ICE-Attentäter bleibt namenlos: Behörden schützen 20-Jährigen vor der Öffentlichkeit

Der angeblich rechtsextreme Täter besaß einen Koran, war psychisch krank und wollte vermeintlich mit Messern morden. Fast keine zwei Teile passen zueinander. Wo Behörden schweigen, regiert das Gerücht. Die Öffentlichkeit tappt im Dunkeln.

picture alliance/dpa | Roberto Pfeil

Einen Tag nach seinem Attentat war der volle Name von Tobias Rathjen, des Täters von Hanau, bekannt. Den Namen von Stephan Balliet, dem Attentäter von Halle 2019, erfuhr die Öffentlichkeit gar am selben Tag, bald mit abgekürztem Nachnamen, bald in voller Form. Beides soll im aktuellen Fall des ICE-Anschlags zwischen Köln und Frankfurt nicht so sein. Beim mutmaßlichen Täter handelt es sich um einen 20-jährigen Aachener mit ausschließlich deutscher Staatsbürgerschaft. Das erfuhr TE von der Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf, die zusammen mit dem Staatsschutz der Bonner Polizei die Ermittlungen übernommen hat. Nur den Vornamen soll die Öffentlichkeit nicht erfahren, vielleicht zu keinem Zeitpunkt.

Ähnlich war es schon im Fall des Totschlags an einem Zugbegleiter bei Homburg gewesen. Damals, Anfang Februar, sickerte der Name allerdings sehr bald in abgekürzter Form durch. Ioanni V. soll der Gewalttäter heißen, der lange pauschal als Grieche galt, tatsächlich aber ethnischer Albaner ist. Und vielleicht heißt er ja auch Vasilis I., wie es parallel in der griechischen Presse mit ausdrücklichem Verweis auf eine deutsche Quelle hieß, vielleicht auch ganz anders, albanischer. Welcher Name nun der richtige ist, ist immer noch ungeklärt. Die Staatsanwaltschaft Zweibrücken blieb bei ihrer Auskunft, sie habe keinen Namen herausgegeben. Es muss sich also um ein oder zwei Lecks handeln, die die deutsche und griechische Presse mit unterschiedlichen Namen gefüttert haben. Das ist intransparent.

Die Rechtsextremen werden auch immer jünger

Nun scheint sich ein ähnlicher Tanz rund um den ICE-Anschlag bei Siegburg zu ergeben – ein Fall, in dem nun wirklich die Unklarheiten überwiegen. Einen Namen will die Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf nicht nennen, wobei nicht ganz klar ist, ob das aus Jugendschutz so ist oder um die Ermittlungen nicht zu beeinträchtigen.

Was aber schon klar ist und auf unbekanntem Weg an die Presse gelang: Der gerade einmal 20-jährige Täter soll „polizeibekannt“ sein und dazu noch „rechtsextrem“. So vermengt zumindest die BILD zwei Faktensplitter. Vermutlich geht es vor allem um die E-Mails, die er unmittelbar vor Tatbeginn um 20:50 Uhr an verschiedene Medien schickte. Vier Minuten später ging bereits der Notruf ein.

Allerdings können auch diese konkreten Äußerungen nicht veröffentlicht werden – diesmal aus Ermittlungsschutz. Zeugen könnten sonst etwas aussagen, was sie vorher in der Presse gelesen haben, heißt es. Ob darüber hinaus etwas älteres Politisches gegen den Täter vorlag und was, erfährt man nicht – ebenso wenig, wodurch er polizeibekannt war.

