„Indem man dem Tod nahe kommt, beginnt man zu wissen, was das Leben bedeutet“

Sir Roger Scruton starb am Sonntag im Alter von 75 Jahren. In der Weihnachtsausgabe des Magazins "The Spectator" blickte der konservative Vordenker auf das Jahr zurück, in dem er nicht nur von seiner Krebserkrankung erfuhr, sondern auch Opfer eines Medienskandals wurde.

Andy Hall/Getty Images

Sir Roger Scruton starb am Sonntag im Alter von 75 Jahren. In der Weihnachtsausgabe des Magazins „The Spectator“ blickte der konservative Vordenker auf das Jahr zurück, in dem er nicht nur von seiner Krebserkrankung erfuhr, sondern auch Opfer eines Medienskandals wurde.

Januar

2018 endete für mich mit einem Sturm des Hasses als Reaktion auf meine Ernennung zum Vorsitzenden der Regierungskommission „Besser Bauen, Schön Bauen“. Aber das neue Jahr bringt eine Pause, und ich hoffe und bete, dass der Großinquisitor, den die neuen Medien inthronisiert haben, ein neues Ziel finden wird. 

Februar

Am 27. ist mein Geburtstag und zufällig der letzte Mittwochswettkampf der Foxhound-Hetzjagd in dieser Saison. Wir sind Gastgeber des Wettkampfs und feiern mit unseren Nachbarn. Trotz der Protests meiner Frau Sophie bleibe ich entschlossen, die Jagd mit 75 aufzugeben. Ich zähle all die gebrochenen Knochen, Verstauchungen und Muskelzerrungen, die ich in den vergangenen 35 Jahren im Sattel erlitten habe, oder besser gesagt, außerhalb des Sattels. Auf meiner letzten Jagd, kann ich stolz sagen, bin ich den ganzen Tag im Sattel geblieben. 

Ich versuche mich mit meinen Gedanken zum Parzival bei einem viel besuchten Treffen der Wagner-Gesellschaft. Durch eine wundervolle künstlerische Erfindung verbindet Wagner Erlösung und Leid. Er zeigt damit, dass unsere höchsten Hoffnungen aus unserem dunkelsten Kummer erwachsen, und dass das Tor der Erfüllung auf dem Weg des Verlusts steht. Die Musik sagt das, selbst wenn die Worte und die Handlung es in ein Geheimnis hüllen. Ein Zuhörer stellt eine eindringliche Frage. Ich vergesse die Frage aber erinnere mich an den Mann, denn fünf Monate später wird er mein Leben retten. 

März

Ich stelle bestürzt fest, wie viele Treffen, Berichte, Besuche und Diskussionen mit einer Regierungskommission verbunden sind. Kreatives Schreiben ist eindeutig unmöglich. Mein kleines Buch mit Erzählungen, Souls in the Twilight (Seelen im Zwielicht) muss wohl all die anderen Sachen vertreten, die ich im Ruhestand schreiben wollte. Mein Agent schlägt eine Neuauflage im April vor. Ich füge mich der Idee, ohne zu wissen, was mich erwartet. 

Höhepunkte sind unter anderem ein Besuch in Newcastle und Tynemouth, geliebte Orte, an denen ich sicherlich leben könnte, ungeachtet der Verwüstung der Stadt in den Sechzigern durch Stadträte, die kollektive Verantwortlichkeit als persönliche Gaben behandelten.  

Ein Besuch bei meinem geschätzten Freund Jonathan Ruffer in Bishop Auckland zeigt, dass unser Land auch Menschen hervorbringt, die persönliche Gaben wie kollektive Verantwortlichkeit behandeln. Jonathan überzeugt mich, dass die Wiederherstellung des Nordostens leicht gelingen könnte, wenn einflussreiche Menschen dies so sähen wie er: als eine patriotische Pflicht, die durch den Glauben erfüllt wird. 

