Hausdurchsuchungen wegen Lächerlichkeiten, aber Männer nach Schüssen auf Polizisten wieder frei

Zwei Männer randalieren. Einer trägt eine Waffe. Wenig später liefern sie sich mit der Polizei eine Verfolgungsjagd, feuern aus einem fahrenden Auto gezielt auf die Beamten, verursachen einen Unfall, flüchten zu Fuß weiter, verbarrikadieren sich in einem Keller. Nach einem aufwendigen Polizeieinsatz werden sie überwältigt – und wieder freigelassen.

IMAGO / Herrmann Agenturfotografie
Symbolbild

Dass der deutsche Rechtsstaat in manchen Bereichen dysfunktional ist, ist an sich keine Meldung mehr. Im Failed State Berlin schon zweimal nicht. Doch auch hier gibt es Steigerungen. Und zwar mitten in Berlin-Grunewald, eigentlich einem ordentlichen Stadtteil der Hauptstadt.

Zeugen alarmierten die Polizei, dass zwei Männer auf der Straße randalieren würden. Einer hätte eine Schusswaffe. Als Polizeikräfte eintrafen, flüchteten die Männer in einen Kleinwagen. Weitere Anrufer meldeten kurze Zeit später, dass aus dem fahrenden Auto heraus geschossen worden sei. Beim Überholen kommt es zu einer Kollision mit einem anderen Fahrzeug. Die Flüchtigen setzten ihre Fahrt dennoch fort und entzogen sich zunächst der Polizei. Erst zivile Einsatzkräfte konnten die beiden Männer später wieder ausmachen.

Dabei eskalierte die Situation weiter, der Beifahrer, ein später identifizierter 44-Jähriger, feuerte mehrfach gezielt mit einer Faustfeuerwaffe auf die nachfolgenden Beamten. Verletzt wurde niemand. Die Flucht endete schließlich abrupt. Das Fluchtauto prallte gegen einen Laternenmast. Die Insassen sprangen aus dem Auto und versteckten sich im Keller eines Mehrfamilienhauses.

Polizeikräfte umstellten das Gebäude. Die beiden Männer wurden schließlich aufgespürt und überwältigt. Bei der Festnahme leistete der 35-jährige Fahrer erheblichen Widerstand und verletzte eine Polizistin im Gesicht sowie an der Hand so schwer, dass sie ihren Dienst nicht fortsetzen konnte.

Im Fluchtfahrzeug fanden die Beamten eine Schreckschusswaffe. Die Kennzeichen am Auto waren gefälscht, das Fahrzeug wurde sichergestellt. Beide Männer standen unter Alkoholeinfluss.

Verkehrsunfallflucht, Verstoß gegen das Pflichtversicherungsgesetz, tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte, Bedrohung, Sachbeschädigung, Verstoß gegen das Waffengesetz sowie Urkundenfälschung.

Das ist die nüchterne Bilanz eines Polizeieinsatzes am Donnerstagabend im verwahrlosten Berlin. Aber in Berlin des Jahres 2026 ist das anscheinend nicht mehr genug. Nach Blutentnahme und Fingerabdrücken wurden beide Männer auf freien Fuß gesetzt.

Der stellvertretende Berliner Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Thorsten Schleheider, bezeichnete den Vorfall – wenig überraschend – als „besorgniserregend“. Besonders alarmierend sei, dass aus einem fahrenden Auto heraus auf Polizeikräfte geschossen worden sei und es bei der Festnahme zu einem tätlichen Angriff kam. Seine Gewerkschaft habe bereits mehrfach darauf hingewiesen, dass der Einsatz und die Drohung mit Schusswaffen im öffentlichen Raum eine besonders gefährliche Eskalationsstufe darstellten.

Dass ein Staat seine Ressourcen mit der Verfolgung von Menschen wegen Lächerlichkeiten verschwendet, aber bei schweren Straftaten nicht mehr nur verständnisvoll zu sein scheint, sondern fast schon gleichgültig, ist eine neue, mehr als nur Besorgnis erregende Entwicklung.

 

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Kommentare ( 31 )

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yeager
5 Stunden her

„Zwei Männer“ … den Rest kann man sich anhand des Geschehens und der Auslassungen (z.B. der Nennung von Vornamen) dazudenken.

Juergen P. Schneider
7 Stunden her

Die Strafverfolgungsbehörden unterstehen in Deutschland der Exekutive und nicht, wie in Rechtsstaaten üblich, der Justiz. Unsere Richter und Staatsanwälte machen Politik, indem sie für belanglose Häme gegenüber Politikern das ganz große Besteck der Strafprozessordnung auspacken (Hausdurchsuchung). Man will der Exekutive zu Diensten sein, kritische Bürger einschüchtern und pfeift auf verhältnismäßige Rechtsanwendung. Die freiheitlich-demokratische Grundordnung und der Rechtsstaat werden von innen heraus immer mehr ausgehöhlt, gleichzeitig versagen staatliche Institutionen komplett, wenn es einmal darauf ankommt wie in der Corona-Panik-Pandemie. Noch nie seit Bestehen der Bundesrepublik waren die freiheitlich-demokratische Grundordnung und der Rechtsstaat mehr gefährdet als heute.

