Sentenzen und Erkenntnisse über die Zeit hinaus

Strauß war kein Heiliger, aber einer der seltenen messerscharfen politischen Analytiker und mitreißenden Redner, die man heute in Zeiten eines Fachkräftemangels selbst auf den Regierungsbänken vermisst. Nachfolgend eine kleine Auswahl von Sentenzen und Sprüchen des FJS.

IMAGO / Wolfgang Maria Weber

Vor 35 Jahren, am 3. Oktober 1988, auf den Tag genau exakt zwei Jahre vor Vollendung der Einheit Deutschlands, ist Franz Josef Strauß (FJS) nach einem Schlaganfall bei Regensburg verstorben. Er wurde 73 Jahre alt. Von 1961 bis zu seinem Tod war er CSU-Vorsitzender, von 1978 bis zu seinem Tod Bayerischer Ministerpräident. In Kabinetten von Bundeskanzler Konrad Adenauer bekleidete er von 1953 bis 1962 verschiedene Ministerposten, unter anderem als Atom- und als Verteidigungsminister. Als letzterer musste er im Zuge der sog. Spiegel-Affäre zurücktreten. 1980 trat er als Kanzlerkandidat der Union an. Die CDU/CSU erreichte mit ihm an der Spitze 44,5 Prozent, die SPD mit Helmut Schmidt 42,9 Prozent, die FDP 10,6 Prozent. Da die FDP zu diesem Zeitpunkt noch an der Seite der SPD blieb, reichte es nicht. Erst zwei Jahre später, am 1. Oktober 1982, wurde Helmut Kohl durch ein konstruktives Misstrauensvotum – auch mit den Stimmen der FDP – zum vierten Bundeskanzler der CDU gewählt.

Wir wissen nicht, wie ein FJS die Wiedervereinigung begleitet hätte. Dass er sie leidenschaftlich wollte, weiß man. Wir wissen auch nicht, wie er die Jahre danach agiert hätte. Aber wir können erahnen, dass ihm manches nicht gefallen hätte und dass er heftig dagegen angegangen wäre. Wir können manches erschließen aus markanten Aussagen, die teilweise zu Sinnsprüchen und Erkenntnissen über den Tag hinaus wurden. Klar ist auch: Strauß war kein Heiliger, aber einer der seltenen messerscharfen politischen Analytiker und mitreißenden Redner, die man heute in Zeiten eines Fachkräftemangels selbst auf den Regierungsbänken vermisst. Nachfolgend eine kleine Auswahl von Sentenzen und Sprüchen des FJS.


„Konservativ heißt nicht nach hinten blicken, konservativ heißt an der Spitze des Fortschritts marschieren.“ Wahlveranstaltung am 1. März 1978 in Neustadt bei Coburg

„Ein Schwanz, der gleichzeitig mit zwei Hunden wedelt.“ Charakterisierung der FDP 1977, Die Zeit 30.12.1977

„Wenn ich das Verhalten der Europäer und der Amerikaner betrachte, dann fällt mir der Zug der Lemminge ein, jener Tiere, die sich ins Meer stürzen“. Zitat von 1978, Weltbild 5. Juni 1978

Über Kohl: „Der wird nie Kanzler werden. Der ist total unfähig; ihm fehlen alle charakterlichen, geistigen und politischen Voraussetzungen. Ihm fehlt alles.“ Etwa 1979/1980

„Ich glaube, es ist reizvoller, in Alaska eine Ananasfarm aufzubauen, als in Deutschland das Bundeskanzleramt zu übernehmen.“ Als Kanzlerkandidat ergänzte Franz Josef Strauß das ursprünglich im Magazin Capital 1/1969 erschienene Zitat um den Zusatz: „Aber das mit der Ananasfarm geht jetzt leider nicht mehr, weil inzwischen die Energiekosten zu stark gestiegen sind.“ Ulrich Zimmermann: Geliebt, verkannt und doch geachtet. Franz Josef Strauß von A-Z, 1980

„Von den vergrämten Nazis sehr alter Jahrgänge bis zu den jugendlichen Schwärmern, dazwischen Knallrote, die mal vorübergehend als Laubfrosch im Fasching gegangen sind.“ Beschreibung des Spektrums der Grünen 1980, Rheinischer Merkur 28.3.1980

„Die Sozialisten von heute haben aus der Vergangenheit nichts gelernt, sie haben keine Dummheit vergessen und keine Weisheit gelernt“. Rheinischer Merkur 16. Juli 1982

„Weltanschauungen sind dogmatische Bastarde, gezeugt aus ungeduldiger Quasi-Religiosität, die gleichsam die Apokalypse nicht erwarten kann“. Anlässlich der Verleihung der Kultur- und Sozialpreise 1982 der Bayerischen Landesstiftung, 1982

