Ein neues Sommermärchen?

Die Entscheidung der UEFA, die Fußball-EM nicht an die Türkei, sondern nach Deutschland zu vergeben, ist ein wirklicher Erfolg des Deutschen Fußballbundes.

FABRICE COFFRINI/AFP/Getty Images

Die Freude ist groß: 2024 wird erneut ein Sommermärchen in Deutschland stattfinden. Die Entscheidung der UEFA, die Fußball-EM nicht an die Türkei, sondern nach Deutschland zu vergeben, ist ein wirklicher Erfolg des Deutschen Fußballbundes. Positive Nachrichten waren für die DFB-Vorderen in letzter Zeit ja nicht gerade zuhauf vorhanden. Dazu kann man den Beteiligten nur gratulieren. Gratulieren kann man aber auch dem deutschen Steuerzahler.

Etwas unbemerkt ist dabei nämlich auch ein Paradigmenwechsel eingeleitet worden, der für künftige Großveranstaltungen in Deutschland und darüber hinaus weitreichende Folgen hat. Erstmalig hat die Bundesregierung keine umfassenden Garantien für die Steuerfreiheit des Veranstalters gewährt. Damit hat die Bewerbung – anders als die türkische – einen Nachteil für die UEFA, der nicht unerheblich ist. Denn die UEFA ist ein Fußballkonzern mit Milliarden Umsätzen.

2015/2016 setzte der europäische Fußballverband 4,6 Mrd. Euro um. Bei der EM 2016 in Frankreich nahm die UEFA 1,9 Milliarden Euro ein. 400 Millionen Euro erzielte der Verband über Werbeeinnahmen, weitere 500 Millionen Euro durch Kartenverkäufe. Die Gesamtausgaben der UEFA für die EM 2016 lagen bei 595,2 Millionen Euro. Satte 1,3 Milliarden Euro Gewinn konnte die UEFA 2016 verbuchen. Damals sicherte die französische Regierung umfassende Steuerfreiheit für den europäischen Fußballverband zu. Also insgesamt ein gutes Geschäft für die Fußballfunktionäre in schweizerischen Nyon.

Die deutsche Regierung hat im Prozess jedoch ihre Position fundamental verändert. Noch im Mai erklärte sie auf meine Anfrage, dass sie gegenüber dem DFB für dessen Bewerbung bei der UEFA Steuerfreiheit zugesichert habe. Die Bundesregierung akzeptiere in gewissem Umfang die Forderung der internationalen Sportverbände auf Steuerbefreiungen, so das Bundesfinanzministerium. Eine Harmonisierung der Vorgehensweise innerhalb der EU sieht sie jedoch als schwierig an. Das ist bemerkenswert. Denn es ist doch schon erstaunlich, dass man im Zuge der Finanzkrise Länder auf schwarze Listen gesetzt hat, die Steueroasen geschaffen haben, aber gleichzeitig alle paar Jahre die Voraussetzungen geschaffen wurden, dass UEFA, FIFA und andere Vereinigungen mitten in der EU Steueroasen errichten können. Der normale Steuerzahler reibt sich dabei die Augen und versteht die Welt nicht mehr.

Daher ist die heutige Entscheidung ein Paradigmenwechsel. Es kann künftig keine Regierung, kein Fußballverband und kein Nationales Olympisches Komitee mehr behaupten, dass eine Bewerbung für eine Europa- bzw. Weltmeisterschaft oder für Olympische Spiele ohne Steuerfreiheit für den Veranstalter nicht erfolgversprechend sei. Die heutige Entscheidung zeigt, dass es geht. Und das ist gut so! Freuen wir uns auf ein Sommermärchen, das fast ein Steuermärchen ist.

Unterstützung
oder

Kommentare ( 41 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Andere bringen wir ungekürzt.
Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

----

Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung

Es läuft doch….
„Brot und Spiele“

Sommermärchen? Im leben nicht. Es werden „Mannschaften“ gegeneinander spielen. „Die Mannschaft 1“ gegen „Die Mannschaft 5“. National ist ja „bäh“. Fähnchen sollte man auch nicht schwenken. Maximal Regenbogenfähnen, mit der Nummer „seiner Mannschaft“ drauf. „Public Viewing“ wird es wenn überhaupt, dann nur noch in quasi Hochsicherheitstrackts mit vielen Merkel-Legos und Zugangskontrollen schärfer als am Flughafen geben. Aber wer geht schon noch zu „Public Viewing“ um irgendeiner „Mannschaft“ mit 8-10 Özils zuzujubeln? Um zugleich sein Leben aufs Spiel zu setzen? Was waren doch die 80er für eine schöne Zeit. Da bin ich desöfteren aus meinem Heimatort zu „meiner Borussia“ – die… Mehr

Ein Land, das keine Nation mehr ist…..das von den grün-sozialistischen Gesinnungsterror das Nationalsein….sich das Volk sein….nehmen hat lassen….so ein Land…braucht weder eine EM noch eine WM noch sonst irgendetwas….Deutschland ist das Multik-Kulti Land der grün-sozialistischen Merkel-Medien Gesinnung….aber KEIN DEUTSCHLAND mehr…KEINE NATION und VOLK mehr….solange Merkel und diese grün-sozialistische NGO-Global-Multikulti-Türken-Afrika Verehrer Mafia an der Regierung ist.

