Vom Leben, Sterben und dem Tag des finanzpolitisch jüngsten Gerichts

Hören wir auf zu leben, weil wir irgendwann sterben werden? Warum hören wir dann auf anzulegen, nur weil irgendwann ein neuer Crash kommen wird? Mein Plädoyer lautet für einen intelligenten Optimismus. Wir lachen den Gefahren der Zukunft ins Gesicht, denn wir werden im Hier und Jetzt die anlagetechnisch richtigen Dinge tun.

Was ein reißerischer Titel, aber doch passend. Denn heute möchte ich mit Ihnen darüber sprechen was passieren wird, wenn dieses finanzielle Kartenhaus, das Staaten und Notenbanken im Duett gebaut haben, zusammenbrechen wird. Ich will aber auch darüber sprechen, warum kluge Anleger trotz dieses Wissens die Chancen der Gegenwart ergreifen. Denn hören wir auf zu leben, weil wir irgendwann sicher sterben werden? Ich hoffe hier ist Konsens, dass die Antwort *Nein* lautet, selbst wenn man die Lebensmitte schon weit hinter sich gelassen und die Uhr zu ticken begonnen hat.

Warum hören wir dann aber auf anzulegen, nur weil irgendwann ziemlich sicher ein neuer Crash kommen wird? Die Antwort ist klar, weil zu viele der Überzeugung sind, dass dieser Tag des finanzpolitisch jüngsten Gerichts sozusagen *morgen* kommen wird, also sozusagen gleich um die Ecke ist. Und weil diese Meinung den Anlegern auch an jeder Ecke eingeflüstert wird und keineswegs eine Außenseitermeinung, sondern die der Herde ist. Diese Anleger glauben also die Zukunft zu kennen, weil sie fest gefügte Überzeugungen haben, sie wollen also klüger als der Markt sein. Es kommt höchst selten vor, dass diese Haltung zu Erfolg führt und dieser Artikel ist eine erneuter Versuch, das klar zu machen.

Zunächst aber muss ich wohl diesen Tag des finanzpolitischen Gerichts betrachten, auch damit Sie mir überhaupt zuhören. Denn hier ist schon eine hohe Zahl Leser, die die finanzpolitischen Entwicklungen der Gegenwart sehr skeptisch sehen, was ja auch angemessen und in Ordnung ist. Nur wird dann von einigen der Fehler gemacht, gleich alle Chancen der Gegenwart zu ignorieren, nur weil irgendwann vielleicht die Rechnung präsentiert werden wird. Irgendwann sind wir aber alle tot. Ich weiß, das hört man nicht gerne, wahr ist es trotzdem.

Und natürlich reden wir da nicht über einen Tag, wir sprechen über eine Phase von vielen Monaten und wenigen Jahren, in denen vieles zusammenbrechen wird, was wir uns so noch nicht vorstellen können. Ich hatte Ihnen ja auch zuletzt in Wie die Assyrer mir das Geheimnis der nächsten Börsenkrise offenbarten aufgezeigt, dass so ein Crash sich vorbereitet, durch diverse Signale ankündigt und nicht einfach aus dem Nichts auftritt. Aber das mit dem „jüngsten Gericht“ ist halt so ein schöner Titel.

Der Weg bis zum jüngsten Gericht

Letzten November hatte ich schon in Zu früh ist am Markt nur ein anderes Wort für falsch mit Ihnen besprochen, dass bis zu diesem Tag des „jüngsten Gerichts“ noch viel Zeit vergehen kann, in denen die Märkte weiter steigen. Sicher, er kann auch 2018 kommen, wenn die richtigen bzw. falschen politischen Entscheidungen getroffen werden, es kann aber ebenso noch bis 2028 dauern, wir wissen es nicht, und jeder, der anderes behauptet, ist ein Scharlatan.

