Strukturell krank: das Gesundheitssystem, Krankenhäuser, Krankenkassen

Im Gesundheitssystem, im Zustand der Krankenhäuser, bei den Krankenkassen verlieren sich die Beteiligten fortgesetzt im Kurieren an Symptomen, statt an eine grundlegende Reform zu gehen. Das passt perfekt zur Reform-flüchtigen Regierung Klingbeil-Merz.

picture alliance / Andreas Gora | Andreas Gora

Das ganze Gesundheitssystem, hier der Zustand der Krankenhäuser, wie bei den Krankenkassen signalisiert fortlaufend einen extrem hohen Reformbedarf. Doch die Beteiligten verlieren sich im Kurieren an Symptomen, statt an eine grundlegende Reform zu gehen.

Die Zahl der Pflegekräfte in Krankenhäusern ist 2024 auf rund 409.000 Vollzeitleute gestiegen. Sagt das Fachkräftemonitoring der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) (Politico).

„Das Interesse an der Arbeit im Krankenhauswesen und an entsprechenden Ausbildungswegen ist hoch und zeigt die anhaltende Attraktivität des Gesundheitssektors“, sagte die stellvertretende Vorstandsvorsitzende der DKG, Henriette Neumeyer. „Eine bedarfsgerechte Personalbemessung wird grundsätzlich als wichtig anerkannt, stößt jedoch noch nicht überall auf Akzeptanz, da sie vielfach als zu starr und bürokratisch wahrgenommen wird und ihre Vorteile in den Krankenhäusern bislang nicht ausreichend zur Geltung kommen.“

Die steigenden Pflegepersonalkosten belasten die gesetzlichen Krankenkassen zunehmend. Laut Bundesgesundheitsministerium stiegen die Pflegepersonalkosten 2025 um rund zwölf Prozent, die Kosten für die Krankenhausbehandlungen insgesamt um 9,6 Prozent.

Für die Vertreter der gesetzlichen Krankenkassen ist das nicht hinnehmbar. „Jetzt reicht es. Wir erleben derzeit im Krankenhaussektor eine gefährliche Entkoppelung von ökonomischer Realität und politischer Rhetorik“, sagte Johannes Wolff, Abteilungsleiter Krankenhäuser beim GKV-Spitzenverband. „Während das Wirtschaftswachstum stagniert, driften die Gesundheitsausgaben ungebremst nach oben. Der zentrale Treiber dieser Entwicklung ist das (Pflege)personal, das sich zum Ausgabentreiber entwickelt hat.“ Es gebe einen historischen Höchststand an Beschäftigten. „Doch dieser massive Personalaufbau führt paradoxerweise nicht zu einer effizienteren Versorgung.“ Wir finanzierten „immer mehr Personal für immer weniger Patienten“.

Der Pflegerat wies die Kritik zurück. „Der Personalaufbau ist kein Beleg für Entwarnung, sondern für einen lange ignorierten Mangel“, sagte Christine Vogler, die Präsidentin des Deutschen Pflegerats. In den frühen 2000er Jahren seien mehr als 50.000 Stellen abgebaut worden, was jetzt „mühsam korrigiert“ werde.

Ein Drittel der Krankenhäuser von Insolvenz bedroht

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) und der Deutsche Landkreistag warnen vor einem weiteren Klinik-Sterben. „Die Lage ist ernst. Aktuell schreiben 80 Prozent der Kliniken rote Zahlen. Ein Drittel der Häuser in Deutschland ist von Insolvenz bedroht: 16 Prozent sind stark insolvenzgefährdet, weitere 21 Prozent gefährdet“, sagte der DKG-Vorsitzende Gerald Gaß der „Rheinischen Post“.

