Motto-Show der SPD mit digitalen Löchern

Die zweite große Motto-Show der SPD „Eine wie alle, alle wie einer“ in Hannover. Wie der große Herbstabend der Volksmusik – nur ohne Volksmusik. Und jeder durfte sich was wünschen.

© Thomas Lohnes/Getty Images

Auftragsgemäß waren wir gut vorbereitet. 18 Uhr war die Website unserespd aufgerufen, zur Sicherheit die Facebook-Seite der SPD und die Seite der SPD Hannover. Leider übertrugen weder Phoenix (wie vorgestern aus Saarbrücken), noch ntv die zweite Mottoshow der SPD live. Aber Fernsehen war gestern, Internet ist heute. Also in Asien auf jeden Fall, in Europa vielleicht, in Afrika und Deutschland leider nicht.

Lag es an uns, dass es nicht klappte? An Söder, dem Internet-Guru Bayerns? An Münchens SPD-Bürgermeister Reiter? Wenn, dann jedenfalls nicht alleine, denn schnell mussten wir Kommentare lesen, wie vom Genossen Jörg: „Meine Güte, wir sind nicht in der Lage, einen popligen halbwegs stabilen Livestream hin zu bekommen.“ Andere schrieben: „Schon peinlich. Noch nicht mal ein Livestream bekommt ihr auf die Reihe.“

„Das muss diese Digitalkompetenz sein, von der immer alle erzählen.“

Jedenfalls brach der Livestream auf unserespd schnell zusammen, und die Facebook-Streams ebenso. Das kann nicht daran liegen, dass riesige Zugriffszahlen zum Crash führten, denn bei FB kamen gerade mal ein paar Hundert User auf die Seite. Es muss wohl mit der Digitalkompetenz der SPD zusammenhängen, vielleicht weil deren Support versprach „Even satellite-transfers are no problem for us. We realize it without big expenses“ – die Genossen sollen ja geizig sein.

Nach einigen Stunden konnten wir den ersten Teil der Show wenigstens weitgehend rekonstruieren.

Unsere Startnummer 1, Boris & Petra. Wie schon in Saarbrücken lässt Petra den Boris kaum zu Wort kommen. Sie erzählt, wie sie sich in Mechelen trafen, wo ein beherzter Bürgermeister aus einer heruntergekommenen Kommune eine blühende gemacht haben soll. Brückenbauer wollen sie sein, für arm und reich, für jung und alt. Und für unsere Nachbarn in Europa, traut sich der Boris einzuwerfen. Dann darf er endlich sagen, dass er aus dem wunderschönen Osnabrück kommt, Willy-Brandt-Abitur gemacht habe und keine neuen Atomwaffen will. Obwohl er nicht in der Groko bleiben möchte, bekommen Petra und Boris nur höflichen Applaus.

Klara und Olaf haben die Startnummer 2. Klara versteht den Boris absichtlich miss und fragt spöttisch: Keine Groko? Dann würden wir ja in Niedersachsen (rot/schwarz) einen wunderbaren Innenminister (nämlich Boris) verlieren. Dann ist sie traurig, weil sie in Brandenburg gegen einen Grünen (m/w/d) verloren hat, obwohl die SPD doch eine eigenständige Umweltpolitik betreibe und die Grünen nur für Lifestyle stehen, nicht für ökologische Industriepolitik. Und die AfD sei nur deshalb bei 36% in ihrem Wahlkreis, weil die Leute Angst vor der Globalisierung und Digitalisierung (hüstel, hüstel, siehe oben) hätten.

Olaf ergänzt weltmännisch die Angst der Briten vor der Globalisierung (obwohl die die erfunden haben), deshalb sei es zum Brexit gekommen. Nun will er eine weltoffene Zukunft gestalten. Europa stark machen. Und erinnert daran, dass die SPD neben der Demokratie und Freiheit auch den Sozialstaat erkämpft hätte. Das sei ihm auch persönlich wichtig. Höflicher Applaus.

