Blackbox KW 21 – Lasset uns beten

Wem die Blackbox diese Woche etwas unlustiger vorkam, kennt wahrscheinlich auch den Grund: Wir haben unsere dusseligste Partei diesmal fast verschont. Nichts über den beleidigten Edathy, Heiko nur als katholischer Zaungast. Dafür in der kommenden Woche umso mehr. Versprochen!

Linke, Mitte-Linke und Ganz-Ganz-Linke frömmeln gemeinsam auf katholisch. Derweil rettet Sonnengöttin Amaterasu Omikami, also known as Angela Merkel, die Welt. Darauf ein Stück Schokotorte von Sahra Wagenknecht!

♦ Wenn EU-Kommissar Günther Oettinger für TTIP die Werbetrommel rührt,
Winfried Kretschmann vor Populismus und Nationalismus warnt und auch die Linkspartei auf jedem Podium sitzt, dann ist Deutscher Katholikentag in Leipzig.

Zwar lauschten deutlich weniger den Worten der Herrn als bei früheren katholischen Kongressen, aber Staat, Parteien (bis auf eine) und Kirchen bildeten eine merkwürdige Ökumene. Gemeinsam mit den Bischöfen exorzierten Heiko Maas, Petra Lau und Peter Altmaier die AfD und segneten Merkels Kanonen.

Wann in der deutschen Geschichte konnte sich der brave Christenmensch je auf seine Fürsten der Bekenntnisse verlassen? In der DDR hatten sich die Protestanten trefflich und kaum protestierend arrangiert, mit dem Dritten Reich schloss der Vatikan schneller ein Konkordat als das Parlament das Ermächtigungsgesetz.

Aber auch ein Wunder ist zu verkünden: Christian Wulff ist in Leipzig von den politisch Toten auferstanden.

♦ Die Kanzlerin tat sich den frommen Rummel nicht an. Nach dem GroKo-Grillabend auf Schloss Meseberg fasste sie die Gemütslage so zusammen: „Die Stimmung war gut in dem Sinne, dass wir in unglaublicher Breite die digitale Agenda besprochen haben.“ Sigmar Gabriel überlegt immer noch, wo in dem Satz eine Gemeinheit versteckt sein könnte.

♦ Nun, wo Deutschland gerettet ist und sich in dankbaren Gebeten ergeht, hetzte die größte Politikerin aller Zeiten (GröPaz) auf die Insel Kashikojima, um noch schnell die Probleme der restlichen Welt zu lösen: Weltwirtschaft, Syrien-Krieg, Terrorgefahr, Klimawandel.

Und, in der Tat, sie hat es mal wieder geschafft: Flüchtlinge sind ab sofort ein globales, keine deutsches oder europäisches Problem mehr, TTIP wird unterschrieben, die Weltwirtschaft wird wachsen. Der Brexit wird verboten, Hacker unter Kriegsrecht gestellt, Russland, die AfD und Donald Trump weltweit geächtet.
Kein Wunder, dass die Japaner glauben, Angela Merkel sei die Wiedergeburt der Sonnengöttin Amaterasu Omikami, deren Schrein sich nicht zufällig nahe des Tagungsortes befindet.

♦ Die G7 waren zwar mal die größten Industrienationen der Welt, aber ohne China, Russland und Indien ist das Meeting wie eine Afrika-Konferenz ohne Afrikaner. Nennen wir G7 also in Zukunft die Glorreichen Sieben. Die wollen Stahl aus China mit schweren Strafzöllen belegen, was uns wiederum zu Donald Trump führt, der den Protektionismus schließlich auf seine Fahnen geschrieben hat.

♦ Trump hat inzwischen die nötigen Delegiertenstimmen versammelt und dürfte damit der Kandidat der Republikaner werden. Das nötigte einen Kolumnisten der Washington Post schon vor einiger Zeit dazu, öffentlich seine Kolumne aufzuessen, in der er felsenfest behauptet hatte, Trump würde nie so weit kommen. Da gäbe es auch bei uns den einen oder anderen, dem man gerne beim Essen zuschauen würde.

♦ Etwa denen, die wider besseres Wissen bestreiten, dass die ungebremste Zuwanderung dubioser Zeitgenossen dieses friedliche Land zum Schlechten verändert.

Trotz Staats- und Selbstzensur kommt immer mal wieder ein Geschichtchen an die Öffentlichkeit, die von den wahren Zuständen Kunde tut. So wurden gerade in Düsseldorf 17 ältere Damen überfallen und ausgeraubt. Die Westdeutsche Allgemeine hat dazu einen recht zynischen Rat für alle Seniorinnen parat: Gehen Sie am besten nicht mit Handtasche aus dem Haus.

