Großbritanniens neuer Kampfplatz: Der Krieg gegen Vertikales Biertrinken

Die linke britische Regierung kündigt „robuste Maßnahmen gegen vertikales Trinken“ an. Kommt morgen schon die Royal Anti-Standing Taskforce? Großbritanniens Regierung leugnet die ernsthaften Gefahren durch den Islamismus und glaubt sich um Pints, Pubs und das Trinken im Stehen kümmern zu müssen. Von Carlheinz Swaczyna

IMAGO / Pond5 Images

Großbritannien hat endlich eine nationale Krise gefunden, auf die sich alle einigen können: die Bedrohung durch aufrecht stehende Biertrinker. Dank einiger unscheinbarer Passagen in kommunalen Lizenzrichtlinien – normalerweise nur von schlaflosen Juristen gelesen – ist das Land nun in der Panik gefangen, die Behörden planten, die uralte Kunst des „Pint‑in‑der‑Hand‑Stehens“ – oft nachts bis in die frühen Morgenstunden draussen und auf dem Trottoir – abzuschaffen.

Die Regeln selbst sind fast rührend harmlos. Blackpool möchte „Diversität fördern“, indem es Lokale entmutigt, deren „Hauptangebot vertikales Trinken“ ist. Wolverhampton verspricht „kein vertikales Trinken“ in neuen Restaurants. Merton verlangt „robuste Maßnahmen gegen vertikales Trinken“ für spätes Ausschankrecht. Und Westminster hat angedeutet, dass neue Bars in Soho vielleicht Tischservice anbieten müssen und Alkohol nur in Verbindung mit Speisen serviert werden dürfen. Eine kulturelle Revolution? Bürokratische Übergriffigkeit? Vielleicht doch, weil auch das Rauchen im Freien untersagt werden soll!

Doch Großbritannien reagierte, als hätte die Regierung Yogamatten in allen Pubs vorgeschrieben. Die Gastronomiebranche schrie „Nanny‑Staat“. CAMRA (Campaign for real ale) warnte vor einem „faktischen Verbot, neue Pubs zu eröffnen“. Ein ehemaliger Stadtrat beschuldigte die Behörden, „Spaßbremsen“ zu sein. Und der Sprecher des bierliebenden Premierministers Andy Burnham lieferte den Satz, der in Pub‑Quiz‑Geschichte eingehen dürfte:

„Volle Pubs, in denen Menschen miteinander reden, sind kein öffentliches Ärgernis, sind britisches Leben und tausende von Arbeitsplätzen“

Es ist schwer, ein anderes Land zu finden, in dem das Stehen mit einem Getränk als Grundrecht gilt.

Westminsters stellvertretende Ratsvorsitzende versuchte, die Hysterie zu beruhigen, nannte die Schlagzeilen „völlig absurd“ und versicherte: „Wir wollen nur sicherstellen, dass Sie das weiterhin sicher tun können.“ Ein völlig vernünftiger Satz – der erwartungsgemäß niemanden beruhigte. Nichts schürt britisches Misstrauen schneller als ein Politiker, der sagt, man dürfe weiterhin Spaß haben – verantwortungsvoll.

Die Wahrheit ist simpel: Die Behörden verbieten das Stehen nicht. Sie verbieten keine Pints. Sie verbieten keine Freude. Sie versuchen lediglich, Gedränge und nächtliches Chaos zu managen. Doch in einem Land, in dem die immer weniger werdenden Pubs eine bürgerliche Institution sind und der aufrecht trinkende Gast ein kultureller Archetyp, wirkt schon der leiseste Hinweis auf „Haltungsregulierung“ wie eine Beleidigung.

Großbritannien wird diese „Vertical‑Drinking‑Panik“ überstehen. Aber sollte jemals eine Regel vorgeschlagen werden, die das Anlehnen an die Bar reguliert, droht ein ausgewachsener Aufstand – selbstverständlich im Stehen.

Die Beziehung der Briten zum Pub ist nämlich so emotional, dass man fast meinen könnte, der Pub sei ein staatlich anerkanntes Therapiezentrum mit angeschlossener Zapfstelle. Logik spielt dort ungefähr die Rolle eines veganen Scotch Eggs: Man weiß, dass es theoretisch existiert, aber niemand möchte es wirklich sehen. Der Pub ist der Ort, an dem Freundschaften entstehen, Fußballsiege gefeiert werden, Liebeskummer ertränkt wird und Fremde sich zu spontanen Allianzen in der hohen Kunst des kollektiven Jammerns zusammenschließen — oft über Dinge, die sie fünf Minuten zuvor noch gar nicht gestört haben.