Neben einem möglicherweise rechtsextremen Motiv gibt es aber Hinweise auf eine psychische Erkrankung, die auch als der auslösende Faktor der Tat in Frage komme. Laut BILD wurde in der Aachener Wohnung des jungen Mannes neben einer Ausgabe von „Mein Kampf“ auch ein Koran gefunden, dazu ein „wirres Manifest“. Aber auch darüber will die Generalstaatsanwaltschaft nicht sprechen. Also bleibt fast alles geheim, jedenfalls für jetzt. Zu dumm, dass es immer diese Maulwürfe gibt, die dann doch die Hälfte der Erkenntnisse zur gegebenen Zeit an die geneigte Presse durchstechen. So entsteht ein undurchsichtiges Gewirr aus Halbinformationen, die dem Normalbürger die Beurteilung erschweren.

Ein Grauer Wolf? Nicht ausgeschlossen

Es fällt aber doch auf, dass auch die Generalstaatsanwaltschaft auf Nachfrage von TE nicht ausschließt, dass es sich auch um einen Grauen Wolf handeln könne. Das ist jene rechtsextreme Vereinigung von vorwiegend türkeistämmigen Personen in Deutschland, die ja auch schon neben der damaligen Bundesinnenministerin stehend ihren typischen Wolfsgruß gezeigt haben.

Und zu dieser Vermutung würde eben der gefundene Koran passen. Ein junger Rechtsextremer könnte den natürlich auch zu Informationszwecken besitzen. Und so wird am Ende deutlich, zwischen welchen Extremen die heutige Jugend navigiert, in gewisser Hinsicht navigieren muss. Einem immer stärker Raum greifenden Islam stehen auf deutschen Schulhöfen Tendenzen gegenüber, bei denen es um die Behauptung der deutsch-christlich-abendländischen Lebensweise und Gesellschaftsform geht. Und diese Verteidigung des Eigenen wird oft genug in den Bereich des Rechtsextremismus gerückt. Wie gesagt, ist nicht bekannt und soll nicht bekannt werden, welche Äußerungen des Täters ihn in den Bereich „politische Kriminalität rechts“ bugsiert haben.

Der Islamkritiker Michael Stürzenberger weist nun darauf hin, dass es durchaus eine Menge Islamisten gebe, die auch Hitler gut fänden. Das seien deutlich mehr als die Rechtsextremisten, die den Islam mögen und freiwillig im Koran lesen.

Am Ende bleibt die Frage: Wie weit muss der bemühte Jugendschutz wirklich gelten? Hat nicht einer, der eine solche Tat begeht, den übertriebenen Schutz in gewisser Weise verspielt? Und wie weit geht der Jugend- oder auch Ermittlungsschutz eigentlich? Darf man die Öffentlichkeit auch bewusst im Unklaren lassen, sie in die Irre führen?

Messer, Kultur und unklare Sprengvorrichtungen

Es geht ja beim Verschweigen des Namens ausdrücklich darum, die Identifizierung des Täters zu vermeiden, wohl um ihn in seinem weiteren Leben nicht unbillig zu belasten. Wo wird also Jugendschutz zum Täterschutz und zum Gegenteil einer effektiven Rechtspflege? So muss sich die interessierte Öffentlichkeit also selbst ein Bild von diesem Täter machen. Und das dürfte kaum so einfach gelingen.

Der gesamte Fall bleibt vollkommen unklar, solange sich die Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf nicht bereit erklärt, genauere Angaben zum Täter, seinen konkreten Äußerungen und seinem Umfeld (familiär, kulturell) zu machen. Sonst bleibt auch das Etikett „rechtsextrem“ unklar. Was bedeutet es denn? Ist der junge Mann übertrieben nationalistisch, Rassist, vielleicht islamischer Chauvinist? Die Extremismen sind rechts genauso vielfältig wie links, wo man sich im Namen des Klimas, für die grenzenlose Zuwanderung oder für die Weltrevolution radikalisieren kann. Übrigens passt auch die unterstellte Absicht, der 20-Jährige habe die Zugpassagiere im allgemeinen Chaos mit Messern angreifen wollen, nicht wirklich in den deutschen Kulturkreis und das Bild, das man von einem deutschen Rechtsextremisten hat.

