Doch keine Pflicht zum Solardach bei Neubauten und Sanierungen

Im »Klimaschutz-Sofortprogramm 2022« war ursprünglich geplant, dass auf jedes neue Hausdach ebenso wie nach einer Haussanierung Solarzellen montiert werden müssen. Dafür hätte es vermutlich gar nicht genug Handwerker gegeben. Auch der Plan, Vermieter an CO2-Abgaben der Mieter zu beteiligen ist vom Tisch.

IMAGO / Jochen Tack

Solardächer sollen offenbar doch nicht zur Pflicht für alle Hausdächer werden. Wie Bild meldete, soll im sogenannten »Klimaschutz-Sofortprogramm 2022« keine Pflicht mehr zu Installation von Photovoltaik- oder Solarthermie-Anlagen enthalten sein.

Energiesparvorschriften seien außerdem etwas entschärft worden. Weiterhin sollen sich Vermieter nicht an CO2-Abgaben beteiligen müssen.

Ursprünglich geplant war, dass auf jedes neue Hausdach ebenso wie nach einer Haussanierung Solarzellen montiert werden müssen. Bereits ab dem kommenden Jahr sollte diese neue Vorschrift gelten. Wer »Wir haben keine Zeit mehr, das Klima zu retten« ruft, scheut auch vor den unsinnigsten Verboten und Vorgaben nicht zurück. So sollen Dämmregeln verschärft werden und alle Neubauten ab 2023 dem höchsten Energiestandard EH-55 genügen. Ab 2025 sollen Neubauten nur noch maximal 40 Prozent der Energie eines Standardgebäudes verbrauchen dürfen.
Die Kosten sollten Mieter und Vermieter aufgeteilt werden.

Der Verband der Vermieter »Haus und Grund« hatte ebenso wie verschiedene »Verbraucherschützer« diese geplante Pflicht zur Teilung heftig kritisiert. Präsident Kai Warnecke: »Dass Vermieter nun 50 Prozent der von den Mietern verursachten CO2-Kosten tragen müssen, ist nicht akzeptabel.« Der Vermieter habe keinen Einfluss darauf, wie viel der Mieter heizt, oder wie viel Warmwasser er verbraucht. Klimaschutzpolitisch sei dieser Beschluss daher kontraproduktiv. Das Geld, das der Vermieter für den CO2-Preis ausgeben müsse, werde künftig für energetische Sanierungen fehlen.

Ebenso ideologisch getrieben sei die Debatte über die CO2-Bepreisung in Mietverhältnissen, so Warnecke, die CO2-Kosten müsse der Mieter tragen, und die Einnahmen müsse der Staat in Form eines Klimageldes an alle Bürger zurückgeben. »Lächerlich« sei weiterhin, dass der Strom von den Solardächern nicht an die Bewohner des Hauses verkauft werden dürfe. Denn die Vergütung dieses Stromes sei in den vergangenen Jahren stark eingeschränkt worden.

Wer denn all die vielen Photovoltaik-Anlagen bauen solle, fragte der Bundesverband der Verbraucherzentralen. Klaus Müller, Vorstand des Bundesverbandes: »Eine allgemeine Solarpflicht wäre angesichts der angespannten Auftragslage bei den Handwerksbetrieben gegenwärtig gar nicht möglich«.

In der kommenden Woche solle der Gesetzentwurf vom Bundeskabinett verabschiedet werden. Die derzeitige Regierung hat es noch eilig, sich als oberste Umweltschützer und Kämpfer gegen eine »Klimakatastrophe« zu positionieren.

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Kommentare ( 53 )

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Zylinderbohrung
1 Monat her

Da braucht man EFH gar nicht zu verbieten. Wer künftig 400.000 + nur für das Gebäude ausgeben muss, bleibt dann eben Mieter.

moorwald
1 Monat her

Wie jede große Religion geht auch die „Klimarettungs-Religion“ den Weg vom Dogma über die Ritualisierung zur Musealisierung. Längst fragt schon niemand mehr nach Sinn und Zweck des deutschen Alleingangs. Ganz zu schweigen von einer Erfolgskontrolle. Mal von der Gültigkeit der CO2-Hypothese abgesehen: die Verminderung des Spurengases in der Atmosphäre dürfte auch bei null deutschen Emissionen kaum meßbar sein. Man begnügt und feiert sich mit deren Bilanzierung. Wie sind also bereits im Stadium zwei angekommen. Sichtbarstes Zeichen sind die Pläne zu einer „Null-Emission“ z.B. einer Stadt wie Berlin. Oder die Einstellung eines „Klima-Managers“ in einer nordwestdeutschen Kleinstadt. Spätere Generationen werden all… Mehr

