Aggression gegen AfD-Politiker: Ungenierte Täter-Opfer-Umkehr

Die AfD stilisiere sich als Opfer, sagte jüngst der scheidende DBK-Vorsitzende Bischof Georg Bätzing. Nur einen Tag später wurde ein Kind angegriffen, das Vandalismus an AfD-Plakaten verhindern wollte. Wer sich wirklich um die Demokratie sorgt, verurteilt solche Angriffe – ohne Ansehen der Partei.

picture alliance / ZUMAPRESS.com | Sachelle Babbar
Symbolbild - "AfD ist Täter, nicht Opfer!"

Mit Erklärungen sei es nicht getan, betonte der scheidende Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, zum Auftakt der Frühjahrsvollversammlung der DBK im Hinblick auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die anstehenden Landtagswahlen in Deutschland. Man müsse Menschen aktivieren, für Demokratie und Menschenwürde einzustehen und sich zu engagieren.

Im Anschluss folgte, wenig überraschend, die obligatorische Warnung vor der AfD: Man wisse, „was auf uns zukommt, wenn diese Kräfte wirklich in die politische Verantwortung treten“, so Bätzing.

„Mir wird Angst davor, wenn ich vor einem AfD-Wahlstand stehe“, fuhr der Bischof von Limburg fort. Einem würde „angst und bange, wenn man sieht, wer sich da zusammentut“. Und mehr: Die AfD stilisiere sich als Opfer, indem sie ihre Wahlkampfstände mit Sicherheitspersonal absichere.

Schlecht gealtert, könnte man lapidar sagen. Nur einen Tag später wurde in Augsburg ein neunjähriger Junge von zwei Jugendlichen attackiert, als er diese daran hindern wollte, AfD-Wahlplakate zu zerstören.

AfD-Politiker als Zielscheibe

Diese Jugendlichen taten das, was ihrem Verständnis nach „aktivem Engagement“ entsprach. Ebenso wie der Unbekannte, der am Montag in Sternberg in Mecklenburg-Vorpommern die Tür des Wahlkreisbüros des AfD-Landtagsabgeordneten Jan-Philip Tadsen einschlug und diesen beschimpfte.

Nicht immer sind Fälle derart eindeutig: Im Fall des 70-jährigen Bürgermeisterkandidaten Michael Maurer, der in Rosenheim bei einem Gerangel verletzt wurde, ermittelt die Polizei zwar wegen schwerer Körperverletzung, es steht aber Aussage gegen Aussage, wer mit dem Streit begonnen hat.

Doch dass AfD-Politiker überdurchschnittlich oft Opfer von Angriffen werden, ist keine gefühlte, sondern statistisch erfasste Realität: 2024 wurden Mitglieder der AfD in 93 Fällen Opfer von Gewaltdelikten. Es folgten die Grünen – mit gerade einmal 20 Fällen. Und schon im ersten Halbjahr 2025 lagen AfD-Politiker mit 68 Fällen vorn, während SPD-Politiker am zweithäufigsten angegriffen wurden: Ganze neunmal.

Kann man da von „stilisiertem“ Opfertum sprechen?

Die AfD-Politikerin Leyla Bilge bestätigt, was die Statistik vermittelt: Die Bedrohungslage sei hoch und habe sich im Bundestagswahlkampf „sehr deutlich“ gezeigt. „Unsere Infostände werden regelmäßig von Gegendemonstranten umzingelt, Veranstaltungen gestört, Kandidaten massiv beleidigt und provoziert.“, so Bilge, die 2025 selbst im Wahlkreis Rosenheim für den Bundestag kandidiert hatte. „Wenn man innerhalb weniger Minuten eingekesselt wird, lautstark beleidigt und provoziert, ist das keine normale politische Auseinandersetzung mehr, sondern eine klare Einschüchterungsstrategie.“

Nicht nur Gewalt

Hinzu träten zunehmend juristische und mediale Auseinandersetzungen, verbunden mit finanziellem und sozialem Druck. Das Ziel sei, so scheine es, „politisch aktive Menschen zu zermürben“.