„Es legt sich eher ein Hund einen Wurstvorrat zu, als dass eine liberal-sozialistische Koalition wieder eine Steuer aufgibt.“ Pressekonferenz nach einer CSU-Vorstandsitzung am 26. April 1982

„Der einzige Unterschied zwischen Gott und den Historikern besteht darin, dass Gott die Vergangenheit nicht ändern kann, wohl aber können das die Historiker.“ Der neue Tag – Oberpfälzer Kurier, 23. März 1983

„Was passiert, wenn in der Sahara der Sozialismus eingeführt wird? Zehn Jahre überhaupt nichts, und dann wird der Sand knapp“. Im Wahlkampf anlässlich der Bundestagswahl 1983

„Demokratischer Kommunismus ist das gleiche begriffliche Monstrum wie geröstete Schneebälle.“ Anlässlich einer wirtschaftspolitischen Rede vor dem Executive Club in Paris 1985

Über Rot-Grün: „Wollen wir das buntgeschmückte Narrenschiff Utopia grüner Politik?“ 1986

„Wenn Politiker anfangen über ihre Karriere nachzudenken, dann ist es meistens ohnehin vorbei.“ in: Günter Gaus, Zur Person. Von Adenauer bis Wehner – Portraits in Frage und Antwort, 1987

„Rechts von uns darf es keine demokratisch legitimierte Partei geben, d.h. wir, die CDU und CSU, müssen diesen Raum und diese politische Landschaft ausfüllen.“ Franz Josef Strauß in einer Richtigstellung an „Die Republikaner“ 1987

„Ich fordere alle politischen demokratischen Kräfte auf, im Interesse der Wahrheit, des Rechtes und der friedlichen Entwicklung einer demokratischen Zukunft Europas, an der Einheit und Freiheit Deutschlands festzuhalten und sie als politisches Ziel mit allem Nachdruck zu vertreten.“ Franz Josef Strauß: Von deutscher Verantwortung. Rede zur Eröffnung des 39. Tages der Heimat in Berlin am 11. September 1988

Es lohnt sich meistens, die Prognosen der Meinungsforscher nicht gelesen zu haben.“ Undatiert

„Ich weiß, dass ich ein führendes Mitglied des Vereins für deutliche Aussprache bin.“ Undatiert

„Ich bin nicht dafür bekannt, dass ich Kreide fresse, um eine angenehmere Stimme oder eine angenehmere Diktion vorzutäuschen, sondern ich bin dafür bekannt, dass ich sage, was ich denke, und dass ich auch das denke, was ich sage.“ Undatiert

„Die Grünen. Die Melonenpartei. Außen grün. Innen rot.“ Undatiert

„Bayern ist unsere Heimat, Deutschland ist unser Vaterland, Europa unsere Zukunft.“ Undatiert


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Kommentare ( 27 )

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Homer J. Simpson
1 Monat her

Nun, auch FJS war nicht der Heilige, für den er hier wegen markiger Sprüche ohne Taten gemacht wird. Rufen wir uns mal die „dicken Dinger“ in Erinnerung, die er zu verantworten hatte: Da wären zunächst der Fibag-Skandal. Seitdem wissen wir, wie „effektiv“ Untersuchungsausschüsse des Bundestag sind. Dann ist da die Starfighter-Affäre, die auch auf Strauß und seine Amigos geht und natürlich nicht zu vergessen der HS30-Skandal. All das sowie das Gebaren des Strauß-Clan bis heute relativieren viele markige Worte, denen völlig andere Taten folgten. Strauß war zwar besser wie die Truppe, die heute die CSU stellt, aber gut war deswegen… Mehr

Dieter Kief
1 Monat her

„Rechts von uns darf es keine demokratisch legitimierte Partei geben, d.h. wir, die CDU und CSU, müssen diesen Raum und diese politische Landschaft ausfüllen.“ Franz Josef Strauß in einer Richtigstellung an „Die Republikaner“ 1987

  • Das hat Markus Söder im Interview mit der Augsburger Allgemeinen letzte Woche windungsreich – – verabschiedet.
Guenther Adens
2 Monate her

