US-Regierung erlässt Reisewarnung für Frankreich

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kritisierte deutlich Donald Trump für seine Aussagen zu den Ausschreitungen und Plünderungen in Paris, Marseilles und Limoges – wenig später veröffentlicht das US-Außenministerium eine Sicherheitswarnung für US-Bürger in Frankreich.

Weitere Unruhen werden in Frankreich erwartet - die US-Regierung erlässt eine Reisewarnung. picture alliance / ZUMAPRESS.com | Mattia David Rinaldi
Weitere Unruhen werden in Frankreich erwartet - die US-Regierung erlässt eine Reisewarnung.

Der US-Präsident würde die Ausschreitungen in Frankreich für seinen Wahlkampf nutzen wollen, außerdem seien auch andere ausländische Politiker auf KI-generierte und somit falsche Videoclips von den Unruhen „hereingefallen“, meinte Emmanuel Macron vor wenigen Stunden bei einem Pressestatement während eines Staatsbesuchs in Katar.

Diese versuchte Relativierung des Ausmaßes der Plünderungen, der schockierenden Straßenschlachten und der Brandstiftungen sorgten nicht nur auf den Social-Media-Plattformen für einen Tsunami an Kritik an Macron, sondern dürften auch im Weißen Haus mitverfolgt worden sein.

Jedenfalls kommt nun von der US-Regierung eine Reaktion, die Frankreichs Tourismuswirtschaft hart trifft: Das US-Außenministerium und die US-Botschaft in Paris haben eine aktuelle Sicherheitswarnung für amerikanische Staatsbürger in Frankreich herausgegeben. Angesichts jüngster Gewalt und Ausschreitungen im Zusammenhang mit landesweiten Protesten raten die Behörden eindringlich dazu, Demonstrationen und Unruhegebiete zu meiden sowie Bereiche mit großen Menschenmengen oder starker Polizeipräsenz zu meiden.

Weitere Unruhen erwartet

Die Warnung des offiziellen Accounts TravelGov vom 22. Oktober 2026 betont, dass Gewalt und Krawalle in Verbindung mit den laufenden Protesten kürzlich aufgetreten sind und weitergehen könnten. Die französische Regierung hätte zwar angekündigt, gegen „illegitime“ Proteste vorzugehen, aber die von Gewerkschaften organisierten Demonstrationen sollen weiterhin erlaubt bleiben. Zahlreiche Gruppen haben Anträge für Proteste am morgigen Samstag eingebracht. Besonders in Orléans sind laut Medienberichten umfangreiche Märsche und Proteste für den 24. und 25. Oktober geplant. Amerikaner, die am 25. Oktober für das NFL-Spiel in Paris sind, sollten besondere Vorsicht walten lassen und ihre Umgebung aufmerksam beobachten.

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Die schweren Unruhen haben ihren eigentlichen Ursprung in Schülerprotesten, die Mitte September in den Arbeitervororten von Paris begannen. Schüler protestierten gegen Lehrermangel, schlechte Schulbedingungen und mangelhafte Ausstattung. Doch diese Bewegung weitete sich schnell auf mehr als 40 Städte aus und verschmolz mit dem Protest gegen steigende Lebenshaltungskosten, hohe Treibstoffpreise und Kürzungen im öffentlichen Dienst – dazu nutzten tausende Jugendliche mit Migrationshintergrund das Chaos für massive Plünderungen.

In Limoges wurde das historische Rathaus niedergebrannt, in Marseille stürmten Demonstranten das Rathaus, in Lyon brannte das Touristenbüro. Es kam zu Raubüberfällen, Diebstählen sowie Sachbeschädigungen in Hunderten von Geschäften, Polizisten wurden angegriffen. Premierminister Sébastien Lecornu sprach von 1.200 Festnahmen am Samstag; insgesamt wurden über das Wochenende mehr als 2.000 Personen festgenommen, 150 Polizisten wurden verletzt.

Lokale Ausgangssperren

Die französische Regierung reagierte mit lokalen Ausgangssperren: In Teilen von Paris (etwa am Place de la République und Les Halles) gelten nächtliche Ausgangssperren von 23 bis 6 Uhr, die bis zum 26. Oktober verlängert wurden. Ähnliche Maßnahmen gelten in Lyon, Marseille, Lille, Nizza und Bordeaux – teils nur für Minderjährige, teils für die gesamte Bevölkerung. Premierminister Lecornu betonte die Entschlossenheit, die Ordnung wiederherzustellen, und warf der „Ultralinken“ vor, die Gewalt als Kampagne vor der Präsidentschaftswahl 2027 zu nutzen. Ein nationaler Notstand wurde bisher nicht ausgerufen, bleibt aber eine Option. Museen wie Louvre und Orsay bleiben am 24. Oktober geschlossen, der öffentliche Nahverkehr in Marseille wird ausgesetzt.

Das State Department hält die Reisewarnung für Frankreich auf Level 2 („erhöhte Vorsicht“). Neben der Gefahr bei Protesten bestehen weiterhin Risiken durch Terrorismus und Diebstahl (Taschendiebstahl, Handydiebstahl in Touristengebieten). Reisende sollen sich im Smart Traveler Enrollment Program (STEP) registrieren, lokale Medien (France 24, RFI, The Local) verfolgen, alternative Routen planen und den öffentlichen Nahverkehr (RATP, SNCF) auf Störungen prüfen. Die US-Botschaft empfiehlt, bei unerwartetem Kontakt mit Versammlungen vorsichtig zu sein und Anweisungen der Behörden zu befolgen.

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