Dobrindts Aufbauplan: Bunker-App und 110.000 Feldbetten

Neue Spezialfahrzeuge für den Zivilschutz, 110.000 Feldbetten, medizinische Eingreiftruppen an 50 Standorten und ein bundesweites Kataster von Bunkern, Tunneln und Tiefgaragen, das in die Warn-App NINA integriert werden soll - so will die Bundesregierung auf die angeblich neuen Bedrohungen reagieren.

Screenshot X / ntv

„Was, wenn der Russe kommt?“ – diese uralte Frage stellt die „Bild“ nun in einem aktuellen Bericht, weil es eine neue Gefahr eines russischen Angriffs auf Europa geben soll. Es wird also von Invasionsplänen jener Nation gesprochen, die sich von 1989 bis 1994 freiwillig aus allen besetzten osteuropäischen Ländern hunderte Kilometer Richtung Osten zurückgezogen hat und seit 2022 immer nur einige Kilometer weit im Krieg gegen die Ukraine die Front Richtung Westen verschieben kann.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) will trotzdem für den Ernstfall eines russischen Großangriffs vorsorgen und dafür viel Steuergeld ausgeben: Mit einem 10-Milliarden-Euro-Sonderprogramm soll der Zivilschutz bis 2029 aufgerüstet werden – neue Spezialfahrzeuge, 110.000 Feldbetten, medizinische Einheiten an insgesamt 50 Standorten und ein bundesweites Kataster von Bunkern, Tunneln und Tiefgaragen, das in die Warn-App NINA integriert werden soll.

U-Bahnstationen als Unterkünfte bei Nuklearkrieg?

Dobrindt sagte dazu der „Bild“-Zeitung: „Wir rüsten auf beim Bevölkerungsschutz.“ Ein neues „Kommando zivile Verteidigung“ soll dazu Militär und Zivilschutz vernetzen. Das Technische Hilfswerk (THW) erhält ein eigenes Bauprogramm. Deutschland, das nach dem Kalten Krieg seine Bunker größtenteils aufgegeben hatte und nur noch wenige hundert öffentliche Schutzräume für 84 Millionen Einwohner besaß, startet damit ein milliardenteures Programm, bei dem künftig Tiefgaragen und U-Bahn-Stationen als Notunterkünfte dienen.

Doch: Die Zahl von 110.000 Feldbetten klingt beeindruckend, aber für einen echten Verteidigungsfall mit 84 Millionen Betroffenen würde dies natürlich kaum ausreichen. Und die Integration von Tiefgaragen und U-Bahnstationen in die App NINA ist praktisch, ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass moderne Kriege hybride Bedrohungen (wie Cyberangriffe oder Desinformation) mit konventionellen kombinieren. Statt Milliarden in den Bau von Bunkern zu stecken, wären Investitionen in Resilienz – also in eine bessere digitale Infrastruktur, in eine dezentrale Energieversorgung, in eine Notfall-Information für die Bevölkerung – vermutlich kostengünstiger und wirksamer.

Wettrüsten in Europa

Die Bunkerbau-Initiative Dobrindts passt zu der offziell gewünschten Stimmung: Westeuropa stehe vor einem großen russischen Angriff, entweder 2029 oder erst 2032 – so genau wissen das die Betreiber des Narrativs dann auch nicht. Die Folgen dieser Außen- und Sicherheitspolitik mit einer angenommenen russischen Invasion: Allein Deutschland plant bis 2029 Verteidigungsausgaben von bis zu 153 Milliarden Euro jährlich (3,5 Prozent des BIP). Die europäischen NATO-Mitglieder gaben 2025 bereits 559 Milliarden US-Dollar aus, ein Anstieg um fast 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr – der stärkste seit 1953. Und die EU mobilisiert im Rahmen von „Readiness 2030″ bis zu 800 Milliarden Euro. Die Preise für militärisches Gerät steigen teils um 50 Prozent, weil die Lieferketten überfordert sind.