Ich kann die Anbetung von FJS hier nicht folgen. Kurz: Ganz kurz – fast in Sekundenschnelle – nach der Wehrmachtskapitulation rennt ein Oberleutnant Franz Josef Strauß zu den Siegern, hier Amerikanern, schmeißt sich denen in die Arme und denunziert einen alten Kameraden, den Oberleutnant Hans Hellmut Kirst, als glühenden Nazi, der bestraft gehöre. Grund primitive Rache: Er, Oberleutnant Kirst, wurde im Krieg bei einer Dienststellen-Besetzung in der Wehrmacht dem eitlen Franz-Josef Strauss vorgezogen. Hans Hellmut Kirst ist der spätere Schriftsteller des verfilmten Romanes 08/15. Trotz Verhaftung und Vernehmung durch die Siegermächte, stellte sich schließlich heraus, dass Hans Helmut Kirst ein… Mehr

MariaundJosef
2 Monate her

FJ. Strauß…..ein Prachtmensch! Mit der „Arbeit“ seiner Tochter in der…+++ EU+++, wäre er ganz sicher überhaupt nicht einverstanden. Sie enttäuscht sehr. Mein Traum wäre es ( ist halt leider nur ein Traum), eine offene Diskussionsrunde mit Herrn Strauß…..und als Gesprächspartner : Baerbock, Göring-Eckhart, die Kulturin Roth, der Moslem Nouripour und last but not least…der Wirtschaftsminister Habeck.. Sie würden atemringend am Boden liegen, wenn er mit diesen geistigen Größen fertig ist…aber leider nur ein Traum..

Tesla
2 Monate her

Die Strauß-Zitate sind heute schon so etwas wie dt. Kulturgut. Politiker wie Strauß bräuchten wir in der heutigen CDU/CSU, und nicht wie Merz oder Söder.

humerd
2 Monate her

„Die Grünen. Die Melonenpartei. Außen grün. Innen rot.“
und manchmal sagte er auch „Die Grünen. Die Melonenpartei. Außen grün. Innen rot. Im Kern braun“

Johann Thiel
2 Monate her

FJS war der lebende Beweis, dass man mit einem fähigen Ganoven immer noch um ein Vielfaches besser fährt, als mit einem unfähigen Gutmenschen und Heuchler.

Nibelung
2 Monate her

Er war schon immer eigenwillig und für andere durchaus unbequem und dennoch ein „Mannsbild“ und im Gegensatz zu der heutigen Politikerriege hat er noch seine Interessen auf das Wohl des Landes gelegt, was man heute vermißt, weil ihnen jegliche Verantwortung fehlt und sie nur von Eigeninteressen und sonstigen Dingen geleitet werden. Seine Reden im bayrischen Landtag und im Bundestag waren legendär und davon habe ich die wenigsten verpaßt, wenn er über die Sozis hergefallen ist und seine Beständigkeit war das Markenzeichen und auch damals schon wollte man solchen Gegnern allerlei ans Rever heften, obwohl sie selbst genug Dreck am Stecken… Mehr

Laurenz
2 Monate her

FJS über Wehner:“Kommunistenbürscherl“ oder „Botschafter Moskaus“… FJS hat Bayern von einem Armenhaus in ein reiches Bundesland transformiert, was sicher viele, wenn nicht hunderte Milliarden ausmacht. Abitur bei den Jesuiten mit Summa cum Laude. Er hatte sicher mehr Intellekt als die gesamte Ampel (Mitglieder) zusammen. Beim DDR-Kredit, wie generell der Ost-Politik, auch der SPD, ist richtig oder falsch schwer zu beurteilen. Einerseits war es richtig, unseren Brüdern & Schwestern in der DDR das Leben zu erleichtern, andererseits ließ es den Unrechtsstaat länger überleben. Die größte Schwäche FJS‘ war seine Korruptheit. Man schätzt sein Vermögen bei seinem Tod auf etwa 100 Mio.… Mehr

Johann Thiel
2 Monate her
Antworten an  Laurenz

Niemand ist irgendwo oder irgendwann gleich.

Axel Fachtan
2 Monate her

Strauß taugt nicht zum Vorbild. Grenzenloser Machtmissbrauch ist kein Konzept. Korruption oben drauf. Söder ist genauso ehrgeizig, bringt aber keine Ergebnisse, die vorzeigbar wären. Seehofer hat als Landesvater einen guten Job gemacht ohne grenzenlosen Machtmissbrauch. Er taugt zum Vorbild für die CSU, Strauß nicht einmal ansatzweise. Seehofer hat es ohne Machtmissbrauch geschafft, eine Alleinregierung von 2013 bis 2018 hinzubekommen.Sein Regierungshandeln von 2008 bis 2013 hatte der CSU Vertrauen eingebracht. Wer sich über Strauß und Co informieren will, der greife auf folgende Werke zurück: Macht und Missbrauch Wahn und Willkür sowie Raffgier, Filz und Klüngelei: Die geheimen finanziellen Machenschaften von Strauß,… Mehr