Die Koalition ist nicht zerstritten, schließlich redet man übereinander

Während Merz sich zum Opfer erklärt und Klingbeil immer neue Milliarden verplant, spielt die Union Reformmotor. Nur fehlt die Reform. Übrig bleibt eine Koalition, die lärmt, pumpt, blockiert und das Land weiter ausbeutet und abwirtschaftet.

picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow

In den letzten Stunden und Tagen geschah schon Erstaunliches. Lars Klingbeil, der zu glauben scheint, dass die Banken und Hedgefonds das Geld wie Geldbauern für die Regierung anbauen, dass der Staat nicht pleite gehen kann (wo Deutschland doch Frankreich hat) und man Schulden nicht zurückzahlen muss. Jedenfalls nicht in der eigenen Amtszeit.

Klingbeil ist ehrlich empört darüber, dass die Unionsleute den Sozialdemokraten vorwerfen, die Reformen zu blockieren. Schließlich hat doch gerade erst Lars Klingbeil eine Liste vorgelegt, welche Subventionen gestrichen werden können. Ist das eigentlich derselbe Klingbeil, der gerade Eckwerte für einen Haushalt 2027 und für die Finanzplanung bis 2030 vorgestellt hat, nach dem der Schuldendienst 2030 dann 80 Milliarden Euro Minimum ausmachen wird? Trotz gewaltiger Abgaben- und Steuererhöhungen, wohl nicht nur bei Zucker, Alkohol, Tabak und Kryptowährung. Klingbeil will immer noch mehr Geld pumpen und natürlich auch verschenken. Auch an die Genossen in den NGOs.

Natürlich darf Klingbeil verärgert sein. Darüber, dass von Jens Spahn über Alexander Hoffmann von der Christlich Sozialistischen Union bis Carsten Linnemann, der gerade aus der Versenkung auftaucht, sich die Unionsleute als diejenigen öffentlich darstellen, die für Reformen in der Koalition gegen die blockierende SPD kämpfen.

Ja, es gibt ihn noch, den Generalsekretär der CDU. Dabei hat die Union die Eckwerte zum Haushalt beispielsweise mit beschlossen. Klar ist das unfair: mitmachen und es hinterher nicht gewesen sein wollen. Das ist zwar nicht nett, aber eben CDU/CSU. Tatsächlich entbrannte in den letzten Tagen ein Streit darüber, wer der Reformmotor und wer der Bremser in der Koalition ist. Vor allem über die sozialen Medien, aber nicht nur dort. Obwohl das schon lustig ist, weil weit und breit keine Reform zu sehen ist. Okay, dann ist die Union eben ein Motor ohne Reform. Ein Motor ohne Getriebe, ohne Verbindung zu Achsen, zu Rädern. Einfach nur ein Motor.

Und ein wenig hat die Union insofern Recht. Das müsste auch Lars Klingbeil einsehen, wenn er nicht gerade so viel Spaß dabei empfindet, so viel Geld auszugeben, das er gar nicht hat. Bärbel Bas blockt jede Reform des Sozialstaates ab. Von der Rente bis zum Bürgergeld. Aber wahrscheinlich ist das nicht einmal Ideologie, sondern blanke Unfähigkeit. Und wer vom Fach nichts versteht, rettet sich eben in die Ideologie. In die schönen alten Klassenkampfsprüche.

Aber auch darin hat die Union die SPD inzwischen überholt. Ohne sie freilich eingeholt zu haben, wie der Genosse Walter Ulbricht immer so gern sagte.

An Walter Ulbricht und die Rhetorik der DDR erinnerte gerade Jens Spahn von der CDU. Im Bestreben, sich als Motor der Reform darzustellen, postete er mit festem visionärem Blick dem Morgenrot entgegen: „Wer blockiert, verliert. Wer bremst, fällt zurück. Als Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im #Bundestag kann ich mit Stolz sagen: Diese Fraktion glaubt an unser Land und an seine Menschen. Wir sind fest entschlossen, die nötigen #Reformen durchzusetzen, damit auf anstrengende zwanziger Jahre wieder ein Jahrzehnt des Aufschwungs folgt.“

Da wird einem doch ganz ostalgisch zumute. Denn wie sagte doch der Genosse Honecker: „Vorwärts immer, rückwärts nimmer.“ Oder: „Den Sozialismus in seinem Lauf halten weder Ochs, noch Esel auf.“ Denn „wer blockiert, verliert. Wer bremst, fällt zurück.“ Oder wie Frieda Hockauf lehrte: „So wie wir heute arbeiten, werden wir morgen leben.“

Denn, fügt Jens Spahn hinzu: „Wir sind fest entschlossen, die nötigen #Reformen durchzusetzen, damit auf anstrengende zwanziger Jahre wieder ein Jahrzehnt des Aufschwungs folgt.“ Oder wie Herr Hoffmann von der Christlich Sozialistischen Union postete, die jetzt wie Herr Merz auch für eine „Reichensteuer“ ist: „Die Unionsfraktion ist der Reformmotor dieser Bundesregierung. Wir sind fest entschlossen, Deutschland so voranzubringen, dass aus zumutenden Zeiten wieder zuversichtliche Zeiten werden.“ Die Union in ihrem Lauf hält eben weder Ochs, noch Esel auf.

