Woke gewinnen die Schlacht um Gary Lineker gegen die BBC

Die Woken haben sich in einem britischen Kulturkampf durchgesetzt. Der Alt-Fußballer Gary Lineker darf die Asyl-Politik der Regierung sprachlich mit der des Dritten Reichs vergleichen – und Kommentator der BBC bleiben.

IMAGO / PA Images
Ex-Fußball-Profi und BBC-Kommentator Gary Linker, 13.03.2023

Gary Lineker ist Gegenstand so manches Quiz. Zum einen weil er das berühmte Zitat hinterlassen habe. Ein Fußball-Spiel dauere 90 Minuten und am Ende gewinne Deutschland im Elfmeterschießen. Zum anderen weil er es hinbekommen hat, in seiner Karriere keine einzige Gelbe Karte zu sehen. Nun schafft es ein weiterer Punkt in die Trivia-Bilanz des ehemaligen Stürmers: Lineker hat den Beweis erbracht, dass ein Vertreter des öffentlich-rechtlichen Fernsehens nicht neutral sein muss – solange er nur die richtige Meinung vertritt.

Er lehne die britische Asyl-Politik ab, ließ der Torschützenkönig der Weltmeisterschaft von 1986 wissen. Seine Regierung benutze die Sprache der Nazis, wenn es um diese Politik gehe. Also des Originals. Nicht der Alltagsrassisten, sondern derer, die einen Weltkrieg angezettelt haben und sechs Millionen Menschen getötet haben. Nur wegen deren Herkunft. In Deutschland ist die Holocaust-Relativierung ein Verbrechen – in England Grund für eine Solidaritätsaktion mit dem Holocaust-Relativierer Lineker.

Den wollte die BBC in „Match of the Day“ nicht mehr die Spiele der Premier League kommentieren lassen. Daraufhin brach ein Proteststurm los. Andere Kommentatoren wie Alan Shearer oder Ian Wright wollten in der Sendung nicht mehr auftreten – Jürgen Klopp in Interviews nicht erklären, warum er als Trainer nicht mehr ganz so erfolgreich wie als Werbeträger ist. Auch die Spielergewerkschaft beteiligte sich an dem Protest.

Mit Erfolg. Die Woken setzten sich durch. Erst kommentierte der Premierminister Rishi Sanak die Vorgänge um die Fußball-Sendung persönlich. Seine Regierung habe keinen Einfluss auf den Sender ausgeübt. Es sei allein eine Sache zwischen BBC und Lineker. Dann ist der Sender eingeknickt und holt den Viertelfinal-Verlierer von 1986 zurück auf den Bildschirm, wie Sky News berichtete. Er darf sich weiter politisch äußern – jedenfalls wohl solange es in die richtige Richtung geht.

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Kommentare ( 19 )

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Teiresias
11 Monate her

Interessant, daß Lineker hier von Linken dafür gecancelt wird, zu links zu sein. Schließlich kritisiert er die Forderung nach Grenzkontrollen und plädiert für offene Grenzen – eigentlich ein Herzensanliegen der Woken. Das dritte Reich war bei der Flüchtlingspolitik natürlich auf der Seite der Fluchtursachen zu finden. Die Grenzen für Afrikaner und Araber zu schliessen war damals nicht nötig, deren Überbevölkerungsproblem gab es erst Jahrzehnte später. Die damaligen Invasoren aus der UdSSR, USA und GB kamen bewaffnet und waren auch nicht auf Sozialleistungen aus, sondern hatten andere Gründe. Linekers Vergleich war damit auch in der provokativen Übertreibung, die er vielleicht gemeint… Mehr

Wolfram_von_Wolkenkuckucksheim
11 Monate her

Also das Dritte Reich hat mehr sechs Millionen Menschen umgebracht. Sechs Million alleine betrug die Anzahl der ermordeten Juden. Ansonsten stimmt der Artikel. Es ist erschreckend, wie die Mainstreammedien Lineker feiern. Hauptsache, da stänkert einer gegen die konservative Regierung. Der dabei verwendete Stil und die Verharmlosung des Dritten Reiches, ist da wurscht. Er kann ja die Asylpolitik (allgemeiner: Migrationspolitik) ablehnen, aber muss respektieren, dass viele die bisherige Asylpolitik mit den offenen Grenzen ablehnen und Veschärfungen begrüßen, denn sie leiden ja darunter. Dass viele junge Männer in Kriminalität abgleiten, das baden die Leute ab, die in der Nähe dieser Männer wohnen.… Mehr

Niklot
11 Monate her

Meinungsfreiheit gilt auch für Woke, wobei Lineker sich im TV auf Fußball konzentrieren sollte.