April

Mein Verlag, Bloomsbury, hat ein Interview im New Statesman zugesagt, ein Magazin, für das ich eine gewisse Zuneigung hege, weil ich einige Jahre dort Weinkritiker war. Leider schafft es der Pressereferent von Bloomsbury nicht zum Interview, so dass ich allein bin mit einem eifrigen jungen Mann, der nicht gekommen ist, um meine Ansichten zu erfahren, sondern um seine eigenen zu bekräftigen. Ich denke mir nichts dabei, denn die Anwesenheit eines jungen und fragenden Kopfes versetzt mich in den Lehrer-Modus, indem ich Wissen verwende um es zu erzeugen. Die Tatsache, dass diese Person möglicherweise nicht nur unwissend über die aufgeworfenen Fragen ist, sondern auch nur interessiert daran, wie diese verwendet werden können, um mir zu schaden, kommt mir gar nicht in den Sinn.  

Zum Tod des Philosophen Roger Scruton
Es fängt mit dem Ort an
Leser des Spectator müssen nicht an die Folgen erinnert werden. Das Interview wird pünktlich veröffentlicht — eine verlogene Mischung von aus dem Zusammenhang gerissenen Aussagen und regelrechten Erfindungen. Uns gelingt, die Mitschnitte des Interviews zu erhalten, und aufgrund dessen und dank all der Hilfe, die mir angeboten wird, nicht zuletzt durch diese Zeitschrift (den Spectator; TE) und ihren tapferen Mitherausgeber Douglas Murray, bittet mich der New Statesman um Entschuldigung.  

Doch da ist der Schaden schon angerichtet. Ich bin aus der Kommission entlassen worden von einer Partei, der die vielen Tausend gut argumentierenden Worte ganz unbekannt zu sein scheinen, die ich zu ihrer Unterstützung verwendet habe. Und die Architekten stehen Schlange, um ihre rituellen Denunziationen über mir auszugießen. 

An meinem Tiefpunkt angelangt fürchte ich, dass all die Arbeit der Kommission verloren sei, und wende mich an James Brokenshire, Minister für Wohnen, Gemeinden und kommunale Verwaltung, er solle sich zu mir bekennen. Und das tut er zu seiner Ehre. Es war eine schwere Zeit für Herrn Brokenshire, aber seine Entschuldigung führt schließlich zu meiner Wiedereinsetzung. Sogar die Architektur-Presse, abgesehen vom flegelhaften Dezeen, hört auf mit ihren fantastischen und erfundenen Vorwürfen gegen mich. 

Welche Lehren ziehe ich aus diesem Vorfall, abgesehen von der offensichtlichen, dass konservative Intellektuelle in unserem Land aus der öffentlichen Debatte ausgeschlossen werden? Eine Überschrift in der Times teilt dem Leser mit, dass ich aus der Stellung entlassen wurde wegen „white-supremacy“-Ansichten; ein Vorstoß im Parlament verlangt, dass man mir die Ritter-Würde entziehen soll angesichts meiner „islamophoben, antisemitischen und homophoben Äußerungen“ – und so weiter – solche Dinge stellen natürlich meine Loyalität zu dem Land und der Partei in Frage, für die ich so viel von meiner Kraft in 50 Jahren verwendet habe. Gehöre ich hier hin?, frage ich mich. Zu merken, dass sogar prominente Mitglieder der Tory-Partei offenbar „nein“ sagen, ist ein ziemlich erschütternder Schlag für mich. Aber es gibt auch eine gute Seite. Unterstützende Briefe kommen aus allen Ecken der Welt und für eine Weile ist es, als ob ich den Reden zu meiner eigenen Beerdigung zuhöre, mit der einzigartigen Möglichkeit nickend zuzustimmen. Und nur für den Fall, dass ich auswandern möchte, beginnt Le Figaro eine Unterstützungskampagne für mich, um dafür den Weg zu bereiten. 

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Aber das erinnert mich an das wirkliche Desaster im April. Nach dem Brand von Notre-Dame bezeuge ich im Figaro einer Stadt meine Achtung, deren Kunst und Literatur eine dauernde Inspiration für mich sind, seit ich als Teenager zum ersten Mal dort war. „Wie der Engel auf dem Dach versprochen hat“, schreibe ich, „wird Notre-Dame wieder errichtet werden. Sie wird wieder errichtet werden, weil ihre Stadt, einzigartig unter den modernen Hauptstädten, kontinuierlich sie selbst geblieben ist, von der Zeit, als sie das Herz Europas war, über die Zeit, als sie die Welt auf den Kopf stellte, bis zu unserer Gegenwart, in der sie unseren unruhigen Kontinent an sein geistliches Erbe erinnert, das er nicht verleugnen soll.“ Ist das nur eine fromme Hoffnung oder wird die postmoderne Weltsicht von Emmanuel Macron Europa weiterhin erlauben, das zu sein, was es uns wirklich bedeutet? Diese Frage hat die Politik unseres ganzen Kontinents in diesem Jahr beseelt, aber nur wenige Menschen sind sich dessen bewusst. 

