Nach Italien – nicht nur der Zitronen, sondern auch der Steuern wegen

Lange galt Italien den Deutschen als Traum- und Urlaubsland - als Erholungsort von der Ordnung im südlichen Chaos. Neuerdings geht es auch ums Steuern sparen, pünktliche Züge - und neue Ziele im Süden.

Über 140 Millionen Besucher zählt Italien im Jahr. Klar, ganz vorne die Deutschen mit ihrer großen Liebe, seit Johannn Wolfgang von Goethe das Land besungen hat, in dem die Zitronen blühen.

Aber jetzt blüht Italien auf – auch für Steuersparer, Giorgia Meloni macht es möglich. Allein im vergangenen Jahr wählten mehr als 3600 Vermögensmillionäre Italien zu ihrem neuen Lebensmittelpunkt. Sie brachten schätzungsweise 21 Milliarden Euro an Vermögen mit ins Land und zusätzliches Steueraufkommen.

Denn Italien bietet Vermögenden ein besonderes Steuerrecht: Da ist die CR7-Regel, nach der vermögende Zuwanderer auf sämtliche Auslandseinkünfte eine jährliche Pauschalsteuer von 300.000 Euro entrichten (bis Ende 2025: 200.000 Euro).

Spezialsteuerrecht für Ausländer

Die CR7-Regelung, benannt nach dem Fußballer Cristiano Ronaldo, dessen inzwischen ikonisches Trikot die Nummer 7 schmückt, richtet sich ganz gezielt an eine Schicht von Steuerzahlern, deren Haupteinkommensquellen im Ausland liegen. Sie gilt in der Regel für einen Zeitraum von bis zu 15 Jahren
und umfasst Einkünfte aus Kapitalanlagen, Bildrechten, Lizenzen, ausländischen Immobilien, Kapitalgewinnen oder Auslandserbschaften.

Nun hat nicht jeder die Kragenweite von Ronaldo. Aber für Rentner, wenn sie in kleinere süditalienische Orte ziehen, schrumpft die Steuer auf 7 Prozent.

Don Camillos rebellischer Vater
Der Minenarbeiter in der Schreibstube
Italien wird damit vom Reiseland zum attraktiven Land für den Ruhesitz. Während das für die Toskana schon länger gilt und die guten Plätze längst von der gleichnamigen „Generation Toskana“ besetzt sind, drängt jetzt das gemiedene Apulien in den Vordergrund. Seit dem Gipfeltreffen der Staatschefs der sieben größten Wirtschaftsnationen im Juni 2024, in Borgo Egnazia, sind die Trendsetter aus den USA darauf aufmerksam geworden, dass dort auch die Hotellerie vorzeigbar ist – und mehr als das. Sie stehen vor der barocken Pracht von Lecce und Nardò, bewundern eine Art steingewordenes Disneyland. Der geschichts- und kulturträchtige Landstrich an der Adria, der in den Stiefelabsatz mündet und von dem aus die Bergketten Albaniens sichtbar sind, ist daher zunehmend bei US-Bürgern ein beliebtes Urlaubsziel. Das Wasser kristallklar, die Küste abwechslungsreich, die Städte mit überquellender barocker Pracht und jeder Quadratmeter mit Geschichte versehen, Flughäfen und Verkehrsanbindung ausgezeichnet.

Das Land der Trullis, der runden Steinbehausungen mit Zipfelmützendach hat es der Münchner Grafikerin Antje Kral angetan. Zusammen mit ihrem Mann rekultiviert sie einen früheren Garten auf steinigem Boden, aber mit paradisischer Sicht auf die Bucht von Gallipoli – ein bewohnter Wachturm aus der Zeit, in der Araber dort auf Sklavenjagd gingen, steht nebenan als Teil einer Befestigungsanlage entlang der Küste. Fasziniert hat sie einen Reiseführer jenseits von Baedecker geschrieben. Denn längst ist Apulien nicht mehr der nur bettelarme Landstrich, aus dem die Bewohner fliehen.

Bio-Bauern, Winzer, Künstler, Kunsthandwerker und Gastronomen erwecken den Landstrich zum neuen Leben. Es ist eines dieser Wunder: Da, wo die Menschen vor der Armut fliehen, blüht plötzlich neues Leben auf, krallen sich Einheimische und Rückkehrer in den steinernen Boden und entfalten neue Pracht, Ideen und finden Möglichkeiten der Wiedererweckung eines vermeintlich ausgebrannten Landes; Hotels und Pensionen entstehen in historischen Denkmälern, Trullis und zauberhaften Villen.

Es ist geradezu absurd: Das riesige Stahlwerk in Tarent verfällt, aber in der Hafenbucht wachsen wieder die Purpurschnecken, aus denen einst das Rot der Päpste und Kaiser gewonnen wurde und die verkommene Industriestadt des 20. Jahrhunderts erwacht an manchen Ecken zu neuem Leben in alter Pracht. Unter dem Stauferkaiser Friedrich II. war es das Zentrum Europas. Rätselhaft auf einer Anhöhe steht sein magisch-okkultes „Casal Monte“, ein achteckiges Schloss mit acht achteckigen Türmen; ein bis heute unerschlossenes Rätsel der Architektur und einer nicht mehr verstandenen Faszination der Zahl Acht.