fatherted
11 Monate her

na und? Bei uns hockt sich eine Innen- und Sportministerin auf die Tribüne und schlingt sich eine bunte Binde um den Arm….eine Nationalmannschaft hält sich den Mund zu und ARD und ZDF suhlen sich im woken Sumpf der Kritik am „nicht-bunten-Katar“. Auch nicht viel besser. Ob nun Lineker seine Meinung sagen sollte oder nicht….ist mir ehrlich gesagt egal….BBC, ARD, ZDF….alles das gleiche. Wie er zu dem Nazi-Vergleich kommt?…in UK ist das mit den Nazis ein „geflügelter Ausdruck“….und wird noch inflationärer gebraucht als in Deutschland. Klar ist…hätte Lineker andersherum argumentiert, gäbe es ihn bei der BBC schon nicht mehr….und das ist… Mehr

Andreas aus E.
11 Monate her

Meines Wissens rauschten die Einschaltquoten mit Lineker in den Keller. OK, das kann einem Gebührensender egal sein, der mag nun weiter vor sich hinwoken – meinetwegen könnte der auch eine Quote für lesbische PoC-Frauen im Männerfußball fordern und sich selbst als transexofeminin definieren und Nancy-Armbinde tragen, käme auch nicht mehr drauf an.

mediainfo
11 Monate her

Keine Entgleisung kann absurd genug sein, um sie im Namen aller vernünftigen Menschen zurückzuweisen, wenn sie der gewünschten Stoßrichtung dient. Das ist die Botschaft. Spannend wird, ob die britischen Fussballfans in puncto „Wokeness“ mitziehen.

alter weisser Mann
11 Monate her

Das Wehklagen über aktuelle Fehlentwicklungen hab ich eingestellt und versuche das unter Nützlichkeitsgesichtspunkten zu sehen
Wenn man so Vergleiche mittlerweile soweit spannen darf, dann kommt bald der Moment wo die Grünen sich auch die Nazikeule fangen und dann nicht weinen dürfen.
Vorraussichtlich nutzt die Nazikeule sich so viel schneller und gründlicher ab und ihre Verwendung kennzeichnet dann nur noch die dämlichsten Blasen oder ist klar sarkastisch.

Last edited 11 Monate her by alter weisser Mann
Thomas Holzer
11 Monate her

Mit Verlaub, das sehe ich anders. Egal ob seine Worte passend sind oder nicht, sie sind, zumindest in dem UK, von der Meinungsfreiheit gedeckt. Das jetzt den „woken“ in die Schuhe schieben, erachte ich als doch etwas eigenartig ????

Wolfram_von_Wolkenkuckucksheim
11 Monate her
Antworten an  Thomas Holzer

Lineker zu kritisieren, ist genauso von der Meinungsfreiheit gedeckt, genauso seine Absetzung zu fordern. Gerade das ist ja keine Cancel Cutlure. Canceln ist immer gut und richtig. Wer zahlt, bestimmt die Musik und hat ein Recht zum Canceln. Bei der Cancel Culture jedoch machen solangen Nichtzahler Terror, dass Veranstaltungen beendet werden. Wer aus dem konservativen Milieu Cancel Culture kritisiert, meint letzteres. Wer aus der woken Gosse Cancel Culture kritisiert, regt sich über normale Menschen auf, die fordern, dass der WDR beispielsweise aufhört, Oma zu beschimpfen. Diese normalen Menschen finanzieren das und ihre Forderungen sich mehr als berechtigt. Ein Linker, der… Mehr

Montesquieu
11 Monate her
Antworten an  Thomas Holzer

Er hat das in Ausübung seiner Rolle als Sportkommentator der BBC getan. Und das ist eigentlich ein Unding. Virtue signaling eines Multimillionärs ist eh schon verranzt, aber das in seiner Rolle als BBC bezahlter Sportkommentator ist eine arbeitsrechtliche Verfehlung.

Michael W.
11 Monate her

Meines Wissens ist die Neutralität und somit das, was die BBC politisch darf oder auch nicht, im BBG-Gesetz gereglt. Es wäre demnach ein klarer Gesetzesverstoß, wenn er weiterhin Moderator sein und politisch agitieren darf. Ja, das gilt bei der BBC auch, wenn er es privat macht.
Mal sehen, wann der erste eine Anzeige gegen die BBC macht.

bkkopp
11 Monate her

Lineker wurde nicht gefeuert sondern nur abgemahnt. Die BBC hat unmißverständlich verbreitet, dass Lineker gegen seine vertraglichen Verpflichtungen zu politischer Neutralität, auch in digitalen Plattformen ausserhalb seiner Sportsendung, verstoßen hat. Er ist was er ist, und wofür er sehr populär und ausgezeichnet bezahlt ist. Er hat aber keineswegs eine Narrenfreiheit für politische Kommentare nach Lust und Laune.