Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder hat eine Zusammenlegung von Bundesländern ins Gespräch gebracht. Ministerpräsidentin Anke Rehlinger lehnt dies mit dem Hinweis auf den Stolz der Saarländer ab - doch das ist wenig glaubwürdig.
IMAGO / BeckerBredel
Anke Rehlinger sagt, die Saarländer seien sehr stolz. Da hat sie recht. Der Autor dieser Zeilen läuft zum Beispiel seit Tagen mit einem Schal der SV Elversberg durch Berlin, nur um zu zeigen, dass er aus dem selben Landkreis stammt wie das 7500 Einwohner fassende saarländische Dorf, das demnächst in der Bundesliga Union Berlin, den Hamburger SV oder gar Bayern München herausfordern könnte. Der Saarländer ist sehr stolz auf seine Heimat. Aber – das zeigt das Beispiel ebenfalls – er läuft mit dem Schal durch Berlin und eben nicht Saarbrücken, Homburg oder Neunkirchen, weil er dort kein Geld verdienen könnte. Dieser eine Saarländer weiß halt, dass es das entscheide Merkmal der Eigenständigkeit ist, sein eigenes Geld zu verdienen.
Das sieht Anke Rehlinger wiederum anders. Die Ministerpräsidentin will, dass ihre Saarländer stolz auf ihre Eigenständigkeit sein können und dass ihnen das andere bezahlen sollen. Das klingt maximal unlogisch. Weshalb an der Stelle gesagt sein muss, dass Rehlinger Sozialdemokratin ist, was das „Pech im Denken“ (Alfred Tetzlaff) wiederum ganz gut erklärt. 630 Millionen Euro hat das Saarland im Jahr 2024 aus dem Länderfinanzausgleich erhalten, bei eigenen Einnahmen von 6,5 Milliarden Euro. Dazu kommen die ganzen projektbezogenen Förderungen, die das Saarland vom Bund bekommt. Sodass es in Anlehnung an Rehlingers Parteifreund Klaus Wowereit heißen muss, eigenständig aber abhängig.
Nach einer Recherche des Portals Saarlandinside verdient Rehlinger im Jahr 250.000 Euro. Wobei… Verdienen… Zumindest erhält sie das Geld. Wem wäre da der Stolz auf das eigene Land nicht auch wichtig. Würde der Vorschlag das bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) umgesetzt und einige Länder zusammengelegt, dann wäre Rehlinger womöglich diesen gut bezahlten Job los. Sie kann sagen, dass es ihr auf die Sache ankommt und nicht auf ihr eigenes Gehalt. Nur muss ihr das halt keiner glauben. Zumindest noch nicht.
Die irische Band Pogues hat in „Thousands are sailing“ den wunderbaren Satz gesungen: „Where ever we go, we celebrate / the land, that makes us refugees.“ Wo immer wir auch hingehen, feiern wir das Land, das uns zu Flüchtlingen macht. Es gibt viele Saarländer, die ihre Elversberg-Schals durch Berlin und andere ihnen fremde Städte tragen. Wie die Iren einst müssen sie ihre Heimat verlassen, weil die ihnen nichts zu bieten hat. Das hat sich in Irland geändert. Denn Irland hatte Regierungen, die ihren Landeskindern dieses Schicksal erspart haben. Das Saarland hat Anke Rehlinger. Stolz auf die fremdfinanzierte Eigenständigkeit. Groß darin, das Geld anderer Leute auszugeben. Da ist sie die sozialdemokratischste aller Sozialdemokratinnen.
Die Heimatliebe wächst mit dem Abstand zur Heimat. Das wusste schon der große Dichter Heinrich Heine auf dem Weg in sein französisches Exil. Die Heimatliebe muss nicht mit dem Verbleib auf der eigenen Scholle verbunden sein. Ganz sicher aber ist sie nicht mit der Frage verbunden, wer in der Saarbrücker Staatskanzlei sitzt – oder ob es dort überhaupt eine Staatskanzlei gibt. Ein gemeinsames Bundesland aus Hessen, Rheinland-Pfalz und eben dem Saarland wäre immer noch kleiner als Bayern oder Nordrhein-Westfalen. Die beiden Landeshauptstädte Mainz und Wiesbaden grenzen unmittelbar aneinander. Sie teilen sich sogar Stadtteile wie Kastel oder Kostheim, die Mainz im Namen tragen, aber von Wiesbaden verwaltet werden. Saarbrücken ist gerade mal 150 Kilometer entfernt, zwischen München und Nürnberg liegen 170 Kilometer.
Ein gemeinsames Bundesland aus Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland könnte hunderte Stellen im öffentlichen Dienst abbauen. Tausende, wenn es die Politik nur wollte. Doch der Verdacht, drängt sich immer stärker auf, dass es genau das ist, was die Politik nicht will. „Wir müssen die Bürokratie abbauen.“ Das hört man in Berlin mittlerweile öfters als „Danke“ oder „Bitte“. Gesagt ist das schnell. Nur wenn es an die eigenen Bezüge geht oder an die der Parteifreunde, dann schützen Politiker wie Rehlinger den Nationalstolz vor und meinen damit doch nur den eigenen Geldbeutel.