Die AfD-Politikerin habe zudem „übelste Beleidigungen und Beschimpfungen erlebt“, auch in Anwesenheit ihrer kleinen Tochter. Schwerwiegend wirkt sich auch soziale Ausgrenzung aus: „In zwei Fällen wurden Mietverhältnisse beendet, nachdem meine Funktion als Kreisvorsitzende öffentlich bekannt geworden war. Die mediale Berichterstattung machte meine Parteizugehörigkeit für die Vermieter sichtbar. In einem Fall wurde mir sogar unmissverständlich mitgeteilt, dass man die Wohnung anzünden würde, sollte ich nicht ausziehen. (…) Bei der Übergabe einer Wohnung verweigerte mir ein Vermieter das Übergabeprotokoll und äußerte: ‚Jetzt weißt du mal, wie du dich fühlst. Ihr als AfD wollt die Ausländer nicht hier haben, also geh du doch auch zurück nach Hause.'“

Eine eigentümliche Kombination von politischer und ethnischer Diskriminierung gegen die kurdischstämmige Politikerin, die als Kind mit ihrer Familie nach Deutschland einwanderte.

Auch Familienmitglieder leiden unter handfesten Konsequenzen: Bilge berichtet, dass ihr Sohn seine Ausbildung abbrechen musste, nachdem ein RBB-Journalist seinen Namen recherchiert hatte, und auf der Homepage der Ausbildungsstätte gezielt kommentierte, dass „hier der Sohn der rechtsextremen Leyla Bilge“ arbeite.

Wie geht es einem jungen Mann, der aufgrund der politischen Arbeit seiner Mutter sozialer Isolation und Diffamierung ausgesetzt ist? Wie geht es AfD-Politikern, die damit rechnen müssen, in der Wahrnehmung ihrer Aufgaben und Rechte diskriminiert oder attackiert zu werden?

Verantwortungsloses Mitläufertum

Wer die Gräben in unserer Gesellschaft ernsthaft bedauert, wer auch nur über einen Funken Empathie verfügt, müsste auf Betroffene zugehen und diese Fragen stellen – und nicht willfährig in das Horn jener stoßen, die andere dämonisieren.

Die AfD stilisiere sich als Opfer – wer angesichts der Schikanen, Demütigungen und der linksextremen Gewalt gegenüber Andersdenkenden so spricht, ist Brandstifter. Weniger deutlich darf man das nicht mehr sagen, wenn man sich nicht mitschuldig machen möchte an der Verrohung des politischen Diskurses.

Denn genau dafür sind jene Biedermänner mitverantwortlich, die Wegschauen praktizieren, solange die Ungerechtigkeit jene trifft, die man ablehnt: Unablässig wird die AfD, werden „die Rechten“ pauschal des Zündelns bezichtigt, während Aggression gegen sie konsequent unter den Tisch fällt.

„Politisches Engagement muss in einer Demokratie angstfrei möglich sein – unabhängig von der Parteizugehörigkeit.“, meint Leyla Bilge. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Niemand, der sich für Demokratie einsetzt, darf hinnehmen, wenn politisches Engagement für einige zum Spießrutenlauf wird. Denn das ist nur der Anfang, wie man am Schicksal Charlie Kirks oder Quentin Deranques ablesen kann.

Doch gegenüber diesem Missstand erweisen sich zivilgesellschaftliche Akteure als auffallend blind.

Mit Erklärungen sei es nicht getan, sagte Bischof Georg Bätzing. Das stimmt. Aber eine Erklärung, die sich deutlich dagegen wendet, dass Mitmenschen aufgrund ihres politischen Engagements Zurücksetzung, Diskriminierung und Gewalt erfahren, womöglich eine Erklärung, die sich gegen die erschreckende Gewaltbereitschaft linksextremer Kreise und die Gleichgültigkeit der Öffentlichkeit gegenüber „rechten“ Opfern wendet – das wäre doch schon mal ein Anfang.

Hier Täter-Opfer-Umkehr zu betreiben, ist jedenfalls an Zynismus kaum zu überbieten.

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Kommentare ( 14 )

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November Man
59 Minuten her

Die vereinigten Linksextremisten werden ihre Macht nicht so einfach hergeben. Sie wollten die liberal-demokratische AfD mit Argumenten und Fakten bekämpfen. Der Verfassungsschutz ist vor dem Verwaltungsgericht Köln krachend gescheitert. Das mühsam aus dem Internet zusammengeschustertes, mehr als 1100 Seiten langes neue Gutachten des Inlandsgeheimdienstes, kann der in die Tonne treten. Mit unhaltbaren Unterstellungen, Lügen und unzähligen Falschinterpretationen gewinnt man keine Prozesse. Dazu braucht es zweifelsfrei Beweise. Also bekämpfen sie weiterhin die AfD mit brutaler Gewaltanwendungen und Bedrohungen. Mehr haben die Linksextremisten nicht drauf. Die kennen nur Gewalt.  