Sommermärchen werden – vielleicht – wahr, wenn man sie nicht schon Jahre vorher beschwört. Und sollte es eines werden, dann hoffentlich nur eines, dass ohne die üblichen Beschwörungsformeln von Offenheit, Buntheit, Vielfalt und Antirassismus auskommt.

Eine EM ohne Nationalstaaten, die Mannschaft gegen die Mannschaft. Fußball verliert immer mehr an Glaubwürdigkeit, er verkommt zum Luxusprodukt. Wer die Bundesliga sehen will, muss Sky und Eurosport kostenpflichtig erwerben oder er kauft eine teure Dauerkarte für seinen Verein. Die Spirale geht immer nur noch nach oben, Fußball ist ein Geschäft und der Sport ist nur noch eine Nebensache geworden. Das die Vereine sich auch noch in die Politik einmischen und wie Eintracht Frankfurt keine AfD Wähler in ihrem Stadion haben wollen, zeigt wie sehr sich der Fußball verändert hat. Mein Geld bekommen diese Leute nicht mehr, die Glaubwürdigkeit und… Mehr

Eigentlich wäre es ein Grund zur Freude. Aber wenn man sich die Stimmung dieses Jahr bei der WM angeschaut hat, befürchte ich, dass es 2024 nicht mit 2006 vergleichen kann. Schön wars, damals…. seufz

Die Stimmung war nur bei den Zuschauern aus Deutschland schlecht, weil „die Mannschaft“ die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllen konnte. Mal ganz davon abgesehen, das viele deutsche Fußballfans auf die Lügenpropaganda aus Berlin hereingefallen sind und deshalb zu Hause geblieben sind. Alle anderen haben ihren Spaß gehabt.

Wir haben nicht mehr 2006. Wieviel Merkelsteine sollen es denn werden?

Niemand wird in 2024 noch ein ‚Sommermärchen‘ wie in 2006 feiern. Damals waren wir fröhlich und offen. Heute haben wir bei jeder (größeren) Veranstaltung (und wie sonst stellt man sich z. B. ein Public Viewing dann vor?) Merkelpoller gegen potenzielle Terroranschläge und ‚Frauen-Schutzzonen‘ wegen sexueller Übergriffe durch ‚Männer‘. Das alles ist spätestens nach September 2015 entstanden und hat binnen drei Jahren eine erschreckende Dimension angenommen. Und bei Betrachtung der weitergehenden Entwicklung wird sich die Lage binnen weiterer sechs Jahre massiv verschärfen. Nein, ein ‚Sommermärchen‘ à la 2006 – das wird es nie wieder geben, das KANN es unter den inzwischen… Mehr

Wir haben eine Alternative auf dem Wahlzettel. Nur wird sich im Schnarchmodus des Wähler nichts ändern, man sollte schon Butter bei die Fische geben.

Lieber Herr Schäffler, alles schön und gut. Nicht unerwähnt bleiben sollte jedoch, daß die Öffentlich-Unrechtlichen voraussichtlich wieder horrende Summen für die Senderechte bezahlen werden, auf Kosten der GEZ-Steuerzahler. Natürlich werden sie einwenden, daß die Rundfunkgebühr keine Steuer sei. Ich empfinde sie aber so. Bei sonstigen Gebühren bekomme ich immer eine Gegenleistung, bei der GEZ nicht.

Bei der GEZ besteht die Gegenleistung aus Propaganda und Desinformation.

2024 findet die Fußball-EM in Deutschland statt, und wir sollen uns freuen, da jetzt die beispiellose Verschwendung von Steuergeldern für dieses Ereignis minimiert worden sei. Den Herren des europäischen Fußballs ist es immer noch gelungen, aus diesem Ereignis viel, viel Knete zu gewinnen. Ich wette, das gelingt auch 2024. Die Besteuerung ist kein Grund zum Jubel, sondern schlicht ein normaler Vorgang. Unser Konkurrent war die Türkei. Ja, was hätte die UEFA denn anders entscheiden können? Die Vergabe an die Türkei hätte ihr sicherlich nicht zum Ruhm und Einkommen verholfen und das Ereignis zu einer von den meisten Fans abgelehnten Erdogan-Feier… Mehr