Der Tanz des Markus Lanz

Ein Ministerpräsident fordert offen Zensur und Medienverbote und der öffentlich-rechtliche Journalismus knickt ein. Was als Talkshow begann, entlarvt sich als Lehrstück über Macht, Angst und den Absturz von Pressefreiheit und Demokratie.

picture alliance / teutopress

Es klingt so ein bisschen nach einer reichlich albernen und dazu noch abgedroschenen Journalistenklamotte, die sich über die sprichwörtliche Eitelkeit von Journalisten lustig macht. Doch die Themen, um die es geht, sind gar nicht lustig, sondern sehr ernst, nämlich es handelt sich um Meinungsfreiheit, um Pressefreiheit, um bürgerlichen Freiheiten, um Demokratie und um Wahrheit und Wahrhaftigkeit versus Zensur, Verbote, Diktatur, Demagogie und Lüge.

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Die Chronologie enthüllt den Niedergang der Demokratie und des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Lassen wir deshalb den Ablauf der Ereignisse sprechen, denn niemand kann ihm widersprechen. Am 7. Januar 2026 steigerte sich Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther in einen wahren Blockflötenrausch, als er Forderungen nach einer Brandmauereinheitspartei, der Aussetzung des demokratischen Wettbewerbs, der Regulierung und Zensurierung und Kontrolle der Medien in der Sendung von Markus Lanz stellte, Behauptungen aufstellte, die er nicht belegen konnte und kann und schließlich ein Verbot von Nius ins Spiel brachte, damit aber alle kritischen und freien Medien meinte, und den Gedanken äußerte, die Einnahmen aus der Digitalangabe, die er ebenfalls einführen will, zur Stützung der „traditionellen Medien“ verwenden zu wollen, also von Medien, die er offensichtlich dafür bezahlen möchte, dass sie die Einheitsmeinungen der Brandmauereinheitspartei aus Linken, eben SED, Grüne, SPD und Union unters Volk bringen.

Jeder Zuschauer konnte beobachten, wie dem Moderator bei Günthers neo-totalitärer Suada immer unbehaglicher wurde, weshalb er vermutlich den aus seiner heutigen Sicht größten Fehler seiner ganzen Karriere machte und nachfragte: „Aber was Sie jetzt gerade sagen, ist im Grunde, wir müssen das regulieren, wir müssen es notfalls zensieren und im Extremfall sogar verbieten.“ Günther antwortete mit einem klaren „Ja“.

Es ist eindeutig, dass es an diesem Punkt nicht um Jugendschutz ging, sondern um Nius – und nicht nur um Nius. Belegt wird es nicht nur vom Gesprächsverlauf zuvor, sondern nach einem kurzen Einschub von Günther dem Gesprächsverlauf danach, in dem Günther unter dem Wort Qualitätssicherung genau das noch einmal forderte: regulieren, zensieren und im Extremfall sogar verbieten. Er verstieg sich sogar zu der Behauptung, dass auf Nius nur Falschmeldungen verbreitet würden.

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Diesen Vorwurf hat der ARD-Agitator Restle auf X aufgegriffen: „Es wäre schon viel geholfen, man würde das Fake-Krawallmedium Nius nicht in einem Atemzug mit Journalismus oder ähnlichem erwähnen. Und jetzt bitte den Deckel drauf machen. Es gibt wichtigere Themen im Land – und in der Welt sowieso.“ Restle musste sich vom Rechtsanwalt Carsten Brennecke eines Besseren belehren lassen, denn Brennecke entgegnete kühl: „Wenn Sie also von „seriösem“ Journalismus sprechen, dann sollten wir beide gerne darüber diskutieren, an welchen Maßstäben wir festmachen, was seriöser Journalismus ist oder nicht. Wenn wir das an rechtswidrigen handwerklichen Fehlern festmachen, dann spricht die Statistik für Nius und dann haben wir es mit seriösem Journalismus zu tun, denn Nius ist dann in diesem Punkt sogar seriöser als der öffentlich-rechtliche Rundfunk und viele Qualitätsmedien.“