Startnummer 3. Der Genosse Karl Heinz. Er sei ein Noname, ein Leichtmatrose aus dem Alpenland. Beim CSD (wirklich?) sei er gewesen und habe gesehen wie die Hannoveraner Freude ausstrahlen können. Diese Freude will er weiterreichen. Und Visionen entwickeln. Es sei doch prima, dass es die Partei jedem ermöglicht mitzumachen (obwohl Helmut Schmidt empfohlen hatte, die mit Visionen sollten zum Arzt gehen, fügen wir hinzu). Karl Heinz steht für Innere Sicherheit und Europa vom Ural bis an den Atlantik. Und ist chancenlos.

Ver.di-Dierk und Hilde, Startnummer 4. Hilde sieht eine lebendige Partei vor sich, weil soviele da sind. Sie habe immer gesagt, SPD? Menschenskinder, da kann man was bewegen. Und was ist aus dieser Idee geworden? An Infoständen und bei Wahlergebnissen? Kompass verloren! Deshalb Kapital an die Leine nehmen. Oder die Pflege. Da darf keiner Angst vor haben!

Dierk, der Gewerkschaftsfunktionär, gibt dann richtig Gas. Er war doch immer dagegen! Wir regieren seit 48 Jahren mit und die sozialen Probleme sind immer größer geworden! Jetzt kommt er in Rage. „Dierk! Dierk, die Redezeit ist um.“ (es folgt nur kleiner Angstapplaus)

Startnummer 5. Nina und Karl. Heute darf Nina anfangen, nachdem Karl sie in Saarbrücken nicht zu Wort kommen ließ. (Das gab Mecker!) Nina beginnt mit dem Regenwald und dass hunderttausend Beschäftigte bei den Neuen Energien arbeitslos seien. Und Tierschutz. Die SPD ist das Original. Auch im ganzen Komplex der Steuergerechtigkeit, dass das jeder versteht. Wir schreien alle, dass der Regenwald gerettet werden muss, aber beim Hambacher-Forst kriegen wir kalte Füße. Wir lassen niemanden zurück als Sozialdemokraten und -innen.

Da ging dem Karl viel Zeit flöten, trotzdem sagt er: Danke Nina. In der Sozialpolitik sind wir das Original. Aber nur 5% glauben, dass wir die Konzepte für die Zukunft haben, analysiert er richtig. Zweiklassenmedizin. Reiche leben länger als arme. 10 bis 12 Jahre länger! Karl will, dass alle gleichzeitig sterben und eine Bürgerversicherung. Schuld ist: Die Groko. Niemals können wir in einer Groko Gesundheit, Miete, Rente durchsetzen. Verlassen wir die Groko. Die Menge jubelt. „Redezeit!“ unterbricht der Moderator schnell. Die Menge jubelt weiter. Karl ist der Gewinner beim Applaus-o-Meter.

Startnummer 6. Saskia und Norbert, genannt Nowabo. Die forsche Saskia darf ihn vorstellen, den Ex-Finanzminister vom Homeland NRW. Er sammelt Cds. Steuer-Cds. Da lachen die Genossen.

Nowabo kann noch gar nicht fassen, dass ihn eine Frau angesprochen hatte, da musste er einfach mitmachen. Und übrigens, das Digitale. Da gibt’s viele Nullen und Einsen… (wieder bricht die Aufzeichnung ab) … Saskia ist die Eins, sagt Nowabo.

Saskia fordert schnelles Internet, Bildung, Wohnen und Sicherheit. Und sie ruft mit Nowaboeine Dekade der Investitionen in den Kommunen aus.

Und Nowabo erklärt den Feuerwehrleuten und Polizistinnen, wenn die sich ihr Leben nach 20 Jahren SPD-Regierungsbeteiligung etwas anders vorgestellt haben, dass Zinsentwicklung und Klimaschutz Verteilungspolitik sind. Deshalb Rückgrat zeigen. Wie Willy Brandt und Johannes Rau. Beifall mau.

Christina & Michael. Manche sagen, das klingt wie ein Schlager-Duo, sagt Christina mit der Startnummer 7. Jedenfalls steckten sie voller Begeisterung. Christina wünscht mehr Investitionen für unsere Kinder und Wohnungsbau. Kindergrundsicherung. Ich bin Digitalpolitkerin (ach, du bist das!), sagt sie und verlangt kürzere Arbeitszeiten statt Arbeitsplatzverluste.

