ZDF feuert Korrespondentin: ein Bäuerinnenopfer für Dunja Hayali

Nach dem Skandal um KI-Sequenzen und veraltete Aufnahmen in einem „aktuellen Nachrichtenbeitrag“ ruft das ZDF seine New-York-Korrespondentin zurück. Die wahren Schuldigen bleiben verschont – und das System auch.

picture alliance/dpa | H. Albert - Screenprint via X - Collage: TE

Nicola Albrecht berichtet nicht mehr für das Zweite Deutsche Fernsehen aus New York. Wegen „schwerer Verstöße gegen ZDF-Richtlinien und journalistische Standards“ hat die Anstalt ihre Korrespondentin mit sofortiger Wirkung abberufen.

Es ist die erste personelle Konsequenz nach dem Mega-Skandal um gefälschte Nachrichten im Zweiten. Albrecht hatte sich die angebliche Angst von Kindern vor Festnahmen der US-Einwanderungsbehörde ICE als Thema vorgenommen.

Eine erste Version ihres Beitrags lief vor einer Woche im „Mittagsmagazin“ und war nach ZDF-Angaben „nicht zu beanstanden“. Für das „Heute Journal“ zwei Tage später wurde der Beitrag – aus nach wie vor ungeklärten Gründen – dann aber verändert. Jetzt enthielt er auch zwei Videoszenen aus dem Internet.

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Blöd nur: Eine Sequenz zeigt einen völlig anderen Zusammenhang, nämlich eine Festnahme nach einem Amoklauf in Florida im Jahr 2022. Die andere Szene hat mit der Realität dann gar nichts mehr zu tun, weder in der Gegenwart noch in der Vergangenheit: Sie ist komplett KI-generiert.

Das fiel auf. Nicht dem ZDF, wohlgemerkt, aber Zuschauern. Zunächst teilte die Anstalt daraufhin mit, dass tatsächlich KI-generierte Bilder verwendet wurden. Die nach den Sender-internen KI-Regeln vorgeschriebene Kennzeichnung habe man „aus technischen Gründen“ versäumt. Selbst das wurde nicht transparent korrigiert: Erst wurde die Sendung kommentarlos gelöscht – und dann mit leichten Korrekturen ebenso kommentarlos wieder in die Mediathek gestellt.

Erst später räumte die Anstalt viel weiter reichende Fehler ein, nämlich auch die Verwendung von uralten Archivbildern als aktuelles Material.

Dann machte man sich wortreich an die Schadensbegrenzung. Erst bat die stellvertretende Chefredakteurin Anne Gellinek für die „handwerklichen Fehler“ um Entschuldigung. Dann erklärte Chefredakteurin Bettina Schausten, der Sender erarbeite jetzt einen Maßnahmenkatalog, „um mit aller Konsequenz sicherzustellen, dass die hohen journalistischen Standards, denen wir verpflichtet sind, jederzeit und uneingeschränkt eingehalten werden“. Offenbar gab es so etwas bisher nicht, man wundert sich.

Jetzt wird also die Korrespondentin Nicola Albrecht abberufen. Damit schiebt man ihr die Alleinschuld in die Schuhe.

Das alles ist Ablenkung. In Wahrheit geht es darum, ein System zu schützen – genauer: eine journalistische Un-Kultur, an deren Spitze Dunja Hayali steht. Ihr Bruder im Geiste, Gabor Halasz aus dem ARD-Hauptstadtstudio, zeigt deutlich, was das Ziel der ganzen Übung ist.

Jetzt schiebt die Anstalt nach: „Auch von der ‚heute journal‘-Redaktion wurden die Prüf- und Verifikationsverfahren nicht wie vorgesehen angewendet“, heißt es nun aus Mainz. Die Moderatorin Dunja Hayali habe aber von den handwerklichen Fehlern im Beitrag nichts gewusst. Nein, wirklich, ganz bestimmt nicht.

