Diess eröffnet Hotel in Kantabrien, aber mit Startschwierigkeiten

Den Deutschen verbindet viel mit Spanien. Sein Ferienhaus hat er nicht auf Mallorca, sondern in Santoña. Dort will er jetzt noch mehr Zeit verbringen.

Screenprint: via Instagram

„Mein Freund Herbert“. Pedro Sánchez hat bei der Eröffnung der VW-Batteriefabrik in Sagunto bei Valencia gewusst, dass die Entscheidung für Spanien für den gerade geschassten CEO Herbert Diess auch eine Herzensentscheidung war, auch wenn er das nie zugegeben hat. Die beiden verstanden sich auf Anhieb. Sánchez kann Polit-Marketing wie kein anderer, und Diess kennt die Spanier inzwischen sehr gut, spricht sogar ihre Sprache. Er kann ihre teilweise übertriebene Herzlichkeit und erzeugte Nähe richtig einordnen.

Der Auto-Ingenieur arbeitete von 1989 bis 1996 in der Fabrik von Robert Bosch in dem kleinen Dorf Treto, in der autonomen nordspanischen Region Kantabrien. Dort stieg er bis zum Geschäftsführer auf. Hier in der grünen hügeligen Landschaft am Meer fühlte er sich schnell zu Hause. Von dort ging er wieder nach Deutschland zurück, um dort für BMW zu arbeiten. Die Lehrjahre in dem malerischen Hafenstädtchen waren für ihn unvergesslich. Hier, wo gerade mal rund 1000 Menschen leben, lernte er auch seine Frau Irene kennen, wie spanische Medien berichten. Zusammen haben sie sich entschlossen, 2012 dort in der Nähe ein historisches denkmalgeschütztes Anwesen in einem noch kleineren Dorf zu kaufen, in dem ebenfalls direkt am Meer gelegenen touristisch interessanten Santoña.

Im Herbst startet endlich sein Agrartourismus-Business in Kantabrien

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Im September, wenn Diess offiziell seinen Posten bei VW abgibt, soll das Haus, in dessen Umgebung auch viele Birnen wachsen und Kühe weiden, eröffnet werden. Ärger auf dem Weg dahin gab es genug, wie spanische Medien berichten. Nach einem Wikipedia-Eintrag auf Spanisch über das legendäre und historische Anwesen der Familie Pico de Velasco sind die Spanier mit der Renovierung von Diess nicht zufrieden, weil er die Geschichte des Hauses dabei nicht respektiert habe. Es bleibt abzuwarten, ob er sich in dem Ort Freunde macht. Das Luxus-Landhotel mit elf Zimmern steht zwar bereits auf Tripadvisor als „Casa Pico de Velasco“, aber die erste Bewertung dort ist ein „ungenügend“ – und das schon vor der Eröffnung. Aber viele werden schon aus Neugier vorbeischauen und sei es nur, um zu testen, ob wenigstens hier die Software funktioniert.

Allerdings wird der geschasste Manager dort nicht selber an der Rezeption stehen. Er hat das Hotel nach deutschen Medienberichten verpachtet, aber wer sein neues Instagram-Account „picovelasco9“ verfolgt, in dem die Anzahl der Follower minütlich zunimmt, obwohl erst 12 Postings erfolgten, erkennt, dass Diess für sein neues Business bereits Werbung macht und jetzt, wo er Zeit hat, involviert sein wird. Schon jetzt gibt er mit dem Agrar-Business auf Instagram Einblick in sein Leben nach VW: naturverbunden und lieber in Spanien als in Deutschland. Er beißt dort herzhaft in eine seiner Birnen, die auf dem Anwesen angebaut werden.