Es ist ein Buch zum Pläne schmieden, es macht Lust auf mehr. Sei es auf einen entspannten Leseabend zum Träumen, für Urlaubsprojekte oder zum Pläneschmieden für einen Zweit- oder Altersruhesitz.

Antje Therés Kral. Glücksorte in Apulien. Fahr hin & werd glücklich. Droste Verlag, Paperback, 168 Seiten, 16,00 €


Mit Ihrem Einkauf im TE-Shop unterstützen Sie den unabhängigen Journalismus von Tichys Einblick! Dafür unseren herzlichen Dank!!>>>  

Unterstützung
oder

Kommentare ( 18 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

18 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
Retlapsneklow
1 Monat her

Das Kommentariat liegt dafür genau in der richtigen Einkommensklasse.

Manfred_Hbg
1 Monat her

Na, dann sollte doch wohl oller weißer Mann(ich) mit Blick auf die CR7-Regel schnellstens seine Köfferchen packen und gen Italia brausen…..

Doch mal Scherz beiseite: Ich kenne „Bella Italia“ zwar nur aus vor allem beruflichen Zeiten von vor den 90ern Jahren, dennoch behaupte ich einfach mal ganz frech, dass wenn man heute in Italien leben möchte, dass man das dann wohl auch nur noch außerhalb der Städte und aufm fernen schönen Land und Dorf tun sollte.
WOBEI obiges mit Blick auf SüdEUropa sicherlich auch für Griechenland und Spanien gelten wird.
Eine Schande ist das, was aus EUropa gemacht wurde…..

Klaus Uhltzscht
1 Monat her

Ein guter Indikator für attraktive Steuerkonditionen und verständnisvolle Behörden ist, wenn ein Landstrich von Ukrainern und Russen besiedelt wird wie z.B. die türkische Riviera.

Laurenz
1 Monat her

So einfach ist die Meloni-Scheißhaus-Steuerspar-Nummer auch nicht. Man muß sich eine Kommune mit unter 20k Einwohnern im Süden suchen. Dann braucht man eine Art Steuerberater, die sich längst auf Deutsche Rentner spezialisiert haben, kostet 500-800 € p.a. Der eigene Aufwand bei einem einfachen Steuerbüro mit ca. 300 € p.a. ist immens. Es ist günstig, wenn die gesetzliche Rente niedrig ist, aber private Renten & Vermögen hoch sind. Denn die gesetzliche Rente wird weiterhin in Deutschland versteuert, der Rest dann in Italien. Das Depot läßt man weiterhin bei einer Deutschen Bank/Broker in Deutschland & macht in Italien ein günstiges Konto auf,… Mehr

Retlapsneklow
1 Monat her
Antworten an  Laurenz

Wenn man die kleinen Städte im Süden unter 20.000 Einwohnern anguckt, spotten sie jeder idyllischen Beschreibung. Falls man Sanierungfälle nicht für idyllisch hält. Die Expats sollen hin, weil die Städte sonst aussterben würden.

Laurenz
1 Monat her
Antworten an  Retlapsneklow

Warum recherchieren Sie nicht. Es gibt selbst in Sardinien Kommunen, die im Winter nicht zu Geisterstädten werden. Aber das Geschäft wird schmaler, wenn man ETFs mit Sitz im Ausland kauft. Dann wird einfach vorab schon Quellensteuer abgeführt. Und man zahlt dann auf die Erträge keine 25% Kapitalertragssteuer mehr, sondern nur noch 18%.

Retlapsneklow
1 Monat her
Antworten an  Laurenz

« Warum recherchieren Sie nicht. »

Habe ich alles schon vorher gemacht und auch angesehen in der Breite, nicht nur ein-zwei Dörfer. Man sehr gut einen Eindruck bekommen, ohne hingehen zu müssen.

Vor allem auch die Gründe, warum in Italien reiche Leute in die kleinen Städte im Süden gelotst werden sollen. Das sollen ja keine Geschenke sein. Einfach auch mal nachdenken!

Laurenz
1 Monat her
Antworten an  Retlapsneklow

Es geht um die Schaffung von mehr Jobs im Süden, als ob das nicht bekannt wäre.

Retlapsneklow
1 Monat her
Antworten an  Retlapsneklow

« weil die Städte sonst aussterben würden »

Was übrigens auch offiziell gesagt wird, wenn auch mit schöneren Worten.

Laurenz
1 Monat her
Antworten an  Retlapsneklow

Anstatt, daß Sie hier die richtigen Fragen stellen würden, nölen Sie rum. Man kann dort unten zB nichts wirklich kaufen. Was ist zB, wenn Meloni abgewählt wird & die neue Regierung alles wieder aufhebt. Früher zogen wegen sowas auch schon mal Leute nach Portugal & da ist genau sowas passiert.