Das Saarland hat zwei inoffizielle Hymnen. Keine davon ist der Rap, den Rehlinger zum Tag der Deutschen Einheit präsentiert hat. Der war eher Ausdruck ihrer eigenen Selbstverliebtheit. Bezahlt – wie immer – mit dem Geld der anderen. Es ist zum einen „Do druff bin ich e bissje stolz“, in dem Wolfgang de Benki erzählt, wie wichtig es seinem Vater war, „kää Saarfranzos“ gewesen zu sein. Das andere ist das Steigerlied. Offiziell kein national-politisches Lied, weswegen die Saarländer es auch während den beiden französischen Besetzungen anstimmen konnten, um ihre Verbundenheit demonstrieren zu können. Nationalstolz, an den Besatzern vorbei demonstriert. So gedeiht er am besten.
Eine Verwaltungsunion mit Rheinland-Pfalz und Hessen wäre hoch sinnvoll für das Saarland. Sein Nationalstolz würde dadurch kein bisschen weniger. Im Gegenteil. Fremd regiert aus Mainz-Wiesbaden wären die Saarländer vermutlich so stolz auf ihre Heimat, wie seit 1957 nicht mehr. Das Lebensgefühl des Saarländers ist das des Gallischen Dorfes: mit Lyoner, Schwenker und Karlsberg Ur-Pils statt Zaubertrank. Das kleine Dorf gegen den Rest der Welt. So wie vielleicht bald die SV Elversberg in der Bundesliga.

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Danke für die Erwähnung der wunderbaren The Pogues. Ganz falsch liegen sie aber, wenn sie schreiben, die Heimat hatte den Iren nichts mehr zu bieten. Die Engländer haben sie1847/48 verhungern lassen („Black 47“), und die, die dazu in der Lage waren, haben die abenteuerliche Flucht über den Atlantik ins gelobte Land auf sich genommen: ca 2,5 Millionen Iren lt. neuester Forschung. Mindestens ca 1 Mio sind auf diesen Hungerschiffen elendig verreckt. Der Exodus hielt bis in die 90er Jahre an. Die Besten wanderten immer seitdem aus. Erst mit dem sog Celtic Tiger Ende der 90er Jahre erreichte die Republik Irland… Mehr
Können wir gerne tun … aber nur, wenn das ganze Gebilde anschließend Saarland heißt und die Hauptstadt Saarbrücken.
Lächerlich und kindisch obendrein 🤡🤦♂️🤯🫣.
Das Saarland war immer Nehmerland! Saarland knapp 1Mio. Einwohnernde, 13 Mrd.Schulden, davon das meiste Liquiditätskredite (=versoffen). Im Wechselspiel egal ob CDU oder SPD in Pole Position, 150 Mio. Defizit im Haushalt 2024! Gleichzeitig Schulden aufnehmen und den Haushalt sanieren: Dieses Kunststück konnte nur dem Saarland ermöglicht werden, indem nach der Reform der Schuldenbremse auch das Sanierungshilfengesetz geändert wurde. „Ein guter Tag für das Saarland“ sprach MP Rehlinger nach dieser Reform.“Hurra wir dürfen neue Schulden machen!“ Ein Verwaltungsreformprogramm, das von Professor Hesse erstellte Gutachten liegt seit 2004 in der Schublade und zieht Fäden! HH einwohnermässig grösser als das Saarland leistet sich ein Teilzeitparlament! Das… Mehr
Oha – das gäbe haufenweise arbeitslose Berufspolitiker.
Dem Volk wäre das recht – den Politikern weniger.
Das ist doch das Einzige, was bei denen zählt. Die eigene „Wichtigkeit und die damit verbundene Versorgung durch die arbeitende Bevölkerung“.
Der Markus, dieser kleine Schlawiner , eventuell sollte er sich mal bei den Besatz..ähm, Freunden erkundigen ob dies überhaupt möglich ist. Dies denke ich nämlich nicht,denn genauso wie das Schulsystem in Westdeutschland ist die Aufteilung in einzelne Länder, ja , nicht Bundesländer,die gibt es nicht,obwohl sogar den Kindern solch Mist wie hier https://www.hanisauland.de/wissen/lexikon/grosses-lexikon/b/bundeslaender.html erzählt wird. Wer es mir nicht glaubt ,siehe hier nach https://www.bundesrat.de/SharedDocs/texte/15/20150730-warum-laender.html Aber zurück zum Thema . Wer an eine Souveränität der Bundesrepublik Deutschland glaubt ,den muss man entäuschen.Denn bis heute kam auf diese Fragen keine Antworten . Gysi in seiner Besten Zeit ab Minute 7.45 , aber… Mehr
Das wissen wir doch alles. Es war das Ergebnis des Zweiten Weltkriegs. Und die Sowjetunion erhielt die SBZ und ganz Osteuropa. Stalin verzichtete auf Griechenland, das blieb im Westen. Und wie der Ossi sagte: Nur die Besten kommen in Westen…
Klar.
