Roland Tichy legt Herausgeberschaft bei XING News nieder

Wo ein Ende ist, ist auch ein Anfang. Deutschland braucht auch und gerade im Jahr des Bundestagswahlkampfs kritische und mutige Stimmen.

Am Wochenende hat eine Kampagne gegen mich und meine publizistischen Aktivitäten einen weiteren Höhepunkt erreicht. Die Kritik entzündet sich an einem Text, der auf Tichys Einblick erschienen ist. Er hätte nicht erscheinen dürfen, deshalb habe ich ihn vom Blog entfernt und mich für den Fehler entschuldigt. Das hat aber nicht zur Ruhe geführt. Stattdessen erhielt ich Morddrohungen.

Des weiteren startete eine massive Kampagne gegen XING. Das kann ich nicht akzeptieren und gutheißen. Ich habe mit viel Engagement und Herzblut als Herausgeber von XING News gearbeitet und das Produkt mit aufgebaut. Die Vielzahl und die Breite des Spektrums der abgebildeten Meinungen bei XING Klartext haben gezeigt, dass es zu keinem Zeitpunkt zu inhaltlichen Überschneidungen gekommen ist. Klartext, die Firma XING und seine Mitarbeiter sind mir ans Herz gewachsen. Ihnen zuliebe trete ich mit sofortiger Wirkung vom Posten des Herausgebers zurück.

Wo ein Ende ist, ist auch ein Anfang. Mit XING Klartext und Tichys Einblick haben sich zeitgleich zwei sehr erfolgreiche Internetmarken entwickelt. Ich werde mich in Zukunft auf Tichys Einblick konzentrieren und dazu beitragen, dass Heft und Internet-Magazin weiter schnell wachsen. Deutschland braucht auch und gerade im Jahr des Bundestagswahlkampfs kritische und mutige Stimmen.

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Kommentare

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  • Max V.

    XING ist doch dieses Business Netzwerk. Bin da zwar einfach angemeldet, nutze es aber so gut wie nicht. Da gibt es NEWS? Ich hab da noch nie eine gelesen…..muss man wahrscheinlich Vollmitglied sein?

  • hasenfurz

    Man muß unterscheiden zwischen denen, die ihre eigenen Abhängigkeiten in der Sache eher aktiv mitsteuern und benutzen während sie in ihnen gefangen sind (Funktionäre usw.), und denen, die sich nur passiv in diese Abhängigkeiten begeben und sich einfügen können (Arbeitnehmer usw.), beide Seiten der Medaille sind Teil des Problems, und genauso ist das Problem auch grundsätzlich konstruiert: starke Abhängigkeiten von der Ideologie zu schaffen, oben wie unten, das ist der Trick dieses Totalitarismus.

