Dorothee Bär: Ohne Deutschland geht es nicht zum Mond

Wenn Altmedien überschwänglich berichten, ist meist der Staat im Spiel. Die Mondmission Artemis II wird zu recht gefeiert. Doch bei missglückten PR-Auftritten voller peinlicher deutscher Selbstüberschätzung fallen wichtige Fakten dann einfach unter den Tisch.

AP Photo/Markus Schreiber

Wenn die Altmedien groß und auffallend positiv über etwas berichten, dann ist in der Regel der Staat überproportional daran beteiligt. Über die Mondmission der Artemis II wird viel und ausgesprochen enthusiastisch berichtet. Kein Wunder, dass die Regierung Merz darin eine Chance sah, das am Boden liegende Image dieser Regierung in Person der zuständigen Ministerin der CSU etwas aufpolieren zu können.

Aber das Bedürfnis nach Pathos und großen Worten – mit einer Verfallszeit von wenigen Stunden –, das zum Merkmal dieser Regierung geworden ist, macht selbst noch solche Eigen-PR, bei der eigentlich nichts falsch zu machen ist, zunichte. So sprach Dorothee Bär, ihres Zeichens Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt, in einem Interview mit der Bild tatsächlich: „Der Weg zum Mond kann ausschließlich über Deutschland funktionieren.“ Nicht wenige Social-Media-Nutzer rieben sich verwundert die Augen, fiel die Veröffentlichung doch auf den 1. April.

Aber auch bei ihrem Auftritt in der Welt-Redaktion am 2. April im gleichen Verlag, in welchem sie sichtlich bemüht war, einen dynamischen und optimistischen Eindruck zu hinterlassen, fiel dieser zentrale Satz: „Deutschland ist eine große Raumfahrernation. Ohne uns geht es nicht zum Mond.“ Die beiden PR-Auftritte der überforderten Frau als nicht ganz gelungen zu bezeichnen, wäre ein Euphemismus ohnegleichen.

Auch ansonsten hält die Medienmaschine Axel Springer der Ministerin gefällig das Mikrofon hin wie hier 2025 zum Amtsantritt, als Dorothee Bär ankündigen durfte, sie wolle Frauen auf den Mond schicken. Warum nur Frauen und nicht die ganze Bundesregierung? Jeder weitere Scherz darüber verbittet sich. Aber erlaubt muss doch sein, am 1. und 2. April 2026 mal nachzufragen, was denn daraus geworden ist – wie wär’s? Sonst bleibt es doch beim Ping Pong aus Ankündigung, Schlagzeile, Umsetzung unnötig – alle haben, was sie wollen, gehen nach Hause, keiner fragt mehr nach. Und was wurde eigentlich aus den gar nicht so unrealistischen Flugtaxis?

Auch das Handelsblatt, nicht gerade als rechtes Medium bekannt, stelle Dorothee Bär ein geradezu vernichtende Bilanz für ihre Zeit als Digitalministerin aus. „Eine Luftnummer“ wird man im nicht minder inkompetenten Kabinett Merz dann wohl dahingehend verstanden haben, dass sich da eine bestens für das Ministerium der Raumfahrt eignet.

Der reklamierte und von der Ministerin hochgewichtete deutsche Anteil ist allerdings ein Beitrag der ESA, also von Ländern der EU, sowie der Schweiz und Norwegen. Es ist das Servicemodul (ESM), das für Antrieb, Klimatisierung und die Versorgung mit Strom, Wasser und Atemluft sorgt. Das Modul wird bei Airbus Defence and Space in Bremen gebaut und basiert technisch auf dem zuvor dort hergestellten Raumfrachter Automated Transfer Vehicle. Das Servicemodul ist ein wichtiger Beitrag und es ist gut zu wissen, dass solche Ingenieurleistungen in Europa und auch Deutschland heute noch möglich sind. Allerdings sind sie das wahrscheinlich eher trotz der Politik der letzten Jahrzehnte, und nicht wegen ihr.

Bevor dieses Modul zum Einsatz kommen kann, muss die Rakete, die es transportiert, ins All geschossen werden. Ohne diese Trägerrakete gibt es keinen Weg ins All. Das ist nun aber tatsächlich die Leistung, ohne die man nicht ins All, geschweige denn zum Mond kommt. Ein deutscher Beitrag wurde von der Ministerin nicht erwähnt. Auch von europäischen Trägerraketen, die dazu in der Lage wären, spricht die Ministerin nicht.

Noch weniger sprach sie und die berichtenden Journalisten davon, dass bei den nächsten geplanten Missionen des Artemis-Programms fünf mit „Falcon 9“- oder „Falcon Heavy“-Trägerraketen von Space X des bösen Elon Musk ins All geschossen werden sollen. Space X wurde 2005 gegründet und hat 2025 bereits 165 Raketen ins All befördert. Zum Großteil Falcon 9, die Erfolgsquote von Space X ist beeindruckend.

Grafik TE

Auch darüber wurde weder berichtet noch sprach die Frau, die zur Zeit dieses Ministeramt innehat, davon. Genauso wenig wurde die Historie des Artemis-Programms in den Mainstream-Medien beleuchtet. Der Grund könnte sein, dass Donald Trump daran einen großen Anteil hat. Die Mainstream-Medien in Deutschland stellen Donald Trump ausschließlich als Trottel, gefährlichen Faschisten sowie planlos und erratisch handelnden, frauenfeindlichen Egomanen dar. Ihn und seine Tagen in Verbindung, ja vielleicht sogar als Ursache für etwas darzustellen, in dessen Ruhm sich jetzt, wenn auch sehr ungeschickt, eine deutsche Ministerin sonnen will, kann also ausgeschlossen werden.

Das Artemis-Programm, damals hieß es noch Constellation-Programm, wurde 2004 von George W. Bush ins Leben gerufen. Unter Bushs Nachfolger Barack Obama wurde das Constellation-Programm 2009 wegen ausufernder Kosten wieder eingestellt. Es war dabei zu Budgetüberschreitungen gekommen, insbesondere wegen Missmanagement im Boeing-Konzern, dem Hersteller der SLS-Rakete. Der für 2017 geplante Erstflug wurde auf frühestens 2020 verlegt.

 

Im Januar 2017 war Donald Trump als Präsident vereidigt worden. Mit ihm kam es dann zu einem Neuanfang in der US-Raumfahrtpolitik. Nachdem ein bemannter Marsflug selbst bis zum Ablauf einer möglichen zweiten Amtszeit im Jahr 2024 nicht machbar war, wies er die NASA an, sich auf eine baldige Mondlandung zu konzentrieren. Anfang 2019 verschob die NASA den Termin für die mittlerweile geplante Mondlandung auf 2028, weil die Probleme bei der SLS-Entwicklung andauerten. Um die ersten Vorbereitungen für die vorgezogene Mondlandung finanzieren zu können, beantragte Donald Trump aufgrund von Berechnungen der NASA eine Aufstockung des NASA-Budgets für das Fiskaljahr 2020 um 1,6 Milliarden US-Dollar.

Das also ist der Grund, warum der in den Medien so gehypte Raumflug zum Mond stattfindet. Wahrscheinlich muss man die Berichterstattung in den Altmedien aber statistisch betrachten. Das, was an einer Stelle weggelassen wird, kommt woanders eben hinzu. Allerdings hat man dabei, wie es den Anschein hat, aber nicht immer ein glückliches Händchen. Potsdam und Fernandes sind dabei allerdings nur die prominentesten und fatalsten Beispiele.

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