Wie das Außenministerium Sanktionen für Vergehen rechtfertigt, die das Außenministerium nicht definieren kann

Die Bundesregierung sagt offen: EU-Sanktionen sollen Menschen „umerziehen“ – bis hin zur Kontosperre. Fragt man nach, wer „Desinformation“ festlegt und nach welchen Kriterien Bürger auf Listen landen, weicht das Auswärtige Amt aus und liefert Floskeln. Das ist brandgefährlich für Meinungsfreiheit und Rechtsstaat.

IMAGO

Rechtsbeugungen beginnen dort, wo bewusst verschwommene Begriffe benutzt werden, die angebliche Straftaten benennen sollen. Da Bürgern, die auf die Sanktionsliste der EU – weshalb auch immer – gesetzt werden, die wirtschaftliche Vernichtung wie die Sperrung der Konten widerfahren kann, fragte ein Journalist in der Bundespressekonferenz den Sprecher des Außenministeriums, Josef Hinterseher, nach dem Sanktionsmechanismus und bekam zur Antwort: „Das ist Teil unserer Politik, das ist gewollt, und da bin ich Ihnen auch dankbar dafür, dass Sie das immer wieder bekannt machen, dass es dieses Sanktionsregime gibt. Denn klar ist: Für diejenigen, die das unterlaufen, muss bekannt sein, dass das Ganze mit Kosten verbunden ist und womit dann zu rechnen ist.“ Und damit nicht genug, fügte Hinterseher, als lebten wir in Orwells „1984“, hinzu „Das Ziel von Sanktionen ist eben explizit eine Verhaltensänderung. Deshalb ist das Signal, das daraus hervorgeht, relativ klar: Dass wir Desinformation als freiheitliche Gesellschaft nicht akzeptieren.“

TE wollte nun ausgehend von den Einlassungen des Außenministeriums von der Bundesregierung u.a. wissen, ob sie es für rechtstaatlich begründet hält, dass Bürger Europas ohne rechtsstaatliche Verfahren auf die Sanktionsliste mit weitreichenden Folgen gesetzt werden? Des Weiteren wollte TE von der Bundesregierung erfahren: „Will die Bundesregierung Bürger erziehen, was zur „Verhaltensänderung“ führen soll, weil ihre Meinungen ihr nicht genehm sind? Wer entscheidet in der Bundesrepublik darüber, was Information und was Desinformation ist? Wie bringt die Bundesregierung die Sanktionierung auf Grund des Vorwurfes von Desinformation in Einklang mit dem Beschluss des Ersten Senats des Verfassungsgerichtes vom 4. November 2009, indem es heißt: „Das Grundgesetz gewährt Meinungsfreiheit im Vertrauen auf die Kraft der freien öffentlichen Auseinandersetzung vielmehr grundsätzlich auch den Feinden der Freiheit.“ Und zum Problem der Desinformation: „Geboten ist eine Fassung der Norm, die in rechtsstaatlicher Distanz gegenüber konkreten Auseinandersetzungen im politischen oder sonstigen Meinungskampf strikte „Blindheit“ gegenüber denen gewährleistet, auf die sie letztlich angewendet werden soll. Sie darf allein an dem zu schützenden Rechtsgut ausgerichtet sein, nicht aber an einem Wert- oder Unwerturteil hinsichtlich der konkreten Haltungen oder Gesinnungen.“ Die Qualifizierung einer Meinungsäußerung als Desinformation stellt aber genau das dar, nämlich ein Wert- oder Unwerturteil hinsichtlich der konkreten Haltungen oder Gesinnungen.

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TE erhielt von der Bundesregierung keine Auskunft, sondern vom Außenministerium – von wem dort oder von einer KI weiß man allerdings nicht, denn entgegen den üblichen Gepflogenheiten trug die Antwort keine Unterschrift. Ansonsten las sich der lange Text wie aus Textbausteinen oder von einer KI zusammengebastelt, denn zu unserem großen Erstaunen erfuhren wir: „Russland führt seit vier Jahren einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine.“ Wir hatten zwar nicht danach gefragt, aber dennoch gut, dass das mal öffentlich gesagt wurde. Auch enthielt das Außenministerium mit der verblüffenden Erkenntnis nicht hinter dem Berg: „Russland setzt gezielt Desinformation ein.“ Um gleich danach mit dem obrigkeitsstaatlichen Statement zu kommen: „Staatlich gesteuerte Desinformation und Informationsmanipulation ist eine Gefahr für unsere freiheitlich demokratische Gesellschaften.“

Wie jeder Leser leicht erkennen kann, mag das alles Mögliche sein, nur keine Antwort auf unsere Fragen. Der oder das Verfasser der Antwort ließ sich jedoch zu folgendem Satz hinreißen: „So lange Russland seinen Angriffskrieg weiter führt und so lange Russland Desinformation und Informationsmanipulation als hybride Mittel gegen unsere demokratischen Gesellschaften nutzt, setzt sich die Bundesregierung dafür ein, dass die EU weiter Sanktionen gegen diejenigen verhängt, die dies unterstützen.“

