USA: Steuererleichterungen für Kernkraftwerke geplant

US-Präsident Joe Biden macht sich für die Atomkraft stark. Die sollte, so plant er, dieselben steuerlichen Bedingungen genießen wie andere klimafreundliche Energiequellen. Anders sei Klimaschutz nicht machbar.

IMAGO / UPI Photo
In den USA gewinnt die Debatte um die Nutzung der Kernkraft weiterhin an Fahrt. US-Präsident Joe Biden will jetzt Steuererleichterungen für Atomkraftwerke durchsetzen. Die seien gegenüber den stark subventionierten »Erneuerbaren« benachteiligt. Denn nur mit Kernkraft liessen sich die Klimaziele erreichen; Biden redet von einer klimaneutralen Energieproduktion bis zum Jahr 2035 und kündigte bereits in seinem Wahlkampf an, die Forschung an neuen Kernkraftwerken zu unterstützen.

Auch die neue US-Energieministerin Jennifer Granholm pflichtete ihm bei: »Wir werden unsere Klimaziele nicht erreichen können, wenn Kernkraftwerke abgeschaltet werden«. Sie fügte hinzu: »Wir müssen Wege finden, sie in Betrieb zu halten.«
Der ehemalige »Held der Umwelt« Michael Shellenberger sieht nach dem Schritt Bidens die Pro-Atomkraft-Bewegung »An der Schwelle zu ihrem bisher größten Sieg«. Der amerikanische Autor und einst führende Klimaaktivist entschuldigte sich im vergangenen Jahr für seine »Klimapanikmache« und rechnete in seinem Buch »Apocalypse never« mit der Umweltbewegung gnadenlos ab, verteidigt jetzt die Kernkraft – und fiel in Ungnade.

Er weist auf die Unterstützung der Atomkraft durch den eigentlich »kohlefreundlichen« Demokraten aus West Virginia, Senator Joe Manchin, hin. Der schrieb Biden: »Als emissionsfreie Grundlast-Brennstoffquelle glaube ich, dass die Aufrechterhaltung unserer Flotte und die Verhinderung der Schließung bestehender Kernkraftwerke entscheidend für das Erreichen der Emissionsreduktionsziele und die Sicherstellung eines zuverlässigen Netzes ist. Ich fordere Sie dringend auf, Maßnahmen zu ergreifen, um unsere bestehende Kernkraftwerksflotte zu erhalten und weitere Schließungen zu verhindern.«

Manchin lud Shellenberger übrigens am 11. März diesen Jahres zu einem Hearing zu den jüngsten Stromausfällen in Kalifornien ein. Shellenberger: »Ich erklärte, warum die Kernenergie während des texanischen Kälteeinbruchs Leben rettete und wie der Ausfall eines Kernkraftwerks in Kalifornien zu den Stromausfällen im vergangenen August beitrug.«

Allerdings betreiben nach Shellenbergers Worten mächtige Interessengruppen innerhalb der Demokratischen Partei Lobbyarbeit im Weißen Haus gegen die Kernkraftpläne. Die einflussreichste Umweltgruppe unter den Demokraten, der natural Resources Defense Council (NRDC), habe über BlackRock, deren ehemaliger Geschäftsführer Brian Deese Bidens oberster Wirtschaftsberater ist, direkt in Solarpaneele aus China und Erdgasaktien investiert. Shellenberger weist auf die Entwicklung in Kalifornien hin: »In Kalifornien sind die Strompreise in den letzten zehn Jahren erstaunlicherweise siebenmal so stark gestiegen wie im Rest der USA, was die Behauptung entlarvt, erneuerbare Energien seien billig.«

»In den letzten Jahren und in „Apocalypse Never“ habe ich das Argument vorgebracht, dass nur die Kernenergie alle Menschen aus der Armut befreien und gleichzeitig den negativen Fußabdruck der Menschheit reduzieren kann«, schreibt Shellenberger und warnt: »Es ist keineswegs sicher, dass die Klima-Infrastruktur-Gesetzgebung der Demokraten das Vehikel sein wird, das letztlich die bestehenden Kernkraftwerke rettet, aber es ist ein Zeichen dafür, dass sich die nationale und sogar internationale Diskussion über Kernenergie entscheidend verändert hat, und zwar zum Besseren.«

Auch weltweit ist die Kernenergie auf dem Vormarsch. Zahlreiche Staaten haben den Bau neuer Kernkraftwerke verkündet, in China allein sollen 26 neue KKWs gebaut werden. Der Anteil der Kernenergie an der weltweiten Stromproduktion beträgt derzeit rund zehn Prozent. In insgesamt 33 Ländern arbeiten Kernkraftwerke, die meisten Länder investieren in neue Reaktoren. Auch in Japan sind Anfang des Jahres neun von den 33 Kernkraftwerken wieder am Netz.

