Merz und Schwarz-Rot stürzen auf neue Tiefstwerte

Friedrich Merz und Schwarz-Rot verlieren selbst in den eigenen Reihen den Rückhalt und sind so unbeliebt wie nie. Die neuen Insa-Zahlen zeigen kein Warnsignal mehr, sondern einen offenen Vertrauensbruch bis tief ins Lager der Regierungsparteien.

picture alliance / dts-Agentur

Mit Friedrich Merz im Kanzleramt ist nicht einmal ein Jahr vergangen, und schon steht die Regierung politisch da wie eine Koalition im Endstadium. Die neuen Insa-Zahlen sind für Merz und Schwarz-Rot ein vernichtendes Zeugnis. 70 Prozent der Wahlberechtigten sind mit der Arbeit des Kanzlers unzufrieden. Nur 21 Prozent sind zufrieden. Spötter fragen immer wieder, wer wohl diese 21% sind.

Schlechter waren Merz‘ Werte seit dem Amtsantritt im Mai des vergangenen Jahres nie.

Noch härter fällt das Urteil über die gesamte Koalition aus. 73 Prozent der Befragten sind mit Schwarz-Rot unzufrieden, nur 20 Prozent zufrieden. Auch das ist ein neuer Negativrekord.

Damit ist die Lage klarer, als es jeder Regierungssprecher je einräumen würde. Diese Koalition ist nur noch eine Belastung. Sie hat in kürzester Zeit bestätigt, dass sie weder Richtung noch Kraft noch Bindung an die eigenen Wähler besitzt.

Ein besonderes Bonbon für Merz ist dabei nicht nur die Wucht der Ablehnung, sondern ihr Ort. Selbst dort, wo Loyalität eigentlich noch tragen müsste, bröckelt der Boden.

69 Prozent der SPD-Wähler sind mit der Arbeit der Koalition unzufrieden. Bei den Anhängern von CDU und CSU sind es 56 Prozent. Das ist mehr als ein Stimmungsproblem. Wenn selbst die eigenen Leute der Regierung nicht mehr über den Weg trauen, dann ist das politische Kapital aufgebraucht.

Auch der Kanzler selbst verliert sichtbar an Rückhalt im eigenen Lager. Nur noch 49 Prozent der Unions-Anhänger sind mit Merz zufrieden. Bei den SPD-Wählern kommt er gerade einmal auf 28 Prozent Zustimmung. Ein Kanzler, der nicht einmal mehr jeden zweiten Anhänger der eigenen Partei überzeugt, ist kein Machtpol, sondern ein Mann im Amt, dessen Autorität schon während der laufenden Amtszeit erodiert. Dabei hat Merz doch sämtliche Union-Positionen für die SPD schon über Bord geworfen. Vielleicht noch CDU-Wirtschaftsministerin Katherina Reiche auf den letzten Metern als Opfer in den Umfragevulkan werfen, in der Hoffnung, es wird noch ein paar Wochen nützen. Man wird sehen, wie tief die Verzweiflung diesen Mann noch treibt.

Besonders desaströs ist die Lage im Osten. Dort sind lediglich 12 Prozent mit der Politik von Merz einverstanden, 80 Prozent sind unzufrieden. Das ist kein regionaler Schönheitsfehler, sondern ein politischer Offenbarungseid. Ein Kanzler, der in einem großen Teil des Landes praktisch nicht mehr anschlussfähig ist, regiert zwar formal das ganze Land, politisch aber nur noch gegen weite Teile davon.

Insa-Chef Hermann Binkert trifft den Kern entsprechend nüchtern und gerade deshalb umso härter. Selbst die Wähler der Regierungsparteien seien mehrheitlich unzufrieden mit der Bundesregierung, und selbst der Kanzler überzeuge nur noch jeden zweiten Unionswähler. Dass es Merz und der Koalition gelinge, diesen Trend grundsätzlich zu drehen, sei unwahrscheinlich. Mehr muss man über den Zustand dieser Regierung kaum noch sagen.

Parallel dazu bleibt die Lage im Sonntagstrend für die Koalition ebenso unerfreulich. Die AfD liegt unverändert bei 26 Prozent und bleibt damit stärkste Kraft. Dahinter folgt die Union mit 25 Prozent. Die SPD kommt auf 14 Prozent, die Grünen auf 13. Die Linke liegt bei 10 Prozent, FDP bei 3, BSW bei 4, sonstige Parteien bei 5 Prozent. Die Verschiebungen im Einzelnen mögen klein sein. Die Gesamtlage ist es nicht. Die Regierung regiert in einem Klima wachsender Abstoßung, während die stärkste Oppositionskraft ihren Vorsprung behauptet.

Das eigentlich Verheerende an diesen Zahlen liegt jedoch tiefer. Merz war einmal mit dem Anspruch angetreten, die Union zu stabilisieren, den bürgerlichen Raum zurückzugewinnen und dem Land nach Jahren des Ampelverschleißes wieder Richtung zu geben – und die AfD zu halbieren. Übrig bleibt davon in dieser Umfrage gar nichts.

Diese Zahlen markieren den Punkt, an dem die Erzählung von der neuen Stabilität offen kollabiert. Schwarz-Rot ist für die Wähler nun Fortsetzung des politischen Verschleißes unter anderem Namen. Und Merz, der als Gegenfigur zum erschöpften Regierungsbetrieb auftreten wollte, wird nun selbst zum Gesicht genau dieser Erschöpfung.

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Kommentare ( 5 )

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Ohanse
1 Stunde her

Jeder Zirkusclown hat bessere Umfragewerte. Auch schon wieder lustig.

Chrisamar
1 Stunde her

„Es gibt keine größere Bedrohung für die Zivilisation als eine Regierung inkompetenter, korrupter oder niederträchtiger Menschen“ Ludwig von Mises (1881 – 1973)

Thomas
2 Stunden her

Deutschlands Schatz war (ist noch) seine Industrie. Die Hidden Champions, die Tüftler, der Mittelstand, die Forschung, die Patente, die gut bezahlten Arbeitsplätze. Das ganze know how.
Während England schon lange de-Industrialisiert ist und nur noch von der Finanzialisierung lebt und Trump versucht die USA zu re-Industrialisieren und versucht die Finanzialisierung der US Wirtschaft zugunsten von Produktion und realer Wertschöpfung zurückzudrängen geht die de-Industrialisierung Deutschlands unter Merz ungebremst weiter.
Was für ein Wahnsinn.

Last edited 2 Stunden her by Thomas
BellaCiao
2 Stunden her

„Dabei hat Merz doch sämtliche Union-Positionen für die SPD schon über Bord geworfen.“ Stimmt.
Jetzt müsste er nur noch sich selbst über Bord werfen.
Zumindest mein Applaus wäre ihm sicher.

Last edited 2 Stunden her by BellaCiao
Alf
2 Stunden her

Diese Koalition ist nur noch eine Belastung. 
Die Bürger werden diese Combo nie wieder wählen.
Und das ist gut so.