Und um dann mein Auto anzumelden und den Reisepass verlängern zu lassen, fahre ich in Zukunft von Elversberg nach Kaiserslautern.
Das nennt man outsourcen.
Das ist nicht gerade sehr umweltfreundlich bzw. CO2-einsparend.
Es wäre natürlich gut für das Klima ,wenn gleich in jeden Dörflein derartige Institutionen vorhanden wären, könnte man zu Fuß gehn , wohl wahr. Da fällt mir weiter nichts zu ein .
Tja, Herr Thurnes, met de Pälzer, obwohl Erbfeinde vom Saarländer, kennt ich jo noch klarkomme, awwer was soll ich met nem Hesse mache, der basst doch hinne unn vorne net zum Saarland.
Unn es Steigerlied war mir immer lieb, bis es de Oskar bei jeder Gelegenheit gesung hat. Ab do wollt ich’s nemmeh höre.
„Ein gemeinsames Bundesland aus Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland könnte hunderte Stellen im öffentlichen Dienst abbauen. “ Die Bürokratenabspeckung könnte auch heute schon passieren. Weil sie aber nicht passiert, wird sie auch bei einer Länderzusammenlegung nicht passieren. Im übrige halte ich die Argumentation für zu kurz gedacht: Verfassungsväter wie Alliierte wußten damals mit Blick auf die Nazizeit sehr genau, warum sie keine erneute Zentralisierung politischer Macht in Deutschland wollten. Ein weitgehend dezentrales Deutschland mit verschiedenen Zentren hat uns gut getan; sowas sollten wir nicht ohne Not aufgeben; wir haben schon heute zuviel Zentralisierung von Macht Und in der Zeit der… Mehr
„Und in der Zeit der alten Bundesrepublik war die Zahl der Länder schließlich auch kein Kostenargument.“ Was immer Sie mit diesem Satz meinen mögen ,aber ich nehm das mal in Zusammenhang mit „Ein weitgehend dezentrales Deutschland mit verschiedenen Zentren hat uns gut getan;…“ Wirklich? Na dann teilen wir Deutschland doch gleich wieder in kleine Fürstentümer auf ,oder! Nur keine Macht mehr zentralisieren in Deutschland, denn „Verfassungsväter wie Alliierte wußten damals mit Blick auf die Nazizeit sehr genau, warum sie keine erneute Zentralisierung politischer Macht in Deutschland wollten. “ Ähm nein, „19. September 1945. Mit der Proklamation Nr. 2 gründen die Amerikaner… Mehr
Wie gut uns das angeblich tut, sieht man seit Jahrzehnten an den Sozenstaaten Bremen, Hamburg und Berlin. Man sollte diese Irrenanstalten zusammenlegen, weil dann wächst zusammen was längst zusammengehört…Rote Fahnen allerorten gute Nacht. Wie lange sollen die von uns noch durchgefüttert werden?
Ich muss jetzt mal dumm fragen. Bezug: „Der Saarländer ist sehr stolz auf seine Heimat. Aber – das zeigt das Beispiel ebenfalls – er läuft mit dem Schal durch Berlin und eben nicht Saarbrücken, Homburg oder Neunkirchen, weil er dort kein Geld verdienen könnte.“ Welches Geld kann der SVE-beschalte Saarländer denn in Berlin verdienen??
PS: Ansonsten ein gelungener Beitrag!
Meinetwegen eine Union mit Hamburg, aber nie mit der Pfalz. „Uff die Beem, die Pälzer kummen“. Fährt man von Einöd Richtung Zweibrücken, so merkt man: der kulturelle Unterschied ist immens – wie zwischen Botswana und Marokko. Im Gegensatz zu Kunstgebilden wie Nordrhein-Westfalen ist es nicht vermessen, vom saarländischen Volk zu sprechen. Maronen, Brezeln, Becker Pils, Roschtwurscht, Wecken einen. Dahem ist dahem. Et Rehlinger Anke mag eine mittelmässige Politikerin sein, aber sie ist eine hervorragende Kugelstosserin. Auf Kommentare aus dem Reich können wir verzichten! Während Foucault noch an seinem Pendel fummelte, hatten bereits die Neandertaler im Saarland das Prinzip über den… Mehr
„Auf Kommentare aus dem Reich können wir verzichten!“
Einer sei mir bitte erlaubt.
„Die Verfassung des Saarlandes trat nach den ersten Landtagswahlen 1947 in Kraft und hatte die Lostrennung von Deutschland und den wirtschaftlichen Anschluss an Frankreich zum Ziel.“
„Nach dem Scheitern des Saarstatuts in der Volksabstimmung am 23. Oktober 1955…“
Ja was denn nun, dazugehören oder nicht ? Wie wäre es mit einer erneuten Volksabstimmung , Frankreich würde sich bestimmt über Maronen, Brezeln, Becker Pils, Roschtwurscht freuen.