Das wollten wir nun doch genauer wissen und fragten nach: „Können Sie definieren, was Sie unter „unterstützen“ konkret verstehen? Sie werden auch ohne Recherche einsehen, dass gerade in rechtlichen Fragen eine Definition, der präzise Gebrauch der Begriffe entscheidend ist, und erst recht, wenn es um Grundrechtseinschränkungen geht. Deshalb bitten wir Sie, uns mittzuteilen, welche genauen Kriterien dafür gelten, wann eine Unterstützung russischer Desinformation und Informationsmanipulation vorliegt? Liegt Desinformation bereits vor, wenn man die Position der USA oder Ungarns oder der Slowakei darstellt oder teilt?“

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Das Außenministerium sah sich nicht in der Lage, zu definieren, wann für das Außenministerium der Tatbestand der Unterstützung von russischer Desinformation und Informationsmanipulation vorliegt, es sah sich auch nicht in der Lage, die Frage zu beantworten, ob Desinformation bereits vorliegt, wenn man die Position der USA oder Ungarns oder der Slowakei darstellt oder teilt.

Ohne auf die Fragen einzugehen, beantwortete jemand oder etwas im Außenministerium unsere Bitte nach Klärung der Begrifflichkeit wie folgt: „Unter 3 – Recherchehinweis. Wir verweisen auf unsere Antwort vom 21.02.2026. Wir hatten unter anderem mitgeteilt, dass weitere Informationen zu EU-Sanktionen unter folgendem Link zu finden sind: https://eur-lex.europa.eu/DE/legal-content/glossary/sanctions-restrictive-measures.html. Gerne verweisen wir Sie auch auf weitergehende Informationen zu EU-Sanktionen in Zusammenhang mit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine. Dort finden Sie auch weiterführende Links zu den EU-Rechtstexten, denen Sie entnehmen können, warum Sanktionen in Zusammenhang mit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine gegen Personen oder Entitäten verhängt werden: https://www.consilium.europa.eu/en/policies/sanctions-against-russia/
Eine Übersicht über bestehende EU-Sanktionen und die jeweiligen Begründungen finden Sie unter folgendem Link: https://data.europa.eu/apps/eusanctionstracker/“

Doch der Verweis auf Seiten der EU ist keine Antwort. Deshalb fragten wir erneut nach:

„Die Texte sind bekannt, beantworten aber die Frage nicht. Sie schrieben: „So lange Russland seinen Angriffskrieg weiter führt und so lange Russland Desinformation und Informationsmanipulation als hybride Mittel gegen unsere demokratischen Gesellschaften nutzt, setzt sich die Bundesregierung dafür ein, dass die EU weiter Sanktionen gegen diejenigen verhängt, die dies unterstützen.“ Bleibt bis jetzt nur die Schlussfolgerung, dass das Außenministerium nicht in der Lage ist, den eigenen Text zu erklären und die einfachen Fragen zu beantworten, was das Außenministerium unter „unterstützen“ konkret versteht und welche genauen Kriterien dafür gelten, wann eine Unterstützung russischer Desinformation und Informationsmanipulation vorliegt?“

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Halten wir fest, dass Außenministerium der Bundesrepublik Deutschland vertritt die Ansicht, dass „das Ziel von Sanktionen (…) explizit eine Verhaltensänderung“ ist und deshalb das Signal, das daraus hervorgeht, relativ klar“ ist: „Dass wir Desinformation als freiheitliche Gesellschaft nicht akzeptieren.“ Das Außenministerium möchte Verhaltensveränderung bei Bürgern bewirken, weil diese Bürger russische Desinformation unterstützen, ist aber nicht in der Lage zu erklären, was sie unter einer Unterstützung von russischer Desinformation konkret versteht. Das ist Orwells Welt.

Das Gegenteil von rechtlich genau definierten Tatbeständen sind Gummiparagraphen, unklare Bezeichnungen, die man auf alles, was einem nicht passt, kleben kann. Das Gegenteil von Recht ist Willkür. Wenn das Außenministerium oder die Regierung aus dem Gefühl oder der politischen Opportunität oder der Gesinnung heraus entscheidet, was Information und was Desinformation ist, haben wir keine Meinungsfreiheit, keine Pressefreiheit und eigentlich auch keine Demokratie und keinen Rechtsstaat mehr. Dann misstraut das Außenministerium der „Kraft der freien öffentlichen Auseinandersetzung“, die die sine qua non unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung darstellt.

Aber vielleicht interpretiert man da auch zu viel hinein, und das Außenministerium erprobt gerade den Einsatz von KI zur Beantwortung von Presseanfragen. Immer das Beste denkend schrieben wir deshalb die Pressesprecher des Außenministeriums Kathrin Deschauer, Martin Giese und Josef Hinterseher, namentlich an und erkundigten uns höflich: „da Ihre Antworten nicht namentlich unterzeichnet sind, frage ich Sie: nutzt das Außenministerium KI zur Beantwortung von Fragen von Journalisten?“

Auf unsere höfliche Anfrage erhielten wir bisher keine Antwort – nicht einmal von KI.

