“Echte Antifaschisten laufen hier“: Weiter über 100.000 Bürger bei „Montagsspaziergängen“

Die Proteste gegen die Impfpflicht weiten sich aus: Die finale Phase der politischen Auseinandersetzung beginnt. Viele Medien ignorieren die Demonstrationen mittlerweile einfach. Von Jonas Aston.

IMAGO / ULMER Pressebildagentur

Im Schatten des Ukraine-Kriegs rollt weiter eine Demonstrationswelle durch das Land. Erneut fanden im gesamten Bundesgebiet Corona-Proteste statt. Über hunderttausend Bürger spazierten gegen die Corona-Politik. Nach Angaben der Landesinnenministerien demonstrierten an den vergangenen Montagen jeweils zwischen knapp 200.000 und 370.000 Personen gegen die Corona-Politik. Auch diesen Montag dürften die Zahlen wieder deutlich im sechsstelligen Bereich liegen. Online wurde zu so vielen Spaziergängen wie nie zuvor aufgerufen. 2.270 waren es insgesamt und damit noch einmal 19 mehr als letzte Woche. Die Proteste verliefen überwiegend friedlich.

Ein großer Aufzug versammelte sich in Nürnberg. Behördliche Angaben liegen noch nicht vor, doch schon letzte Woche kamen in Nürnberg deutlich mehr als 3.000 Personen zusammen. Bilder und Videos lassen vermuten, dass auch diese Woche mehrere Tausende protestierten. „Freiheit“ wurde von den Bürgern skandiert. Ebenso dürften sich in Augsburg mindestens mehrere Hundert versammelt haben. „Echte Antifaschisten laufen hier“ war dort auf einem Transparent zu lesen. In Landshut sprechen Teilnehmer von 1.500 und im Baden-Württembergischen Tübingen sogar von 2.000 Teilnehmern.

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— ❌Doxograf??️ (@doxograf) March 7, 2022

1.000 Personen stellten sich Teilnehmerangaben zufolge in Münster gegen die Corona-Politik. Die Demonstranten imitierten den isländischen Schlachtruf. Neben vielen Friedensflaggen waren auch türkische Nationalflaggen zu sehen. Zu den Teilnehmerzahlen in Köln gibt es ebenfalls noch keine Polizeiangaben, den Bildern zufolge dürften sich aber mehr als 1.000 Personen an dem Protest beteiligt haben. Auch waren Passanten zu sehen, die ein Danke-Schild hochhielten.

Auch im Norden halten die Proteste an. In Schwerin demonstrierten 950 und in Rostock 1.150 Personen. Damit ist die Teilnehmeranzahl bei beiden Veranstaltungen wieder leicht gestiegen. Zu hören waren Parolen wie „Frieden, Freiheit, Selbstbestimmung“ oder „wir sind das Volk“.

Besonders stark waren die Proteste erneut in Thüringen, Sachsen-Anhalt und vor allem Sachsen. In Halle versammelten sich 1.500 Menschen. „Wissenschaft statt RKi“, „wir arbeiten mit Herz nicht mit Impfpflicht oder „wird der Bürger unbequem, ist er plötzlich rechtsextrem“. In den thüringischen Städten Altenburg und Gera versammelten sich 1.050 bzw. 900 Bürger. Die Teilnehmerangaben unterscheiden sich allerdings drastisch von den genannten Polizeiangaben. In Gera kam es zu Ausschreitungen. Eine Teilnehmerin der Gegendemo attackierte Demonstranten mit einer Fahnenstange. Es wurden mehrere Strafanzeigen gestellt. In Thüringen demonstrierten laut Polizei insgesamt rund 13.500 Bürger gegen die Corona-Politik.

 

Im sächsischen Freiberg kam es zu einem Aufzug von 1.300 Personen. Die Menschen skandierten: Frieden, Freiheit, Souveränität“. Allein im östlichen Sachsen demonstrierten insgesamt 9.300 Bürger. In Görlitz versammelten sich rund 1.100 und in der Hochburg Bautzen 3.200 Personen. In den hier genannten Städten ist die Anzahl der Teilnehmer gegenüber der Vorwoche durchweg angewachsen.

Am Sonntag gingen in Saarbrücken bereits 2.500 Menschen unter dem Motto: „Wir sagen nein zur Impfpflicht. Gegen die Spaltung unserer Gesellschaft“ auf die Straße. Eine Gegendemo versammelte sich unter dem Motto: „Spazis raus, mit Nazis spaziert man nicht“.

Der mediale Umgang mit den Protesten ist weiterhin überwiegend arrogant bis ignorant. Zumeist wird über die Proteste gar nicht berichtet. Etwa bei der Tagesschau scheinen doppelte Standards zu gelten. Der Tagesschau war es am Sonntag wert, über eine Demonstration von 4.000 Leuten in München gegen den Ukraine-Krieg zu berichten. Demonstrationen, die gegen die Corona-Maßnahmen gerichtet und von vergleichbarem Umfang sind, finden regelmäßig keine Erwähnung in der Tagesschau. Auf der anderen Seite verschleiern viele Reportagen die eigentlichen Anliegen der Proteste und diffamieren die Demonstranten. Ein jüngst erschienener Bericht bei Spiegel-TV wurde etwa mit folgendem Satz eingeleitet: „Corona hat neue Fronten geschaffen: Zwischen denen, die unter der Pandemie leiden und denen, die sie lieber leugnen“.

Ungeachtet dessen werden die Proteste weitergehen. Am 15. März tritt die Impfpflicht in medizinischen Bereichen in Kraft, am 17. März werden Gesetzesentwürfe zur Impfpflicht in den Bundestag eingebracht und am 18. März soll das Infektionsschutzgesetz geändert werden. Dies könnte den Protesten weiteren Zulauf bescheren.

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