Gaß fordert Bundesgesundheitsministerin Warken auf, die Finanzhilfen zu verlängern: „Im November soll die staatliche Ausgleichszahlung wegfallen, die der Bund den Krankenhäusern zur Stabilisierung der finanziellen Lage seit November 2025 gewährt. Es geht um vier Milliarden Euro. Wir appellieren an Bundesgesundheitsministerin Warken, diese Hilfe zu verlängern.“

Der Präsident des Landkreistages, Achim Brötel, sagte derselben Zeitung: „Besonders betroffen sind Häuser mit kirchlichen und freigemeinnützigen Trägern. Auch den kommunalen Krankenhäusern geht es richtig schlecht, weil wir als Träger einen Defizitausgleich in der momentan erforderlichen Höhe schlicht nicht mehr leisten können.“

Allein die Landkreise hätten von 2023 bis 2025 rund 25 Milliarden Euro aufgebracht, um die Verluste ihrer Kliniken auszugleichen. Brötel fordert, die Krankenhausreform nachzubessern und Vorsorge-Pauschalen nicht mehr fallabhängig zu zahlen. „Wir brauchen eine fallzahlunabhängige Vorhaltevergütung. Alles andere führt nur zu einem unkontrollierten Kliniksterben gerade im ländlichen Raum“, mahnt der Präsident.

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Kommentare ( 14 )

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littlepaullittle
25 Tage her

„Der zentrale Treiber dieser Entwicklung ist das (Pflege)personal, das sich zum Ausgabentreiber entwickelt hat.“ 
Nein. Das ist eine Unverschämtheit!
Der Treiber sind die Abermillionen ins Sozialsystem geschleusten „Gäste“.
Und diese Treiber heissen Merkel, Scholz und Merz.
CDU und SPD. Mit fetter Hilfe der Grünen und der FDP.
Nennt die Verbrecher nicht einen rosa Elefanten.

humerd
25 Tage her

„Die CDU will Krankenkassenkosten von Grundsicherungsempfängern vom Bund übernehmen lassen.“ die SPD ist dagegen https://www.zeit.de/politik/deutschland/2026-02/nina-warken-dagmar-schmidt-carsten-linnemann-gesetzliche-krankenversicherung-finanzierung-gxe Alternde Gesellschaft:Importierte Vergreisung„Insgesamt ist die Zahl der über 65‑Jährigen in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren um rund 3,8 Millionen gestiegen. Dieser Zuwachs entfällt komplett auf Menschen, die nicht in Deutschland geboren wurden. Von diesen zusätzlichen 3,8 Millionen sind etwa 2,2 Millionen Zuwanderer aus anderen EU‑Staaten; der Rest stammt überwiegend aus Drittstaaten. “ „Deutschland ist inzwischen bevorzugtes Ziel vieler älterer Europäer, nicht zuletzt wegen einer leistungsfähigen Gesundheitsversorgung, eines dichten Pflegesystems und relativ großzügiger sozialstaatlicher Sicherung. “ https://www.zeit.de/politik/deutschland/2026-02/demografischer-wandel-alterung-zuwanderung-eu/komplettansicht DARAN kranken unsere gesetzlichen Sozialkassen. Immer mehr Leute, die keine Beiträge… Mehr

Sonny
25 Tage her

Die deutsche Sozialversicherung war schon vor 2015 in Schwierigkeiten. Die Kosten entsprachen in keinster Weise einer angemessenen Versorgung. Mit dem Startschuss, Millionen von Armutsmigranten ins Land zu holen und sie einfach, ohne jegliche Gegenleistung Vollkasko zu alimentieren und dies auch noch komplett auf jeden derer Verwandten vollkommen ungeprüft auszudehnen, ist das System in Wirklichkeit längst kollabiert. Es mag in der Politik nur keiner zugeben, dass in Form einer Massenhynose man einem trojanischen Pferd (merkel) zum Opfer gefallen ist und eklatante Fehler gemacht wurden. Und das Schlimmste: Es hat sich bis heute nichts geändert. Keiner in den verantwortlichen Regierungen seitdem traut… Mehr

rainer erich
26 Tage her

Dass ein euphemistisch formuliert dysfunktionales System früher oder später massive Probleme bekommt, vorab aber immer und überall die gleichen Phänomene aufweist, ist Leuten, die sich damit auskennen, völlig klar. Ebenso klar ist, dass die “ Verantwortlichen “ nur und immer auf die gleiche “ Lösung“ kommen, weil sie die entscheidenden Konflikte vermeidet. Man lässt immer mehr zahlen und reduziert die Leistungen, für die Zahler. Das ist, ich wiederhole, in allen derartigen Systemen gleich. Es beginnt im SV – Bereich mit der Verbeitragung, nicht etwa z.B. nach der Inanspruchnahme, sondern der Gehaltshöhe. Das ist, ausserhalb der Steuer, deren Sinn und Zweck… Mehr