Mai

Sophie hat eine verspätete Geburtstagsparty mit meinen engsten Freunden arrangiert. Sie halten herzerwärmende Reden und eine Aufführung meiner drei „Lorca“-Lieder, gesungen von Emily Van Vera. David Matthews hat für Klavier und Geige eine Reihe von Variationen über „Despedida“ („Abschied“) komponiert, das letzte der Lieder, und diese Melodie, die mir so viel bedeutet, bleibt in meinem Kopf während der nächsten Monate. Sie geben eine Richtung vor, die ich bald als unvermeidlich entdecken werde. 

Juni

Ich bin in Polen zur Eröffnung der inter-parlamentarischen Konferenz zur Feier des ersten halbfreien Parlaments im früheren Sowjet-Block vor 30 Jahren. Alle Länder, die damals litten, sind vertreten. Meine Aufgabe ist es, sie um ihr ursprüngliches Gebot der Freiheit herum zu vereinen und die Unterschiede klein zu halten, die seither zwischen ihnen gewachsen sind. Viele Märtyrer sind dort – alte Menschen, die sich an die 20- oder 30-jährigen Gefängnisstrafen erinnern, die damals das Los von jenen waren, die wie ich denken. Ihre bewegenden Aussagen hinterlassen mich in einem geschockten und ernüchterten Geisteszustand. Denn ich weiß, wie wenig all dies für jungen Briten heute bedeutet, weil das Wissen der Geschichte und Kultur Europas ihrer Auffassungsgabe entgleitet. Weil ich ihre Erfahrungen über all die Jahre ernst genommen habe, halten mich die Polen ihres Verdienstordens für würdig, der mir vom Präsidenten verliehen wird. Mit ein bißchen polnischem Humor verleihen sie mir auch den Architekturpreis des Kulturministeriums. Selbstverständlich ist der britische Botschafter bei diesen peinlichen Ereignissen nicht anwesend. Ich kehre nach England zurück mit dem Herzen voller Dankbarkeit für ein anderes Land, in dem ich als Flüchtling willkommen wäre. 

Juli

Und es ist nicht das einzige. Unergründlicherweise habe ich einen Fan-Club in Brasilien und sage schließlich zu, dort einen Vortrag über den Sinn des Lebens zu halten. Ich fühle mich nicht wohl und die Reise strengt mich an. Ich bleibe im Hotel und lese Shakespeare. Ich stöhne vor Unwohlsein, unter mir Straßen, in denen kein Mann bei Verstand zu Fuß gehen würde. Ich werde herumgefahren, um Vorlesungen zu halten vor Mengen junger Leute, die sich alle der Aufgabe verschrieben haben, die westliche Kultur am äußersten Punkt ihrer Ausdehnung zu retten, denn das ist Brasilien. Vielleicht sind sie besser als ich in der Lage zu erkennen, dass die Alternative dazu nicht eine andere und bessere Kultur ist, sondern überhaupt keine Kultur. 

Nach London zurückgekehrt gehe ich zum Rheumatologen, mit dem ich einen Termin gemacht habe. Er spricht von meinem Vortrag über Parzival, bei dem er diese vergessene Frage stellte. Und er empfiehlt mir dringend, ein CT-Bild machen zu lassen. Beunruhigt von dem, was er sieht, übergibt er mich in die Obhut eines Onkologen, der mich sofort operiert, da ich andernfalls, wie er sagt, in einer Woche an Krebs sterben würde. 

Diese Woche ist verlängert worden, aber wie lange? Diese Frage bestimmt natürlich mein Leben und das meiner Familie. Die Hoffnung der Heilung bleibt, doch das Leben wird von nun an sehr anders sein. Nichts kann als Ziel geplant werden, sondern nur als eine Möglichkeit. Wieder allerdings, wie schon beim Skandal-Interview, das mich ruinieren sollte, überwiegt das Gute das Schlechte. Nie zuvor in meinem Leben ist mir soviel Wertschätzung begegnet, und dank meines Onkologen bin ich in der Lage, am Schreibtisch zu arbeiten, um den Bericht der Kommission zu schreiben und die Scrutopia Summer School zu organisieren, die nun von Freunden und Studenten abgehalten wird. 