Ich habe Ihnen da aber auch geschrieben, dass selbst dieser Crash nicht sicher ist, denn Zitat:

„Vielleicht kommt es auch nie zu einem katastrophalen Zusammenbruch, weil die Scherkräfte langsam und stückchenweise auf Kosten der Bürger via „kreativer“ Geldpolitik, Inflation und Steuern abgebaut werden – Macron und die Südländer arbeiten ja kräftig an diesem Modell. Wir sehen doch an den aktuellen, massiven Veränderungen der deutschen Gesellschaft, dass man den Menschen auch Extremes ohne Aufbegehren auferlegen kann, wenn man es nur langsam und stückchenweise tut und die Folgen nicht sofort erlebbar sind. Auch der Frosch springt bekannterweise nicht aus dem heißen Wasser, wenn man es langsam auf Kochtemperatur erhitzt.“

Tja, so ist das mit dem Frosch, auch als deutscher Michel bekannt. Da kann man ein wenig zynisch werden, aber es nützt ja nichts. Und mit der kommenden großen Koalition, wird sehr wahrscheinlich, dass dieser „Macron-Weg“ auch beschritten wird, der die Blechkanne ein gutes Stück die Straße weiter herunter treten wird. Ob man individuell nun das Wissen und die Kraft hat, diese vielen Jahre noch mit den Wölfen zu heulen und mitzunehmen was geht, bis dann der finanzielle Winter kommt – zu tanzen also, solange die Musik spielt – das muss jeder für sich selber entscheiden.
Gehen wir für diesen Artikel aber nun mal davon aus, dass dieser Tag der Abrechnung irgendwann kommen wird und das Kartenhaus zusammenbricht, denn das erscheint wahrscheinlich. Woraus das Kartenhaus besteht und wer gerade daran mitwirkt, will ich hier jetzt nicht erneut aufwärmen. Das wurde auf TE vielfach treffend beschrieben, die Notenbanken spielen dabei eine zentrale Rolle, weil sie die Welt und ihre Bürger in ein historisch einmaliges geldpolitisches Experiment gepresst haben, aus dem es wohl kein Entrinnen mehr gibt. In Warum der Zins nicht wieder kommt habe ich davon hier einen Teilaspekt beleuchtet. Und dieses Experiment haben die Notenbanken natürlich nicht ohne Grund begonnen, die Interessen der Staaten und die Angst vor einer Systemkrise waren und sind dabei entscheidende Treiber.

Das Truthahn-Leben

Ich habe aber eine Ahnung davon, wie das Ganze ablaufen wird, denn der Markt hat sich sehr verändert und daran hat das Aufkommen und die sich entwickelnde Dominanz der Algos und der passiven Anlagevehikel wie der ETFs einen wesentlichen Anteil. Auch das habe ich Ihnen in den Konsequenzen schon dargestellt und zwar in Algos, ETFs, Robo Adviser und ein Truthahn-Leben. Denn das Bild des Truthahn-Lebens ist besonders passend, denn der lebt fröhlich und gut bis irgendwann überraschend das Messer kommt. Oops!

Der Inhalt dieses Artikels wurde uns in der aktuellen Korrektur Anfang Februar dann schnell vor Augen geführt, als die Auflösung des „Short-Vola“ Trades zu schnellen Marktverwerfungen geführt hat. Aber das war nur ein Vorbote dessen, was wohl kommen wird.

Kein Ort zum Verstecken

Schon immer war es aber so, dass in einer Krisensituation alle gleichzeitig zum Ausgang wollen, aber das nächste Mal wird es besonders brutal werden. Denn die Algos werden mit den gleichen Mechanismen, mit denen sie nun alle dem Trend nach oben folgen, alle permanent verkaufen wollen. Und noch schlimmer die boomenden passiven Anlagevehikel wie die ETFs, werden wie riesige Abrissbirnen alles mitreißen – wirklich alles, auch die stabilsten Unternehmen der Welt. Denn wenn ETFs massive Verkaufsaufträge bekommen, müssen sie halt alle Aktien im ETF anteilig verkaufen und damit wird alles ausgekehrt, völlig unabhängig davon, ob das Unternehmen von der Krise betroffen ist oder nicht.

Auch das wurde uns Anfang Februar bewiesen, schauen Sie sich nur mal die Kursentwicklung von Apple an, eine Aktie die in unzähligen ETFs ist. Mit Änderungen an der Geschäftsentwicklung von Apple hat diese Bewegung nichts zu tun. Diese Verkaufswellen werden dann zu einer sich selbst verstärkenden Feedback-Schleife, die immer wieder um die Welt laufen wird, ganz analog zum jetzigen gnadenlosen Marktanstieg, nur invers und viel schneller. An den Märkten geht es runter immer viel schneller als hoch. Man könnte auch sagen, hoch ins Hochhaus geht es schnaufend die Treppe hoch, runter dann mit Fenstersturz und Flugversuch.