Boris G
26 Tage her

In allen Industrienationen gibt es Probleme mit der Finanzierung der Gesundheitssysteme, aber in sehr unterschiedlicher Ausprägung. Da würde es sich lohnen, über den Tellerrand zu schauen: Was machen andere besser? Im Rating der Nationen steht Australien auf Rang 1, was das Verhältnis von investiertem Geld zu erhaltener Leistung angeht. Für 27 Millionen Eiwohner begnügen sich die Aussies mit 6 Krankenkassen – Deutschland genehmigt sich 90 (!) für 84 Millionen. Eine kassenärztliche Vereinigung mit Tausenden von hochbezahlten Mitarbeitern gibt es in Australien nicht. Die frei praktizierenden Ärzte rechnen wie selbstverständlich mit ihren Patienten direkt ab, was für höchste Transparenz sorgt. Der… Mehr

Waldschrat
26 Tage her

Genauso, wie das Gesundheitssystem krankt, krankt der Umgang mit den Patienten, auch da nur noch ein halbseidenes Kurieren am Symptom, aber keine Suche nach der Ursache für das Symptom. Da gibt es eine Verordnung für ein Schmerzmittel, das wars. Inzwischen sind manche Zahnarztpraxen so dreist, die rechnen bei Zahnersatzleistungen nicht mehr bei der Krankenkasse ab, die übertragen das locker dem Patienten. Der soll die Zahnarztrechnung erst mal komplett bezahlen und dann selber sehen, ob er das geld von der Krankenkasse wieder bekommt. Hier muss wirklich mal die Kettensäge angesetzt werden, aber ganz fix, aber keine nachgeschärfte, sondern eine fabrikneue, die… Mehr

Mikmi
26 Tage her

Man muss sich nur die Personalkosten und Verwaltungskosten der Krankenkassen und Pflegekassen anschauen, eine Unverschämtheit. Und dann, wieso muss ein Chef der Privaten Krankenkassen Mio. verdienen?

verblichene Rose
25 Tage her
Antworten an  Mikmi

Die „Privaten“ sind nicht nur ausnahmsweise raus, sondern sie sind vor allem eines: sie sind PRIVAT. Das kann man missbilligen, aber die „Privaten“ sind gerade nicht das Grundübel! Darüber darf sich der Privatversicherte aufregen…

thinkSelf
26 Tage her

Verstehe mal wieder das ganze Gejammer nicht. Auch das Gesundheitssystem entwickelt sich doch perfekt in die Richtung die locker 80% aus tiefstem Herzen wollen. Obwohl, nicht ganz. Eigentlich hatten die 80% gehofft das Selbiges bereits völlig aufgelöst worden wäre, bzw. ausschließlich völlig unsinnige und überflüssige „Behandlungen“ durchgeführ werden. Da muss die Politik dann doch noch mal eine Shippe nachlegen.

verblichene Rose
26 Tage her

Ich möchte ja mal gerne wissen, wer sich ausser den Krankenkassen (10 Milliarden Verwaltungskosten!) noch so alles um das „Wohlergehen“ der Menschen „kümmert“ und was das alles noch so kostet. Pflegerat, Spitzenverband der Krankenkassen, allerlei Gesundheitsämter/Gremien etc. pp. in den Bundesländern, Gesundheitsministerium usw. usf.
Abgesehen davon, daß von denen wahrscheinlich noch niemand auch nur ein Pflaster verabreicht hat, geschweige denn etwas mit einer Bettpfanne anfangen könnte…

Astrid
26 Tage her

Völlig richtig, wie Sie die aktuelle Lage analysieren. Es scheint jedoch, dass es den meisten Arbeitnehmern und langjährig versicherten Einzahlern gefällt, denn es geht immer weiter bergab und man hört innerhalb der Bevölkerung nichts. Entweder ist die Bevölkerung im Laufe der Jahr sturmreif geschossen, oder komplett verblödet und merkt nichts mehr. Man fragt sich ja beinahe täglich, wann die Schraube überdreht ist, aber scheinbar geht hier noch mehr. Vielleicht merken die Leute ja mal was, wenn der Liter Benzin 3,50 € kostet?