Deutschlands Politik vermodert in einer Zeitschleife. Immer dieselben Leute mit immer denselben Sprechblasen in immer denselben Ritualen: Da kann nichts vorangehen. Das Parteiensystem wird unser Land nicht retten. Im Gegenteil.
picture alliance/dpa | Michael Kappeler
Wahnsinn, hat Albert Einstein einmal gesagt, ist die Weigerung, etwas anders zu machen – aber trotzdem auf andere Ergebnisse zu hoffen.
Nehmen wir die Sozialdemokraten. Am Montagabend haben die beiden Co-Vorsitzenden Bärbel Bas und Lars Klingbeil wörtlich wissen lassen, die SPD dürfe nicht als Partei des „Weiter so“ und des Status quo wahrgenommen werden. Gleichzeitig gaben beide bekannt, dass der Status quo in der Parteiführung beibehalten wird und man dort so weitermacht wie bisher.
Doch lassen wir mal diesen inhaltlichen Quatsch und die hochnotpeinliche Selbstbeweihräucherung der SPD-Chefs beiseite. Das ist gar nicht entscheidend. Viel wichtiger ist, dass Deutschlands älteste noch existierende politische Partei erkennbar jede Fähigkeit verloren hat, morgen irgendetwas anders zu machen als heute. Und heute konnte sie auch schon nichts anders machen als gestern.
Noch nicht einmal im Angesicht des eigenen politischen Todes.
Routinereflexe
Das ist kein Zufall. Es ist ein Muster. Nicht nur die SPD ist darin gefangen, sondern alle politischen Parteien in Deutschland.
Besonders drastisch führt das in diesen Tagen die FDP vor. Die spielt keine Rolle mehr. Umso erstaunlicher ist es, dass sogar die selbsternannten Liberalen an allen Ritualen festhalten, deretwegen die Partei in die politische Bedeutungslosigkeit gestürzt ist.
Nach dem Rauswurf aus dem Bundestag haben die PR-Berater der FDP den Funktionären aufgeschrieben, dass man nun von „Erneuerung“ reden solle. Das tat auch Christian Dürr. Der Mann ist drei Jahre lang als Fraktionsvorsitzender im Bundestag nicht nur alle, aber auch wirklich alle Irrwege seiner Partei mitgegangen: Nein, er hat sie maßgeblich dorthin geführt. Und ausgerechnet dieser Mann – der für alles verantwortlich war, weshalb die FDP abgewählt wurde – präsentierte sich selbst als die „Erneuerung“.
Das war schon irre. Noch irrer war nur die Tatsache, dass Dürr dann tatsächlich zum Parteivorsitzenden gewählt wurde.
Den Zustand unseres Parteienstaates zeigt kaum etwas drastischer als die Führungsdebatte bei den Liberalen.
Dürr ist inzwischen zwar zurückgetreten – will aber auf dem kommenden Parteitag trotzdem wieder als Parteichef kandidieren. Ansprüche meldet auch Marie-Agnes Strack-Zimmermann an: professionelle Schreihälsin, bei der man nicht so genau weiß, ob sie nun mehr Geld in ihrem Job als EU-Abgeordnete verdient oder durch das quasi berufsmäßige Verklagen von unliebsamen Bürgern.
Bei der FDP kandidiert ein Mann von gestern gegen eine Frau von vorgestern. Und die Frau von vorgestern wird wohl gewinnen.
Dass Berufspolitiker sich an ihren Sesseln festtackern, ist nicht neu. Das sagt etwas über ihren Charakter aus. Neu ist, dass sie damit selbst dann durchkommen, wenn sie ihren eigenen Laden in den Ruin regiert haben. Das sagt etwas über das politische System aus.
Geschlossene Gesellschaft
Der Parteienstaat ist erstarrt. Personell, systematisch, inhaltlich.
Wer einmal drin ist, bleibt drin – und hält alle anderen fern, so gut es geht. Multifunktionäre sind die Regel, das verringert das „Störfeuer“ von Neulingen, denen man machtpolitisch nicht trauen kann, weil man nicht weiß, zu welcher Seilschaft sie gehören.
Demokratie lebt vom Wechsel der Personen. Doch in Deutschland – und in vielen anderen westlichen Industriestaaten – kann der Bürger auch die unfähigsten Politiker nicht mehr loswerden. Es ist eine Kaste, die sich Strukturen geschaffen hat, die sie unabwählbar machen. Längst entscheidet nicht mehr der Bürger darüber, wer ins Parlament einzieht – sondern die Partei.