Der Journalist Thorsten Alsleben hat in elf Jahren beim ZDF hunderte Beiträge für das „Heute-Journal“ gemacht. Er weiß, wie das Tagesgeschäft aussieht: Außer bei absolut brandaktuellen Beiträgen sollen alle Sendeelemente mindestens eine halbe Stunde vor Ausstrahlung fertig vorliegen. Dann nimmt der Schlussredakteur sie ab, manchmal werden sie dann auch noch leicht verändert.

Die Moderatorin soll möglichst jeden Beitrag vor der Sendung persönlich ansehen, um zu prüfen, dass ihre Moderationen inhaltlich auch wirklich passen. Bis vor wenigen Jahren hatten die Moderatoren ein Veto-Recht: Sie konnten es ablehnen, dass bestimmte Beiträge in „ihrer“ Sendung gezeigt werden.

TE hat beim ZDF angefragt, ob das heute noch so ist; innerhalb der gesetzten Frist kam keine Antwort.

Noch vor der Ausstrahlung müssen die Namenseinblendungen – sogenannte „Bauchbinden“ – angefertigt werden. Und für die Rechts- und Lizenzabteilung muss für jeden Beitrag sekundengenau vermerkt werden, welches Fremdmaterial von welcher Quelle gegebenenfalls verwendet wurde.

Kurz: So ein Beitrag geht durch viele Hände und wird von sehr vielen Menschen gesehen, bevor er gesendet wird.

Profi Alsleben widerspricht deshalb den offiziellen ZDF-Verlautbarungen:

„Alles das spricht dagegen, dass hier eine Kette von versehentlichen Fehlern passiert ist. Vieles spricht für Absicht.“

Mindestens spricht alles für ein monumentales Systemversagen.

Dabei geht es natürlich auch um die Korrespondentin. Wie kommt eine angebliche Journalistin überhaupt auf die Idee, KI-Fake-Bilder und veraltetes Archivmaterial in einen aktuellen Nachrichtenbeitrag einzuschneiden – und auch noch ohne Kennzeichnung? Aber es geht natürlich auch um die Mitarbeiter in Mainz, die KI-Fake-Bilder und veraltetes Archivmaterial einfach durchlaufen lassen.

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Das alles kann nur in einem bestimmten Umfeld und mit einer bestimmten Geisteshaltung und mit einer bestimmten Berufsauffassung geschehen.

In einem funktionierenden Laden wäre so etwas erst gar nie passiert. In einem halbwegs funktionierenden Laden wären zumindest die Chefredakteurin und die stellvertretende Chefredakteurin – die in Personalunion auch Nachrichtenchefin ist – unverzüglich zurückgetreten.

In einem verrotteten Laden sucht man ein Bäuerinnenopfer.

Nun ist es, bei aller Liebe, um Nicola Albrecht nicht wirklich schade. Als Leiterin des ZDF-Studios in Tel Aviv war sie verantwortlich für die jahrelange Zusammenarbeit mit dem Fernsehtechniker Ahmed Abu Mutair, der schon seit 2014 in den Sozialen Medien öffentlich mit der Terrorgruppe Hamas sympathisierte und später als Hamas-Mitglied enttarnt wurde.

Damals wollte das ZDF volle zwölf Jahre lang nicht bemerkt haben, dass es einen Terroristen auf seiner Gehaltsliste führt. Jetzt will das ZDF nicht bemerkt haben, dass es einen gleichzeitig gefälschten und veralteten Bericht gezeigt hat.

Man könnte den Eindruck gewinnen, dass das ZDF selbst das Problem ist.