Teiresias
1 Monat her

Schöngerechnete 132% Schuldenquote (u.A. Schattenwirtschaft – also Mafia -auf BIP angerechnet), mit Abstand größter Nehmer in der EU, verstösst mit bemerkenswerter Konsequenz gegen alle Regeln der Eurozone. Dafür leistet man sich einen Steuerdumpingwettbewerb gegen Nordeuropa, der letztendlich von uns bezahlt wird: „talien bietet für EU-Bürger, die ihren Wohnsitz dorthin verlegen (sogenannte „Impatriates“ oder „Lavoratori Impatriati“), attraktive Steuerermäßigungen an, um die Zuwanderung von Fachkräften und Rentnern zu fördern. Die Hauptregelungen beinhalten signifikante Steuerbefreiungen für Arbeitnehmer, Selbstständige und spezielle Pauschalsteuern für Rentner.“ Das können sich „unsere Freunde“ nur deshalb leisten, weil Deutschland letztendlich für die verantwortungslosen Schuldenorgien des Südens haftet. Deshalb Dexit… Mehr

Lucius de Geer
1 Monat her
Antworten an  Teiresias

Zu Ihrer Behauptung („Italien größter Nehmer in der EU“) hier die Fakten (Daten von 2024): In der Brutto-Betrachtung sind die größten Empfänger von EU-Zahlungen Frankreich, Polen und Deutschland, Italien liegt weiter hinten. In der relevanteren Netto-Betrachtung ist Italien sogar der drittgrößte Nettozahler in der EU (bezogen auf den regulären EU-Haushalt). Vom Nettoempfänger zum Nettozahler wurde Italien übrigens bereits ab den frühen 2000er Jahren. Einzelne Jahre, in denen Italien überproportional viel aus dem temporären Aufbaufonds „NextGenerationEU“ erhalten hat, ändern nichts daran, dass Italien schon lange kein struuktureller Kostgänger der EU mehr ist. Dass Italien gegen „alle“ EU-Regeln verstößt, ist Unsinn. Man… Mehr

Klaus Kabel
1 Monat her

In drei Wochen fliege ich nach Apulien. Drei Wochen dem Merz/Klingbein Irrsinn den Rücken zu kehren. Aber auswandern? Ich würde gerne, aber Europa ist politisch so labil, dass ich mich frage wohin? Italien hat Melloni. Klar wäre es perfekt jetzt nach Italidn auszuwandern. Wenn aber Melloni abgewählt wird und ein EU Vasall an die Macht kommt? Wird Orban morgen noch ungarischer Regierungschef sein oder hat die EU Einmischung Wirkung gezeigt? Solange es nicht eindeutig wieder Richtung christliches Abendland geht und Typen wie von der Leyen, Merz, Klingbeil, Stamer, Macron und die ganzen linsgrünen woken Verbrecher ihre Grenzen aufgezeigt bekommen bzw.… Mehr

Last edited 1 Monat her by Klaus Kabel
Lucius de Geer
1 Monat her
Antworten an  Klaus Kabel

Für die ländlichen Regionen Italiens sprechen vor allem strategische Gründe, nicht die aktuelle Regierung: viele kleinere Städte mit uralter Tradition, oft noch stark katholisch, uninteressant für Invasoren. Weitgehende Autarkie bei hochwertigen Grundnahrungsmitteln, solide Infrastruktur, weitgehend homogene Gemeinschaften und nicht zuletzt das gesündere Klima. Wer Italienisch spricht, keine deutsche Besserwisserei pflegt und anderen nicht auf der Tasche liegt, ist überall willkommen.

Klaus Uhltzscht
1 Monat her
Antworten an  Klaus Kabel

Ich würde in kein EU-Land auswandern.

Polit-Legastheniker
1 Monat her

Kann ich nur empfehlen. Schnell nach Brindisi fliegen, ein Auto mieten und ab nach Süden entlang der Küste richtumg Monopoli, Fasano, Ostuni. Aufenthalt am besten nicht in Hotels sondern in Masserias mit hervorragenden Verpflegung. Preiswert, gemütlich, ruhig. Einer des besten Urlaubs die ich erlebt habe.

Der mit dem Durchblick
1 Monat her

Lieber Herr Tichy, bei einer jährlichen Pauschalbesteuerung in Höhe von 300k € muss man allerdings schon Vermögensmilliardär sein. Als „armer“ Millionär wird man in Italien wohl keiner Steuern sparen können?

Last edited 1 Monat her by Der mit dem Durchblick
Wilhelm Roepke
1 Monat her

Ich liebe inzwischen die europäische Freizügigkeit. Sie erlaubt mir, bei Bedarf mein schon wieder einmal sozialistisch orientiertes Heimatland zu verlassen, auch wenn es statt braune oder rote jetzt grüne Sozialisten sind. Ist nicht so viel um…