Die Betreiber dürfen ihre Reaktoren erst nach einem verschärften Wiederinbetriebnahme-Verfahren anfahren. Nicht nur Japan hat aus Fukushima gelernt, auch die EU und viele anderen Länder hatten übrigens alle Kernkraftwerke einem »Stresstest« unterzogen und überprüft.


 

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Kommentare ( 31 )

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Whound75
1 Jahr her

Kernkraft wird das Problem Klimaerwärmung lösen, bis eine bessere Technologie zur Verfügung steht. Nicht nur die USA, auch China, Indien und eigentlich fast jeder außer Deutschland wird in diese Technologie investieren. Deutschland habe eine Vorreiterrolle und für die Dekarbonisierung inne, behaupten manche. Das Gegenteil ist der Fall, denn aufgrund der verkorksten Energiewende kommt jetzt das große Comeback der Atomkraft.

jopa
1 Jahr her
Antworten an  Whound75

Da hat D auch mal in der 1. Liga gespielt. Dann haben die reaktionären fortschrittsfeindlichen Grünen alles verteufelt. Die rückgratlose CDU ist eingeknickt. Die Forschung eingestellt, die Forscher ins Ausland vergrault und das Wissen billigist verschrebelt.Wie bei allen anderen modernen Technologien. Später wird dann alles teuer aus dem Ausland zurückgekauft, aber Wissen und Wissende sind und bleiben weg. Und für den japanisch/chinesischen Weg, Nachmachen, Nachentwickeln und Bessermachen, fehlt eine vernünftige Ausbildung. Die hat man erfolgreich durch Gendern und Sprechverbote ruiniert.Nehmen wir uns ein Beispiel an einst erfolgreichen aber später untergegangenen Hochkulturen wie Babylon, Ägypten und Griechenland und folgen diesen auf… Mehr

johndoe19
1 Jahr her

Zunächst einmal bezweifel ich, dass es eine sichere KKW-Technologie überhaupt gibt. Für die Funktion der „neuen“ Technologien gibt es außer Patentschriften nicht einen einzigen Beweis. Darüber hinaus mache ich gern noch einmal darauf aufmerksam, dass mit dem Aufbau der AKWs in den 70er Jahren auch der Abbau einiger Rechtsstandards einher ging. Ich erinnere mich noch, dass die KKs als absolut sicher gehandelt wurden. Das stand im direkten Widerspruch der Verschärfung einiger Rechtsvorschriften, die von Leuten wie FJS (Atom-Minister) initiiert wurden. Dazu kamen Rechtsbrüche seitens des Staates. Man erinnere sich an die Abhöraffäre (BMI Maihofer), der der BMI seinen Segen zum… Mehr

andreask90
1 Jahr her

Weil ……Atomkraft neben den Erneuerbaren die einzige CO2-freie Energiequelle ist. Und Biden sich ohnehin nicht um die Bedürfnisse der Bevölkerung kümmert/ kümmern muss.

Landdrost
1 Jahr her

Aber Hauptsache wir setzen hier, in einem Land was fast 8Mal so dicht besiedelt ist wie die USA, auf flächenfressende und -versiegelnde Solar- und Windkraftanlagen. Gerade im Süden der USA wäre die Fläche und die Sonneneinstrahlung da, massiv die Solarenergie auszubauen und an der Küste die Windenergie. Wieso machen die das nicht? Weil sie wissen dass es Wahnsinn ist. Zu unsicher und zu teuer. Aber Hauptsache die volltrotteligen Deutschen zerstören ihr Land und ihre Zukünftsfähigkeit.