Keine 24 Stunden später rief Markus Lanz nach Darstellung von Julian Reichelt bei ihm an, und zwar am 8. Januar um 19.21 Uhr. Heute nun hat Reichelt das Telefonat öffentlich gemacht, was er eigentlich nicht wollte, und was ihm schwergefallen sei, doch nachdem Lanz in zwei Sendungen in Folge versuchte in der Art des Wahrlügens (Hannah Arendt), den Zuschauern und den traditionellen Medien einzutrichtern, dass etwas anderes gesendet worden war, als das, was die Zuschauer gesehen hatten, entschloss sich Reichelt über das Telefonat am 8.1. zu sprechen.

Nicht nur Markus Lanz
Sagen, was nicht ist – der groteske Versuch, Zensur-Günther reinzuwaschen
Laut Reichelt sei es Lanz ein Bedürfnis gewesen, Reichelt anzurufen, „um sein Entsetzen über die Verbots- und Zensurforderung zum Ausdruck zu bringen.“ Reichelt berichtete: „Er hat mir persönlich geschildert, was das für ein unglaublicher Moment für ihn selbst war: Daniel Günther steht kurz davor, ein Verbot der freien Medien zu fordern. Und wie er aus dieser Realisierung heraus, aus diesem Schockmoment, extra noch einmal diese Frage gestellt hat. Er hat mir gegenüber beschrieben, dass sie logischerweise komplett auf NIUS bezogen war. Es war ihm ein Bedürfnis, mit mir darüber zu sprechen.“

Am 8.1. teilte laut Reichelts Bericht auch Lanz die Einschätzung, dass es Günther nicht um den Jugendschutz ging, sondern um Regulierung und Verbot kritischer Medien. Da bisher nur eine Darstellung des Telefonats von Julian Reichelt vorliegt, stellte TE Markus Lanz und der Presseabteilung des ZDFs folgende Fragen, um Markus Lanz und dem ZDF die Möglichkeit zu geben, aus ihrer Sicht falschen Darstellungen zu widersprechen und die eigene Sicht der Dinge darzustellen, denn zu einem Telefonat gehören ja immer mindestens zwei.

TE fragte daher Markus Lanz und das ZDF: „Julian Reichelt hat heute Datum und Inhalt eines Telefonats mit Markus Lanz veröffentlicht. Nius schreibt, dass Markus Lanz am Abend des 8. Januar um 19:21 Uhr Julian Reichelt angerufen hat, „um sein Entsetzen über die Verbots- und Zensurforderung zum Ausdruck zu bringen“. Bei NIUS Live berichtete Julian Reichelt aus dem 31-minütigen Telefonat: „Er hat mir persönlich geschildert, was das für ein unglaublicher Moment für ihn selbst war: Daniel Günther steht kurz davor, ein Verbot der freien Medien zu fordern. Und wie er aus dieser Realisierung heraus, aus diesem Schockmoment, extra noch einmal diese Frage gestellt hat. Er hat mir gegenüber beschrieben, dass sie logischerweise komplett auf NIUS bezogen war. Es war ihm ein Bedürfnis, mit mir darüber zu sprechen.“

Asch-Experiment
Die Daniel-Günther-Medien
Bitte beantworten Sie uns dazu folgende Fragen: Bestätigen Sie, dass am 8.1. ab 19.21 Uhr ein 31-minütiges Telefonat zwischen dem ZDF-Moderator Markus Lanz und Julian Reichelt stattgefunden und dass Markus Lanz Julian Reichelt angerufen hatte? Bestätigen Sie den Inhalt des Gesprächs, dass Markus Lanz davon gesprochen hat, dass in der Sendung am 7.1. erstens über Nius gesprochen wurde und zweitens über das Verbot von Medien wie Nius? Sollte der von Julian Reichelt berichtete Inhalt nicht Thema des Telefonats gewesen sein, teilen Sie uns bitte mit, warum Markus Lanz Julian Reichelt kurz nach der Sendung mit Daniel Günther angerufen hatte und was stattdessen Inhalt des Gesprächs war.“ Da weder das ZDF, noch Markus Lanz die Chance zum Widerspruch nutzten, müssen wir davon ausgehen, dass Julian Reichelts Darstellung den Tatsachen entspricht.