  • Taschenkrebs

    Zu PC und Mindestmaß an höflichem Benehmen und Respekt : Der – existierende, ich weiß – Sprachgebrauch, der die Political Correctness auf eine Form der Höflichkeit reduziert, verkennt m.E. die Tragweite und Funktion dieses Konzepts, das mittlerweile diskurs- und damit in letzter Konsequenz auch wirklichkeitsformend geworden ist. Bei PC als Form von Höflichkeit wird ja nur ein Teilaspekt der PC betrachtet – das Element, das dazu dienen soll, die kontroverse Diskussion über teils nichtvereinbare Positionen dennoch ‘schonend’ ablaufen zu lassen. Das ist eine wertvolle Funktion von PC – wertvoll aber m.E. nur bis zu dem Punkt, wo die Höflichkeit und Rücksichtnahme in die Sorte von Selbst- oder Gegenüberszensur umschlägt, bei der, um der Höflichkeit willen, Inhalte als unsagbar markiert und so vom Diskurs ausgeschlossen werden. Meiner Beobachtung nach hat aber gerade dies in einem Maße zugenommen, dass mittlerweile wirklich die Verständigung über Realitäten schwer geworden ist, weil die Benennung bestimmter Realitäten verwechselt oder vermengt wird mit einer politischen Einstellung zu diesen Realitäten. Diese letztere PC ist schädlich, da sie verhindert, dass ganze Gedankengänge beider Diskutanten vollständig ausgeführt werden können. Diese schädliche umfassendere PC muss m.E. aufgebrochen werden. Auf der Ebene der Medien muss das geschehen, durch den Druck der ‘nichtveröffentlichten Öffentlichkeit’ wie zB durch Kommentare hier ; durch Twitterkommentare – mehr Kanäle fallen mir desolaterweise nicht ein. Ideen ?? – Denn aufgrund dieser PC sind ja bestimmte Sichtweisen medial stärker repräsentiert sind als andere Sichtweisen. Beispiel – derzeit möchte wohl ein Politiker Medien davon überzeugen, dem Vorsitzenden der Polizeigewerkschaft weniger Raum für dessen Meinung zu geben. Losgelöst von politischen Positionen ist es demokratisch bedenklich, wenn eine der existenten (legitimen, nicht justiziablen) Meinungsströmungen nicht adäquat abgebildet wird. Im Beispiel bleibend, würde ein Erfolg des Bestrebens dieses Politikers den Panzer der PC – als Beispiel – weiter verhärten durch erneute Verengung des Meinungskorridors.
    Demgegenüber ist natürlich Höflichkeit/Respekt im allgemeinen Umgang sehr wichtig, und Sie glauben es nicht – in weniger belebten Straßen grüße ich ältere Leute tatsächlich noch mindestens mit einem kurzen Nicken oder einem « Guten Tag ». Weil ich das als Kind gelernt habe und nicht wüsste, warum das schlecht sein sollte. Gleiches tun eigentlich alle Spaziergänger in der Landschaft da, wo ich manchmal spazierengehe. Das ist ein höfliches Anerkennen des höheren Alters in dem Fall von älteren Menschen in der Stadt ; beim Spazierengehen ist es ein Anerkennen der anderen im gleichen öffentlichen Raum, der durch solche Gesten erst zu einem gemeinsamen öffentlichen Raum wird.

    Mit der nötigen « Emanzipierung der Bürger von der Stimmungs- und Meinungsmache » meinte ich wiederum nicht die Medien, sondern die individuellen Bürger, zitiere mich selber : « Alle werden wacher für, und resilienter gegen Beeinflussung werden müssen. » Somit sollten Bürger idealerweise einfach bei allem, was sie rezipieren, mitbedenken aus welcher Ecke es stammt ; sich aber nicht so reflexhaft zu einem Urteil oder einer Handlung triggern lassen. Sondern denken : Aha. Hier will einer mich zu dem oder jenem animieren. Er sagt, X sei der Grund. Wen haben wir denn da überhaupt. Wird X tatsächlich sein Grund sein oder schiebt er X statt Y vor ? Egal was sein tatsächlicher Grund ist – sogar wenn der Grund vorgeschoben sein sollte – wäre es aus meiner eigenen Sicht trotzdem hilfreich fürs Große Ganze, hier dem Anpieks entsprechend zu agieren ? (Auch das kann ja sein !)
    Problem ist natürlich, wer hat schon Zeit dafür. Aber jeder sollte eine solche Analyse-Routine bei sich installieren, nach und nach läuft das dann schneller ab. Damit zum nächsten Punkt….

    Gewinnmaximierung in Reinform ja – zunächst schon – aber es wird den Unternehmen ja eine Gefahr für die teuer gepflegte Marke suggeriert. Wenn die Marke Schaden nimmt, sinkt dann auch der Gewinn.
    Aber hier brauchen wir eben die geknackte PC, die es den Unternehmen erlaubt, überhaupt wahrzunehmen, dass die Konsumenten da draußen buntergefächert sind als ihnen suggeriert wird. Und dass das Spektrum des Meinungsmainstreams diesseits aller linken und rechten Extreme viel breiter ist als derzeit abgebildet. Insofern müssen Unternehmen im Moment noch ein Risiko eingehen, indem sie sich einfach weigern, auf bestimmte Methoden einzugehen. Wohlgemerkt, sie sollen das tun, um das Verhalten von Denunzianten nicht positiv zu konditionieren – nicht, um eine bestimmte Position zu protegieren ! Es geht nur darum, nichtdemokratische Methoden, von jeder Seite, zu ächten und nicht zu belohnen. Auch solche Cojones zu zeigen, wird von Verbrauchern honoriert. Es gibt viel mehr Verbraucher als es Teilnehmer am Politbusiness gibt. Da brauchen Unternehmen sich nicht zu sorgen.