August und September

Es folgen die Chemotherapie, intensive Lektüre (Homer, George Eliot, Conrad, Seamus Heaney) und viel vertrauliche Korrespondenz mit Freunden, vor denen ich keine Vorbehalte habe. Marwa al-Sabouni lenkt meine Aufmerksamkeit auf die Abmachung von Abraham und Gott in der koranischen Version. Behalte deinen Glauben daran, schreibt sie aus Syrien, aber denke daran, dass dein Schmerz deine Erlösung ist. Zurück zum Parzival auf dem Weg des Koran! Und bis jetzt war der Schmerz ein Begleiter, aber kein Tyrann.

Oktober

Konservativer Kultur-Champion
Roger Scruton - ein polemischer Versöhner
Ich kann das Haus verlassen für eine tröstliche Veranstaltung – der Gedenkgottesdienst für Norman Stone, dessen amüsierte und amüsante Vision des modernen Lebens mich immer erheitert hat. Norman war ein starker Verteidiger unserer ererbten Identität, aber als Schotte verstand er, dass Identität vielschichtig ist: Ein Schotte ist ebenso wenig gezwungen zu wählen, ob er Schotte oder Brite ist, wie er gezwungen ist, zwischen Whisky und Wein zu wählen. Norman glaubte in Sachen Alkohol an die grenzenlose Gemeinschaft der Erleuchteten. Er hatte eine tiefe Kenntnis der europäischen Reiche, er liebte Österreich-Ungarn und die osmanische Besiedlung, und er war bemerkenswert vertraut mit den Sprachen und Literaturen Mitteleuropas. Er war ein Vorbild des Einfühlens in andere Kulturen, was umso eindrucksvoller war durch den sarkastischen Verstand, mit dem er unsere patriotischen Illusionen aufspießte. 

November

Ich werde in Prag erwartet zum 30. Jahrestag der Samtenen Revolution. Die Chemotherapie und gelähmte Beine hemmen mich, aber Sophies unermüdliche Hilfe wird noch verstärkt von derjenigen unserer Botschaft. Ich bin jetzt von diplomatischem Wert an einem Ort, wo ich damals für Aufruhr sorgte. Die Veranstaltung ist fröhlich und die Leute sind dankbar für das damalige britische Engagement. Glauben Sie nicht der EU-Propaganda-Version, dass wir den Fall der Berliner Mauer feiern, weil es einfach nur um Reisefreiheit ging. Wir feiern die Wiederherstellung nationaler Souveränität für Völker, die von einem gesetzlosen Imperium vereinnahmt und unterdrückt wurden. Die Tatsache, dass sie nun von einem gesetzlichen vereinnahmt werden, ändert an der Sache nichts.  

Die Tschechen verleihen ihre Erinnerungsmedaille einem Euroskeptiker, nämlich mir, im Rahmen einer bewegenden Zeremonie, die mich daran erinnert, warum es trotz der Attraktivität der Polen, Ungarn, Rumänen und anderen die scheuen, zynischen Tschechen sind, an die ich mein Herz verloren und es niemals zurückgenommen habe.

Dezember

In diesem Jahr wurde mir viel genommen — meine Reputation, meine Geltung als öffentlicher Intellektueller, meine Position in der konservativen Bewegung, meine Gemütsruhe, meine Gesundheit. Aber viel mehr wurde mir zurückgegeben: durch Douglas Murrays selbstlose Verteidigung, durch die Freunde, die sich hinter ihm sammelten, durch den Rheumatologen, der mein Leben rettete und durch den Arzt, dessen Fürsorge ich mich nun anvertraue. Zu Boden gefallen im eigenen Land, wurde ich in die Höhe gehoben in anderen. Und wenn ich auf die Folge der Ereignisse zurückblicke, kann ich nur froh sein, dass ich lang genug lebte, um dies zu erleben. Indem man dem Tod nahe kommt, beginnt man zu wissen, was das Leben bedeutet, und was es bedeutet ist Dankbarkeit.


