Defizit des Staats steigt auf rund 120 Milliarden Euro im Jahr

Das Statistische Bundesamt hat die Zahlen des ESVG für 2025 vorgestellt. Sie geben einen ehrlicheren Blick auf die Finanzlage als die öffentlichen Haushalte – das gesamte staatliche Defizit steigt demnach auf 120 Milliarden Euro im Jahr.

IMAGO

Die Haushalte des Bundes, der Länder, der Kommunen und der Sozialversicherungen täuschen mitunter über die Finanzlage. „Sondervermögen“ und andere ausgelagerte Posten erschweren die Sicht. Ein klareres Bild ergeben die Daten des „Europäischen Systems Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen“. Diese ESVG ist gedacht, um die wahre Haushaltslage besser bewerten zu können – und im Fall einer Schieflage darauf zu achten, dass die Mitgliedsstaaten die Stabilität des Euro nicht gefährden.

Das Statistische Bundesamt hat nun die Zahlen des ESVG für das Jahr 2025 vorgestellt. Demnach ist das gesamtstaatliche Defizit von 115,2 im Vorjahr um 3,9 auf 119,1 Milliarden Euro im abgelaufenen Jahr gestiegen. Den Hauptanteil des Wachstums trifft den Bund, danach kommen die Kommunen – Länder und Sozialversicherungen konnten ihre Haushaltslage verbessern. Insgesamt ergibt sich so eine Defizitquote von unverändert 2,7 Prozent in Relation zum Bruttoinlandsprodukt – ab einem Defizit von 3,0 Prozent sieht die EU die Stabilität des Euro offiziell als gefährdet an.
Der Bund erwirtschaftete laut Statistischem Bundesamt im vergangenen Jahr ein Defizit von 79,6 Milliarden Euro. Im Jahr 2024 betrug das Defizit demnach noch 60,9 Milliarden Euro. Es ist also um mehr als ein Viertel gewachsen. Das Defizit der Städte und Gemeinden ist sogar fast um ein Drittel gestiegen: von 21 auf 28,1 Milliarden Euro.

Die Länder konnten ihre Haushaltslage indes verbessern: Sie halbierten ihr Defizit – relativ gesehen – von 21,6 auf 9,8 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Die Sozialversicherungen verringerten ihr Defizit von 11,8 auf 10,1 Milliarden Euro. Dies war ihnen durch eine Erhöhung der Beiträge möglich. Trotz der besseren Situation in Ländern und Sozialversicherungen funktionieren alle vier staatlichen Teilbereiche defizitär.
Und das, obwohl die Einnahmen steigen. Sie nahmen im vergangenen Jahr 2140,2 Milliarden Euro ein. Das sind 5,7 Prozent oder 115,8 Milliarden Euro mehr als noch im Jahr 2024. Als einen wesentlichen Grund dafür nennt das Statistische Bundesamt die Erhöhung der Sozialbeiträge um 8,9 Prozent. Rein an Steuern nahm der Staat im vergangenen Jahr demnach 1031,5 Milliarden Euro ein – 3,5 Prozent mehr als im Jahr 2024. Wobei die Einnahmen aus der Mehrwertsteuer mit 4,0 Prozent überdurchschnittlich stiegen. Die Einnahmen des Staates aus Zinsen sanken hingegen um 18,0 Prozent.

Doch die Einnahmen sind nicht der entscheidende Punkt für das vierfache Staatsdefizit. Es sind vielmehr die Ausgaben. Die stiegen im vergangenen Jahr um 5,6 Prozent oder 119,6 Milliarden Euro auf 2259,3 Milliarden Euro. Mit 8,1 Prozent sticht der Anstieg der Zinsausgaben aus den Posten heraus. Auch nahmen die sozialen Sachleistungen laut Amt um 7,3 Prozent zu. Die Bruttoinvestitionen steigen zwar um 10,3 Prozent. Ein Effekt der „Sondervermögen“. Doch die anderen Posten zeigen, dass sich die staatliche Ausgabenlust nicht auf Investitionen in Schienen, Straßen und Netze beschränkt, wie es die schwarz-rote Regierung ursprünglich versprochen hatte.

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Kommentare ( 28 )

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Anne W
1 Monat her

Wenn diese selbstvernichtende Idiotie (der falschen Ausgaben u.a.) so weiter geht, wird es bald heissen: Erhalten die Rentner ihr Geld oder die nie in das System Eingezahlten? Anstatt? Im Wechsel? Das Rotationsprinzip? Für alle wird es kaum noch reichen. Wird es immer mehr Menschen mit oft kaum verständlichen Zisch-Lauten und Gemurmel geben? Nicht von der Abstammung her, sondern weil im Mund teilweise oder ganz die Zähne fehlen? Wird die Rente über 67 angehoben, für mich ist das nichts weiter als eine „Rentenkürzung“. Wer hält das schon aus in vielen Berufen bis 67, und dann plus zu arbeiten? Das Geld ist… Mehr

Alf
1 Monat her

…das gesamte staatliche Defizit steigt demnach auf 120 Milliarden Euro im Jahr.
Und dies troth Sondervermögen.