Kantabrien ist in jedem Fall ganz anders als das Spanien, das die meisten Deutschen kennen. Es gibt mehr graue als sonnige Tage; ähnlich wie in Deutschland, aber weniger kalt. Hier gehen die Fischer noch aufs Meer und dominieren die spanischen Besucher. Es gibt keinen Ballermann oder grölende Touristen in der Nähe. Diess’ Hotel liegt im Naturschutzgebiet „Las Marismas de Santoña“. Auf Twitter (@Herbert_Diess), wo Diess erst seit 2020 vertreten ist und über 50.000 Follower hat, kündigte er einige Tage vor seinem Rauswurf an, dass VW in guter Form sei für die zweite Hälfte, was sich auch auf ihn und sein Leben beziehen könnte. Mit 30 Millionen Euro Abfindung in der Tasche dürfte es Diess nicht schlecht gehen in Zukunft, egal ob das Hotel in Spanien läuft oder nicht.

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Kommentare ( 7 )

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Schwabenwilli
4 Tage her

“ Mit 30 Millionen Euro Abfindung in der Tasche dürfte es Diess nicht schlecht gehen…….“

Dieses Geld muss erst mal verdient werden.
Muss VW jetzt die Preise erhöhen?
Hoch genug sind sie eh schon.

Kraichgau
12 Tage her

immer das Gleiche,der gleiche Fehler in D…bezahlte „Angestellte“,die Murks verbocken und verwalten,werden dann mit extremen Abfindungen gefeuert,wenn wirklich GAR nichts mehr zu verbergen ist.
Warum wohl laufen Eigentümer-geführte Konzerne wesentlich besser?

Biskaborn
12 Tage her

Mit 30 Mio € in der Tasche und in Spanien lebend kann man befreit und belustigt auf ein untergehendes Deutschland, an dem er mit seinem Klimahyp und grünem Getue eifrig mitgewirkt hat, zurückblicken. Er ist mit Sicherheit nicht der einzige Manager der öffentlich die Grünen feiert und im Hintergrund sein Schäfchen längst ins Trockene, natürlich nicht in Deutschland, gebracht hat.

giesemann
13 Tage her

Von den 30 Millionen Abfindung bekommt der Staat 44% gem. § 34 EStG. Ob im Falle Diess § 24 EStG zutrifft, sei dahingestellt.

RMPetersen
13 Tage her

„Der Auto-Ingenieur …“ Herr Diess war Spezialist für Produktionsanlagen, für Montageautomatisierung. Er hat nicht Motorentechnik studiert, was vielleicht auch ein Grund dafür ist, dass er kein emotionales Verhältnis zum klassischen Pkw mit V erbrennungsmotoren entwickelt hat. Die Politik meint, dass dem Batteriauto die Zukunft gehört, und Herr Diess hat folgsam des E-Auto bejubelt. Ich denke, dass elektriche Fahrzeugantriebe ihre Marktlücke haben, aber sie werden jicht das Auto eins zu eins ersetzen. Wenn man das in Deutschland gemerkt haben wird, dürfte das Know-How der Verbrennungsmotoren weitgehend nach China verschwunden sein. Das ist insofern auch unvermeidlich, weil wir heute schon einen Mangel an… Mehr

Hannibal Murkle
12 Tage her
Antworten an  RMPetersen

„ Das ist insofern auch unvermeidlich, weil wir heute schon einen Mangel an guten Ingenieuren haben, China, Südkorea, Taiwan und Japan aber nicht.“

Vielleicht darf man erwähnen – der Wettbewerb ist härter, Autos werden heute sogar in Südafrika, Ägypten und Marokko produziert – im letzten Land mittlerweile mehr als in Italien. Der einstige Vorsprung des Westens dreht sich in das Gegenteil um.

Kraichgau
12 Tage her
Antworten an  Hannibal Murkle

wobei man nicht vergessen darf,das Marokko für den dortigen „Billiganbieter-Konzern“ nur das Liefersprungbrett gen Europa ist,mit dem dortigen Markt hat das Werk NULL zu tun…es werden nur europäische Löhne unterboten,wie etwa auch in der Ukraine beim Kabelbaum-herstellen