Enteignung? Immerhin 24 Prozent finden die Pläne der Linken gut

73 Prozent halten die Enteignung großer Wohnungsbaugesellschaften nicht für wirksam gegen hohe Mieten in Großstädten, jedoch 24 Prozent sehen darin ein taugliches Mittel: In Berlin hat Die Linke mit der Drohung gegen Wohnungskonzerne die Wahl gewonnen, aber sonst glaubt kaum jemand, dass daraus niedrigere Mieten werden.


Elif Eralp. Die Linke Imago Bernd Elmenthaler
Elif Eralp. Die Linke

Die neue Forsa-Studie für den Stern und RTL (1.009 Befragte am 24. und 25. September) zeigt auch klar: Eine Mehrheit für diese Enteignungspläne findet sich nur bei Anhängern der Linken. Unter CDU-Wählern lehnen 88 Prozent den Vorschlag ab, unter AfD-Wählern 92 Prozent.

Die Linke spricht bewusst nicht von Enteignung, sondern nennt das „Vergesellschaftung“. Dabei sind große Wohnungskonzerne wie Vonovia besonders im Fokus. Der Unterschied ist juristisch und politisch entscheidend: Bei einer Enteignung greift der Staat auf privates Eigentum zu, etwa um Grundstücke für Straßen, Schienen oder öffentliche Bauten zu sichern. Der Eigentümer verliert seinen Besitz gegen Entschädigung, das Gut dient danach einem konkreten öffentlichen Zweck. „Vergesellschaftung“ zielt weiter: Hier sollen ganze Wohnungsbestände dauerhaft dem privaten Gewinninteresse entzogen und in Gemeineigentum überführt werden, das demokratisch kontrolliert wird. Es geht also nicht um einzelne Grundstücke für ein Bauprojekt, sondern um die Frage, wem große Teile des Mietwohnungsmarkts gehören und nach welchen Regeln sie bewirtschaftet werden.

Spitzenkandidatin der „Linken“
Die gefährlichste Frau Deutschlands
Ob das den Markt entlasten würde, ist fraglich – viele Ökonomen sagen: Ohne massiven Neubau bleibt der Wohnraum knapp, unabhängig vom Eigentümer. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) will derartige Landesvorhaben per Gesetz erschweren. Und schon im Juli hatten Union und SPD im Bund geprüft, „Vergesellschaftungen“ zu begrenzen. Auch in Berlin ist die Stimmung nicht mehr jene von 2021: Eine Infratest-dimap-Nachwahlbefragung für die ARD ergab damals 51 Prozent Ablehnung und nur 37 Prozent Zustimmung. Bei Linke-Wählern lag die Zustimmung bei 72 Prozent, bei Grünen bei 42, bei der SPD bei 29.

Die Linke wurde bei der Wahl am 20. September mit 25,7 Prozent die stärkste Kraft im Abgeordnetenhaus. Die CDU folgte mit 18,8 Prozent, die AfD mit 16,3, die Grünen mit 14,3, die SPD mit 12,1. Linke-Spitzenkandidatin Elif Eralp will Regierende Bürgermeisterin werden, ihr Kernversprechen lautet dabei „Vergesellschaftung“: Unternehmen mit mehr als 3.000 Wohnungen sollen gegen Entschädigung in Gemeineigentum überführt werden.

Es geht dabei um 220.000 bis 240.000 Wohnungen. Der öffentliche Anteil am Berliner Markt könnte mit diesem Konzept von etwa 20 auf mehr als 30 Prozent steigen. Die Partei präsentierte ein kreditfinanziertes Modell mit Kosten von 25 Milliarden Euro und stellt damit Mietsenkungen von bis zu 16 Prozent in Aussicht. Sie beruft sich auf Artikel 15 des Grundgesetzes und den Volksentscheid von 2021.

Anzeige

Unterstützung
oder €

Kommentare ( 13 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

13 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
Karl Heinz Nusser
12 Minuten her

Wählerverhalten in Berlin nach Alter und Geschlecht: (angeblich) Frauen zwischen 25 und 35 haben zu 51% grün gewählt. Markus Krall fragte zurecht, „wer hat denen ins Gehirn gesch…?“. Berlin wagt jetzt eine feministische Wirtschaftspolitik, Wohlstand für alle, die Frage „wer bezahlt“ wird so lange ausgeblendet, bis der Karren komplett im Dreck landet. Als Beobachter lehnt man sich mit Genuss zurück und denkt „geliefert wie bestellt“. Man könnte auch die Behauptung aufstellen „deutliche Anzeichen der Bildungskatastrophe mit Vorbild Berlin“.
Berliner, macht weiter so, ihr schafft das.

prague
13 Minuten her

Deutschland ist ein Land, wo weniger als 50% Wohneigentum besitzen, ich glaube gelesen zu haben, nur 43%. Deutschland ist ein Schlusslicht in Europa. Deshalb ist es verständlich, dass so viele Menschen wählen die Linken. Die Ursachen leigen auf der Hand und ich habe das Gefühl, dass es erwünscht ist und wenn es in D. so weiter gehen wird, dass Erfolg bestraft wird, werden noch viel mehr Menschen links wählen.

Peter Pascht
15 Minuten her

Enteignung? Immerhin 24 Prozent finden die Pläne der Linken gut???
Pläne der SED mit dem Tarnnamen „Die Linke“.
Die sind aber nicht „Die Linke“ sondern blos link wie die SED schon immer war – gegen „völkisch“ und „rechts“ maulen und selber Antisemitismus und Krimeinalität hofieren.