Wolfram_von_Wolkenkuckucksheim
1 Jahr her

Er fällt nun bei der deutschen Regierung und der deutschen Presse in Ungnade. How dare he? Obwohl, Gretalein hat sich ja auch mal positiv zu Kernkraft geäußert, bekam aber sofort einen Rüffel.

fatherted
1 Jahr her

Sogar die heilige Greta sagt, dass Atomkraft eine gangbare „Zwischenlösung“ sein kann….nur….das würde an den Grundfesten der Grünen rütteln…die haben genug mit Ihrer Basis vor Ort zu tun, wenn sie neue Windmühlen bauen wollen…erstaunlicherweise finden sich in fast allen Bürgerinitiativen Grüne Lokal-Politiker wieder….na sowas.

Franz Guenter
1 Jahr her

Wer Chemie und Physik vor seinem Abitur abgewählt hat kann eine naturwissenschaftliche Sichtweise nicht nachvollziehen. Aber es ist ja auch leichter, irgendwelchen sog. „Experten“ zu Glauben, als sich selbst schlau zu machen. Auf dieser Basis können die medial bevorzugten Grünen und deren Wählergrund Anti-Atomkraft-Bewegung natürlich reüssieren. Armes Deutschland.

Oblongfitzoblong
1 Jahr her
Antworten an  Franz Guenter

„Wer nichts weiß, muss alles glauben“. M. von Ebner Eschenbach.

Fritz Wunderlich
1 Jahr her

Die deutschen Grünen, die sich als Verfechter der US Politik verstehen, werden bald die Kurve kratzen und Biden folgen. Atomkraft ist gut.

Andreas aus E.
1 Jahr her
Antworten an  Fritz Wunderlich

Ja. Und wenn Biden kriegerisch zum Angriff bläst, wird man auch wieder gern dabei sein.
„Grüne“ waren und sind immer das Gegenteil dessen, was sie vorspiegeln.

Wobei ich in Sachen „deutscher Atomkraft“ noch vorsichtig bin: Die könnte ja für Deutschland nützlich sein, etwa hierzulande Blackouts vermeiden.
Man wird den gewonnenen Strom dann wohl eher exklusiv für Meerwasserentsalzung nutzen, das so gewonnene Wasser dann einfrieren und mit letzter flugtauglichen Bundeswehrmaschine nach Nepal oder Antarktis fliegen, zum Auffüllen der Gletscher, wegen Klimawandel und so.
Das alles natürlich nur unter Zuhilfenahme lizenzierter us-amerikanischer Technik.

bkkopp
1 Jahr her

Wir bräuchten in Europa, D inkl., mehrere Pilotanlagen mit der alternativen Kernenergie ( Flüssigsalz und/oder Thorium- Reaktoren) um zu den notwendigen Erfahrungen zu kommen, ob genau dies die bestmögliche alternative Energiequelle wäre. Kleinere Reaktoren, mit erheblich geringerem Risiko, könnten besser verteilt werden, und könnten damit auch das Netzproblem erheblich reduzieren. Über 5-10 Jahre könnte man sehr viele ineffiziente Windmühlen ausmustern und der Strompreis könnte, allmählich, auf unter 20 Cents/kWh sinken. Vor den Wahlen wird sich niemand trauen eine AKW-Debatte in die große Diskussion zu bringen. Ob sich hinterher jemand traut – man wird sehen.

Deutscher
1 Jahr her

Nicht, dass ich prinzipiell was gegen AKWs hätte. Ich wundere mich nur, dass der Präsident der grünen Herzen nicht radikal auf Wind, Sonne und Kobolde setzt. Hat man sich in ihm getäuscht? Oder ist er inzwischen so senil, dass er sich selbst mit Donald Trump verwechselt?

Last edited 1 Jahr her by Deutscher
Lore Kokos
1 Jahr her
Antworten an  Deutscher

Joe Biden wird sich in der Energiepolitik ganz sicher genauso wenig nach den deutschen Grünen richten wie Barack Obama in seiner Flüchtlingspolitik. Der hat ja gerne Äntschie für die Aufnahme der Syrer, Afghanen und Iraker gelobt, selbst aber die „Refugee Resettlement Ceiling“ auf durchschnittlich 76.375 pro Jahr festgelegt. Bezogen auf die Bevölkerung hätte das für Deutschland einer Obergrenze von rund 19.350 Menschen pro Jahr entsprochen. US-Präsidenten haben schon immer „America First“ praktiziert. Barack Obama wusste halt, wie man das tut, ohne sich den Zorn der Gutmeinenden zuzuziehen. Genau das wird sehr wahrscheinlich auch Biden gelingen. Sicher setzt er neue Schwerpunkte… Mehr