Michael: Ihr spürt das, wir haben gute Laune. Und wir haben 1 paar Angebote. Ich gebe mein Amt im Außenministerium auf für Euch. Wir sind die Jüngsten, das liegt nur an Christina. Haha. Wir treten an, um zu bleiben. Um mit euch zusammen älter zu werden. Und wir wollen die Vereinigten Staaten von Europa. (Bravo, Bravo-Rufe) Als Heimat der Weltverbesserer und Mutmacher (Bravo!) Wir hören Platz 2.

Liebe Leser, so war sie, die Motto-Show der SPD, und ja, wir haben etwas Wichtiges vergessen. Ralf und Gesine, die Applaus-Sieger von Saarbrücken, konnten wir auf keiner der mangelhaften Aufzeichnungen finden. Glauben Sie, uns schmerzt das mehr als sie. Na, vielleicht beim nächsten Mal.


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Kommentare ( 60 )

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Die Hitparade des ** Grauens – SPD.

Einfach nur unterirdisch. Wenn dieses „Spießer-Ensemble“ so weiter tourt, wird es vielleicht wieder zur Volkspartei – für Gartenzwerge. „Karl will, dass alle gleichzeitig sterben und eine Bürgerversicherung“. Danke Stephan Paetow – mehr muß man eigentlich nicht wissen.

Wozu die SPD eine ganze Truppe braucht und aufstellt,
liefert die CDU allein mit Saarlandpersonal.

Die Summe an Peinlichkeiten reißt nicht ab, aber die Regierung sitzt fest im Sattel, wie man in China sehen konnte. Und der Rest vom Kindergarten ist mit sich selber beschäftigt. Mottoshows bei den einen, Werkstattgespräche und Selbstfindungskurse bei den anderen.

Neuwahlen wären angebracht, damit der Wähler die Leistung neu bewerten kann.

„Saskia fordert schnelles Internet, Bildung, Wohnen und Sicherheit.“

Wir auch, wir auch. Der Unterschied ist nur: wir sind die Regierten, und die SPD ist in der Regierung. Eigentlich sollte die SPD doch unsere Forderungen umsetzen, und nicht einfach kopieren und wiederholen. Oder wozu hat man eine Regierung???

Tolles Foto. Die in blau, sind das alles Afd – Fans?

Wie wär’s mit einem Eingliedrigem Hartz4?
Höherer Regelsatz für alle, dafür keine Scheinerwerbsarbeit mehr in den aufgeblasenen Schmarotzerindustrien?

Das „K“ in SPD steht halt für Kompetenz!

Als große Kanzlerin würde auch ich die SPD buchen. Niemand unterhält das Volk mit seiner Pöstchenshow besser als die SPD und lenkt von wichtigen Themen ab.
Wer die SPD führt, ist zum Wohle des Landes egal, solange die große Kanzlerin ihr Werk vollenden kann.
Ist die SPD der Steigbügelhalter zum Niedergang Deutschlands?
Weiter so, es geht noch tiefer.

Am 5.9. in Saarbrücken: „Die meisten Menschen haben kein Problem, dass ihre Gemeinde islamisiert wird“, behauptete Stegner. Sie hätten vor allem ein Problem damit, dass sie die Miete nicht zahlen könnten oder die Rente nicht reiche.

Ob er das so jetzt jeden Abend wiederholt?

Wer die Miete nicht mehr zahlen kann, geht dann halt in die Moschee. Alles kein Problem. Ralle Stegner ist mein Favorit für die SPD, ich hoffe der sagt irgendwann : Wir haben zwar das niedrigste Wahlergebnis, aber wir sind die coolste Truppe.

Die ganze rote Ohnmacht konzentriert auf einem Haufen und mit dieser albernen Luftnummer meinen sie tatsächlich noch, sie könnten jemand damit hinter dem Ofen vor locken und es wäre besser sie würden sich darauf besinnen, warum ihnen die Wähler scharenweise davon gelaufen sind, bevor sie hier zum Schaulaufen antreten und dadurch vielleicht noch die letzten vergraulen, denn was die alle zusammen die letzten Jahre produziert haben ist mit Worten nicht mehr zu beschreiben und nun können sie veranstalten was sie wollen, aus dieser Fahrt in`s Nirgendwo kommen sie nicht mehr heraus, denn das Essen in einem Restaurant wird auch nicht… Mehr