♦ Die Täter, die nicht näher beschrieben werden, und damit mit Sicherheit keine Rechtsradikalen waren, dürfen im Falle der Verhaftung mit schonendster Justizbehandlung rechnen. Davon geht über die Hälfte der Deutschen aus, was wiederum Jens Gnisa, den Chef des Richterbunds schwer verdrießt. Die Bevölkerung orientiere sich an „selbst gestrickten Vorstellungen von Gerechtigkeit“. Nun, die von seinen Kollegen gestrickten Vorstellungen sind mitunter deutlich schwerer nachvollziehbar. Mit ihm gemeinsam wollen wir gleichwohl konstatieren: „Das deutsche Recht befindet sich im Sinkflug.“

♦ Ein Totraser wurde jetzt in Köln zu einer fast dreijährigen Haftstrafe verurteilt, nachdem vor kurzem noch in einem ähnlichen Fall auf Bewährung entschieden wurde. Was hat das nun zu bedeuten? Der Anfang der Wende? Oder eher ein Justizirrtum?

♦ Urlaub ist ein Menschenrecht, dachten sich wohl zwanzig Eritreer, die zu den Unabhängigkeitsfeiern in ihr Herkunftsland reisten. Nun rätselt man im Schweizer Staatssekretariat für Migration, wie das mit den Asylanträgen wg. Politischer Verfolgung zusammenpasst.

♦ Diese Story hat die FAZ wahrlich exklusiv: „Saudi-Arabien hat seit Beginn der Krise in Syrien zwei Millionen Syrer aufgenommen.“ Ach so, das sagte Außenminister Adel al Jubeir der FAZ, und die hat wohl ganz vergessen nachzufragen oder den Text mit ihrer eigenen Berichterstattung der letzten Monate zu vergleichen…

♦ Österreich hat nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen einen Bundespräsidenten van der Bellen. Technisches Versagen oder schummelnde Linke selbstverständlich ausgeschlossen!

♦ Wer sich nach Schule oder Studium erst einmal umschauen und mittels eines Praktikums über mögliche Berufe informieren möchte, der muss sich etwas Neues einfallen lassen. Seit dem Mindestlohn haben die Unternehmen Praktikumsplätze deutlich reduziert. Für’s Rumgucken 8,50 die Stunde gibt’s nur in Andrea Nahles Phantasialand.

♦ Der Sänger der „Eagles of Death“, der Augenzeuge der Tötungsorgie im Pariser Bataclan war, brachte verstörende Details des Angriffs zu Gehör. Die allerdings Journalisten des Spiegel wenig interessierten. Wichtiger für die weitab des Geschehens alles besser Wissenden war, dass Jesse Hughes pro Waffenlobby und pro Trump ist und „evangelikalen Kreisen nahe steht“. Bleibt zu hoffen, dass französische Ermittler keine Spiegel-Leser sind.

♦ Endgültig im deutschen Versorgungsolymp angekommen wäre Aiman Mayzek, laut Wikipedia „deutscher Medienberater und Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland“, wenn er seinen Glaubensbrüdern in den Niederlanden nacheiferte: Da ist die erste Migrantenpartei Europas gerade todschick. Mit einer ehemaligen Miss Niederlande als Sprecherin und islamischem Schwerpunkt. Die Fünf-Prozent-Hürde wäre ein Klacks, Merkel tauscht sofort den Siggi aus, Ministersessel steht bereit!

♦ Man weiß nicht, was den Oettinger umtreibt! Schon seit einiger Zeit hat er wie vom Heiligen Geist besessen ständig EuroVisionen. Jetzt kommt die neueste Forderung seiner EU-Kommission: Netflix soll mehr Euro-Produktionen ins Programm nehmen. Sind wir mit unserem Öffentlich-Rechtlichen Einheitsbrei nicht schon genug bestraft?

♦ Die Mathematik kann manches erklären, etwa dies: Bei 50 Leuten in einem Raum liegt die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Leute am selben Tag Geburtstag haben, bei 99 Prozent. Ließe sich auch berechnen, welcher statistische Zusammenhang zwischen der Anzahl von Terroranschlägen und dem Anteil von Muslimen in der Bevölkerung besteht? Vielleicht, vielleicht auch nicht. An deutschen Universitäten darf eine solche Rechenaufgabe jedenfalls nicht angestellt werden. Bei uns sind die Gedanken frei, die Wissenschaft ist es nicht.

♦ Linke „Aktivisten“ bewarfen die linke Sahra Wagenknecht auf dem Parteitag von „die Linke“ mit einer Torte. (Erstaunlicherweise kam der Angreifer von rechts!) Wegen ihrer „Haltung in der Flüchtlingspolitik“. Das hat zwar durchaus was von „Die Revolution frisst ihre eigenen Kinder“, aber sie hatte Glück: Solche „Aktivisten“ schmeißen sonst mit Steinen.

Heiko der Woche:

Apropos Revolution: Auf Merkels Humus reifen immer giftigere Pflanzen heran. So darf im linksradikalen neuen deutschland ein Horst Schöppner offen Antifa-Gewalttaten feiern und zu weiteren Eskalationen aufrufen. Dafür soll auch er sich mit dem „Heiko der Woche“, unserem Hetz- und Denunziationspreis, behängt fühlen.

Wem die Blackbox diese Woche etwas unlustiger vorkam, kennt wahrscheinlich auch den Grund: Wir haben unsere dusseligste Partei diesmal fast verschont. Nichts über den beleidigten Edathy, Heiko nur als katholischer Zaungast. Dafür in der kommenden Woche umso mehr. Versprochen!

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