Die Vorstellung, dass zukünftige Gäste sich vielleicht hinsetzen müssten, ist für viele daher kein kleiner Eingriff, sondern eine kulturelle Provokation, die irgendwo zwischen ‚Tee nur noch lauwarm ausschenken‘ und ‚Queen Elizabeth war eigentlich aus Wales‘ rangiert.“

Vielleicht könnte Westminster stattdessen das Clamping einführen: Jeder, der mit einem Pint in der Hand auf dem Gehweg beim Stehen erwischt wird, würde wie ein falsch geparktes Auto von seiner Klemme von der Royal Anti-Standing Taskforce erst wieder befreit, wenn er artig 120 Pfund bezahlt hat. Auf jeden Fall gibt es einen Eintrag bei der Nationalen Behörde für Gefährliche Körperhaltungen, selbst wenn es sich dabei um ein Verhalten unterhalb der Strafbarkeitsgrenze handelt.

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Kommentare ( 26 )

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luxlimbus
26 Tage her

Ganz harmlos und vernünftig erscheinend, traf es erst die Stehpinkler …
WIDERSTAND!

Anglesachse
26 Tage her

Hab selber in Edinborough in der 3.Reihe „gestanden“…tolle Stimmung (am Mi-„Feier-„Abend!) und wir hatten Probleme wieder aus der Pinte zu kommen, weil die „Einheimischen“ festgestellt hatten, dass wir Hamburger waren…die wollten uns nicht mehr loslassen…das war Kultur!

Selten SO gelacht!!!
Hab danach nie wieder eine deutsche „Schlafkneipe“ besucht…

Jenny
30 Tage her

Die westlichen Gesellschaften haben es versäumt, dem Selbsthass einiger meistens linker Gruppierungen etwas entgegenzusetzen. Die kulturelle Fähigkeit zur Selbstreflexion und zur Selbstkritik wurde immer als positiv und fortschrittlich wahrgenommen. Die Frage ist nur: wann hat das angefangen, ins Pathologische, Dekadente abzudriften?

Axel Fachtan
30 Tage her

Im Islam ist Alkohol verboten.
Das muss jetzt unauffällig vorbereitet werden.
Der Islam darf nicht länger durch Altbürger verhöhnt werden.

Anglesachse
26 Tage her
Antworten an  Axel Fachtan

Kleine Korrektur: Ich hab nach dem Muezzin-Abendaufruf in Dubai volle Hotelbars mit russ. „Mädels“ und Kaftanträger gesehen, die „auf den Tischen tanzten“.
Soviel vom musl. „Alkoholverbot“.
Fazit: „Wenn,s dunkel ist, kann,s Allah nicht sehen…“…hihihihi!

Juri St.
30 Tage her

Wieso schreibt ihr sowas? Das bringt Klingbeil, Bas und Co. doch nur auf ähnlich abstruse Ideen. Und Merz muss es dann wieder als Erfolg seiner Regierung verkaufen.

Kraichgau
1 Monat her

erstaunlich,das der Autor sich über die Einschränkungsversuche lustig macht,während er in einem Land lebt,in dem die eigene Gaststättenkultur im Aussterben ist….

WIING
1 Monat her

Ja prima! Und der Geschlechtsverkehr bitte nur noch in Missionarsstellung!

Minusmann
23 Tage her
Antworten an  WIING

… und unter klinischen Bedingungen!

Laurenz
1 Monat her

Aus solch historischen Pubs entstanden in der City die historischen englischen Banken. So kanns gehen. Schon gefährlich, so ein Pub.

Haba Orwell
1 Monat her

> Großbritanniens Regierung leugnet die ernsthaften Gefahren durch den Islamismus und glaubt sich um Pints, Pubs und das Trinken im Stehen kümmern zu müssen. Bitte sich entspannen – wenn im Kalifat London Alkohol verboten wird, wird es sämtliche Probleme mit dem Trinken lösen. Ob ich mir noch einen Flug nach London leisten kann, sich diese Exotik anzuschauen? Wozu werden die Pubs umgewidmet? Gestern eine Reportage über Alhambra in Granada gesehen – ein Wesir musste gleichzeitig ein Dichter sein. Man vergleiche diese raffinierte Hochkultur mit dem Grobian Trump, der in Tweets in Großbuchstaben verkündet, alles auf der Welt sei seins. Die… Mehr

PaulKehl
1 Monat her
Antworten an  Haba Orwell

Die alte Leier mit der mohammedanischen Hochkultur. Wahrscheinlich waren die Wesire wieder Christen oder Juden, oder zumindest Konvertiten.

Haba Orwell
30 Tage her
Antworten an  PaulKehl

Dennoch eingebettete in die Hochkultur des Landes, wo sie dienten.

Anglesachse
26 Tage her
Antworten an  PaulKehl

die Alhambra soll von nordafrikanischen Muslimen (Tuarek) gebildet worden sein. Sie waren auch nur musl. Konvertiten.
Sie wussten eben auch aus Nordafrika, wie man frisches Wasser geeriert und verteilt.
Frage: Nachkommen der Karthager und Alexandriten? Das würde auch den Wissenschatz erklären.

