Auch Spanien nimmt NGO-Schiff mit Migranten nicht an – oder wie Seenot produziert wird

Seenot wird logistisch hergestellt, um Küstenwache und Schiffe mit anderer Bestimmung, unter Missbrauch der Regeln zur Rettung aus Seenot, erpresserisch zum Teil der kommerziellen Schleuserkette zu machen.

JUAN CARLOS CARDENAS/AFP/Getty Images
Symbolbild - A Red Cross member stands next to tents installed at Valencia´s harbour for the reception of migrants rescued by the Aquarius rescue ship on June 16, 2018 in Valencia. - The boat, which is due to arrive in Spain on Sunday morning with more than 600 people on board, has been the heart of a major migration row between European Union member states.

SPIEGEL online meldet es unter dem Titel «Auch Spanien weist Rettungsschiff „Lifeline“ ab», andere Medien berichten identisch und das ganze schlägt in den Sozialen Medien hohe Wellen. Bei SPON heißt es:

«Viele Migranten aus ganz Afrika wollen die Lager in Libyen verlassen, da sie dort Folter, Versklavung und Misshandlungen ausgesetzt sind … Tunesien ist für die Retter als Hafen keine Option, da sie das Land nicht als sicher ansehen. Die dortige Regierung lehnt es zudem ab, Flüchtlinge aufzunehmen.»

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So wenige Zeilen, so viele Informationen. Italiens Salvini wurde in etlichen Medien kritisiert, von „Menschenfleisch“ gesprochen zu haben. Dass er damit die Schleuser beschuldigte, mit Menschen als Ware umzugehen, wurde weggelassen. Salvini hat das drastisch, aber wirklichkeitstreu hier geschildert (italienisch).

Wie sogenannte Retter die von anderen Gliedern der Schleuserkette auf Gummiboote verladenen Migranten 18 Seemeilen vor der tunesischen Küste die italienische Küstenwache rufen, wird bei SPON und anderen nicht erwähnt. Denn dann würde zu offensichtlich, dass Seenot logistisch hergestellt wird, um Küstenwache und Schiffe mit anderer Bestimmung, unter Missbrauch der Regeln zur Rettung aus Seenot erpresserisch zum Teil der Schleuserkette zu machen.

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Wenn SPON und andere schreiben, „Migranten aus ganz Afrika wollen die Lager in Libyen verlassen, da sie dort Folter, Versklavung und Misshandlungen ausgesetzt sind“, versäumen sie zu erwähnen, dass ein Glied am Beginn der Schleuserkette dafür gesorgt hat, dass die Migranten aus Schwarzafrika sich überhaupt in die Lager in Libyen in Gang gesetzt haben – gegen Bezahlung hoher Summen geschleust und misshandelt.

Nichts liegt hier näher als der neue Vorschlag von Salvini, die Schleuserkette noch südlich vor Libyen zu schließen. Die Frage ist nur, warum machen so viele Medien bei der verlogenen Geschichte von der Rettung aus Seenot mit, die gezielt herbei geführt wird um der kommerziellen Ziele der Schleuserindustrie willen. Und warum geben sich drei Bundestagsabgeordnete als Propagandahelfer her?

Noch einmal sei an die Frage von Barbara John im Tagesspiegel erinnert:

„Wollen Flüchtlingsretter die Rückkehr nach Afrika verhindern?

Die „Aquarius“ hätte auch Tunis ansteuern können, dort gibt es ein Migrationsberatungszentrum. Aber geht es vielleicht doch um Europa um jeden Preis?“

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