Treibstoffmangel: Merz will Nationalen Sicherheitsrat einberufen

Gefährliche Spannungen auf den Energiemärkten, extrem steigende Preise sowie konkrete Hinweise auf mögliche Engpässe bei wichtigen Treibstoffen wie Kerosin: Bundeskanzler Friedrich Merz hat nun eine rasche Einberufung des Nationalen Sicherheitsrates angekündigt.

picture alliance/dpa | Michael Matthey

Bei der Eröffnung der Hannover Messe machte Merz deutlich, dass die Bundesregierung die aktuelle Entwicklung ernst nimmt: Zwar sei die Versorgung Deutschlands aktuell noch gewährleistet, doch die Situation habe sich spürbar verschärft. Ziel der geplanten Krisensitzung des Nationalen Sicherheitsrats sei es, frühzeitig Maßnahmen zu entwickeln, um die Versorgung von Wirtschaft und Bevölkerung langfristig abzusichern.

Wachsende Risiken

Vor allem Flugtreibstoff könnte in Europa bald Mangelware sein – mit dramatischen Folgen für die gesamte Reisebranche: Airline-Manager und Wirtschaftsanalysten warnen bereits seit Wochen vor möglichen Engpässen, die den Luftverkehr erheblich beeinträchtigen könnten. Das Bundeswirtschaftsministerium unter Leitung von Katherina Reiche hat daher kurzfristig Gespräche mit den Vorständen von Energieunternehmen, Flughäfen und Fluglinien einberufen.

Die Ursachen für die angespannte Lage sind bekannt: der Nahost-Krieg, gestörte Lieferketten sowie eine hohe Abhängigkeit Europas von Energieimporten, dazu die Verweigerung von Energie-Lieferungen aus Russland.

Nationaler Sicherheitsrat als Kriseninstrument

Der Nationale Sicherheitsrat, ein vergleichsweise neues Gremium der Bundesregierung, soll nun eine Schlüsselrolle übernehmen. Er wurde eingerichtet, um schneller und koordinierter auf komplexe Krisen reagieren zu können – von Cyberangriffen bis hin zu Energieengpässen. Neben Bundesministern können auch Vertreter der Bundesländer teilnehmen, um eine möglichst enge Abstimmung zu gewährleisten.

Merz betonte, dass „alle verfügbaren Instrumente“ genutzt werden müssten, um Versorgungssicherheit zu garantieren. Dazu könnten strategische Reserven, regulatorische Eingriffe oder auch koordinierte Maßnahmen mit europäischen Partnern zählen.

Länder fordern stärkere Einbindung

Parallel wächst der Druck aus den Bundesländern: Mehrere Ministerpräsidenten der SPD fordern eine Sonderkonferenz von Bund und Ländern – ähnlich den Formaten während der Corona-Pandemie. Sie argumentieren, dass die aktuelle Lage eine enge politische Abstimmung auf höchster Ebene erfordere, insbesondere bei Fragen der Energiepreise, Versorgungssicherheit und Krisenkoordination.

Zu den Unterzeichnern eines entsprechenden Schreibens zählen die Regierungschefs aus Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Mecklenburg-Vorpommern. Sie verweisen auf bewährte Strukturen aus früheren Krisen, etwa gemeinsame Arbeitsgruppen zur Gasversorgung oder Stromsicherheit.

Italien plant bereits Smart-Working

Während Deutschland noch in der Planungsphase ist, wird in Italien bereits an konkreten Maßnahmen gearbeitet: Die Regierung von Giorgia Meloni bereitet sich laut Medienberichten auf mögliche drastische Eingriffe vor. Sollte sich die Lage weiter zuspitzen – etwa durch anhaltende Probleme bei wichtigen Energierouten wie der Straße von Hormus – könnten bereits im Mai erste Einschränkungen angeordnet werden.

In Vorbereitung seien konkrete Energieeinsparmaßnahmen, etwa eine reduzierte Beleuchtung, Einschränkungen beim Individualverkehr sowie ein verpflichtendes Arbeiten im Homeoffice – dieser Energie-Lockdown wird Smart-Working genannt. Laut italienischen Medien drohen bei Nichtbeachtung hohe Strafen: bis zu vier Monate Haft oder Geldstrafen bis 7.500 Euro.

Auch eine mögliche Rationierung von Gas wird angedacht, Italiens Verteidigungsminister Guido Crosetto warnte bereits offen davor, dass Teile der Wirtschaft binnen weniger Wochen stark beeinträchtigt werden könnten.