Unklar bleibt auch die Natur des verwendeten Sprengmittels, das die Polizei Siegburg anfangs als Pyrotechnik einordnete, das aber vielleicht ohne echte Zündung auskommt. Die Polizei Bonn und die Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf sprachen am Tag nach der Tat noch immer von „am Tatort gezündeten Gegenständen“, die „nach derzeitigem Sachstand“ allgemeiner als „Sprengvorrichtungen“ eingeordnet wurden. Man ermittelt da noch. Es gab in jedem Fall nur einige leichter Verletzte. Das Ganze ging glimpflich aus, der Täter war kaum dazu in der Lage, einen Plan (welchen?) umzusetzen.

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Kommentare ( 85 )

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horrex
1 Tag her

Meines Wissens steht der Koran auf keinerlei „Index“.
Nicht einmal in China.
Gibt es überhaupt noch einen Index? (Der Kath.Kirche?)
Was also soll die Erwähnung des Besitzes eines Koran???
Es ist P R O P A G A N D A primitivster Sorte!
Gemacht zur Beeinflussung von zuvor gründlichst „entbildeten“ Leuten mit einem Horizont, inzwischen kleiner als ein Puppenküchen-Tellerchen.
Auf in die „Ochlokratie“.
Die Herrschaft von Pöbel.
Dirigiert von … jeder setze ein was er für plausibel hält …

Frank G.aus D.
7 Stunden her
Antworten an  horrex

Nicht“jeder“setzt ein was er für plausibel hält,sondern was der gesunde Menschenverstand im sagt.

flo
1 Tag her

„Einen Namen will die Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf nicht nennen, wobei nicht ganz klar ist, ob das aus Jugendschutz so ist oder um die Ermittlungen nicht zu beeinträchtigen.“ Mal abgesehen davon, dass ich die Kombi Islamist + Rechtsextremist verwirrend finde (und dann kommt ja auch noch eine psychische Erkrankung in Frage als dritter Aspekt): Es gibt wohl durchaus einen Täterschutz im Neusprech von Frau Fernandes. Das ist insofern bemerkenswert, als der normale Internetnutzer ja nach Meinung vieler Politiker erkennbar und gern mit Klarnamen im Netz identifizierbar sein sollte (er könnte ja bitte etwas Böses planen oder sagen). Hier also Schutz von mutmaßlichen… Mehr

Ein Mensch
1 Tag her

Also ich finde nicht das die Öffentlichkeit im Dunkeln tappt. Wäre der Täter ein richtiger Deutscher, wir hätten es sofort erfahren. Da dem aber nicht so ist, bin zumindest ich im Hellen. Wer ein bisschen am Leben in ,,unserer Demokratie“ bisher teilgenommen hat, der tappt ebensowenig im Dunkeln. Irgendwann wird der Name durchsickern und dann haben wir Verschwörungspraktiker mal wieder Recht gehabt.

giesemann
1 Tag her

 Antworten an  Protestwaehler zu „Mein Kampf“:
Nicht nur dort , sondern in der ganzen islamischen Welt. Gegenseitige Begeisterung, fernhalten, so weit wie irgend möglich.
Zusatz: Wenn sich eine/r vor Faschismus fürchtet, vor Islam aber nicht, dann hat die/der einen an der Waffel. Habe ich neulich ein paar „Omas gegen rechts “ gesagt. Die haben irritiert geguckt, leicht picon.

