Italien wehrt sich gegen Insekten in der Pasta

Die Regierung Meloni will Produkte mit Insektenmehl besonders kennzeichnen und in speziellen Supermarktregalen aufstellen lassen. In Lebensmitteln der mediterranen Küche soll es sogar verboten werden.

IMAGO / Panthermedia

Der italienische Agrarminister Francesco Lollobrigida (Lega) hat am Donnerstag vier Dekrete verfügt, die sich gegen Lebensmittel mit Insektenmehl wenden. Die italienische Regierung will für Kunden maximale Transparenz schaffen.

Lollobrigida betonte, dass jeder frei sei zu essen, was er wolle. „Aber es sind klare Hinweise erforderlich“, sagte der Agrarminister auf einer Pressekonferenz. Bei seiner Ankündigung verurteilte er auch synthetische Produkte wie Kunstfleisch. Sie zerstörten die Beziehung zwischen dem Menschen und der Natur.

Tichys Einblick Talk vom 02.02.2023
Insekten: Ekelessen oder Feinkost?
Gesundheitsminister Orazio Schillaci (unabhängig) kündigte zudem ein Verbot des Einsatzes von Insektenmehl in typischen mediterranen Produkten wie Pizza und Pasta an. Man würde darüber wachen, dass diese Maßnahmen in vollem Umfang eingehalten würden.

„Dies gilt sowohl für das Verbot der Verwendung von Insektenmehl in Lebensmitteln, die typisch für die mediterrane Küche sind, wie Pizza und Pasta, als auch für die Kennzeichnung der Produkte, die dieses Mehl enthalten, die deutlich sichtbar und klar sein muss“, so Schillaci.

Neben dem Verbot in traditionellen italienischen Teigwaren sehen die Dekrete vor, dass Produkte, die Mehl von Larven, Grillen oder Heuschrecken verwenden, besonders gekennzeichnet werden müssen. Sie müssen zudem in einem gesonderten Regal im Supermarkt aufgestellt werden. Letzteres geht über die bereits von der EU vorgesehene Kennzeichnungspflicht hinaus.

Lollobrigida hob die geringe Akzeptanz der Bevölkerung für Insektenprodukte hervor. Diejenigen, die diese Produkte wollten, könnten zu den neuen Regalen gehen. „Diejenigen, die das nicht wollen – was meiner Meinung nach die Mehrheit der Italiener sein wird –, werden fernbleiben.“

Damit schloss sich Lollobrigida der Meinung des Landwirtschaftsverbandes Coldiretti an, der letzte Woche gesagt hatte, dass die große Mehrheit der Italiener „niemals Insekten auf den Tisch bringen“ würden. Sie seien ein „Fremdkörper in der nationalen Esskultur“. Coldiretti ist die größte Vereinigung und Vertretung der italienischen Landwirtschaft mit rund 1,7 Millionen Mitgliedern.

Bereits im Jahr 2021 hatte die heutige Ministerpräsidentin Giorgia Meloni auf einer Veranstaltung von Coldiretti davor gewarnt, dass die multinationalen Konzerne über die EU versuchten, das Label „Made in Italy“ zu zerstören. Dabei stünde die mediterrane Esskultur unter Dauerfeuer, Lobbys würden genutzt, um Weltmarktprodukte auf dem heimischen Markt durchzusetzen. Dabei kritisierte Meloni insbesondere den Einsatz synthetischer Produkte.

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Kommentare ( 57 )

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Ohanse
1 Jahr her

Eigentlich ist das ein Running Gag: Die EU beschließt etwas, und jeder weiß automatisch und sofort: Das muss Schwachsinn sein. Jede Regierung, die über einen gewissen Restverstand verfügt, knöpft sich die EU-Regelung dann vor und brandmarkt die Regelung öffentlich als den Unsinn, der sie ja ist, und versammelt ihre Wähler durch entsprechende Gegenmaßnahmen hinter sich. Die Apparatschicks der EU stehen wieder dumm da und wieder ist offensichtlich, dass die EU nur Mist produziert. Man ist gespannt, was den Brüsseler Gehirnakrobaten als nächstes entfleucht.

monsalvat
1 Jahr her

Selbst beim selber kochen kann einem ein solches Zeug unterkommen, im Mehl, in Gewürzen und so weiter. Was ist mit Tieren, die mit solchem Unrat gefüttert werden? Eventuelle Giftstoffe, die Insekten mit sich bringen, können durchaus im Fleisch von Schlachttieren sein. Das mit der Kennzeichnungspflicht der EU kennt man doch. Da wird dann ein Fremdwort benutzt, was man erst nachschlagen muß und dann so klein, daß man zum Lesen eine Lupe braucht. Wenn schon, dann muß die Kennzeichnung in Form einer Kakerlake mindestens halb so groß wie das ganze Etikett sein.

Ohanse
1 Jahr her
Antworten an  monsalvat

Das ist eine schöne Idee für Food-Aktivisten: Die entsprechenden Packungen im Supermarktregal mit solchen Aufklebern versehen. Draußen am Geschäft Warnhinweise anbringen. Den Kunden lebende Würmer und Insekten vorführen. Und so weiter.