Es wird dabei – da bin ich absolut sicher – keinen Ort zum finanziellen Verstecken geben. Alles wird brutal fallen. Alles. Und sicher wird die Politik dann die Börsen und Banken schließen und viel warme Worte verbreiten, es wird aber nicht viel nutzen, wenn die Märkte wieder aufmachen, kommt die nächste Welle. Denn wenn das Vertrauen in die Notenbanken und damit in das Geldsystem weg ist, wenn der „Lender of the last resort“ im Zweifel steht, dann gibt es keine Haltelinie mehr.

Auch Du mein Sohn Aurum

Jetzt denken einige von Ihnen dabei natürlich nur an die Börsen und die ach so „gefährlichen“ Aktien und lehnen sich beruhigt zurück und denken, gut ich habe ja Gold. Leider falsch, auch Gold wird dann erst einmal brutal in den Boden gestampft werden, weil der berühmte „Margin-Call“ – die Aufforderung Wertpapier-Kredite zurück zu zahlen – dazu führt, alle Sicherheiten aus dem Tresor zu nehmen und alles panisch auf den Markt zu werfen. Schon 2008 konnten wir das beobachten, bei dieser Krise wird es noch extremer. Erst später im Verlauf der Krise kann und wird Gold dann relativ zu anderen Anlagen steigen.

Und für die, die in Gold das Allheilmittel sehen, sei mein Artikel Das Wort für Gold ist Geld empfohlen. Dort lesen Sie von mir einen durchaus positiven Blick auf Gold, aber eben auch einen differenzierten Blick, denn Gold ist nicht das Allheilmittel der finanziellen Sicherheit und war es auch nie. Wirklich erreichen werde ich alle damit aber nicht, das ist mir schon klar, da ist beim Thema auch Glauben und Emotion im Spiel. Aber gut, jeder ist seines eigenen Glückes Schmied.

Aber auch Immobilien werden dann in der Krise unverkäuflich sein, man sieht es dann nur in den Preisen vermeintlich nicht, denn wenn nicht verkauft wird, kann man sich ja noch viel über den Wert einbilden. Die aufkommenden Probleme in der Gesellschaft werden dann dazu führen, dass die Politik auf Wohnraum zugreift und dann kommen vielleicht all die Folterwerkzeuge wie Zwangshypotheken, mit denen Deutschland ja schon Übung hat und über die in Frankreich schon „Thinktanks“ der Regierung wieder nachzudenken beginnen.

Nein, „sicher“ werden Immobilien auch nicht sein, Schuldverschreibungen in einer Währung wie Lebensversicherungen erst recht nicht, und wer heute glaubt, weil er aus dem Markt ausgestiegen ist und auf Cash sitzt, dass er deswegen „sicher“ sei, hat einen Naivitätspreis verdient, denn Cash auf Konten wird am meisten wackeln, zusammen mit den Banken, in denen es liegt.

Das ist doch Angstmacherei!

Geht es noch dunkler? Das ist doch Angstmacherei, werden jetzt einige rufen, besonders wenn das hier einer der Politiker liest, die ja alles im Griff haben und in Deutschland für ihre große marktwirtschaftliche und ordnungspolitische Kompetenz berüchtigt sind. Ich kann dann nur trocken daran erinnern, dass ich bei anderen, den Marktausblick positiven sehenden Artikeln der letzten Jahre, dann einigen als „Schönredner“ und „Verdränger der Risiken“ galt, weil ich mir erlaubt habe darauf hinzuweisen, dass dieser Tag des finanzpolitisch jüngsten Gerichts aktuell noch nicht ansteht und die Märkte erst noch viel weiter steigen können. Was bin ich dann jetzt also, Angstmacher oder Schönredner? Hmm? Was ich behaupte ist, dass beides wahr ist und man beidem ins Auge sehen sollte. Nur der Zeitstrahl macht den Unterschied und den darf man nicht unterschätzen und klein reden.

Haltet den Dieb!