Kraichgau
1 Monat her
Antworten an  Haba Orwell

Lasseb Sie uns wissen,wo Sie diese tolle Reportage gesehen haben…Arte? 🙂

Juergen P. Schneider
30 Tage her
Antworten an  Haba Orwell

Die totalitären Regenten einer mittelalterlichen und despotischen Fremdregierung in Spanien mit dem frei gewählten Präsidenten der USA zu vergleichen, zeugt von beispiellosem historischem Analphabetismus.

Haba Orwell
30 Tage her
Antworten an  Juergen P. Schneider

Córdoba hatte im Mittelalter beleuchtete Straßen, englische Städte (als USA-Vorläufer) nicht. Noch Fragen? Alhambra wurde damals mit frischem Wasser durch ausgefeilte Systeme versorgt, während woanders in Europa faules Wasser krank machte. Oft wurde stattdessen in Mitteleuropa lieber dünnes Bier getrunken – ohne Keime (damals kannte man sie noch nicht, aber die Folgen schon).

Ich weiß – richtiger Westler will nie wahrhaben, dass es Zeiten gab, in den andere Zivilisationen höher entwickelt waren. Diese ewige Überheblichkeit.

Konservativer2
24 Tage her
Antworten an  Haba Orwell

Mag sein, ist aber seeehr lange her, oder? Und: hilft uns heute nichts.

Jens Frisch
1 Monat her

Sobald in GB die Scharia gilt, ist das mit dem Biertrinken sowieso Geschichte.
Remigration oder Unterwerfung.

Haba Orwell
1 Monat her
Antworten an  Jens Frisch

Auch CSD-Paraden sind dann Geschichte – erst kürzlich hieß es hier, diese seien in Israel möglich und in Gaza nicht. Wenn mir noch jemand die existenzielle Bedeutung der Nackt-Paraden in Hundemasken für die Westliche Zivilisation erklären könnte?

PaulKehl
1 Monat her
Antworten an  Jens Frisch

Wie zufällig untersagt die Deutsche Bahn ja auch das Biertrinken auf den Bahnhöfen. Als nächstes geht es dem Weihnachtsfest an den Kragen.

Britsch
30 Tage her
Antworten an  PaulKehl

Das verbieten von Alkoholtrinken, Saufen an Bahnhöfen hat schon eine Berechtigung. Allerdings sollten die Ursachen bekämpft werden, warum das in Folge ein Problem ist bzw. wurde.

Haba Orwell
30 Tage her
Antworten an  Britsch

> Allerdings sollten die Ursachen bekämpft werden, warum das in Folge ein Problem ist bzw. wurde.

Die Ursache – Primitivität der saufenden Krawallhorden im Westen, besteht seit Jahrhunderten – wieso muss man aber in den Zügen damit behelligt werden? In Niedersachsen besteht ein Saufverbot in etlichen Regionalzügen – das hätte ich mir auch in NRW und woanders gewünscht. Viel wichtiger als irgendwelche Burka-Verbote – hier reicht es, den Kopf wegzudrehen, schon sieht man es nicht.

Anglesachse
26 Tage her
Antworten an  Haba Orwell

Wir brauchen nur in unsere eigenen „Hochkulturen“ wie Rheinland bis Bayern reinzusehen:
Dort wird turnusmässig der (Rhein-)Narrhallas gemacht und „die Wiesn vollgekotz…“. …typisch spät-römische Dekad..und in den „urbanen Zentren“ hausen die Junkies.
Da sind mir die Briten mit dem Bierchen gemütlicher.
Zum Schankschluss wird dann gesungen: „god shave the king“

Last edited 26 Tage her by Anglesachse
Haba Orwell
30 Tage her
Antworten an  PaulKehl

Wieso muss man gerade dort trinken? Bahnhöfe sind ja keine Kneipen – es gab bereits reichlich Ärger mit besoffenen Horden in den Zügen. Eine Stunde ohne Alkohol müsste jeder aushalten.

Britsch
30 Tage her
Antworten an  Haba Orwell

Das ist schon ein Argument, Ich dachte bei Anderen Problemen die man beseitigen sollte z.B. an Obdachlose wo man nicht mal hin bringt für diese z.B. auch bei Kälte sichere Aufenthaltsräume zu schaffen, zumindest nicht genügend, die Sich darum oft an Bahnhöfen aufhalten. Dies wo man doch Geld hat um es in die ganze Welt zu blasen. Nur für Probleme im Eigenenn Land, für eigene Leute hat man kein Geld. Eigene die nicht ausgebnommen werden können und in Notlagen kommen, die können verrecken. Zumindest die Welch keine „Profis“ darin sind von Anderen zu leben und „den Staat“ auszunehmen. Es fragt… Mehr