Kois litten nicht an Unterkühlung bei Martin Winterkorn

Was gibt ein Vater in der VW-Region seinem Sohn als Ratschlag mit auf den Weg zum ersten Mal in die Werkshallen? „Fahre nie ein besseres Auto als dein Chef, aber trage einen besseren Anzug und setze die teureren Kois in Deinen Gartenteich.“

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Also diese Fake-News sind ja schon deshalb ganz besonders verwerflich, weil sie sich grundsätzlich gegen die Guten richten. Gegen die Schützenswerten. Fake-News gegen die Bösen hingegen geraten da schnell ins Hintertreffen. Sie sind die Stiefkinder auf der Anklagebank. Die regen weniger auf, die sind ja erwartbar, die produzieren kaum Klicks und treffen sowieso meistens die Richtigen. Empörung: Fehlanzeige.

Schauen wir uns trotzdem mal an, wie Fake-News gegen das Böse aussehen könnten. Aber dafür brauchen wir erst einmal the ultimate evil. Wer könnte das sein? Vielleicht mal jenseits von Politik und Co. Wie wäre es mit diesem Martin Winterkorn? Der ist doch ein echter Bösewicht.

Der ehemalige Vorstandvorsitzende von Volkswagen muss sogar einen Magneten für das Böse in der Westentasche haben: Die Meldungen überschlagen sich. So soll er nun doch viel mehr gewusst haben, als er bisher zugab über den VW-Abgasbetrug. Und auch nach der Aufdeckung und seinem jammervollen Rückzug aus dem aktiven Geschäft, soll er noch Geld wie Heu bekommen, von mehreren tausend Euro Rente ist die Rede, nein, nicht im Monat, sondern am Tag!

Wer aber nun soviel auf dem Kerbholz hat wie dieser fast 70-Jährige, dem muss man doch auch die eine oder andere unentdeckte Fake-News anhängen – dachten wir uns, haben nachgeschaut und recherchiert und sind tatsächlich binnen Stunden auf eine besonders skrupellose gestoßen, eine, die schon deshalb verwerflich ist, weil Tiere im Spiel sind. Weil es um Gottes Geschöpfe geht, die sich noch weniger gegen so eine Falschbehauptung wehren können.

Martin Winterkorns Kois leiden nicht an Unterkühlung, sondern der SPIEGEL an Überhitzung

Fake-News Produzent in Sachen Winterkorn ist offensichtlich niemand geringeres als der SPIEGEL aus Hamburg. Der hat nämlich behauptet, Winterkorn wohnte zur Billigmiete in einer Luxusvilla, wo der Autor doch hier nur ein paar Kilometer entfernt zur Luxusmiete in einer Billigvilla wohnt, das alleine ein Skandal, aber darum geht es nicht.

Es geht um einen Teich hinter dieser ominösen VW-Villa, die schon lange so eine Art Villa Hammerschmidt (Sitz des Bundespräsidenten in Bonn) des Vorstandes ist. Zuvor ließen da schon die Vorgänger des Dieselgaters Winterkorn, die Ex-Vorstandsvorsitzenden Bernd Peter Pischetsrieder und Ferdinand Karl Piëch die Champagnerkorken knallen und knackten die Kavierdosen wohl kiloweise.

Dann war besagter Herr Winterkorn an der Reihe, es krachen zu lassen auf Kosten des Hauses. So sah es zumindest das Magazin und berichtete: „VW gönnte seinem Ex-Chef Winterkorn nach SPIEGEL-Informationen neben einem Rekordgehalt auch eine Dumpingmiete für seine Luxusimmobilie. Außerdem kümmerte sich der Konzern um ein extravagantes Hobby des Managers. Winterkorn ließ Koi-Karpfenteich auf VW-Kosten beheizen.“

Also fahren wir nach Groß Schwülper, das ist so ein kleiner Vorort von Braunschweig. Vielleicht ein bisschen gepflegter als andere Vororte, aber nichts besonderes, wäre da nicht die Höhle des Löwen, wäre da nicht dieser Volkswagen-Sündenpfuhl beheimatet. Und dann kommt man ins Gespräch, schaut und redet, zeigt den Spiegel-Artikel herum und dann lachen alle. „Ein beheizter Koi-Teich soll da sein? So ein Quatsch.“ Einer weiß mehr, möchte aber namentlich nicht genannt werden, weil hier arbeitet ja fast jeder beim größten Arbeitgeber der Region, da wird die Loyalität sicherheitshalber auch mal auf die gefallenen Engel ausgedehnt.

