Ein Ministerpräsident fordert offen Zensur und Medienverbote und der öffentlich-rechtliche Journalismus knickt ein. Was als Talkshow begann, entlarvt sich als Lehrstück über Macht, Angst und den Absturz von Pressefreiheit und Demokratie.
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Es klingt so ein bisschen nach einer reichlich albernen und dazu noch abgedroschenen Journalistenklamotte, die sich über die sprichwörtliche Eitelkeit von Journalisten lustig macht. Doch die Themen, um die es geht, sind gar nicht lustig, sondern sehr ernst, nämlich es handelt sich um Meinungsfreiheit, um Pressefreiheit, um bürgerlichen Freiheiten, um Demokratie und um Wahrheit und Wahrhaftigkeit versus Zensur, Verbote, Diktatur, Demagogie und Lüge.
Jeder Zuschauer konnte beobachten, wie dem Moderator bei Günthers neo-totalitärer Suada immer unbehaglicher wurde, weshalb er vermutlich den aus seiner heutigen Sicht größten Fehler seiner ganzen Karriere machte und nachfragte: „Aber was Sie jetzt gerade sagen, ist im Grunde, wir müssen das regulieren, wir müssen es notfalls zensieren und im Extremfall sogar verbieten.“ Günther antwortete mit einem klaren „Ja“.
Es ist eindeutig, dass es an diesem Punkt nicht um Jugendschutz ging, sondern um Nius – und nicht nur um Nius. Belegt wird es nicht nur vom Gesprächsverlauf zuvor, sondern nach einem kurzen Einschub von Günther dem Gesprächsverlauf danach, in dem Günther unter dem Wort Qualitätssicherung genau das noch einmal forderte: regulieren, zensieren und im Extremfall sogar verbieten. Er verstieg sich sogar zu der Behauptung, dass auf Nius nur Falschmeldungen verbreitet würden.
Keine 24 Stunden später rief Markus Lanz nach Darstellung von Julian Reichelt bei ihm an, und zwar am 8. Januar um 19.21 Uhr. Heute nun hat Reichelt das Telefonat öffentlich gemacht, was er eigentlich nicht wollte, und was ihm schwergefallen sei, doch nachdem Lanz in zwei Sendungen in Folge versuchte in der Art des Wahrlügens (Hannah Arendt), den Zuschauern und den traditionellen Medien einzutrichtern, dass etwas anderes gesendet worden war, als das, was die Zuschauer gesehen hatten, entschloss sich Reichelt über das Telefonat am 8.1. zu sprechen.
Am 8.1. teilte laut Reichelts Bericht auch Lanz die Einschätzung, dass es Günther nicht um den Jugendschutz ging, sondern um Regulierung und Verbot kritischer Medien. Da bisher nur eine Darstellung des Telefonats von Julian Reichelt vorliegt, stellte TE Markus Lanz und der Presseabteilung des ZDFs folgende Fragen, um Markus Lanz und dem ZDF die Möglichkeit zu geben, aus ihrer Sicht falschen Darstellungen zu widersprechen und die eigene Sicht der Dinge darzustellen, denn zu einem Telefonat gehören ja immer mindestens zwei.
TE fragte daher Markus Lanz und das ZDF: „Julian Reichelt hat heute Datum und Inhalt eines Telefonats mit Markus Lanz veröffentlicht. Nius schreibt, dass Markus Lanz am Abend des 8. Januar um 19:21 Uhr Julian Reichelt angerufen hat, „um sein Entsetzen über die Verbots- und Zensurforderung zum Ausdruck zu bringen“. Bei NIUS Live berichtete Julian Reichelt aus dem 31-minütigen Telefonat: „Er hat mir persönlich geschildert, was das für ein unglaublicher Moment für ihn selbst war: Daniel Günther steht kurz davor, ein Verbot der freien Medien zu fordern. Und wie er aus dieser Realisierung heraus, aus diesem Schockmoment, extra noch einmal diese Frage gestellt hat. Er hat mir gegenüber beschrieben, dass sie logischerweise komplett auf NIUS bezogen war. Es war ihm ein Bedürfnis, mit mir darüber zu sprechen.“
Bis in linksliberale Medien reichte die Empörung über Günthers totalitäre Vorstellungen. Deshalb behauptete Günther plötzlich, dass es ihm nicht um das Verbot von Medien, sondern um den Jugendschutz gegangen war. Seine anderen totalitären Ideen, beispielsweise die Aushebelung des politischen Wettbewerbs, das Parteienverbot und die Einschränkung des Rechts der Bürger nach freier Information, die Disziplinierung von Abgeordneten wurden da schon großzügig übersehen. Doch weil die versuchte Richtigstellung so dreist und so plump daherkam und so offensichtlich nicht den Tatsachen entspricht, musste Lanz in zwei Sendungen wohl wider besseren Wissens Günthers dürftige Schutzbehauptungen mit erbarmungswürdigen und primitiven Tricks durchsenden.
