PFAS-Verbot: Die EU reguliert uns zu Tode

Beatmungsgeräte, Inkubatoren, Sicherheitstechnik: alles in Gefahr. Ein Verbot von Poly- und Perfluoralkylsubstanzen (PFAS) könnte 80 Prozent der Produktion des Medizintechnik-Herstellers Dräger unmöglich machen. Die EU reguliert und die Industrie verschwindet.

picture alliance / PRO SHOTS | Toin Damen

In Interviews mit verschiedenen Zeitungen spricht Stefan Dräger, Vorstandschef und Familieneigentümer des Medizintechnik-Herstellers Dräger, über Entscheidungen der EU, die er, sehr höflich, als äußerst problematisch bezeichnet und die ihm und vielen anderen zunehmend Sorgen bereiten.

Ganz besonders problematisch sieht er das geplante EU-Verbot von Poly- und Perfluoralkylsubstanzen (PFAS), den sogenannten Ewigkeitschemikalien. Dräger betont, dass beim Umgang mit diesen Stoffen selbstverständlich größte Umsicht geboten ist, er plädiert aber dafür, dass diese Substanzen, so wie alles andere auch, differenziert betrachtet werden müssten. Sollten die EU-Regulierungen und Verbote wie vorgesehen umgesetzt werden, hätte dies für die Wirtschaft und das Leben in der EU gravierende Folgen. Denn dann müsste nicht nur sein Unternehmen, sondern auch viele andere Unternehmen in der EU müssten ihre Produktion einstellen.

Das bedeutet nicht nur einen weiteren dramatischen Abbau von Arbeitsplätzen, sondern vor allem, dass Produkte mit diesen Stoffen nicht mehr verwendet werden dürften. Das sind beispielsweise Beatmungsgeräte, Inkubatoren oder andere Sicherheitsausrüstungen. In seiner Firma könnten in der Folge etwa 80 Prozent der Produkte nicht mehr in der EU hergestellt werden. Bei anderen Unternehmen sieht es vergleichbar aus. Auch die medizinische Versorgung ist von diesem Verbot betroffen. Viele Materialien in der Chirurgie und Medizintechnik basieren genau auf diesen Kunststoffen.

Für bestimmte Poly- und Perfluoralkylsubstanzen (PFAS), insbesondere langkettige Polymere, gibt es derzeit keine Alternativen. Die OECD hat diese als unbedenklich und als notwendig eingestuft. Das hindert die EU allerdings nicht, in ihrem öko-sozialistischen Weltrettungsfuror auch das zu regulieren. Zwar soll es eine Übergangszeit von achtzehn Monaten geben, die sei aber viel zu kurz bemessen, da Entwicklung und Zulassung von Ersatzstoffen, so es denn überhaupt welche gibt, Jahre dauern. Dräger kritisiert den fehlenden Sachverstand der EU-Behörden und fordert eine differenzierte Regulierung. Auch spricht er sich dafür aus, dass die Nutzung dieser Produkte weiterhin erlaubt sein solle. Beispielsweise in geschlossenen Systemen mit Rücknahmeverpflichtung.

Dräger weiß aber selbst, dass die Chancen, dass sich an diesem Entwurf noch etwas ändern werde, nicht existieren. Die Initiative gehe von Ländern wie Deutschland, den Niederlanden und skandinavischen Staaten aus und werde von nachgeordneten Behörden ohne ausreichende politische Kontrolle und Sachverstand vorangetrieben. Eine Zustimmung des EU-Parlaments, sonst das demokratische Feigenblatt der EU, müsse (oder darf) in diesem Falle nicht darüber abstimmen.

PFAS ist eine Gruppe von über 10.000 synthetischen Chemikalien. Sie sind extrem stabil, wasser-, fett- und schmutzabweisend. Sie werden benötigt, um Schläuche, Dichtungen, Membranen und elektronische Bauteile in medizinischen und sicherheitstechnischen Geräten widerstandsfähig, hitzebeständig und dicht zu machen. Für viele dieser hochsensiblen Anwendungen gibt es laut Dräger derzeit keine technisch gleichwertigen Ersatzstoffe.

Der EU-Kommision mangelt es zwar an demokratischer Legitimation, nicht aber an Ehrgeiz. Bei allem, was diese Kommission anfasst, geht es um das ganz Große. Mindestens aber um die Rettung der Welt, des Planeten und bald auch noch des Sonnensystems. Rückschläge, verursacht durch das eigene präpotente Handeln, sind der Kommission und ihrer Präsidentin nur Ansporn, weiter mit den selben Köpfen gegen die immer gleiche Wand zu rennen. Innezuhalten und einen Schritt zurückzugehen und das eigene ideologische Treiben zu hinterfragen, ist der EU und ihrer Kommission, aber auch den meisten Politikern der EU-Länder, nicht gegeben. Jede Kritik an ihrem Wirken ist für sie Bestätigung, dass sie alles richtig machen und der Kampf gegen die Kritiker verschärft werden solle. Also erfinden sie immer neue Regulierungen und Verbote, die dann durch immer mehr bürokratische Auflagen überwacht werden.

Erst wenn die letzte Firma ihre Tore in der EU geschlossen, der letzte Landwirt seinen Hof aufgegeben und der letzte Forscher das Licht seines Labors ausgeschaltet hat, werden die Menschen zumindest in der EU bemerken, dass man Verbote und Regulierungen nicht essen kann.

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