Dieter Kief
1 Monat her

Hier war der Mann von der Sparkasse und hat gsagt, er habe selber einen ganzen Schwung Häuser. Faustregel: Warmwassererzeugung mit Solarunterstützung sei nur rentabel machbar, wenn man mindestens drei vier Mietparteien versorge. – Unter fünf Personen rechne sich das nie, so sprach er. Tcha. Tip-Top Ölheizungen mit 0-Russpartikel-Emission müssen raus, und werden durch Gasheizungen ersetzt. CO2-Ersprarnis? – 0. Null.

mari
1 Monat her

Warum protestieren nicht die Fachplaner wie Architekten und Energieberater gegen diese Vorschriften. Sie sind es doch, die für Ihre Planungen gegenüber dem Auftraggeber, sprich Eigentümer, in der Haftung sind. Was, wenn die berechneten Werte für KfW „irgendwas“ imn der Praxis nicht erreicht werden. Die sind dann in der Haftung und Schadensersatzpflichtig.
Und des Weiteren: Was ist mit der Wirtschaftlichkeit der Maßnahme.
Als Beispiel: Soll ein Eigentümer 20.000 EUR für Maßnahmen investieren um anschließend eine jährliche Einsparung von 500 EUR zu erzielen ?

Zylinderbohrung
1 Monat her
Antworten an  mari

Weil genau diese fachplaner noch mehr verdienen werden durch die Planung. Wes Brot ich ess usw…

eschenbach
1 Monat her

Ein wunderschönes Titelbild! Noch ein paar Unisex-Toiletten und Schutzsuchenden- Residenzen dazwischen, und man könnte ihm den Titel „Die Neue Heimat“ geben.

alter weisser Mann
1 Monat her

Warten wir einfach auf nach der Wahl, dann kommt das alles wieder hoch.
Vor der Wahl ist halt ungünstig, gelle?
Im Übrigen wird man noch merken, was es alles „nicht genügend gibt“, wenn man erstmal allen möglichen Weltrettungsquatsch tatsächlich angeht. Deshalb wird man sich vorrangig aufs Abgabenerheben beschränken.

Last edited 1 Monat her by alter weisser Mann
bhayes
1 Monat her

Sollen den Vermietern also alleinig CO2-Steuern aufgezwungen werden?
Das wird ja alles immer perverser und grundordnungsbrechender.

Evero
1 Monat her

Wie sehr die regierenden Parteien Lobbyisten der Energiekonzerne sind, zeigt sich darin, dass sie die Monopole schützen. Warum wurde, wenn sie es ernst meinten mit der Energiewende, nicht die Stromerzeugung und Einspeisung drastisch vereinfacht, sodass jeder Hausbesitzer die Möglichkeit bekommt, unbürokratisch selbstgenutzten Strom zu erzeugen und Übermengen ins Netz einzuspeisen?

ErwinLoewe
1 Monat her
Antworten an  Evero

Monopole gibt es seit 20 Jahren nicht mehr. Ihre Forderungen sind schon ebenso lange Wirklichkeit.

MajorTOm
1 Monat her

Ich hab ja so langsam die Befürchtung, dass die Daumenschrauben jetzt massiv angezogen werden, damit die jetzt befassten Beschlüsse nach der Wahl ihre volle Wirkung entfalten und man es im Zweifel nachher den Grünen in die Schuhe schieben kann. Dann kann sich die Union 2025 hinstellen und sich als Alternative zu grüner Idiotie präsentieren, obwohl sie diese selbst verursacht und mitgetragen hat. Meine persönliche Vermutung.

Libertardistani
1 Monat her

Inzwischen liegt die Antwort auf eine Anfrage an die Bundesregierung vonseiten nein nicht der AfD sondern des FDP-MdB aus Sachsen Torsten Herbst vor und ist auch von Bild am Sonntag aufgegriffen worden. Er fragte an, ob der Bund seiner Vorbildfunktion gerecht werde und sauf wieviel Prozent der Dächer von Gebäuden in Bundeseigentum sich Solarflächen befänden. Sie Antwort dürfte für die Befragten peinlich sein: 0,3 %. Aber dann über Zwänge für die Bürger nachdenken …