Dieser Text von Sir Roger Scruton erschien zuerst im Spectator

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Kommentare ( 15 )

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15 Kommentare auf "„Indem man dem Tod nahe kommt, beginnt man zu wissen, was das Leben bedeutet“"

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Voilá, un homme.

Ein schwieriges Thema, zumindest für Jüngere, für Ältere jenseits der siebzig Jahre eher verständlich, weil beide Gruppen etwas elementares trennt, nämlich den ausgeprägten Willen zum Leben Anfang und Mitte des Lebens, bis hin zum langsamen Verwelken im Alter, was nicht unbedingt Aufgabe bedeuten muß, aber zumindest irdische Grenzen aufzeigt und in dieser kurzen Zeitspanne des Werdens und Vergehens findet ein andauernder Überlebenskampf statt und dennoch ist das Ende nicht zu verhindern und meistens kommt es dann, wenn man sich gerade noch einen neuen SUV kaufen will und Gevatter Tod bereits hinter einem steht, denn wir alle müssen ja Platz machen… Mehr

Ich glaube, man nennt es seine/die „Kreise ordnen“.

Einfach bewegend! Was für ein toller Mensch! Und was für ein Verlust…

Die Gedanken sind frei,
wer kann sie erraten,
sie fliehen vorbei,
wie nächtliche Schatten.
Kein Mensch kann sie wissen,
kein Jäger erschießen.
Es bleibet dabei:
Die Gedanken sind frei.

Eine schöne Chronologie, aber es wäre hilfreich gewesen, die Redaktion hätte zu dem Skandal um New Statesman für den deutschen Leser ein paar Erläuterungen hinzugefügt.

„Indem man dem Tod nahe kommt, beginnt man zu wissen, was das Leben bedeutet“. Natürlich ist das so aber man kommt im Laufe des Lebens so vielen Toden nahe, die einen betreffen, so dass man die Bedeutung des Lebens begreifen kann, lange bevor der eigene Tod vor der Tür steht. Jedenfalls wurde er nicht zu Tode gehetzt.

Man kommt mit jedem Tag seines Lebens dem Tod ein Stück näher, und man muss nicht erst die 70 überschreiten, um mit zunehmender Deutlichkeit zu spüren, dass man der Bahre näher ist, als der Wiege: Der Rücken und diverse andere Knochen schmerzen, die Augen und Ohren lassen nach, die Muskeln weichen Pölsterchen, man muss nachts öfters auf’s Klo und fällt häufiger vom Pferd (wenn man überhaupt noch drauf kommt)…

„Jedenfalls wurde er nicht zu Tode gehetzt?“ Wie meinen Sie denn das?

Die Geschichte erlaubt einen Einblick in die Abgründe des linken Journalismus, die nicht auf Deutschland beschränkt sind.

Der englische Relotius, George Eaton, hat mit seinen Lügen bzw. Fake News eine Persönlichkeit zu Fall gebracht, der er nicht annähernd das Wasser reichen konnte.

Gefeiert hat er den Erfolg seiner Lügengeschichte, nämlich the sacking of Sir Roger Scruton, mit einer Flasche Champagner und dem widerwärtigen Kommentar:

„The feeling when you get right-wing racist and homophobe Roger Scruton sacked as a Tory government adviser.“

Dieselbe Sorte linker Lügenfabrikanten enerviert sich, wenn der Leser sachlich feststellt: „Lügenpresse“.

https://quadrant.org.au/look-a-conservative-get-him/

Wieso war E. in der Lage S. „zu Fall zu bringen“?
(F a l l s er es denn „wirklich§“ geschafft hat!)
Weil er es verstand, seine eigene Borniertheit vielen Anderen zu „verkaufen“.
(siehe Prozess und Tod des Sokrates)
Die alte Geschichte vom „Rattenfänger von Hameln“.

Vielen lieben Dank für diesen schönen Tribut an einen schönen Geist. Ein Großer musste gehen.

Das geht unter die Haut. Es fehlen mir die Worte.

Scrutons Werk ist eine wahre Goldgrube. Ein Beispiel dafür ist sein Konzept der Oikophobie, das den Selbsthass der Eliten westlicher Gesellschaften auf ihre eigene Kultur beschreibt:
https://renovatio.org/2020/01/roger-scruton-oikophobie-der-hass-auf-das-eigene/