Aber ich kann bei der Angstmacherei noch einen draufsetzen. Denn mit dieser Krise wird unsere freie Gesellschaft potentiell kippen. Während alle wie die Hühner umherirren und das Geschehen nicht verstehen, wird von interessierter Seite wieder auf den „bösen Kapitalismus“ und die „gierigen Zocker“ gezeigt werden, dabei ist die aktuelle Unwucht des Marktes recht eindeutig die Folge von Politikversagen bzw. bewusster Verzerrung der Marktkräfte. Das ist teilweise keine Marktwirtschaft mehr was wir haben, eher ein großer, weltweiter Korporatismus. Wie übrigens auch die Subprime-Krise 2008, es war der US Staat, der jeden in Immobilien treiben wollte und erst ganz viele Würste frei ausgelegt hat, die dann die „Hunde des Marktes“ natürlich gefressen haben.

Die wahren Verantwortlichen werden nach dem bekannten Prinzip „haltet den Dieb“, an solchen Schuldzuweisungen sicher ein Interesse haben und der normale Bürger wird es mit medialer Feuerunterstützung dankend aufnehmen, er hat ja schon immer gewusst, dass diese Zocker an allem schuld sind – an den nächsten Baum mit ihnen! Am Ende wird es schwer sein, eine freie Marktwirtschaft zu erhalten, denn die billigen Versprechungen werden Konjunktur haben.

Was man tun kann

Bei so viel düsteren Aussichten kann einem ja schwindelig werden, was kann man denn jetzt noch tun? Nun, politisch noch einiges, vielleicht kann man das dicke Ende noch abwenden, auch wenn es nicht mehr sicher ist. Aber das soll hier nun nicht Thema sein. Aber als Anleger, was kann man tun, wenn nichts sicher ist?

Das ist ganz einfach. Eben gerade *nicht* sich in Selbstüberschätzung einzubilden, dass man sicher sei, weil man dieses und jenes getan und gekauft oder verkauft hätte. Wir sind in völlig unerforschten, historisch einmaligen Gewässern, niemand kennt den genauen Ablauf der nächsten Krise und es wird einige Überraschungen geben. Ein bekannter Sinnspruch von Joe Granville zum Markt, wissend um dessen Reflexivität sagt treffend: „If it’s obvious, it’s obviously wrong“ – auf Deutsch „Wenn etwas offensichtlich ist, ist es offensichtlich falsch“.

Dinge werden also „wackeln“, denen man es nicht zugetraut hätte, Überraschungen werden passieren, die kein „Crash-Guru“ sich je hatte vorstellen können und deshalb sind Diversifizierung, Qualität der Anlagen und geistige Flexibilität die Zauberwörter – nicht das Eingraben in vermeintliche Sicherheiten, die keine sind.

Diversifizierung, Qualität und geistige Flexibilität

Diversifizierung bedeutet dabei, nicht alle Eier in einen Korb zu legen. Wenn man nicht weiß, wie das genau ablaufen wird, ist es unverantwortlich, alleine auf eine Idee zu setzen, so „sicher“ sie sich heute auch anfühlen mag.

Und da sind wir auch gleich bei der Qualität, denn in der Krise wird sowieso alles massiv fallen – wirklich alles – , darauf müssen wir uns einrichten. Die Frage ist also nicht, was wie stark fällt, sondern was nach der Krise noch die Chance hat, zu stehen und wieder an Wert zu gewinnen.

Das ist „Qualität“ und die ist aktuell schon „teuer“, weil die anderen im Markt ja auch nicht dumm sind und nach Qualität forschen. Qualität findet man zum Beispiel bei den großen Weltkonzernen, die wie Johnson & Johnson mit Tampons und Mundspülung weltweit immer Käufer finden werden, oder die es wie Microsoft immer noch auf fast jedem Rechner gibt. Und Rechner wird es auch nach der Krise geben, außer wir haben uns in die Steinzeit zurück gebombt, dann haben wir aber sowieso ganz andere Sorgen als Geldanlage. Qualität kann auch die selbstgenutzte Immobilie in Toplage sein und der Goldbarren, auf den man physischen Zugriff hat. Es kann das landwirtschaftliche Gelände sein und einige andere Dinge, weniger aber Schuldverschreibungen, Geldmittel und sonstige Versprechungen, die nur auf geduldigem Papier notiert sind.

