Berlin: Von Politik und Verwaltung alleingelassen, quittiert Schulleiterin den Dienst

Ruft die Kanzlerin wie 2008 einen Bildungsgipfel und Deutschland erneut zur Bildungsrepublik aus, sollte sie diesen „Gipfel“ an die Spreewald-Schule legen, damit sie den Zustand der „Bildungsrepublik“ nicht nur aus dem Raumschiff Kanzleramt sieht.

By Fridolin freudenfett [CC BY-SA 4.0 ], from Wikimedia Commons

Wer auf die Webseite der Spreewald-Grundschule im Norden des Berliner Bezirks Schöneberg geht, findet dort eine Traumvision von Schule vor. Unter „Aktuelles“ (Aufruf vom 18. August) ist dort zwar nichts zu lesen. Dazu später! Aber sonst? Alles „easy“: „Herzlich willkommen an unsrer lebendigen Schule“, steht dort, und dann unter anderem: „Wir freuen uns sehr, dass Sie sich für unsere Schule interessieren. Seien Sie gespannt auf Berichte und Fotos von den vielen Aktivitäten, die es bei uns gibt. Falls Sie im Moment überlegen, auf welche Schule Ihr Kind demnächst gehen sollte, besuchen Sie uns und hospitieren in der Schulanfangsphase … Die Spreewald-Grundschule bietet neben dem gebundenen Ganztagsbetrieb (kostenfrei bis 16 Uhr) wahlweise auch einen offenen Ganztag an (Schulschluss um 14.30 Uhr)!“ Und weiter ist die Rede von „einem modernisierten Schulgebäude mit einem speziellen Theaterraum und einem futuristischen Freizeithaus mit Sporthalle.“ Dazu: „Unser Schulhof ist einzigartig in Berlin: viel Grün, tolle Spiel – und Sportgeräte … Kein Kind darf zu kurz kommen – das ist unser Ziel! Ein gutes Schulklima ist Voraussetzung für gutes Lernen. Deshalb ist es uns wichtig, dass es an unserer Schule friedlich zugeht. Gewalt dulden wir nicht … Die Schule wird gefördert im Rahmen des eEducation Berlin Masterplan.“

Forscht man im Netz weiter, stößt man auf folgende Schuldaten: Es gibt rund 300 Schüler in den Klassenstufen 2 bis 6, davon 81 Prozent NDHs (nichtdeutscher Herkunftssprache). Vor zwanzig Jahren waren es 50 Prozent. Und: Mehr als 95 Prozent der Eltern leben von Transferleistungen. Ferner: Die Schule hatte zuletzt 83 Prozent Unterrichtsversorgung. Unter den Lehrern (zu mehr als 80 Prozent Lehrerinnen) sind nur 50 Prozent gelernte Lehrer.

Nun, so ganz außergewöhnlich ist all dies nicht für Berlin. Jetzt aber das doch Spektakuläre: Die dort seit 2014 tätige Schulleiterin Doris Unzeitig hat gekündigt und geht zurück in den Schuldienst nach Österreich. Sie begründete dies mit mangelnder Unterstützung durch die Schulaufsicht. Am Engagement der Rektorin wird es nicht gefehlt haben, sie wirkt in ihren Aussagen markant und auf den Bildern resolut. „Meine Kräfte reichen nicht aus, um eine nachhaltige Änderung der Arbeitsbedingungen der Lehrer und der Lernbedingungen der Schüler zu bewirken“, sagte Unzeitig dem Tagesspiegel.

Überforderung?
Desaströse Personalplanung der Schulminister mehrerer Bundesländer: „Setzen, SECHS!“
Zugespitzt hatte sich die Lage, als auf dem Schulgelände ein akutes Drogenproblem auftrat. Rektorin Unzeitig hatte stets auf die Probleme hingewiesen. Sogar einen Wachschutz hatte sie angefordert, ihn aber erst nach monatelangen Auseinandersetzungen bekommen. Die Schule ist zudem höchst renovierungsbedürftig. Der Hort und die Mensa sind nicht nutzbar, weil ein Fluchtweg fehlt. Zudem erhielt Unzeitig soeben aus dem Schulamt die Mitteilung, dass der Wachschutz zwar wieder seinen Dienst aufnehmen dürfe, aber erst mal nur bis zu den Herbstferien. Und das in einer Situation, die die Schüler extrem gefährden könnte. Denn in den Sommerferien haben sich Obdachlose auf bzw. in der Nähe der Schule angesiedelt. Ein Drogensüchtiger soll sich auf dem Schulhof einen Schuss gesetzt haben. Auf dem Schulhof werden Drogenverstecke vermutet. Diese Probleme zu lösen ist freilich nicht die einzige Aufgabe der Wachleute. Sie sollen auch innerhalb der Schule patrouillieren und Schüler zur Ordnung zu rufen. Zum Beispiel gab es Gewalttaten und Mobbing sowie körperliche Übergriffe auch auf Lehrer sowie auf dem Schulhof heftige Streitereien von Eltern untereinander. Es kam im Frühsommer schon mal vor, dass sich die Schulleiterin mit Mitarbeitern und Kindern bis zum Abend im Schulgebäude einschließen musste, weil ein gewalttätiger Übergriff durch einen Vater zu befürchten stand.

Das ist Schule mitten in Deutschland, mitten in Deutschlands Hauptstadt, recht exakt drei Kilometer von Kanzleramt und Reichstag entfernt. Die Sorge, dass es in solchen Schulen fast nur noch um sozialtherapeutische Bändigung von Schülern, aber kaum noch um Wissensvermittlung geht, liegt nahe. Mal sehen, wann die Kanzlerin – wie sie dies 2008 erstmals tat – den nächsten Bildungsgipfel einberuft und Deutschland erneut zur Bildungsrepublik ausruft. Vielleicht sollte sie diesen „Gipfel“ an der Spreewald-Schule veranstalten, damit sie den Zustand der „Bildungsrepublik“ nicht nur aus dem Raumschiff Kanzleramt anschauen muss.