    > Allerdings – was will man machen? Ist halt freie Marktwirtschaft. So wie ich keine Firma zwingen kann, bei mir zu inserieren, kann ich keine Firma zwingen, bei meinem Unternehmen zu bleiben, wenn ich mich in einer Art und Weise benehmen würde, die gesamtgesellschaftlich eher auf Stirnrunzeln stieße.

    Das Verhalten, das „gesamtgesellschaftlich eher auf Stirnrunzeln stieße“: Das ist es. Der Panzer der PC hindert daran, zu erkennen, dass das Stirnrunzeln nicht zwingend gesamtgesellschaftlich, sondern vielleicht nur institutionell ist. Deshalb meine ich ja, die CSR muss erweitert werden um den Blick auf die politische, nicht nur ökologische Dimension, und nicht nur global, sondern auch lokal. Auf die Gefahr hin, meinerseits jetzt wie 90 Jahre alt zu wirken : Früher hatte manch einer seine eigenen inneren Complianceregeln, die er konsultieren konnte. Gewissenserforschung, kalibriert an sehr geeigneten Grundsätzen der katholischen Glaubens- und Soziallehre. Heute scheint der Islam die einzige Religion zu sein, von der man vernimmt, dass sie diese Funktionalitäten mitbringt. Wenn man nur wüsste, dass wir hier im Abendland so etwas auch haben. (Es geht mir nicht darum, dass jetzt ganze Kollektive von Gläubigen sich durch etwaige korrupte Kirchenfürsten fernsteuern lassen sollen. Es geht darum, dass jeder in seinem Kämmerlein sich mit einer – für mich : – « Lehre vom Guten vs Bösen in jedem Menschen und wie dieser jenige damit umgehen kann » auseinandersetzen kann, und damit sogar unabhängiger von jeglicher Fernsteuerung werden kann.

    Sehr berechtigte Sorge, „da wir Menschen es ja wunderbar hinbekommen, nicht nur den kleinen Finger, sondern gleich die ganze Hand nehmen zu wollen, wird es so, wenn man das übermäßige PC abschafft, irgendwann dazu kommen, dass auch die anderen „Werte“ erst überdacht und dann eventuell abgeschafft werden“ ! Frage ist wieder – welche Werte, und durch wen abgeschafft. Sogar die Toleranz kann dabei mithelfen, die Toleranz abzuschaffen. Auch hier gibt es wieder mehr als eine Ecke, aus der Gefahren drohen. Lösung wieder : Die Claims von den dahinterliegenden Motivationen trennen bei allen relevanten Interessengruppen, und auf der Zeitschiene in die Zukunft extrapolieren. – Sicher : Höflichkeit muss bleiben. Respekt muss bleiben. Der Respekt muss sogar wachsen – nicht vor politischen Positionen. Sondern vor dem jeweiligen Menschen, der etwas äußert, was er für sachlich zutreffend und hilfreich hält und der ein Recht darauf haben sollte, dass er diese Argumente unterbreiten darf und diese auch wohlwollend geprüft werden. Dieser Mensch hat eine Geschichte, etwas erlebt im Leben, etwas geschafft im Leben, und mit der Autorität all dessen was er ist, vertritt er nun eine Position. Wir sollten ihn achten und ihm zuhören. Ihn nicht zu vernichten versuchen. – Wir müssen etwas runter von den Ideologien um der Ideologien willen und wir müssen uns darauf einigen, dass ein noch so guter Zweck bestimmte Mittel nicht heiligen kann. Wenn der Zweck wirklich gut ist, wird er sich bei fairem Argumenteaustausch durchsetzen.

  • Hans-Joachim Radisch

    Ich kann Ihnen, sehr geehrter Herr Seiler, nur aus vollem Herzen zustimmen.

  • Steven

    Sind wir wieder so weit, dass Menschen, die nicht der offziellen Meinung blind folgen wollen, mit Mord bedroht werden? Das ist nicht mehr unser Deutschland, auch wenn Frau Dr. Merkel es immer noch glaubt. Das ist Deutschland der verklärten Politiker und ihren Anhängern. die einem neuen Glauben nachlaufen. Es ist nicht 5 vor 12,00 Uhr, sondern der Gong schlug bereits 12.00 Uhr.

  • Horst

    Warum sind hier deswegen alle so verwundert? Wer politisch aktiv ist, weiß schon lange in welchem Zustand wir leben.