Bis in linksliberale Medien reichte die Empörung über Günthers totalitäre Vorstellungen. Deshalb behauptete Günther plötzlich, dass es ihm nicht um das Verbot von Medien, sondern um den Jugendschutz gegangen war. Seine anderen totalitären Ideen, beispielsweise die Aushebelung des politischen Wettbewerbs, das Parteienverbot und die Einschränkung des Rechts der Bürger nach freier Information, die Disziplinierung von Abgeordneten wurden da schon großzügig übersehen. Doch weil die versuchte Richtigstellung so dreist und so plump daherkam und so offensichtlich nicht den Tatsachen entspricht, musste Lanz in zwei Sendungen wohl wider besseren Wissens Günthers dürftige Schutzbehauptungen mit erbarmungswürdigen und primitiven Tricks durchsenden.

Interview mit Rechtsanwalt Ralf Höcker
„Was Günther sagt, ist verfassungsfeindlich“
Am 8.1. schätzte laut Julian Reichelt Lanz in einem Telefonat mit dem Chefredakteur von Nius noch ein, dass Daniel Günther in der Sendung kurz davor stand, ein Verbot der freien Medien zu fordern. Am 14.1. und am 15.1. behauptete Lanz in der Sendung, dass das alles Lüge und Fake News seien, obwohl er zum Ende der Sendung selbst über Nius sprach und u.a. auch der Bürgermeister von Bremen, Bovenschulte, das bestätigte, in dem er Günthers Ansichten pries. Was stimmt nun, Herr Lanz? Haben Sie am 8.1. mit Julian Reichelt telefoniert?

Wahrscheinlich ist doch dieser Ablauf: In dem Moment, in dem Lanz, den Günthers Verbots Libido erschreckte, nachfragte, unterlief ihm das, was die SED einen „politischen Fehler“ nannte – und was stets den schlimmsten aller Fehler darstellte. Es scheint so zu sein, dass auf Lanz beträchtlich Druck ausgeübt wurde, Günthers Version wahrzusenden. Das erklärt auch sein inquisitorisches Gehabe, die Penetranz in den letzten beiden Sendungen. Doch damit hat er das Ethos des Journalisten verleugnet – und ist als Journalist gescheitert.

Von Markus Lanz möchte ich nur noch zwei Dinge wissen: 1. Hat er mit Julian Reichelt am 8.1. telefoniert? 2. Warum hat er diese Show in den letzten beiden Sendungen abgezogen? Mehr Fragen habe ich nicht mehr. Von der Beantwortung der Fragen hängt es ab, ob es zu einer Frage der Selbstachtung wird, in seine Show zu gehen. Das ZDF möchte das ganze nicht kommentieren.

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Kommentare ( 129 )

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Unglaeubiger
1 Monat her

Lanz und Journalist, das passt beim besten Willen nicht zusammen. Diktatorisch agierend, mit ständiger Unterbrechung und Besserwisserei kläfft er seine Belehrungs-Lügen-Propagandasendung ohne Scham und Moral, mit arrogantem Auftreten runter. Journalist, sorry darunter stelle ich mir etwas gänzlich anderes vor.

alter weisser Mann
1 Monat her

Markus Lanz zog ein den Schwan.!
Ob nun mit entsprechender Einweisung oder nur mit verspäteter Schere im Kopf ist eigentlich egal.