Parteilisten sind das Schlimmste, was einer Demokratie passieren kann.
Um es einmal deutlich zu sagen: Jedes, ausnahmslos jedes Argument für eine Listenwahl ist vorgeschoben. In Wahrheit geht es dabei immer ausschließlich darum, so viel Macht wie nur irgend möglich in den Händen von Parteiapparaten zu konzentrieren. Die letzte „Wahlrechtsreform“ hat das alles nur noch verschärft.
Festgemauert in der Erden
Deutschlands Demokratie wird ihrem Namen nicht mehr gerecht.
Immer dieselben Figuren, immer dieselben Sprechblasen, immer dieselben Rituale. Und im Ergebnis, nicht weiter verwunderlich, immer dieselbe Politik. Eine materiell übersättigte und intellektuell inzestuös ausgelaugte Politikerkaste hat nur noch den einzigen Daseinszweck, sich selbst an der Macht zu halten.
In den vergangenen 28 Jahren hat die SPD sage und schreibe 24 Jahre lang den Kanzler oder den Vizekanzler gestellt. Fast ein Vierteljahrhundert mit einer kleinen Unterbrechung in der Regierungsverantwortung: Da kann man mit einiger Berechtigung von einer Staatspartei sprechen.
Wie sehr die Funktionäre sich mental in ihren Staatsämtern häuslich eingerichtet haben, erkennt man schlagartig, wenn sie die Ämter plötzlich verlieren.
Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter ist gerade nach zwölf Jahren im Amt abgewählt worden. Das ist der normalste demokratische Vorgang der Welt. Aber der bayerische Sozialdemokrat reagiert auf die denkbar verstörendste Weise: Er löscht all seine Kanäle in den Sozialen Medien – und meldet sich krank. Seine Amtszeit dauert noch fünf Wochen. So lange wird er vom Münchner Steuerbürger bezahlt. Deutlicher könnte Reiter seine Verachtung für demokratische Prozesse nicht dokumentieren.
Ähnliches gilt für Alexander Schweitzer. Der Sozialdemokrat wurde gerade als Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz abgewählt. Es gibt gute und schlechte Verlierer, Schweitzer ist ein schlechter. Der Wahlnachbesprechung des SPD-Bundesvorstands in Berlin am vergangenen Montag blieb er tief beleidigt fern. Das nennt man wohl zweifelhafte Dienstauffassung: Der Mann ist stellvertretender Bundesvorsitzender seiner Partei.
Weg damit
Der Berufspolitiker mag in der Gründungsphase der Bundesrepublik eine sinnvolle Idee gewesen sein. Wenn man sich heute umsieht in der Welt, dann kann man aber nur feststellen: Nirgendwo, wirklich nirgendwo ist eine Demokratie zu sehen, in der die möglichen Vorteile des Berufspolitikertums größer wären als die ganz realen Nachteile.
Wenn wir wollen, dass unser Land nicht endgültig den Bach runtergeht, dann müssen wir neue Dinge probieren. Alles andere wäre, mit Einstein gesprochen, eben einfach nur Wahnsinn.
Warum sollten wir es nicht ohne Berufspolitiker versuchen – und ohne Parteien? Schlimmer, mit Verlaub, kann es ja nicht mehr werden.





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Und was ist die Konsequenz? Dass sich etwas ändert? Wenn bereits jetzt die einzig relevante Oppositionspartei von der politischen Teilhabe mehr oder minder ausgeschlossen wird, die Wähler aber dieser Partei zunehmend ihre Stimme geben, liegt die Folge doch auf der Hand. Oder glaubt jemand, diese Leute würden die Macht aus der Hand geben, nur weil der Wähler sie nicht mehr will? Die SPD zeigt doch schon jetzt, dass Regieren auch mit 16 Prozent geht. Und so werden es auch die übrigen Parteien verstehen, sich mit ein paar Winkelzügen die Macht zu sichern, egal wo das undankbare Wahlvolk das Kreuz macht.… Mehr
Ein brillanter Kommentar Heidens, der das moribunde BRD-Parteiensystem als Ursache des Verfalls unserer Heimat benennt, das seitens der sogenannten „Alliierten“ nach 1945 erbaut wurde, um unser Volk zugunsten des Kommunismus zu spalten (https://www.youtube.com/watch?v=g_4vCr_Ea80), das heißt, dass es im Zuge der Auflösung des Besatzerkonstruktes BRD (https://www.youtube.com/watch?v=hIu80oSC728 ab Minute 3:25) eines Abrisses bedarf, der durch Unterzeichnung ausstehender Friedensverträge vonstattengeht, womit der bis zum heutigen Tage tobende sogenannte „Erste Weltkrieg“ Beendigung erfahren wird (https://www.ewigerbund.org/eb/was-stimmt-hier-nicht/), das wiederum Voraussetzung für die Reaktivierung des nach wie vor bestehenden Deutschen Kaiserreiches bildet (https://www.youtube.com/watch?v=aHHDOGYw_9M — https://www.youtube.com/watch?v=AL9KKVlcDEk — https://www.bundestag.de/webarchiv/presse/hib/2015_06/380964-380964), da die sogenannte „parlamentarische Demokratie“ unser Volk paralysiert, das der… Mehr
Die bilden sich alle ein dass unsere Gesellschaft nach deren Vorstellungen funktioniert. Das Schlimme daran, sie werden dafür von uns noch fürstlich entlohnt.