Sonny
1 Jahr her

Und um die Insektenfresserei zu etablieren, wird erstmal die europäische Landwirtschaft zerstört.
Da haben sich ja wirklich ganz „feine“ Leute in der EU zusammen getan…

dienbienphu
1 Jahr her

Auf italienische Pasta habe ich schon früher gesetzt, da diese aus 100% Hartweizengrieß besteht. Das ist also eine gute Gelegenheit für Hersteller von Lebensmitteln sich zu positionieren: Unsere Lebensmittel kommen ohne irgendwelche Zusatzstoffe aus. Was ich bereits öfter gelesen habe ist, dass Insektenpulver eine ziemlich teure Zutat sein soll und daher kein massenhafter Einsatz zu erwarten wäre. Mal abgesehen von der Ablehnung durch die Konsumenten.

Kantkopf
1 Jahr her

Ganz klar neomarxistische Zersetzungstaktik. Du bist, was Du isst … Aber warum wird hier so gejammert? Der Fehler liegt doch schon im Vorfeld: Selber frisch kochen und backen, konsequent keine Convenienceprodukte (ab und zu mal Sebastian Lege schauen, das hilft) kaufen, gnadenlos Supermärkte, Händler, Restaurants boykottieren (oder besser noch „hausbesuchen“), die das Zeug undeklariert verkaufen oder untermischen. Wenn’s rauskommt, muss dem Laden klar sein, dass er dichtmachen kann. So geht das. Aber nicht: Mimimi …

Last edited 1 Jahr her by Kantkopf
Gabriele Kremmel
1 Jahr her
Antworten an  Kantkopf

Es kann halt nicht jeder aufwändig kochen, und die, die es könnten haben meistens die Woche über gar nicht die Zeit dazu.

Kantkopf
1 Jahr her
Antworten an  Gabriele Kremmel

Es geht ja auch nicht um aufwändig. Und zweitens: Zeit hat man „nie“. Die muss man sich nehmen. Kultur ist auch eine Frage von Prioritäten. Und die grundlegenden Kulturtechniken wären dann: Lesen, Schreiben, Rechnen und … Kochen. Meine Meinung.

Wilhelm Roepke
1 Jahr her

Wer auch immer den Quatsch mit den Insekten im Essen in der EU durchgesetzt hat, möge sich eines Tages vor seinem Schöpfer dafür verantworten müssen. Was ich mir sonst noch denke schreibe ich lieber nicht.

Johann Thiel
1 Jahr her

Da ist noch Luft nach oben !!! denn es geht nicht um‘s Essen oder das Klima, es geht um Entmenschlichung im Namen des Transhumanismus. Für mich, ist es das Böse selbst, dass uns hier sein Angebot unterbreitet. Es ist eine Prüfung, ob wir diesem erliegen oder dem entschieden entgegentreten. Und man muss nicht gläubig oder religiös sein, um das zu erkennen. Das WEF will Millionen von Hauskatzen und -Hunden schlachten, um den Klimawandel zu bekämpfen … Das Weltwirtschaftsforum fordert jetzt, dass Millionen von Katzen und Hunden weltweit geschlachtet werden, um den „Kohlenstoff-Pfotenabdruck“ zu reduzieren, den sie durch den Verzehr von… Mehr

fatherted
1 Jahr her

Schon komisch….jeder Mist muss in Deutschland deklariert und aufgeführt werden. Aber Ungeziefer im Essen ist OK. Alles Ideologie….den „Bügern“ das Ungeziefer….den Regierenden den Kaviar + Schampus….Stößchen. Meloni scheint Italien langsam aber sicher umzukrempeln…..hoffentlich bleibt es dabei.

Klaus Kabel
1 Jahr her

Ich würde den Häuptlingen Robert und Öze die Insekten zwangsverfüttern, hätte ich Gelegenheit dazu. Das ist einfach eine Gemeinheit! Ich beneide die Italiener und die Nationen, die sich gegen diese EU Diktatoren wehren.

Last edited 1 Jahr her by Klaus Kabel
teanopos
1 Jahr her

Es gibt Menschen mit Chitin Allergie. Der Panzer von Insekten besteht aus Chitin. — Wenn Insekten enthaltende Produkte nicht gekennzeichnet werden müssen, dann ist das ein Verstoß gegen die Selbstbestimmung, gegen die freie Persönlichkeitsentfaltung. Insbesondere in Bezug auf die mögliche Gefahr der Folgen eines Allergieschocks. — Es ist Zeit diese Bundesregierung zu verklagen. Weil sie die Menschen in diesem Land eben nicht schützt und wissentlich gefahren und oder Nachteilen oder gar Gesundheitsgefahren aussetzt. Unter scheinheiligen pseudoprogressiven Erklärungen bzw einer entsprechenden Agenda. Weil pseudoprogressive Linksgrüne ParteiIdeologie mittlerweile höher wiegt als das Recht zur Selbstbestimmung der Bürger bei vollständiger Informationslage. — Die… Mehr

Last edited 1 Jahr her by teanopos