Warum das Gleichgewicht des atomaren Schreckens nun nicht mehr funktionieren sollte, wird weder von Alexander Dobrindt noch von Friedrich Merz oder von Ursula von der Leyen erklärt: Seit Jahrzehnten war klar (auch Russlands Staatsführung), dass Frankreich und Großbritannien mit Nuklearwaffen auf einen russischen Angriff auf Mitteleuropa reagieren würden – die Briten verfügen bekanntlich über 225 Atomwaffen, die Franzosen über 290. St. Petersburg und Moskau könnten somit jeweils 257-mal komplett zerstört werden.

Manche Regierungskritiker sagen, noch mal 10 Milliarden Schulden? Bisher wurden solche Milliarden wie bei der Infrastruktur nicht für den angegebenen Zweck genutzt.

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Kommentare ( 40 )

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BKF
21 Tage her

Das Technische Hilfswerk (THW) erhält ein eigenes Bauprogramm.“ Organisation Todt (OT) Version 2?

BKF
22 Tage her

Ich zitiere dazu mal aus einem alten Dokument eines Kanzlers, mal sehen, wer es noch kennt:
„Ich stelle damit folgende Aufgabe:
I. Die deutsche Armee muß in 4 Jahren einsatzfähig sein.
II. Die deutsche Wirtschaft muß in 4 Jahren kriegsfähig sein.“
So endete das Dokument.

Michaelis
22 Tage her

Immer wieder aufschlussreich, worin sich offenbar ALLE Deppen in den Unionsparteien zu hundert Prozent einig sind, auch wenn man sonst gelegentlich den Eindruck gewinnen könnte, dass es gewisse Unterschiede von Charaktermerkmalen gibt. Aber wenn’s um die geopolitischen Feindbilder geht, sind die absolut untrennbar. Abgerichtet wie Pawlow’sche Hunde.

Last edited 22 Tage her by Michaelis
verblichene Rose
22 Tage her

Wer zuerst kommt… 
Statistisch gesehen teilten sich dann aktuell ein einziges Feldbett rund 763 Bürger. Wer im Evakuierungsfall also die „Reise nach Jerusalem“ verliert, muss wohl stehen bleiben. Man müßte bei den Feldbetten im Krisenfall nämlich verdammt schnell rennen, um einen der begehrten Plätze zu ergattern. Da bekommt der Begriff „Vorsorge“ direkt eine ganz sportliche Note! Vorausgesetzt, man kann dann überhaupt noch laufen…

Will Hunting
22 Tage her
Antworten an  verblichene Rose

Wir haben einen persönlichen Bunker.
Nicht bestellt sondern natürlich gewachsen.
Mit Aufstockung der Stahlstützen durchaus robust.
Natürlich nicht gg einen Direkttreffer.
Nicht eine einzige fremde Person würde ich dazu nehmen.
Das würde den Sinn des Bunker pervertieren.

verblichene Rose
22 Tage her
Antworten an  Will Hunting

Sie dürfen davon ausgehen, dass ich einer der Wenigen bin, der Ihnen nichts neidet!

Will Hunting
22 Tage her
Antworten an  verblichene Rose

Wie kommen Sie zu dieser Schlussfolgerung?
Ein Safe Room macht nur Sinn wenn sich absolut loyale Personen darin befinden.
Das gilt auch bei einem öffentlichen Schutzraum.

Last edited 22 Tage her by Will Hunting
yeager
22 Tage her

Die USA werden uns sicherlich gern das guten alte „Duck and Cover“ Filmchen von 1951 verwenden lassen. Es geht doch nichts über ein bissl Panik schüren.
Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie kritisch gerade die Linke solcher Panikmache gegenüberstand.

Kassandra
22 Tage her
Antworten an  yeager

Sie glauben tatsächlich, dass der Herr Dobrindt die 10 Milliarden für Schutzinfrastruktur für deutsche Bürger ausgeben will?
Das stehende Heer samt Marketendern kostet uns wohl alleine den größten Anteil der um die 60 Milliarden Euro Bürgergel – und es ist nicht bekannt, ob da die bereit gestellte Infrastruktur schon enthalten ist – ich glaube, eher nicht: https://www.tichyseinblick.de/kolumnen/olaf-opitz-klare-kante/rekord-buergergeld-2025/
Dazu kommen noch Kosten nach dem Asylbewerberleistungsgesetz und allen anderen Kassen, die seit 2015 erfunden wurden. Von den Kosten für shuttelei und Flüge ganz abgesehen.