Bleibt am Ende nur darauf hinzuweisen, dass der Klassenfeind nicht schläft. Friedrich Merz teilte gerade dem Spiegel mit: „Schröder hatte mit hartem Widerstand zu kämpfen, aber er wurde nicht so angefeindet, wie ich angefeindet werde. Ich bin nur gelegentlich auf Social Media unterwegs. Aber wenn Sie mal schauen, was dort über mich verbreitet wird, wie ich da angegriffen und herabgewürdigt werde – kein Bundeskanzler vor mir hat so etwas ertragen müssen.“ Sowas aber auch. Wo er doch geliebt werden will.

Hat Friedrich Merz eigentlich mal die Bürger gefragt, was sie von seinen Wortbrüchen halten? Wieder übrigens im neuen Haushaltsentwurf dokumentiert. Hat Friedrich Merz eigentlich mal die Bürger gefragt, was sie davon halten, dass er in wechselnden Augenblicken wechselnde Aussagen tätigt? Hat Friedrich Merz eigentlich mal die Bürger gefragt, was sie davon halten, dass alles teurer und nur die Phrasen, Floskeln und Losungen der Regierung billiger werden?

In der Koalition wird um die Deutungshoheit gestritten, wo es nichts mehr zu deuten gibt. Man erlebt die Spiele einer Koalition, die nur noch zusammenbleibt, weil sie noch nicht auseinandergehen kann. Weil sie nie als Koalition gelebt hat, kann sie auch als Koalition nicht sterben. Sie ist eben einfach nur passiert. Sie ist eben einfach nur da.

Ein Motor ohne alles.

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Kommentare ( 24 )

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Sonny
20 Tage her

Tja.
Wer hat die cdu, die spd, die grünen und linken denn gewählt?
Wenn destruktive Pseudo-Regierungen uns über zig Jahre so dermaßen in die Armut stürzen können, während sie sich pausenlos selbst bereichern und trotzdem immer wieder gewählt werden, muss man sich doch langsam mal fragen, wer hier eigentlich die Verblödeten sind. Womöglich ja doch die Wähler?

Last edited 20 Tage her by Sonny
Sabel
20 Tage her

Die Leiden des Einen sind die Freuden des Anderen. Der Eine ergießt sich in Selbstmitleid, der Andere beklagt die Ungerechtigkeit und wieder Andere schweben in ihrem Raumschiff weiter durchs Universum. Allen gemeinsam ist der Bezug zur Realität abhanden gekommen, sie wiederzufinden daran besteht auch keinerlei Interesse, letzteres bezieht sich nur noch auf Machterhalt und persönliche Vorteile. Vater Staat, ein Selbstbedienungsladen für ideologisierte Mandatsträger, denen der Souverän am Allerwertesten vorbei geht, Hauptsache dieser zahlt weiter die Zeche. Lang wird’s eh nicht mehr dauern dann ist die Nulllinie erreicht.

Martin Mueller
20 Tage her

Schaut man sich die heutigen Protagonisten der Bundesregierung an, dann ist wohl fast jedem klar, in der ersten Liga spielen die allermeisten nicht.

Auch das ist ein Unterschied zu früheren Regierungen bis vielleicht so 2005 und davor.

Welches Unternehmen würde denn einem Klingbeil den Finanzressort anvertrauen?

Mal ehrlich gefragt, wer von den Leuten im Kabinett würde denn in der freien Wirtschaft einen adäquaten Führungsposten innehaben? Wahrscheinlich niemand.

Oblongfitzoblong
20 Tage her

Die Schlagzahl des Theaterdonners zur Beschäftigung der Medien – MSM – und der Bevölkerung und zur Ablenkung von tiefgreifenden Veränderung der Gesellschaft, genannt Transformston, muss erhöht werden. Gekünstelter Zank soll die Durchführung der Deindustrialisierung, der Fortführung der illegalen Migration , die Forcierung der sog. Energiewende etc. vor den Menschen, die schlafend den Prozess begleiten, verschleiern, bis das Ende erreicht ist. Ich würde mich gerne irren!