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Kommentare ( 33 )

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33 Comments
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Karl Schmidt
35 Minuten her

Das Programm des ZDF ist ein Dauerskandal, welcher immer um dieselben „Aushängeschilder“ des Senders kreist: Das ist schon bemerkenswert, wie bei diesem Sender der Blitz immer an denselben Stellen einschlägt; geradezu kosmisch, wenn es kein strukturelles Problem wäre. Diesmal musste sogar ein Mitarbeiter gehängt werden – in der Hoffnung, dass sich der Skandal um die Verantwortlichkeit für den professionell ausgestatteten Hochglanz-Fake-Kanal so nicht noch weiter nach oben frisst. Doch da der Blitz nun mal nicht immer an derselben Stelle einschlägt, ist es ganz offensichtlich und zweifelsfrei ein strukturelles Problem und die werden ausnahmslos von oben verursacht, geduldet und ausgebaut. Die… Mehr

Leroy
45 Minuten her

Jetzt wisst ihr was uns blüht, wenn das EU-Gesocks Social-Media zensiert.
Ab dann habt ihr zu glauben, dass Joe Biden topfit ist, dass Daniel Günter das niemals gesagt hat, dass aus purem Rassismus sich der stromerzeugende Fernseher nicht durchsetzt, dass 90 % aller Syrer einen Vollzeit-Job ausüben,
………….

Simplex
51 Minuten her

Wenn das ZDF nicht zum Medienstaatsvertrag gehören und wir keine Gebühren dafür bezahlen müssten, wärs eine Marginalie.
Aber demnächst können sich nicht regierungstreue Medien und Journalisten auf was gefasst machen. Erdogan lässt grüßen.

Rosalinde
1 Stunde her

Mir scheint dass fast alle hier die Nachrichten des ÖRR gesehen haben und auch weiterhin sehen. Denn dazu gibt es leider keine Alternative.
Oder sollte das Nachrichtenportal von n-tv welches nur geringfügig anders berichtet wirklich eine Alternative sein? Es gibt kein freies Fernsehen mehr auf deutschem Boden, denn alle sogenannten Privatsender gehören zu einem Konzern der auch Sender im Ausland betreibt um auch dort Werbegelder abzugreifen.

Last edited 1 Stunde her by Rosalinde
Verzeihtnix
1 Stunde her

Schon länger diesen Sender von der Programmliste gelöscht. So wie viele andere. BR, 3Sat und Arte reichen aus.

Kassandra
1 Stunde her

Ich will mich inhaltlich gar nicht mehr mit denen wie dem gesamten örr auseinandersetzen. Mir geht es nur noch um Beitragsforderungen, die aus verschiedensten Gründen, auch aus diesem, strittig sind, und von vielen Haushalten vor Gerichten in Deutschland „beklagt“ werden. Strittige Forderungen können aber weder angemahnt noch durch „Festsetzungsbescheide“ eingetrieben werden. . . Hayali ist mir übrigens nicht erst seit folgendem Auftritt ein Graus – und wird schon öfter bei „Unausgewogenheiten“ aufs Trapez gestellt. Hier haut sie René Aust, AfD, voll auf die 12 – die Anerkennungsquote bei Asyl liegt bei 0.7% – und sie will ihn dafür öffentlich-rechtlich fertig… Mehr

Siggi
1 Stunde her

Damit dürften wohl weiter Stimmen zur AfD gehen. Kurz von den Wahlen, läuft der Wahlkampf aller Parteien für die AfD auf Hochtouren. ZDF Affäre, Zwangspropagandaabgabe hoch, ein lächerlicher Parteitag, der in allen Kommentaren, auch in den woken Medien, zerrissen wird, es läuft.

Bei der AFD gibt es schon wieder Sekt.

Danny Sofer
1 Stunde her

Es waren vor allem die Journalisten on Nius und Apollo News, die den Betrug vom ZDF am Zuschauer aufgedeckt haben. Das sollte TE hier auch erwähnen.

eisenherz
1 Stunde her

Nach dem letzten Kenntnisstand ist auch das eine Lüge vom ZDF.
Denn so wurde berichtet, der Beitrag aus den USA wurde zuvor im Mittagsmagazin ohne KI und ohne die Szene von 2022 gesendet, wo ein Jugendlicher wegen des Verdachts auf die Vorbereitung zu einem Amoklauf abgeführt wird.

Michael W.
2 Stunden her

Der vergammelte Fisch stinkt vom Kopf her am schlimmsten!