Ja, und dann braucht es noch Flexibilität geistiger Art. Denn es gehört Demut dazu, heute zu akzeptieren, dass man heute nichts Definitives sagen kann und alle Festlegungen heute reiner Unfug sind, auch die negativen Festlegungen übrigens, nach denen dieser Markt nun sofort zusammenbrechen „muss“. Nein muss er nicht, der Markt muss gar nichts. Diese Demut muss sich in der Krise dann in die Flexibilität wandeln, die Möglichkeiten der Diversifizierung intelligent zu nutzen, wie immer diese Krise sich dann konkret entwickeln wird. Um das dann tun zu können, braucht man aber auch finanzielle Bildung, damit man die Zusammenhänge überhaupt durchschauen kann – darin kann man heute schon investieren.

Das Happy End

Wie in jedem guten Hollywood-Film, auch wenn er sehr gruselig ist, muss ich nun natürlich noch die positive Kurve bekommen und das kann ich auch tun, weil ich es wirklich so sehe. Denn so neu sind solche Sorgen um den „Tag des finanzpolitisch jüngsten Gerichts“ nicht, die Kinder des kalten Krieges wie ich haben permanent mit der totalen Vernichtung und den Bildern von in der Atomhitze schmelzenden Körpern gelebt und konnten trotzdem auch ihr Leben genießen.

Verdrängung hat eben auch etwas Gutes, aber nur wenn man sie auch mal temporär unterbricht, um sich für den Tag X vorzubereiten und sich den wichtigen Fragen des „was wäre, wenn“ zu stellen. Wenn man das getan hat, kann man den Notfallkoffer auch wieder vergessen und weiter fröhlich tanzen.

Der Unterschied zwischen Verdrängung und Optimismus ist eben, dass der Verdränger Gefahren nicht wahrhaben will, der Optimist dagegen, lacht ihnen im vollen Wissen ins Gesicht. Wir sollten Optimisten sein, nicht Verdränger.

Zeit für Optimismus und das Leben zu genießen

Ich persönlich kann sowieso nicht verstehen, warum manche Menschen sich von der Sorge um ungelegte Eier blockieren lassen, die vielleicht in 10 Jahren passieren oder eben nicht. Und ich kann daher auch nicht verstehen, warum Anleger auf Gewinne in der Gegenwart verzichten, weil sie irgendwann mal einen großen Crash erwarten, ohne auch nur ansatzweise eine Idee vom Zeitpunkt zu haben. Das ist eher Selbstmord aus Angst vor dem Tod, denn der Crash kommt sowieso und wird nicht dadurch besser, dass man sich jetzt der Gewinne entsagt, im Gegenteil, das Polster wird dünner. Und in den letzten 9 Jahren war dieser Anlageansatz ja schon ziemlich desaströs, nirgendwo steht geschrieben, dass es nicht nochmal 9 Jahre werden können.

Auch wenn es hier einige Leser nicht gerne hören werden, erinnere ich noch einmal daran, dass wir aktuell trotz aller Fragezeichen immer noch mitten in einem Bullenmarkt sind, der durchaus weiterlaufen kann, selbst wenn dann doch am Ende dieser Tag des „finanzpolitisch jüngsten Gerichts“ kommen sollte. Und dass dieser Bullenmarkt objektiv zu einem Teil auch von den Notenbanken „aufgepumpt“ ist – was wirklich jeder im Markt weiß und keine Neuigkeit, sondern Binsenweisheit ist – macht ihn nicht weniger bullisch und nicht weniger dauerhaft, im Gegenteil.
Unsere unheilbare Krankheit auch „Alter“ genannt.

Auch das Argument, man würde mit dieser Abstinenz und sorgenvollen Miene schon jetzt für den Fall des Falles vorsorgen, erscheint mir hohl, denn es gibt doch ein viel schlimmeres Problem das wir alle haben. Wir haben nämlich alle eine finale, unheilbare Krankheit mit Namen „Alter“. Irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft liegen wir alle in der Holzkiste und das ist mal wirklich alternativlos – wer Pech (oder Glück?) hat, den ereilt es sogar schon vor diesem Tag, an dem es finanzielle Katzen regnen wird. Auch diese finale Krankheit darf man nicht permanent verdrängen und muss sich der Frage stellen, was das für das eigene Leben in der Gegenwart bedeutet – in erster Näherung, etwas Positives daraus zu machen – ganz ähnlich dazu, wie man als Anleger mit Chancen in der Gegenwart umgehen sollte.