Nein, definitiv gäbe es da im Teich keine Heizanlage. Hätte es auch nie gegeben. Sicher, das Gewässer sei nicht so klein, wie bei Schmidts im Schrebergarten. „Aber mehr als 200 qm sind das wohl auch nicht. Das war mal eine alte Lehmkuhle, der Herr Piëch soll da früher mit dem Ruderboot seine Kinder rumgeschippert haben, aber immer nur im Kreis!“ Und dem Winterkorn sei das Ding dann zu modderig gewesen, das sah nicht schön aus, man konnte ja die ollen Goldfische kaum sehen in dem trüben Wasser. Da hat man es wohl einfach abgepumpt und eine handelsübliche Teichfolie einziehen lassen.

Fakten in Groß-Schwülper

Seitdem sei das Wasser klarer gewesen. An schönen Groß-Schwülper-Tagen hätte man in dem Sumpf sogar bis auf den Grund sehen können. Aber hingeschaut hätte ja eh kaum jemand, der gute Mann war ja immer unterwegs. Und weil das Wasser so schön klar war, wurden noch ein paar Kois reingesetzt. „Nichts Besonderes.“ Echte Koi-Liebhaber würden ein Vielfaches investieren und sicherlich würde es schon unter den vielen Volkswagen-Mitarbeitern der Region einige geben, die das gleiche Hobby hätten und wesentlich mehr ausgäben.

Was gibt ein Vater hier in der Region traditionell seinem Sohn als Ratschlag mit auf den Weg, wenn der zum ersten Mal die Werkshallen betritt? „Fahre nie ein besseres Auto als dein Chef, aber trage einen besseren Anzug und setze die teureren Kois in Deinen Gartenteich.“

Also ein klassischer Fall von Fake-News des SPIEGEL, will man den scheuen Braunschweiger Menschen und den ehemaligen Nachbarn des bösen Ex-Vorstandsvorsitzenden auf der Straße Glauben schenken. Wen aber hat das Hamburger Magazin gefragt?

Viel spannender ist dann aber sowieso eine ganz andere Frage: Ausgerechnet diese asiatischen Kois in einer Volkswagen-eigenen Lehmkuhle? Wo man auch ein paar schöne europäische Barsche, vielleicht sogar die gute deutsche Volksforelle hätte einsetzen können? Die sahen dem erfolgreichen nun Ex-Manager wohl zu bieder aus. Zu miefig, zu sehr mit dem Stallgeruch von Braunschweig – Groß Schwülper.

Und wobei wurde Winterkorn vor ein paar Jahren noch erwischt, als ein Mikrofon auf der IAA heimlich ein Gespräch aufnahm, während er in einem Hyundai i30 Platz genommen hatte und die Lenkradverstellung auf- und zuschnappen ließ?
„Warum kann’s der? BMW kann’s nicht, wir können’s nicht. Warum kann’s der?”

Das Handelsblatt schreibt dazu: „Das vom Rücksitz des i30 aufgenommene Filmchen offenbart fast fünf Minuten lang unfreiwillig tiefe Einblicke in die VW-Konzernseele im Allgemeinen und die von Winterkorn im Besonderen.“

Also fassen wir zusammen: Kois in der Lehmkuhle hinterm Haus. Eine Bewunderung für asiatische Autobauer. Ein Skandal verantwortet, der Volkswagen weltweit massiv beschädigte … Klingelt da was bei Ihnen? Genau! Fettes Potenzial für die nächstgrößere Fake-News gegen das Böse: Diesel Maltin Wintelkoln ist ja in Wahlheit die fünfte Kolonne del asiatischen Automobilindustlie!

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