Nun setzt sich langsam die Erkenntnis durch, die wohl so einige schon vor Jahren erkannt haben. Unser Problem ist das Parteiensystem als solches. Dies muss abgeschafft werden. Politiker jeder Partei sind gefangen in einem Parteiapparat, der eine eigene Meinung nicht mehr zulässt. Entweder man vertritt die Meinung der Parteiführung, oder man ist weg vom Fenster. Auf gut Deutsch: Arschkriecher und Schleimbeutel machen Karriere, Politiker mit Moral und Charakter haben keine Chance. Und da dies schon länger so ist, zieht die aktuelle Parteienlandschaft im links/grünen Milieu auch nur noch links verschwurbelte bis radikale Idioten an. Zivilversager, die nur in der Politik… Mehr
Es gibt keinen aktuellen und ehemaligen Funktionär der nicht die Kapitalstrafe verdient hat. Adenauers und Kohls Fehler war es pseudo pragmatisch zu handeln und zu denken, dass man mit utopistischen Spinnern einen Demokratischen Staat machen kann, wenn man die selben Akteure bereits die vorherigen Gebilde an die Wand gefahren haben. Die Fehler nach 45 und 90 dürfen nicht wiederholt werden; kein Pragmatismus, keine Gnade für irgendjemanden der on den vergangen 80 Jahren im politischen Raum tätig war; nur ein Loch für die ganze Familie
Das Gruppenfoto ist die Antwort auf alle Fragen zum Untergang Deutschlands.
Erstmal sollte man nicht immer die gleiche Soße wählen, sondern die AfD. Dann gibt es zumindest mehr Volksabstimmungen und dem Propagandafunk würde eine plausible Chance geboten werden, endlich abgeschaltet zu werden. Das wäre schon mal ein bedeutender Fortschritt in Richtung Volksentdummung. Die Funktionärslisten gehören komplett abgeschafft, da stimme ich Ihnen zu, Herr Heiden.
Und nu?
Immer so Artikel die aufzeigen was alles falsch läuft. Und wenn es um konkrete Alternativen geht ,ist der Text schlagartig zu Ende.
man darf eben nicht sagen, saß die AfD deutlich mehr als als zwei Drtittel bräuchte, um eine VERFASSUNG mit den Erfahrungen der Weimarer und der ehemaligen DDR und der jetzigen Berliner Republik – und guten Blicken auf die Scheizer und USAmerikanischen Demokratien – wäre ja zu schön…
Den Münchner nun Ex-OB scheint ja eine seltsame Figur zu sein. Ämter anhäufen, auch über das Erlaubte hinaus, für eine weitere Amtszeit kandidieren … und wenn man vom Trog fliegt: Drama, spontane Entdeckung einer Gesundheitskrise nebst Krankmeldung. Aber für ein „weiter so und kassieren“ hätte sie natürlich noch gut gereicht, die angeschlagene, ja aufgeopferte Gesundheit.
Verächtlicher gehts doch gar nicht.
Außer vielleicht die SPD-Stadträte, die jetzt noch Würdigung und gute Wünsche einfordern, nachdem der Mann über Nacht so die Brocken hinwirft.
Halleluja !
Meine Rede seit Jahren !
Mir kann bis heute niemand sagen , wozu diese Leute ( Parteien )
gut sein sollen .
Außer natürlich für sich selbst , ihre Organisation und deren Speichellecker
in den Medien , und sonst wo ……
Also , weg damit !
Es kann nicht schlechter werden !
Es gibt viele Speichellecker. Und die lecken den Speichel gerne, da dieser aus Euros besteht. Schlage nie die Hand, die dich füttert!