Wahrscheinlich ist doch dieser Ablauf: In dem Moment, in dem Lanz, den Günthers Verbots Libido erschreckte, nachfragte, unterlief ihm das, was die SED einen „politischen Fehler“ nannte – und was stets den schlimmsten aller Fehler darstellte. Es scheint so zu sein, dass auf Lanz beträchtlich Druck ausgeübt wurde, Günthers Version wahrzusenden. Das erklärt auch sein inquisitorisches Gehabe, die Penetranz in den letzten beiden Sendungen. Doch damit hat er das Ethos des Journalisten verleugnet – und ist als Journalist gescheitert.
Von Markus Lanz möchte ich nur noch zwei Dinge wissen: 1. Hat er mit Julian Reichelt am 8.1. telefoniert? 2. Warum hat er diese Show in den letzten beiden Sendungen abgezogen? Mehr Fragen habe ich nicht mehr. Von der Beantwortung der Fragen hängt es ab, ob es zu einer Frage der Selbstachtung wird, in seine Show zu gehen. Das ZDF möchte das ganze nicht kommentieren.






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Wenn man das, was Lanz ggü. Reichelt in seinem Telefonat sagte, mit dem vergleicht, was Land noch in seiner Talkshow sagte (oder besser gesagt nicht sagte), und insbes. auch, was dieser Möchtegern-Diktator aus S.-H. sagte, dann tun sich Abgründe auf, die nur einen einzigen Schluss zulassen: Wir sind längst in der DDR 2.0 angekommen. Der ÖRR ist gleichgeschaltet. Die übrigen sog. „Qualitätsmedien“ sind ebenfalls gleichgeschaltet. Ohne, dass es dazu ein Gesetz, eine Dienstvorschrift oder eine Dienstanweisung „von oben“ o.ä. dafür gibt, sondern allein durch vorauseilendem Gehorsam. Weil jeder weiß: wer quasi aus der Reihe tanzt, für den ist der linke… Mehr
Früher sind Politiker für weniger zurückgetreten (worden).
Früher sind Moderatoren spätestens nach einem solchen 2. Reinwaschgang am nächsten Tag nicht mehr auf Arbeit erschienen.
Günther wird Lanz in einem weiteren Telefonat erklärt haben, dass er sich gut überlegen sollte, ob er künftig auch zu solchen Medien wie Nius gezählt werden will. Schließlich würde er ja Günther selbst, dem ehrenwerten Kreis und dem ehrenwerten Anliegen schaden, wenn er bei der Wahrheit nicht flexibel ist.
Die richtige Frage ist also, ob sich Günther, oder seine Assistenz, beim ZDF oder Lanz gemeldet hat.
Ich tippe darauf: Günther hat Lanz höchstpersönlich ins Gebet genommen. Man kennt sich, Lanz trug es mit Überzeugung wie ein persönliches Anliegen später vor. Da hat jemand sein „Ehrenwort“ gegeben.
Der Mann hat fertig. Jeder zukünftige Studiogast aus der Riege der Systemlinge kann sich selber dann den Orden Feind der Demokratie verleihen.
die Million pro Sendung(oder weniger?)ist mehr wert als der persönliche oder berufliche Ruf…..jeder sucht sich das aus, wie es ihm passt.
Aber jeder kann dann die Persönlichkeit einschätzen und bewerten…
Dieser Zustand hat einen Namen – Faschismus. Abweichend – Diktatur.
Wir wissen alle, wo das Ganze hinführt.
Zum Thema Wahrlügen:
„Man kann sagen, dass der Faschismus der alten Kunst zu lügen gewissermaßen eine neue Variante hinzugefügt hat – die teuflischste Variante, die man sich denken kann – nämlich: das Wahrlügen.“
Hannah Arendt, Philosophin und Politologin (1906-1975)
Wenn man bedenkt, dass dieser Journo-Knüllch Lanz jährlich 1 Million mit dem Gesülze verdient… unglaublich.
Seine Knie hat Markus Lanz doch bereits völlig zerschossen. Das macht die Sit-ins mit Precht auch nicht einfacher.
Das Telefonat zwischen Reichelt und Lanz ist vermutlich von einer oder mehreren „zuständigen“ Behöden abgehört worden und wahrscheinlich nicht nur dieses Telefonat.
Und denkbar wäre, dass mit „Erkenntnissen“ aus diesen Lausch-Angriffen Lanz „die Pistole auf die Brust gesetzt wurde!
Reichelt wird sicherlich schon seit langem überwacht und wer weiß, ob „sicherheitshalber“ nicht auch Lanz.
In Deutschland ist inzwischen vieles möglich geworden!