Bernd Bueter
20 Tage her

..wegen bekannter deutscher Wählervollverblödung kein Thema…
..den Wollenden geschieht nun mal kein Unrecht (Verwaltungsgrundsatz)

Jens Lueck
20 Tage her

Ich möchte einen Bundeskanzler, der nicht lügt, wenn er den Mund aufmacht. Der den Wohlstand unseres Landes vermehrt und nicht bewusst zerstört. Ich bin nicht bereit, den Gürtel enger zu schnallen und auch nur 1 Prozent meines Wohlstand ab- oder aufzugeben. Das wäre nämlich auch nicht nötig. Es würde nämlich reichen, wenn diese unfähigsten Politiker aller Zeiten endlich aufhören würden, unseren hart erarbeiten Wohlstand in der ganzen Welt zur verteilen und zu verschenken. Das Sozialamt der ganzen Welt geht nämlich gerade pleite. Wenn die korrupten Clowns so weiter machen, dann bin ich bis Jahresende mit meiner Frau in Montenegro. Eine… Mehr

OJ
20 Tage her

DER UNTERGANG WESTDEUTSCHLANDS
1989: Kauf der DDR , Sonderposten, keiner wollte’s haben. Leider keine Rückgabe möglich.

2008: Lehman Brothers – die kapitalistische Freiheit zeigt, wie man aus Luft Geld macht. Und aus Geld dann ganz schnell gar nichts.

2015: Die große Flutung , „Wir schaffen das!“ rief die Kanzlerin.
Und siehe da: Sie schaffte es tatsächlich das Land zu spalten.
Die einzige Integration, die gelang, war die von Wut in den Alltag❗

Last edited 20 Tage her by OJ
Freigeistiger
20 Tage her

Wir erleben nicht nur den sozio-ökonomischen Niedergang dieses Landes und der regierenden Koalition, sondern auch eines völlig aus dem Ruder gelaufenen, korrupten Systems der repräsentativen Demokratie. Repräsentiert werden nicht mehr ein mehrheitlicher Volkswille, sondern diverse Partikularinteressen neben Partei- und Eigeninteressen der verantwortlichen Politiker. Die Bürger dürfen alle paar Jahre wählen und dann macht die herrschende Politik, was sie will, angefangen bei der Koalitionsbildung. Dem kann nur durch direkte Demokratie begegnet werden, durch Partizipation des Souveräns an allen wichtigen politischen Fragen und Entscheidungen. Die Väter des GG entschieden sich für repräsentative Demokratie, weil sie den deutschen Bürgern wegen der Nazi-Vergangenheit noch… Mehr

HPs
20 Tage her
Antworten an  Freigeistiger

Wie NAIV!

Glauben Sie denn allen Ernstes „Plebiszite“ machen die deutsche Wirtschaft innovativer, schaffen Arbeitsplätze?

SO EIN SCHWACHSINN !

OJ
20 Tage her
Antworten an  HPs

Mit Respekt aber ihre Wortwahl ist inakzeptabel❗

Martin Mueller
20 Tage her
Antworten an  HPs

Das ist doch gar nicht die Aufgabe von plebiszitären Elementen, sondern direkte demokratische Legitimation zu geben und als Korrektiv ins operative politische Geschäft eingreifen zu können

Der Sinn direkter Demokratie ist, die Demokratie verstärkt im Lot zu halten, dem Bürger die ultimative Entscheidung zu überlassen

Was alle angeht und wichtig ist, kann auch nur von allen Staatsbürgern entschieden werden.

Hier wird auch das Dilemna mit der demokratischen Legitimation der EU sichtbar. Es gibt kein EU-Volk, keinen EU-Souverän…

OJ
20 Tage her
Antworten an  Freigeistiger

Das Problem der Plebisizite: Die Mehrheit der Wähler ist politisch und wirtschaftlich ungebildet ❗

Last edited 20 Tage her by OJ
Martin Mueller
20 Tage her
Antworten an  Freigeistiger

Repräsentative Demokratie läuft immer Gefahr, dass sich politische Machtstrukturen im in- und außerparlamentarischen Betrieb verfestigen.

Umso mehr, wenn es nicht zu einem zyklischen politischen Wechsel kommt. Je mehr Parteien im Parlament, desto schwieriger ein politischer Wechsel.
Das führt zwangsläufig dazu, dass die Demokratie aus die Balance gerät, nicht mehr frei schwingt von links nach rechts und umgekehrt.

Plebiszitäre Elemente, also verbindliche Volksentscheide, die ins operative politische Geschäft korrigierend einwirken, können ein Abdriften demokratischen Prozesse durchaus verhindern. Und sorgen zudem für direkte demokratisch Legitimation.

Alf
20 Tage her

Die Union ein Motor ohne Reform. Ein Motor ohne Getriebe, ohne Verbindung zu Achsen, zu Rädern. Einfach nur ein Motor?
Die CDU produziert Rohrkrepierer am laufenden Band, kann nicht mal einen Motor.
Und die SPD will den Regierten glauben machen, damit könne man fahren.

Thomas
20 Tage her

Die nächste Bundesregierung muss eine AFD Beteiligung oder Duldung haben. Der Trick den nächsten CDU/CSU Apparatschik an Merz Stelle zu setzen und die gleiche verhängnisvolle Politik weiter zu betreiben wird nicht mehr funktionieren.