Thilo Braun
22 Tage her

Warum um alles in der Welt sollte Russland ausgerechnet Deutschland angreifen? Was gibt es denn hier zu holen außer massenhaft Probleme? Was nützt jeglicher Schutz im Falle eines Nuklearkrieges, den ohnehin niemand überleben wird.

Kassandra
22 Tage her
Antworten an  Thilo Braun

Meines Erachtens gilt auch für Dobrindt, die Ablenkung von Messermännern aufrecht zu erhalten.
Denn das ist die Gefahr, die Ihnen persönlich permanent gegenüberstehen kann – wobei da lange auch andere Mordwerkzeuge wie Autos gerne genutzt werden.
Der Tunichtgut in Modena mag auch keine Ungläubigen:
„Salim El Koudri, the terrorist who committed an atrocity in Modena had sent a job application in 2021 to the university he had graduated in Business Economics from:
„You have to hire me as an employee. Fucking Christian bastards. You and your Jesus Christ on the cross, I’ll burn it“
https://x.com/visegrad24/status/2056316638304043286

prague
22 Tage her

Ja, also schnell, denn die „Eliten“ haben gesagt, dass der Russe im Jahre 2029 kommt, “ bis dann schaut er zu“.

Franz Reinartz
23 Tage her

Ich hab es nachgerechnet: knapp 800 Leute dürfen sich ein Bett teilen. Macht pro Nase rund 2 min tägliche Liegezeit. Man kümmert sich um uns!
Auch bezweifele ich, dass im „Ernstfall“ noch irgendein Telefon funktioniert.

Last edited 23 Tage her by Franz Reinartz
Kassandra
22 Tage her
Antworten an  Franz Reinartz

Ich habe versucht heraus zu bekommen, wo in meiner Nähe eine „Quelle“ für Frischwasser bereit gehalten werden wird – für den Fall des Falles. Es ist mir nicht gelungen.
.
Apropos Bett: das werden welche von den Clans schon zu verhindern wissen, dass wir das belegen können.

Heptamer
23 Tage her

Das Narrativ vom bevorstehenden Russenangriff auf das beste Deutschland, was es je gab, ist genauso bekloppt wie das Narrativ vom menschengemachten Klimawandel und in der Folge vom verbrennenden Planeten. Kaum ist das letztgenannte Szenario von den Märchenerzählern (Spinnern) des IPCC wegen wohl zu großer Blödheit zurückgezogen, melden sich Long-Climate Befallene wie Lauterbach, die den Ausbruch einer Klimapandemie (!) fordern. Kann man sich nicht ausdenken.

Kassandra
22 Tage her
Antworten an  Heptamer

Nicht schräg ist allerdings folgende Ansage von Philip Pilkington, die man heute bei Herrn Goergen lesen konnte:

„Zuerst geht der Treibstoff aus, später kommt es in Europa zu Lebensmittelknappheit.«
Uns stehen größte Nöte voraus – und das scheint in der TransformationsAgenda genau so vorgesehen!
Überleben werden das die wenigsten!

Wilhelm Rommel
23 Tage her

Noch bevor ich lesenderweise bis zum „Kommando zivile Verteidigung“ vorgedrungen war, verehrter Herr Schmitt, schoss mir der ketzerische Gedanke durch den Kopf: „Erstmal eine Art ‚Bundesamt‘ oder ‚Bundesagentur‘ mit zugehörigen Länder-Dependencen und sonstigen Wurmfortsätzen schaffen!“ Bevor auch nur ein praktisch-konkreter Handschlag in sachen Zivilverteidigung erfolgt sein wird, haben – gefühlt – 5.000 ‚Aspiranten‘ (m/w/d+x) aus dem unerschöpflichen Fonds des versorgungsbedürftigen Bonzen-Nachwuchses auf wohlgepolsterten Sesseln Platz genommen und tauchen ihre Löffel in den süßen Brei… Ganz abgesehen davon: Wir sollten uns vor ‚dem Bösen Russen‘ vielleicht weniger fürchten als vor all‘ den Leuten, die nicht ‚vor der Tür stehen‘, sondern längst… Mehr

Last edited 23 Tage her by Wilhelm Rommel