MartinKienzle
1 Tag her

Wie oft soll man es noch wiederholen? Das Besatzerkonstrukt BRD (https://www.youtube.com/watch?v=hIu80oSC728 ab Minute 3:25) handelt vorsätzlich gegen das Deutsche Volke (unter anderem Konrad Adenauer: „Wir sind keine Mandanten des deutschen Volkes, wir haben den Auftrag von den Alliierten.“ https://www.thepioneer.de/originals/thepioneer-briefing-business-class-edition/briefings/der-anti-fuehrer-staat), sodass vor jenem Hintergrund die permanente Larmoyanz über das dreiste Verhalten des sogenannten „Staates“ (https://www.youtube.com/watch?v=UlM1tBAO5XE) gegenüber uns Deutschen nervt (siehe auch diesen vorliegenden Artikel), da, wie erwähnt, die Essenz der volksfeindlichen BRD inzwischen bekannt sein dürfte, die danach strebt, unsere Heimat im Rahmen der sogenannten „Transformation“ (https://www.fdp.de/lindner-will-transformation-von-wirtschaft-und-gesellschaft) in eine kommunistische Tyrannei zu verwandeln (https://www.epochtimes.de/politik/ausland/die-neue-weltordnung-ist-der-weltkommunismus-a2191312.html)!

Evero
1 Tag her

Ich halte es für erforderlich, dass die Alternativen Medien für solche Ermittlungen ein Investigativteam gründen, was in diesem Linksstaat dafür sorgt, dass wir Bürger nicht von den Politikern, Staatsdienern und der Linkspresse verarxxxt werden, wenn wieder eine Tat der besonders geschützten „Mitbürger“ begangen wird.

epigone
1 Tag her
Antworten an  Evero

Schön wär’s! Scheitert aber sicherlich noch daran, dass die anderen unser Geld schon haben und nichts davon hierfür hergeben werden.

Aber es kommt der Tag, da werden auch konservative Medien wieder genügend Mittel haben um das zu leisten. Dann ist Schluss mit der Lügen-Presse

Tesla
1 Tag her

Ja, der ICE-Attentäter bleibt „namenlos“ und soll es auch bleiben, die Behörden verschweigen seinen Namen weiterhin ganz eisern. Aber in den asozialen Netzwerken wollen die Regierungsschranzen eine „Klarnamenpflicht“ durchsetzen. Finde den Fehler.

giesemann
1 Tag her

Vllt. ein Koranist? Ein Kranist? Ein Kranführer? Ein Koranführer?

Jens Frisch
1 Tag her

„Ein junger Rechtsextremer könnte den (Koran) natürlich auch zu Informationszwecken besitzen.“  Nationalsozialist zu sein schließt eine Hingabe zur „Religion des Friedens“ oft mit ein, war A.H. doch selbst ein Bewunderer des Mohammedanismus: „Die Ritterlichkeit, welche die Kastilier haben, ist in Wirklichkeit arabisches Erbe. Hätte bei Poitiers nicht Karl Martell gesiegt: Haben wir schon die jüdische Welt auf uns genommen – das Christentum ist so etwas Fades –, so hätten wir viel eher noch den Mohammedanismus übernommen, diese Lehre der Belohnung des Heldentums: Der Kämpfer allein hat den siebenten Himmel! Die Germanen hätten die Welt damit erobert, nur durch das Christentum… Mehr

Kassandra
1 Tag her
Antworten an  Jens Frisch

Tja. Deshalb sind sie uns wohl jetzt auf den Fersen.
Ob in solchen ICEs oder anderswo – wir sollen weg. Und nicht nur in Deutschland.

A rose is a rose...
1 Tag her

Statt „rechtsextrem“ wäre wahrscheinlich eine andere Bezeichnung passender, die mit fa.. beginnt und auf …isch endet. Und zwar deshalb, weil eine Selbsteinschätzung, bei der man auf alle anderen Menschen, die nicht zur eigenen Gruppe (um mal einen neutralen Begriff zu wählen) gehören, als minderwertig herabblickt, wesentlich zentraler zu sein scheint, als eine politische Orientierung.

M. B.
1 Tag her
Antworten an  A rose is a rose...

Sieht so aus, als hätten Sie den Faschismus nicht verstanden. So wie die meisten. „Faschistisch“ war so gut wie jedes Land. Auch z. B. die vielgepriesene englische Demokratie. Grundsätzliches Mißtrauen: „Aber er ist Ausländer … !“ oder nicht exakt englisches Benehmen: „Naja, er ist Ausländer …“