrgangsbester der Akademie wird er nicht auf den Kopf gefallen sein. Er dürfte die gesamte Dienstzeit über gesehen und miterlebt haben, wie die Politik die Bundeswehr zerstört hat und als Spielball missbrauchte, wenn sie sich wieder einmal aus einer selbstverschuldeten Zwangslage herauszuwinden versuchte und an irgendeinem Brennpunkt der Welt Solidarität heucheln musste. Er ist jetzt 56 Jahre alt, da bleiben ihm noch gute 10 Jahre um als Berater für gutes Geld anderswo anzuheuern. Alternativ lässt er seinen Job in Ruhe ausklingen. Als Konteradmiral und der begrenzten Zahl an entsprechenden Stellen in der Marine… Mehr

E.Frei
24 Minuten her

„Fregatten-Kapitän steuert vom Homeoffice“
So wohl nicht unbedingt vorgesehen. Aber in Anbetracht eines gravierenden „Overhead“-Problems der Deutschen Marine, viel zu viele Kapitäne stehen einer stark geschrumpften Flotte gegenüber, ist das fast schon als konsequentes Handeln zu bezeichnen.
Nur 11 Fregatten – da gibt es ja gefühlt schon mehr davon im Bundestag.

Evero
24 Minuten her

Vielleicht wurde er abkommandiert, um Merz hinterherzulaufen und ihm die Krokodilstränen abzuwischen? Ist doch auch wichtig, oder?

Kann auch sein, dass Militärs innerlich gekündigt haben, weil sie täglich sehen, welche verantwortungslose politische Vorgesetzte sie haben. Wer möchte schon gerne gegen die Atommacht Russland von diplomatischen Blindgängern in einen Krieg manövriert werden?

Unsere Regierung ist so doof, die müsste erst mal 2 Jahre in einen Volkshochschulkurs, um diplomatische Regeln von Interessenausgleich und Friedensdividende zu lernen. Diese Luschen legen sich mit dem uns stets friedlich gesinnten Russland an, während uns die US-Regierung nach Strich und Faden abzockt

Last edited 12 Minuten her by Evero
ceterum censeo
29 Minuten her

„…begründete seine Fehlzeiten intern mit seiner Rolle als Alleinerziehender und mit einer Rückenerkrankung.“ „Herr Generalfeldmarschall, wir können die Russlandoffensive nicht starten, da der leitende Divisionskommandeur seine Tochter wickeln muss und außerdem Rücken hat!“

horrex
31 Minuten her

Meine Wahrnehmung:
Es gibt scheinbar mehr „Admiräle“ als Schiffe. –

verblichene Rose
32 Minuten her

Das auf seinem Kopf ist tatsächlich kein Elbsegler, das ist der originale weiße ‚Hubschrauber-Landeplatz‘ auf dem Kopf. Das passt aber auch viel besser zum aktuellen sPD-Verteidigungsministerium: Auf dem Kopf des Admirals ist der Landeplatz zwar startklar, aber er selber wartet im Homeoffice vergeblich darauf, dass mal einer abhebt und Führung zeigt.
Naja, er alleine kann ja keinen Krieg anfangen…

Nobis
1 Stunde her

Der Admiral hat „Rücken“ und muß auch noch seinen Nachwuchs alleine erziehen. Er will in den vorzeitigen Ruhestand. Soll er ihn haben. Ist eh egal.

Franz Reinartz
1 Stunde her

Ich sehe da jetzt wirklich kein großes Problem. Warum sollten Führungskader den alten lateinischen Spruch nicht ein wenig abwandeln dürfen: „Quod licet bovi, non licet Jovi?“ Ist mir auch nicht wirklich unbekannt: Als ich in der sog. Privatwirtschaft arbeitete, stand das Ausrollen einer neuen SW-Verson an. Der Chef war natürlich auch nachts anwesend und hat uns wenigstens ein paar Getränke und Schnittchen auf eigene Kosten servieren lassen. Immer mal wieder die Frage, ob alles o.k. ist. Drei Jahre später im ÖD war der Chef beim Ausrollen einer neuen SW-Version natürlich nach der Kernarbeitszeit nicht vor Ort. Kaum ein müdes Danke.… Mehr

Autour
1 Stunde her

Passt doch wie Faust aufs Auge in die bunte Wehr…
Also wer mit Einhörnern dekorierte Militärfahrzeuge zur Schau stellt… der kann auch Homeoffice Generäle verschmerzen… die ganze Bunte Wehr ist nur noch zum fremdschämen…

Ornhorst
1 Stunde her

8 Wochen Abwesenheit (nicht „gefehlt“) machen abzüglich Urlaub etwa 4 Wochen HO. Heißt 20 Tage, verteilt auf 12 Monate, sind 1 – 2 Tage/Monat. Das ist meiner Meinung nach nicht zu viel.
12 bis 15 Admiräle für wieviele Soldaten? Bloß 16.000? Die haben ein Luxusproblem, oder?