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Kommentare ( 13 )

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A-Tom
1 Stunde her

Man schaue sich die Wahlkreise von CDU-Politikern genauer an: Merz, Spahn, Bähr, Wadepuhl, Frey.
Deren Wähler sind vom Lande, die wenigsten haben das Albert-Einstein-Gymnasium von innen gesehen. Die Zeit ist an den Leuten vorbeigelaufen. Die Wahlkreise sind weder Zentren der Wirtschaft noch der Wissenschaft. Einfache Landbevölkerung mit mäßiger Bildung. Und jetzt sind sie alle alt – viel zu alt. Die Wähler der Union sind verkalkt und begreifen nichts mehr. Und sie haben eine eingefleischte Untertänigkeit. Wenn morgen Frau Merkel wieder in Berlin das Sagen hätte (na gut, verstanden hat sie ohnehin niemand), wären diese Leute glücklich.

alter weisser Mann
1 Stunde her

Wenn das Handeln von Regierung und Verwaltung zur Farce wird und an schlechte Historien- oder Fictionwerke erinnert, in denen der verhaftete Verdächtige befragt wird nach dem Motto: „Sie wissen ja, was Sie getan haben und weshalb Sie hier sind.“
Das ist dann wohl der Punkt, an dem wir heute stehen.
Als nächstes kommt dann üblicherweise: „Nun zeigen Sie gefälligst Reue und nennen die Namen der weiteren Beteiligten!“.

Juergen Schmidt
2 Stunden her

Natürlich ist das alles außerhalb geltenden Rechts, und vollständig außerhalb unseres GG. Die garantierten Grundrechte der Bürger werden hier vorsätzlich, gezielt mit Füßen getreten.
Hier hat sich eine Kriminelle Vereinigung vor uns entfaltet – oder muss man sagen über uns? -, gespannt von Brüssel bis nach Berlin. Sie will die Deutschen beherrschen und unterdrücken. Die Bürger haben dagegen natürlich jedes Recht zum Widerstand.

Last edited 1 Stunde her by Juergen Schmidt
Budgie
2 Stunden her

Ich weiß nicht so recht ob wir KI bzw. überhaupt Intelligenz bei der EU bzw. im Außenministerium vermuten können. Es sieht eher nach einem Epstein-Modus aus, also wo die Eliten unter sich bleiben und Marie Antoinette nacheifern.

P.Schoeffel
2 Stunden her

Das Handeln der EUdssR, der Bundes- und Landesregierungen ist nicht brandgefährlich für den Rechtsstaat, es ist das Ende des Rechtsstaats.

Sanktionen, Strafen, Verfolgung ohne gesetzliche Grundlage, ohne richterliches Urteil sind schlicht illegal. Die politische Kaste der BRD hat den Rahmen der Verfassung längst verlassen. Die Verantworlichen für diese Politik gehören ausnahmslos vor Gericht.

Eine Beurteilung von Äußerungen der Staatsbürger im Sinn von „Desinformation“ oder Ähnlichem steht dem Staat nicht zu. Ebenso hat er nicht zu versuchen die Staatsbürger -den Souverän- in seinem Sinn zu „erziehen“.

Last edited 2 Stunden her by P.Schoeffel
OJ
2 Stunden her

Bin z. zt. in Dubai. Langsam wird es mir doch ein bisschen zu heiß hier, naja, sie wissen schon.
Mein Urlaub war bis jetzt schon teuer genug.
Hab gehört, dass die deutsche Regierung mich jetzt ausfliegen möchte auf Steuerzahler-Kosten.
Was muss ich da veranlassen ❓

Dr.KoVo
2 Stunden her

Eine abgehobene Clique spielt sich auf, wie es vielleicht zu Zeiten von Königen üblich war, oder vielleicht auch nicht. Da es in solchen Positionen tausende hier im Land gibt, ist wohl eine Änderung nicht zu erwarten. Wir sind wieder in den Zeiten der Speichelleckerei.

Siggi
2 Stunden her

Solange es noch geht, werden die alles zum Machterhaltt tun. Recht und Gesetz sind nur noch ungern gesehene Empfehlungen. Wir lange wir noch zumindest einigermaßen swriöse Wahlen haben, acher zu sagen.

Sonntag werden wir beurteilen können, wie weit man schon jetzt bereit ist zu gehen.

Nicht vergessen, wem das nicht passt, kann sein Land gerne verlassen; (Walter Lübcke).

Nachschub steht Schlange.

Andreas Bitz
2 Stunden her

Die genannten Sprecher des Aussenministers Wadephul offenbaren ihre und ihres Chefs Missachtung jeglichen Respekts, Anstands und Rechts. Sie umgehen jegliche Rechtsstaatlichkeit durch die EU-Sanktionen gegen J. Baud und Andere (z.B. Th. Röper, Alina Lipp…). So geht „unsere Demokratie“ und der Wertewesten.

Mankovsky
2 Stunden her

Totalitäre Wekzeuge in den Händen von Idioten.