Josef Kraus war Oberstudiendirektor, Präsident des deutschen Lehrerverbands, wurde mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet und als „Titan der Bildungspolitik“ bezeichnet. Er hat Bestseller zu Bildungsthemen verfasst und sein jüngstes Werk Wie man eine Bildungsnation an die Wand fährt erhalten Sie in unserem Shop: www.tichyseinblick.shop

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Kommentare ( 91 )

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Wenn man jahrelang“ kommet ihr Kindlein kommet“ ruft und dann das Problem durch maßloses herabsetzen des Standards löst , nennt man das, angekommen in der Realität von den Grünen.
Was werden die Kinder dieser Schule machen wenn sie einmal groß sind ? Eigene Clans aufbauen?
Warum hat sich kein Grüner zu Wort gemeldet, Zuviel mit schlechten Nachrichten aus
Sonstwo zu tun ?…

„…davon 81 Prozent NDHs (nichtdeutscher Herkunftssprache). Vor zwanzig Jahren waren es 50 Prozent. Und: Mehr als 95 Prozent der Eltern leben von Transferleistungen.“

Ich wette, es handelt sich dabei nicht um Argentinier, Vietnamesen, Russen, Spanier oder Schweden sondern samt und sonders um Menschen aus dem Islamgürtel. Mit solchen Leuten ist keine Schule zu machen, das weiß man seit 50 Jahren.

ik kenne ja Berlin bevor und nachdem sie Hauptstadt wurden. Dass die Berliner, bis auf Einzelfälle, galoppierend verblöden werden, war schon vor Jahren schon absehbar.
Seit der Checkpoint Charlie nicht mehr in Betrieb ist, ckecken die nix mehr. Das liegt aber nicht an den Ossis.

Wir Deutschen hätten wohl Grönemeyers Lied: „Kinder an die Macht“ nicht gar so wörtlich nehmen sollen. Nun sind gerade in Berlin die alten rot-grünen Kinder an der Macht und benehmen sich eben auch so: wie naive, verzogene, verantwortungslose und unreife Kinder…

Schaut man sich die Wahlumfragen für den Berliner Senat seit der Wahl 09/2016 an, dann ist das Momentan klar pro Regierungsparteien. Die Situation an dieser und an anderen Berliner Schulen entspricht offenbar dem, was die Mehrheit der Berliner Bürger politisch für wünschenswert erachten. Da hilft nur Achselzucken und fröhlicher Finanzausgleich !

Wozu braucht auch der neue gemischtethnische Einheitsmensch in Europa noch Bildung? Konsumieren kann er doch auch ohne!
(Ernsthaft, manchmal frage ich mich, ob ich ein Idiot war, vor 40 Jahren noch auf ein humanistisches Gymnasium gegangen zu sein… was nutzen Ovid und Homer in einer Idiocrazy-World?)

Das linksgrüne Projekt Volksverdummung schreitet neben den Absonderungen insbesondere der Öffentlich-Rechtlichen auch an den Schulen mit Hochdruck voran. Um die Sache noch mehr zu beschleunigen, werden mit aller Kraft zusätzlich kulturfremde NDHs aus den untersten Milieus aller Herren Länder ins Land geholt, die dann von noch mehr Quereinsteigern erfolglos beschult werden. Sarrazin hatte und hat völlig recht: Deutschland schafft sich ab. Genau müsste es allerdings heißen: Die Linksgrünen schaffen Deutschland ab.

Motivierten Lehrern und Direktoren wird schnell die erlernte und im Studium perfektionierte, sozialromantische Ader im täglichen Umgang mit der harten Realität ausgetrieben. Ist eben nicht alles Fack Ju Göhte! Die Zusammensetzung der Lehrerbelegschaft spricht eine zusätzliche, klare Sprache. Welcher gut ausgebildete und realitätsnahe Lehrer tut sich das an? Der Schlüssel ist die Zusammensetzung der angemeldeten Kinder. 81% Kinder nichtdeutscher Herkunft, dann womöglich noch Kinder mit Inklusionsbedarf. Das kann nicht gut gehen. Bezeichnend, dass der Ärger schon in der Grundschule losgeht. Die Erziehung der Kinder spielt eine große Rolle in Sachen Respekt, Lernwilligkeit, gutes Benehmen und Motivation. Hier offenbaren sich keine… Mehr

Oh man, wenn das die Kanzlerin wüsste, …hoffentlich liest sie den Artikel.

Sie weiß es und gibt erst auf, wenn diese Zustände an allen Schulen in Deutschland herrschen.

Das bringt Frau Merkel insoweit ins Spiel, als dass sie eines Tages wie Frau Unzeitig die Flucht ergreift, nachdem sie ein wir schaffen das für gescheitert erklärt. Frau Unzeitig wird vor ihrer Flucht einiges mit angerichtet haben. Nun kann sie aus der Ferne kluge Betrachtungen anstellen. Diese und ähnliche Fälle werden sich in Zukunft noch häufen, weil Ideal und Wirklichkeit sich nicht entsprechen. Eltern können sich gegen dieses misslungene Bildungsdiktat an den Schulen nur wehren, indem sie sich solidarisch und überhaupt weigern, ihre Kinder in jede Art von Schulen zu schicken, solange die Bildungsdiktatur genau diese Zustände zu verantworten hat.… Mehr