Intelligenter Optimismus

Mein Plädoyer lautet daher für einen intelligenten Optimismus. Wir kennen die Gefahren genau und machen uns nichts vor, was die Konsequenzen angeht. Wir sind keineswegs Lemminge, die ahnungslos in die Zukunft stolpern.

Wir lachen den Gefahren der Zukunft aber auch ins Gesicht, denn diese werden uns nicht davon abhalten, im Hier und Jetzt die richtigen Dinge zu tun, das Leben mit beiden Händen zu ergreifen, zu genießen und die Chancen da mitzunehmen, wo sie sich uns gerade aufdrängen. Und gerade weil wir die Gefahren kennen, werden sie uns nicht so schnell überraschen und paralysieren.

So sehe ich die Welt, jetzt wissen Sie es.

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Kommentare ( 27 )

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Der Autor mag mit seinen Aus- und Ansichten richtig liegen. Aber vielleicht haben diese Leute hier http://www.deagel.com/country/forecast.aspx einen Wissensvorsprung?! – Dann sähe es allerdings zappenduster aus! „Schaumer mal, dann sehen mer’s scho!“ Und: „Selbst wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumlein pflanzen!“

Der wiederholte Hinweis eines Menschen, der vermutlich seinen 50sten Geburtstag schon länger hinter sich hat, darauf, dass das Leben ja eh endlich ist und es daher keineswegs sicher sei, dass man selber die „Quittung“ für die Fehler der eigenen Generation zahlen muss hinterlässt bei mir (36 Jahre alt) einen sehr bitteren Beigeschmack! Ich habe (so Gott will) noch ein paar Jahrzehnte Lebenszeit vor mir. Die aktuelle Politik verzockt gerade meine Zukunft und die meiner kleinen Tochter. Ich will nicht als älterer Mensch in einer Art Steinzeit 2.0 leben müssen, in der es eine reiche Elite gibt, die über fast alle… Mehr
Lieber Duke, Sie interpretiere Ihre Ängste – die ich gut verstehen kann und auch selbst empfinde – in meinen Artikel hinein, nur steht da etwas anderes. Ich spreche davon, aus dem Leben das wir haben, trotz des Bewusstseins der Gefahren etwas zu machen. Sie machen daraus eine „Nach mir die Sintflut“ Logik, die nirgendwo steht. Faszinierend! Zur Klarstellung: Erstens, ich habe selber Kinder, deren Schicksal mir wichtig ist. Kurze Recherche bringt das schnell zu Tage, wenn man nur will. Zweitens, ich tue das Meine dazu, für deren bessere Zukunft zu streiten. Und zwar in vielen öffentlichen Artikeln, zb hier bei… Mehr
Guckt man mal nach hinten, in die Geschichte, dann sieht man sehr deutlich, dass es uns allen heute gut geht. Alle in Deutschland leben besser als sie es in den 50ern des letzten Jahrhunderts gemacht hätten. Die Wohnung meiner Eltern war damals nur ein klein wenig größer als heute meine Wohnküche ist. Würde man noch weiter zurück gehen, so sähe das Leben noch ärmlicher aus. Industriearbeiter arbeiteten 7 Tage die Woche 12 Std. pro Tag in der Fabrik, bekamen 8 Kinder, von denen 4 überlebten. Selbst an einer Blinddarmentzündung ist das Volk früher gestorben, Mangelernährung war normal. Unser heutiger Wohlstand… Mehr
@Duke, a. eine weitere Sintflut ist absolut, kategorisch ausgeschlossen. Unwiderlegbare Tatsache. b. Fragen Sie den obigen Autor, wo er sich ideologisch positioniert, positionieren will. Anders ausgedrückt: Welcher Denkschule will er angehören? c. Sollten Sie Punkt b. herausgefunden haben, dann können Sie in der Regel, bei Vorhandensein einer gewissen Bildung, recht logisch voraussagen, wie er argumentieren muß, zwangsläufig. d. Eine Denkschule ist wie eine rosarote Brille. Jede hat eine andere Farbe und eine andere Perspektive, durch die er, der Betreffende, die (vorhandenen, auf dem Tisch liegenden, oder der Tafel, Bildschirm) Daten interpretieren muß. Sie gibt die Regeln vor. Was als Output… Mehr

Können sie ihren „Beitrag“ bitte mal erklären???