Berliner Senat gründet Baum-Amt mit 480 Mitarbeitern.

Das neue Amt soll maßgeblich die Umsetzung des aus dem Baumentscheid hervorgegangenen Klimaanpassungsgesetzes koordinieren.

https://www.focus.de/politik/berliner-senat-gruendet-baum-amt-mit-480-mitarbeitern_bcf148f5-aa65-4b8a-ac8e-8b75780cdea2.html

Dabei ringen doch alle Verantwortlichen 7/24 um Glaubwürdigkeit, oder?

Musteridiot
1 Monat her

Also die Ausgaben stiegen um knapp 6 Prozent. Wenn man die Inflation abzieht, bleiben immer noch 3,5 Prozent übrig. Diese Mehrausgaben erhöhen ja dann eigentlich direkt das BIP.
Dann wäre also unser BIP ohne die Schuldenorgie deutlich geschrumpft…

Und die Staatsquote steigt weiter

Hohe Staatsquote, hohe Schulden, kein Wachstum – klingt wie das Ende der DDR

TruthHurts
1 Monat her

Wie sagte der gottgleiche Kinderbuch-Philosoph: ist doch nur Geld.

Linnemann schwafelt doch schon von neuen Steuern. Es wird nie genug sein.

merkelinfarkt
1 Monat her

„Dumm wählen“ oder „Nichtwählen“ war schon immer das Teuerste überhaupt, was sich Bürger für sich selbst und ihren Nachwuchs in Deutschland leisten können – und die deutsche Mehrheit glaubt tatsächlich, ihr Kreuz auch morgen immer noch nicht an der offensichtlich einzigen, für ihre Eigeninteressen richtigen Stelle machen zu müssen. Dann halt für „dumm wählen“ weiter abwärts fallen mit Merz und zugleich explosionsartig hoch mit den Schulden – pardon – „Sondervermögen“ ,,,

Last edited 1 Monat her by merkelinfarkt
Kassandra
1 Monat her

Hier berechnen die Niederländer was es sie kosten wird, die ihnen Zugemuteten über die nächsten 50 Jahre auszuhalten:
„Based on current spending figures the Netherlands will spend €980 billion on its non-Western immigrant and immigrant descended population over the next 50 years.
If the Dutch paid each of the 2.5 million non-Western immigrants €100,000 to leave it would save €760 billion.
Remigration is cheaper than hosting immigrants and their children indefinitely. https://x.com/WallStreetMav/status/2027060637524705489
„Paying the 3rd world trash to leave is WAY cheaper than letting them stay in Europe or the USA. Deadbeats on welfare is bankrupting us.“

Peter Gramm
1 Monat her

Wir haben so viele gscheite Leut, Professoren, Doktoren, Wissenschaftler, Experten usw usf….wo bleiben all die klugen Ratschläge aus den Gutachten. Scheinbar taugt alles nichts. Lediglich Papierbeschmutzungsorgien. Schade um das Papier. Scheinbar nur nutzloses Gedöns. Im Nachhinein brauchen wir all diese Klugredner nicht. Dann wissen wir selbst was schief gelaufen ist.

alter weisser Mann
1 Monat her

Schwarz-rot-grün „wirtschaftet“ als ob es kein morgen gibt. Man darf Absicht unterstellen, die Absicht, die weitere Vergesellschaft aller Vermögen und die Europäisierung der Schulden als alternativlos zu erzwingen.

Privat
1 Monat her

Die können mit dem Steuergeld der Bürger nicht umgehen.
Vor kurzem haben die dt. Entscheider fremden Staaten die Rückzahlung ausgezahlter „Kredite“ erlassen ! Wie großzügig- auch bei den eigenen leeren Kassen.

Dundee
1 Monat her

Wieviel davon ging in die Ukraine?
Die Überweisungen an die Ukraine sind verfassungswidrig. Die Ukraine ist weder Bundesland, noch Teil der EU, noch Teil der NATO.

Kassandra
1 Monat her
Antworten an  Dundee

Keiner klagt.
Und wenn doch, scheinen die Klagen abgewiesen zu werden wie wegen Merkels Grenzöffnung zur Eroberung.