Der Spiegel Nr. 27 für Sie vorgelesen mit gutem Ergebnis

Es gibt zwei sehr gute und einige gute Gründe, den aktuellen Spiegel zu lesen. Mitten im Sommer, in der hellen Jahreszeit, wenn viele in den Ferien loslassen können, ganz entgegen dem sonstigen Thementrend bringt das Magazin sechs Seiten über das Sterben. Anlass ist die bevorstehende Bundestagsdebatte über die Beihilfe zum Suizid.




Weit weg von Politikroutine berichten zehn Abgeordnete in sehr persönlichen und teilweise berührenden Statements über Ihre Erfahrungen mit Leben und Tod. So wird nicht nur nachvollziehbar, was hinter den verschiedenen Anträgen steckt, die zur Debatte stehen. Vielmehr wird deutlich, wie sehr das Thema mitten ins Leben gehört. Sechs Seiten zum Nachdenken und als Anregung für die eigene Suche nach Antworten zu diesem Thema. Der erste sehr gute Grund, die Ausgabe 27 des Spiegels zu lesen. „Schlagen Sie ruhig zu“, ein Interview mit Hartmut Mehdorn, ist der zweite. Warum? Weil es Spaß macht, jemanden mit Freude abseits jeder Political Correctness erzählen und argumentieren zu sehen. Die Redakteure René Pfister und Melanie Amann konstatieren einen „irgendwie aus der Zeit gefallenen“ Manager – und „Deutschlands oberster Manager-Rambo“ tut nichts, um dieses Bild zu korrigieren. Im Gegenteil. Mehdorn war nie ein Ja-Sager und war sich nicht zu schade, im Zweifelsfall als Prügelknabe zu dienen, wenn er denn damit den Druck aus dem Kessel nimmt. Da verweigert sich jemand der allgefälligen Anpassung, zeigt Charakter und bleibt kantig. Die Frage stellt sich: Ist das „irgendwie aus der Zeit gefallen“ oder ist das nicht eher zeitlos?

Die Titelgeschichte „Leben im Horror“ über den Alltag im „Islamischen Staat“ wirft wieder einmal die Frage auf, wie viel publizistischen Raum man dem Terror und seinen Akteuren widmen sollte und ob die Relevanz dann für einen Titel reicht. Jeden, der in Europa aufgewachsen ist, müssten die Beschreibungen so abschrecken, dass man einem weiteren Vormarsch des IS Einhalt gebieten will. Der Artikel macht auch klar: Mit den Glaubensfanatikern gibt es kein Verhandeln. Sie werden so lange weiterschlachten wollen, bis die Welt nur noch von Ihresgleichen bevölkert ist, alle Frauen in Burka rumrennen und jeder nach den Worten des Propheten und der Scharia lebt. Nun gibt es seit Anbeginn der Menschheitsgeschichte immer wieder Verrückte, die die Welt erobern wollen, und mit denen ein friedliches Nebeneinander unmöglich ist. Vor tausend Jahren riefen die terrorisierten Christen im Nahen Osten die Kreuzritter zu Hilfe. Zu empfehlen ist in diesem Zusammenhang die Lektüre des Buches „Gottes Krieger“ von Rodney Stark (2015), das den Mythos vom angeblich so toleranten und kulturell hochstehenden Islam zur Zeit der Kreuzzüge von der durch die Aufklärung und durch die Romantik geschuldeten Überhöhungen befreit. Aber ist der IS heute wirklich mehr als eine fanatisierte Bande von Räubern und Marodeuren und kann er weiteren Nachbarländern gefährlich werden? Würden einige Tausend gut ausgebildete und motivierte Soldaten dem Spuk rasch ein Ende bereiten? Was sagen Militärexperten dazu? Wo ist die Relevanz jenseits der erzählten Geschichten –so wichtig sie für den einzelnen vor Ort sein mögen?

…und das sind unsere Sonntags-Noten von 1 bis 6:

1.  Sofort abonnieren | 2.  Sofort zum Kiosk und kaufen | 3.  Reicht auch nächste Woche noch | 4.  Ignorieren | 5.  Abo kündigen/kommt mir nicht ins Haus | 6.  Braucht man nicht

Zum Thema Griechenland überholen die Ereignisse die wöchentliche Berichterstattung. Nachdenkenswert der mit kluger Feder geschriebene Leitartikel von Dirk Kurbjuweit „Nicht Europa, sondern Anti-Europa“, der den Befindlichkeiten einer ganzen Generation „Europäer“ aus dem Herzen spricht. Was ist da so grundsätzlich schief gelaufen? Wie konnte es dazu kommen, dass es so uncool sein kann, Europäer zu sein? Wo sind die genialen Spin Doctors und Kommunikationsexperten die Europa als Idee wieder populär machen?

In dieser Woche lohnt zudem noch der Blick in die Kulturseiten. Besonders lesenswert die deutsche Übersetzung eines Textes von Erich-Maria Remarque, der am 27. November 1947 in der Tageszeitung „Hartford Courant“ im US-Bundesstaat Connecticut veröffentlicht und der vor einigen Wochen entdeckt worden ist. Der Text – Remarques Dank an die USA, in die er 1939 geflüchtet war und deren Bürger er wurde – ist ein Plädoyer für die Würde von Flüchtlingen und die Bereicherung der amerikanischen Gesellschaft durch deren Aufnahme. Ein Plädoyer, das auch nach fast 70 Jahren nichts von seiner Aktualität verloren hat.

Note 2: Sofort zum Kiosk und kaufen.

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