Nach mir die Sintflut…………..ist immer eine m.E. verantwortungslose Attitüde. Meine Kinder sind erwachsen, ich habe ein Enkelkind. Ich kann Ihre Sorge sehr gut verstehen, denn meine Kinder blicken ebenfalls besorgt in ihre Zukunft. Aus diesem Grund, sollte sich meine Generation nicht auf‘s bequeme „Faulbett“ legen, denn es obliegt uns, die nachfolgende Generation möglist nicht zu überfordern. Allerdings ist es kaum der Markt, welcher für die Unwuchten sorgt, sondern ein wahrlich exorbitantes Politikversagen, begleitet von einer EZB, die nicht „ausgewogen“ handelt. Wir müssen dafür streiten, dass Verantwortungsbewusstsein und Vernuft die Politik bestimmen. Ich erdreiste mich, Ihnen zu raten, Ihre Angst nicht… Mehr

Vor drei Jahren habe ich mein gesamtes Depot (Altersvorsoge in 20 Jahren oder so) verkauft. Obwohl mir zu jeder Zeit klar war, dass es „dumm“ ist, fühle ich mich seit dem glücklich wie ein Truthahn. Nein im Ernst, es hat in meinem Fall wirklich die Lebensqualität erhöht.

Und erneut stellen Sie unter Beweis, dass Befürworter eines freien Marktes sehr kluge und verantwortungsbewusste Menschen sein können. Kann man dies auch von politisch verantwortlichen Menschen sagen?

„Mein Plädoyer lautet daher für einen intelligenten Optimismus. Wir kennen die Gefahren genau und machen uns nichts vor, was die Konsequenzen angeht. Wir sind keineswegs Lemminge, die ahnungslos in die Zukunft stolpern.“ – Hr. M. Schulte

Da Sie nur Gefahren in der „monetären Echokammer“ sehen, stolpern Sie ahnungslos in die Zukunft.
Für die Zukunft relevant ist die Entwicklung im Güterkreislauf.

Herr Schulte, gut, dass es noch Optimisten wie Sie gibt. Die Aussichten sind leider deutlich weniger als rosig, wobei Sie vollkommen Recht haben, dass ein Prognose über Fallhöhe und Zeitpunkt des großen „Reset’s“ unseriös wäre. Allerdings macht es schon einen Unterschied für meine Maßnahmen, ob ich eine Fallhöhe von heute auf das Wohlstandsniveau der 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts oder eben in die besagte Steinzeit antizipiere. Da ist es fast egal, ob das in diesem oder im nächsten Jahr passiert, solange es während der Lebenszeit meiner Person oder meiner Kinder passiert. Erwarte ich die Steinzeit, werde ich nicht in Aktien… Mehr

Ich will mal die düstere Einschätzung ein wenig entkräften. Ja ich stimme zu der crash wird kommen und er muss kommen. Jetzt das aber: die Welt ist aus Gier und Angst konstruiert. Diese beiden Komponenten werden dafür sorgen, das nach der Angst mit der finalen Panik , die Hoffnung und auch der zaghafte Mut und Idealismus wieder zurückkehrt und sich wieder in ein Verlangen nach Macht und Geld verwandelt und schlussendlich wieder in Gier endet. Fortsetzung folgt,Wiederholung nicht ausgeschlossen. Also was soll´s….

Wenn Banker versuchen, mit aller Macht, möglichst viele normale Menschen zum Kauf von Aktien zu überreden, dann, weil ihnen die potentiellen Käufer ausgehen. Und dann ist der Crash gar nicht mehr sooo weit weg …

Es sei Ihnen gegönnt.
Es hat zu allen Zeiten Nutznießer und Profiteure der größten
gesellschaftlichen Katastrophen und Betrugsfälle gegeben.
Und das Jemand mit der entsprechenden charakterlichen Ausstattung, trotz Wissen über die Manipulationsmechanismen und die Auswirkungen auf das Leid und Elend unzähliger Menschen weltweit, versucht für sich das meiste raus zu holen ist Okay.
Leben und Leben lassen.
Mir kommen nach so einem Artikel immer Hankel oder Berger in den Sinn, respektable Menschen, die versuchen aufzuklären:
https://www.youtube.com/watch?v=k6JH5XoU_Bs
https://www.youtube.com/watch?v=nAMnOAekSC0