Buck Fiden
1 Monat her

Lügner Lanz macht den Merz. Lustig: Als v. Storch die BBC- Fälschung über Trump erwähnt, weist er das von sich: Das war die BBC. Nur, um es im nächsten Moment diesem Sender gleichzutun. Lanz gehört weg. Aber sie werden ihn nicht fallen lassen – „bestah Mahnn“. Für mich ein widerlicher Lügner, und mit der Demokratie hat er es nicht. „Eier“ hat er auch keine, denn sonst hätte er ja bei der Wahrheit bleiben können. Warten wir mal Steinöfels Klage gegen Günther ab. Mal sehen, was Lanz dann noch wagt, zu verleugnen. Denn an seinen Verdrehungen und Lügen wird er gemessen… Mehr

Last edited 1 Monat her by Buck Fiden
mediainfo
1 Monat her

Das funktioniert eben in beide Richtungen: Den einen werden durch „Interpretation“ Aussagen untergeschoben, die sie tatsächlich nicht gemacht haben, dem anderen springt man bei und versucht durch besagte „Interpretation“ Aussagen, die dieser belegbar gemacht hat, verschwinden zu lassen.

Juergen Semmler
1 Monat her

Während GÜNTHER seine totalitär-bräunlich-eingefärbten, nur
schwer zu ertragenden Monologe hielt, wurde zwischendurch immer mal kurz Frederik Pleitgen eingeblendet, dessen GESICHTSMIMIK wirklich BÄNDE sprach…..

..nach dem Motto:

…“ WO BIN ICH DENN HIER
BLOẞ GELANDET ?“

Freigeist63
1 Monat her

Für mich ist Markus Lanz kein Journalist, er ist lediglich Moderator und Unternehmer. Er ist von der Leitung des ZDF steuerbar. Lanz – unabhängig von seinen Einstellungen – kommt im schicken Aunzugausfit als der liebe Schwiegersohn daher. Als der Vermittler zwischen Meinungen, pro und contra. Das kann man mögen oder auch nicht, doch akzeptiert man die Haltung. Jedoch ist das passierte schlagartig zu einer Schmierenkomödie verkommen, in dem das dreckige Gesicht der Sendung offenbart wurde. Vorne weg als Vortänzer, Markus Lanz. Ein Mann der dem Druck von Eis und Schnee standhält, aber nicht den Redakteuren und dem Rundfunkrat. Ein Mann… Mehr

reconquistadenuevo
1 Monat her

Im Senderaum von Nius hängt jetzt ein Konterfei von Günther, schön eingerahmt. Darunter steht: „ Mitarbeiter des Monats“. Wunderbar

Evero
1 Monat her

Das ist der Zenit des Psycho-Journalismus in „unserem ZDF“ und in „unserer Demokratie“.
Gesagtes und Gesendetes wird von Interviewtem und Interviewer im Nachhinein ins Gegenteil verkehrt.
Man soll auf der nachgereichten „Tonspur“ etwas anderes hören als was wirklich gesagt wurde.
Neben dem „Zentrum für politische Schönheit“ hat der Linksstaat auch noch das „Zentrum der Feigheit“, ZDF, hervorgebracht. Beide Institutionen können wir uns in einer verarmenden Gesellschaft, die auf Realismus setzt, um nicht verloren zu sein, nicht mehr leisten. Nulleister erledigen sich selbst.

Waehler 21
1 Monat her

Neben Zwangsgebühren werden wir auch bald eine Zwangsnutzung des ÖRR haben. Dann wird jeder die Welt so sehen, wie man sie uns erklärt.
Ruhe in Frieden Artikel 5 und andere Ideen des GG.

Last edited 1 Monat her by Waehler 21
RauerMan
1 Monat her

Günther ist ein schwacher Mann und ein schwacher Politiker.
ER beißt um sich, aus Angst.
Die Angst vor seinem politischen Scheitern und Machtverlust.
Schwache Leute sind immer eine Gefahr.