Voigt braucht die Linke für Mehrheiten. Also gibt es Jour fixe, Ampelsystem und feste Abstimmungswege. Nur unterschrieben wird nichts. So macht Thüringens CDU aus Unvereinbarkeit organisierte Zusammenarbeit.
IMAGO / Karina Hessland
Mario Voigts Regierung ist nach der Implosion des BSW endgültig zu einer richtigen Minderheitsregierung geworden. Nun verständigen sich CDU, Thüringen.Gerecht und SPD mit der extremen Linken, mit der man wegen des Unvereinbarkeitsbeschlusses eigentlich nicht zusammenarbeiten kann, auf feste Verfahren zur Mehrheitsfindung. Aber keine Sorge: Der CDU-Unvereinbarkeitsbeschluss bleibt bestehen. Die pfiffige Lösung: Die Vereinbarung trägt keine Unterschriften.
Damit das klappt, hat sich die Koalition aus CDU, Thüringen.Gerecht und SPD mit der oppositionellen extremen Linksfraktion auf neue Abläufe zur Mehrheitsfindung geeinigt. Dabei überlagern sich zwei Zustände: unvereinbar und vereinbar, keine Zusammenarbeit und Zusammenarbeit. Ein entsprechendes Papier liegt der Deutschen Presse-Agentur vor. Vertreter aller vier beteiligten Fraktionen bestätigten die Verständigung.
Auf Ebene der parlamentarischen Geschäftsführer soll künftig jede Woche ein Jour fixe stattfinden. Einmal pro Quartal wollen sich die vier Fraktionen gegenseitig über geplante Gesetzentwürfe und wichtige Anträge informieren. Aber eben nicht zusammenarbeiten – wegen des Unvereinbarkeitsbeschlusses, der ja nach wie vor besteht.
Hinzu kommt ein Ampelsystem. Es soll anzeigen, welche Tagesordnungspunkte einer Landtagssitzung zwischen den Beteiligten bereits abgestimmt, noch offen oder nicht geeint sind. Für einzelne Politikfelder sollen außerdem feste Ansprechpartner auf Fachebene bestimmt werden. Bleibt dort eine Frage ungeklärt, wandert sie eine Stufe höher. Zunächst zu den parlamentarischen Geschäftsführern, gegebenenfalls anschließend zu den Fraktionschefs. Selbst der Chef der Staatskanzlei kann hinzugezogen werden. So entsteht ein festgelegtes Verfahren, mit dem Regierung und Linke frühzeitig ausloten, wo parlamentarische Mehrheiten möglich sind.
Der ehemalige Doktor Voigt will auf diese Weise den „Code AfD“ knacken. Denn er will erkannt haben, dass die Bundestagswahl 2029 eine Schicksalswahl wäre. Sein Plan ist deshalb, der starken AfD vor allem durch solide Regierungsarbeit sowie soziale und wirtschaftliche Erfolge im Freistaat Thüringen etwas entgegenzustellen und so langfristig Wähler zurückzugewinnen.
Die Unvereinbarkeit vereinbar zu machen, hält er dabei offenbar für den richtigen Weg. Ja dann: Toi, toi, toi.




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