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Kommentare ( 71 )

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MartinKienzle
1 Tag her

„Wir müssen alle möglichen Tricks, Intrigen, Betrug, List, illegale Mittel und Vertuschungsmethoden verwenden und die Wahrheit verdecken.“ (Lenin) – mit Blick auf die sogenannte „Energiekrise“ täuscht uns die sogenannte „Elite“ mitsamt deren Lakaien wie Merz (https://www.youtube.com/watch?v=3zuO_Ed__KA) abermals, da für die Letztgenannten die sogenannte „Energiekrise“, welch Überraschung, nicht besteht, da sie weiterhin munter das Flugzeug verwenden, um an sogenannten „Konferenzen“ teilzunehmen (https://www.epochtimes.de/politik/ausland/3-000-linke-aus-vielen-laendern-beschwoeren-den-sozialistischen-geist-in-barcelona-a5464100.html)!

Cubus
1 Tag her

Ach ne doch echt jetzt? Wer har denn damit gerechnet. Wie gut, dass ihr nochmal eben schnell Kohle und Atomkraftwerke in die Luft gejagt und Russland, auf das wir uns immer verlassen konnten, den Krieg erklärt habt ihr Vollidioten! Dann mal schnell zum Telefon und dankbar und demütig sein, falls noch jemand abnimmt. Ansonsten isch over. Das war alles absehbar seit der Sprengung der Pipelines durch unsere sogenannten Freunde, die jetzt die Ganze Welt niederbrennen nur um die Vierte Wendung zu ihren Gunsten hinzukriegen. Dabei ist ihnen Europa scheißegal, Thomas Mann hat es vorausgesagt, wenn es um die Weltherrschaft geht,… Mehr

Sabine Ehrke
1 Tag her
Antworten an  Cubus

Nicht zu vergessen: Flutung der Braunkohlevorräte https://www.tichyseinblick.de/kolumnen/klima-durchblick/nrw-braunkohle/

Helfen.heilen.80
1 Tag her

Ach ja, wieder eine Kommission, die Vorschriften ausbrütet.
Das ist ja ein besonderer Euphemismus „Smart working“ wohinter sich Androhung von 7.500 € Strafe bzw. Haft verbergen – einfach weil man offenbar „keinen Bock hat“, den RU’s ihr Gas abzukaufen oder unsere AKW’s wieder flott zu machen!
Also freiwilliger Notstand oder wie?

BKF
1 Tag her

hohe Abhängigkeit Europas von Energieimporten“ Warum immer wieder Europa, wenn es doch eigentlich um den Nationalen Sicherheitsrat geht, also ein nationales Deutsches Problem. Wie wäre es mal mit einer Anfrage in der RSA, ob man Sasol III hier als Kopie hinstellen könnte, die haben damals 3 Jahre gebraucht, das sollte doch wohl Deutschland noch unterbieten können.

BKF
2 Tage her

Der Nationale Sicherheitsrat scheint sowas wie eine moderne Fassung des Ministerrat für die Reichsverteidigung zu sein.

Mermaid
2 Tage her

Dieser Artikel liest sich wie Hofberichterstattung. Kein Wort der Kritik, aber die Sprache der Mächtigen bis hin zur „Pandemie“.
Keine Frage danach, wo genau bitte dieser „Nationale Sicherheitsrat“ im Grundgesetz verankert ist und warum nun plötzlich das Nationale wieder eine Rolle spielen soll.
Hier wird uns nichts weiter als Sand in die Augen gestreut. Aktionismus, nichts weiter. Ein weiterer Versuch, eine Krise für eigene dunkle Zwecke nicht einfach ungenutzt verstreichen zu lassen.

Micky Maus
2 Tage her

Was gilt die Wette dass bei dieser Beratung der Nationalen Sicherheitskonferenz außer dummen Gelaber und keinerlei brauchbaren Ergebnissen wieder nichts heraus kommt?

Klaus D
2 Tage her

Einschränkungen….brauchen wir in deutschland nicht da wir uns durch die hohen preise von selber einschränken.

M. B.
2 Tage her

Der „Nationale Sicherheitsrat“ besteht aus denen, die – laut Spahn – den Niedergang verwalten, oder eher – laut Kommentatoren – den Niedergang, also auch den Energiemangel, herbeiführen. (siehe Wiki)

Absurdes Theater ist dagegen eine Abbildung der Realität.

miwo
2 Tage her

Da passt einiges nicht zusammen! Wenn wir so breit diversifiziert sind und nur zwischen 10% und 5% „Persische Energie“ benötigen (Zitet Reiche), müssten wir weitgehend unaufgeregt zuschauen können.

Last edited 2 Tage her by miwo
Kassandra
2 Tage her
Antworten an  miwo

Tja. Hätten wir nicht in Eigensabotage AKWs wie andere Kraftwerke gesprengt und russische Energie „sanktioniert“.