gmccar
1 Stunde her

DieserBätzing,der sich gemäß dem Konkordat der Kirchen von 1933 mit Hitler vom Deutschen Steuerzahler üppigst aushalten lässt, zeigt doch nur, was für eine Sorte Heuchler er ist. Ich kann mich nicht erinnern, dass von diesen Gestalten in ihrer queeren Gewandung sich einmal für die Änderung des Konkordates eingesetzt hätte, wo doch bei wirklich jeder Gelegenheit alles aus der Zeit des Dritten Reiches verurteilt und verdammt wird. War in der Spanischen Kirche auch nicht anders während und nach dem Franco-Regime.

A.G.
1 Stunde her

Es gibt glaube ich kein Volk der Welt wo sich innerlich so bekriegt wie das Deutsche. KEIN Zusammenhalt, KEINE Solidarität, KEINE gemneinsame Identität, keine Menschlichkeit. Nur noch HASS!! Man hat es bei Corona gesehen: der Nachbar zeigte seinen Nachbarn an, weil dieser Gäste eingeladen hatte oder evtl. keine Maske trug!!. Die Famillie lud eigene Mitglieder zu Feierlichkeiten aus, weil sie nicht geimpft waren!!! Das gab es nicht in Frankreich, nicht in Italien, nicht in Spanien bzw. niht in diesem Umfang!!! Und das nun übertragen auf die AfD: Ja die AfD ist die Projektionsfläche für HASS. Täglich schallt es aus den… Mehr

Raul Gutmann
1 Stunde her

Die beklagte Täter-Opfer-Umkehr dürfte die Spezialnorm allgemeiner Gewohnheit in den westeuropäischen Gesellschaften sein, Ursache und Wirkung zu vertauschen.
Bis Anfang des 20. Jahrhunderts wohnte den damals lebenden Menschen mehrheitlich der „Naive Realismus“ inne, der auch Menschen durchschnittlicher Intelligenz und ohne höhere formelle Bildung befähigte, die Welt angemessenen zu begreifen und interpretieren.
Im 21. Jahrhundert scheinen die westlichen Gesellschaften jene Befähigung größtenteils nicht nur aufgegeben, sondern invertiert zu haben.

Michael Scholz
1 Stunde her

Hallo Autorin, hoffentlich wird Bischof Bätzing Ihren Beitrag lesen.
Grundgesetz, Art. 3:
(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder POLITISCHEN Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Schmidtrotluff
1 Stunde her

Georg Bätzing qualifiziert sich für den innersten Kreis der Hölle. Typisch deutscher Streber. Um den wird keiner weinen, da keine Kinder (hofft man).

Kraichgau
1 Stunde her

Ein guter Text…
diese Angriffe gibt es seit 2015,nicht erst seit gestern und oft genug haben auch „konservative“ Blätter eher den Eindruck gemacht,das treffe doch jene,die den Diskurs radikalisiert hätten.
Meiner Ansicht nach(bin älter,habe das schon bei anderen unliebsamen Parteien erlebt) ist das Ganze ein gut geöltes System,das die alte 2 Parteien-Wirtschaft(die kleinen sind eh nur Mehrheitsbeschaffer) erhalten soll.
Schade,das die Bevölkerung komplett sediert zu sein scheint,das Koma ist mit den Händen zu greifen hier

Maja Schneider
1 Stunde her

Unsere Demokratie ist genauso am Ende wie die Gesellschaft, mehr fällt mir dazu momentan nicht ein!

Klaus D
1 Stunde her

Die AfD….na ja das dümmste was die AfD machen konnte war ihren schwerpunkt auf ausländer/migranten zu legen. Damit hat man zwar rechts „ein paar“ stimmen eingefangen aber auch den politischen gegner gestärkt siehe brandmauer. Wer deutschland regieren will muss die mitte für sich gewinnen und DAS geht mit dem thema so gut wie gar nicht. Darum hängt die AfD ja auch bei +-25% fest. Wir haben ja erlebt was passiert wenn man das „falsche“ sagt siehe zb Merz CDU und die kleinen paschas. Und das die links, grün und sonstige radikale/extremisten sich dann berufen fühlen gegen rechts zu kämpfen ist… Mehr

Gert Lange
2 Stunden her

Andererseits deckten Bischöfe die kirchlichen Kindesmissbraucher, oder?