Rainer Schweitzer
19 Minuten her

„Ob das den Markt entlasten würde, ist fraglich – viele Ökonomen sagen: Ohne massiven Neubau bleibt der Wohnraum knapp, unabhängig vom Eigentümer.“ Soll das ein Witz sein? Ökonomen sind i.d.R. keine Habecks. Vonovia hat rund 230.000 Wohnungen in „Privatbesitz“. Wenn Vonovia nun „vergesellschaftet“ würde, wären diese 230.000 Wohnungen und die 2vergesellschafteten“ 230.000 Wohnungen. Macht in Summe 460.000 Wohnungen. So geht anscheinend die linke Logik. Eine AG gehört den Gesellschaftern und jeder kann Aktien kaufen, also Gesellschafter werden. Das ist keine „Vergesellschaftung“? So geht linke Logik. Die Linke will gar nicht „vergesellschaften“, sonst würden sie die Aktien aufkaufen und an die… Mehr

Last edited 18 Minuten her by Rainer Schweitzer
Kuno.2
22 Minuten her

Diese marxistische Enteignung ist durchaus wirksam und zwar negativ.
Denn das gibt eine sofortige Signalwirkung an die vielen kleinen Vermieter!
Ganz abgesehen davon, dass diese nicht entschädigungslos ist und Geld kostet. Berlin ist sowieso infolge Masseneinwanderung pleite
Also sollen dann die anderen Bundesländer oder die Pleiteregierung mit mehr als 1,5 Billionen Schulden?
Was für ein Irrsinn. Denn die hohen Mieten wurden von der Politik durch die Masseneinwanderung von mittlerweile fast 5 Millionen Neubürger verursacht.

WIING
23 Minuten her

Fakt ist – Deutschland wird seit Jahrzehnten immer ärmer. Man brüstet sich seit etlichen Jahren damit, immer mehr Sozialwohnungen zu bauen und blendet dabei aus, was es bedeutet. Nämlich – der Bedarf an diesen wächst. Folglich – es gibt immer mehr Armut.
Diesen Gedanken-Schritt wagt man aber weder im ÖRR noch in der Presse.
Man kann gerne enteignen bis zum Anschlag. Wenn alle arm sind, wird die Lage dadurch nicht besser. Und die Häuser ähneln immer mehr denen in Havana.

Last edited 23 Minuten her by WIING
Petra G
30 Minuten her

Tja, Kommunisten haben es eben auch nicht so mit dem Denken. Da weiß man nicht was schlimmer ist, die Kasper, die solch einen Blödsinn versprechen, oder die, die sie wählen. Ohne das inflationäre Verschenken der Staatsbürgerschaft an ca. 150.000 „Berliner“ in den letzten Jahren und tatkräftiger Unterstützung von Clan-Drückerkolonnen, hätte es die SED auch nicht auf diese Prozentwerte geschafft. 42,7 Prozent der Berliner Einwohner hat nach der Definition des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg einen Migrationshintergrund. Im Bezirk Mitte lag der Anteil sogar bei 59,6 Prozent; in einzelnen Planungsräumen überschritt er 70 Prozent. Da drückt auch die ethnische Zugehörigkeit und den… Mehr

Peter Pascht
31 Minuten her

Enteignung? Immerhin 24 Prozent finden die Pläne der Linken gut???
Pläne der SED mit dem Tarnnamen „Die Linke“.
24% – unwissende Menschen im Fach Geschichte. – erschreckend – Kann man ein so kurzes Gedächtnis haben oder soviel Unwissen?

Schon vergessen das die DDR am eigenen „Enteigung“ Wahnsinn kaputt gegangen ist?
Ich biete den 24% an, 30 Jahre Leben im Kommunismus.
Jede Wette, sie werden hinterher dann von Dummheit geheilt sein.

Aegnor
40 Minuten her

Ein reines Wortspiel, denn „Vergesellschaftung“ klingt natürlich viel besser als „Enteignung“. Ähnlich wie „Sozialismus“ viel besser klingt als „Totale Diktatur einer Clique von Parteifunktionären“. „…in Gemeineigentum überführt werden, das demokratisch kontrolliert wird…“ Glaubt das jemand ernsthaft – also dass das demokratisch ist? D.h. wohl eher es wird von sozialistischen Parteikadern kontrolliert, die diese „Gemeinwohnungen“ dann sich selbst und ihren loyalen Hofschranzen zuschanzen werden. Darum geht es doch beim Sozialismus. Möglichst alle Güter künstlich durch Planwirtschaft knapp machen und dann zentral ihre Verteilung zu kontrollieren. Da keine marktwirtschaftliche Alternative mehr existiert, wird eine totale Abhängigkeit von der einzig verbliebenen Verteilinstanz, der… Mehr

Last edited 35 Minuten her by Aegnor
Okko tom Brok
47 Minuten her

Daran sieht man, dass Sozialismus im Kern keine Gerechtigkeitsidee, sondern ein immer unverhohlener zur Schau getragener Neidkomplex ist. Per Enteignung wollen manche die persönlichen Fehlentscheidungen ihres Lebens ungeschehen machen: ihren mangelnden Fleiß in der Schule, ihren geringen Ehrgeiz im Beruf und die fehlende Phantasie, das Beste aus ihrem Leben zu machen.