Dr. Friedrich Walter
9 Stunden her

Vermutlich hatten die beiden Täter eine schwere Jugend. Dafür muß man doch Verständnis haben…! Eine Strafe würde sie nur weiter traumatisieren. Da helfen nur psychologische Streicheleinheiten…! (Satire off)

Schwabenwilli
12 Stunden her

Nun, diese Klein und Groß Kriminellen gehen ja bloß ihrer täglichen Arbeit nach, während die Systemkritiker eine Bedrohung für die herrschende politische Klasse sind. Da muss man schon Prioritäten setzten.

Ralf Poehling
18 Stunden her

Ich sage es immer wieder: Die Polizei allein bekommt das nicht in den Griff.
Die Polizei ist dafür zu steiff und zu reguliert, will das aber nicht wahrhaben.
Das würde sich auch unter CDU Führung (siehe NRW) und selbst unter einer zukünftigen AfD Führung nicht ändern.
In Israel regeln das das Militär und die Geheimdienste.
Und das werden wir hier genauso handhaben müssen.

Nibelung
9 Stunden her
Antworten an  Ralf Poehling

Die Polizei würde es unter Umständen noch in den Griff bekommen, wäre da nicht die Politik, die auf die Führungskräfte großen Einfluß, noch gelinde gesagt ausübt, damit sie nicht die Kreise aller Verbrecher stören können. Außerdem könnte man über Nacht gegen ordentliche Bezahlung viele amtlich bestellten Hilfsheriffe in einzelnen Stadtteilen einführen, was dann mit entsprechenden Vollmachten regional auch was bewirken könnte, und das alles will man garnicht, denn sonst sind die Stimmen weg, was uns widerrum aufzeigt, weit schon die Einflußsphäre der Zugereisten gediehen ist und in Baden-Württemberg wird es gerade bestätigt, daß man mit diesem Annahmen nicht falsch liegt.… Mehr

Ralf Poehling
3 Stunden her
Antworten an  Nibelung

Das ist nicht böse gemeint, aber da muss ich klar widersprechen. Aus Gründen der speziellen Kompetenz wie auch von der formaljuristischen Zuständigkeit her. Die Polizei ist gut bei „normalen“ Straftaten und bei der Bekämpfung von Aufständen. Wir stehen aber seit fast 25 Jahren mit einem Bein im Krieg. Der NATO Bündnisfall ist immer noch in Kraft und die Ausgangslage wird durch Akteure vorangetrieben, die sich fortlaufend zwischen verschiedensten Nationen hin und herbewegen. Denken Sie in dem Zusammenhang an Merkels abgehörtes Telefon und auch an den Fall „Curveball“. Das läuft seit Jahrzehnten auf diesem Niveau und ist ganz klar nicht mehr… Mehr

verblichene Rose
21 Stunden her

Und ich dachte, daß nur die Polizisten in England unbewaffnet sind.

Rob Roy
23 Stunden her

Zwar ist immer wieder die Rede davon, dass 60.000 der insgesamt rund 70.000 Haftplätze seien belegt, was ja auf eine Reserve hindeutet. Aber womöglich sind diese 10.000 Plätze gar nicht belegbar, z.B. wegen Personalmangel oder aus Kostengründen oder wegen schlechten Zustands.
Zudem kann es sein, dass die U-Haft, in der man als Delinquent zunächst landet, überproportional voll ist,

Judith Panther
23 Stunden her

Sollen sie halt normale Menschen zu Polizisten und Richtern machen.
Am besten welche, die auf dem Boden des Grundgesetzes stehen.
Dann passiert sowas auch nicht mehr.

Last edited 23 Stunden her by Judith Panther
MartinKienzle
23 Stunden her

An diesem in dem vorliegenden Artikel genannten Sachverhalt erkennt man abermals, wie das Besatzerkonstrukt BRD funktioniert (https://www.youtube.com/watch?v=hIu80oSC728 ab Minute 3:25): Unterjochung der Deutschen durch den sogenannten „Rechtsstaat“ (https://www.tichyseinblick.de/daili-es-sentials/zoll-kontrolle-tank-touristen/), während selbiger gegenüber Ausländern Milde walten lässt (siehe auch hier https://www.zeit.de/politik/deutschland/2023-03/migration-abschiebungen-scheitern-zwei-drittel-deutschland) – dass jenes Apartheid-Regime zeitnah untergehen wird, versteht jedermann, der es verstehen möchte!

Sozia
1 Tag her

Es gibt eindeutig inzwischen ein Klassensystem in Deutschland. Eingesessene deutsche Bürger sind Kategorie zwei, Einmänner gehören zur ersten Kategorie. Eingeführt hat das System die neue deutsche Linke unter dem Stichwort „Antirassismus“.