Beinahe-Inferno in Leipzig: Es war ein Quadcopter um 450 Euro

Die Bedrohung durch den Drohnen-Angriff in Leipzig sei extrem groß gewesen - das bestätigt nun der Terror-Experte Peter R. Neumann, Professor für Security Studies am King’s College London: "Solche Drohnen sind billig, leicht zu modifizieren und über große Entfernung steuerbar." Neumann analysiert auch die Spuren der Tatverdächtigen.

IMAGO / ITAR-TASS
Symbolbild

„Bemerkenswert ist die Technik: Laut Bundeskriminalamt war es ein modifizierter 10-Zoll-Racing-Quadcopter aus handelsüblichen und speziell angefertigten Teilen. Kein GPS, keine klassische Funkfernsteuerung. Stattdessen: Mobilfunk“, berichtet Peter R. Neumann über die neuesten Ermittlunsgergebnisse. Und: „Ein 4G-Modul, ein handelsüblicher Hotspot und zwei SIM-Karten ermöglichten die Steuerung über das Mobilfunknetz – mit Laptop, Joystick und Live-Kamerabild theoretisch von überall mit brauchbarer Internetverbindung. Das macht die Bedrohung so gefährlich: Solche Drohnen sind billig, leicht zu modifizieren und über große Entfernung steuerbar. Die Verbindung zu stören ist schwer, ohne zugleich zivile Mobilfunknetze zu beeinträchtigen. Die deutsche Drohnenabwehr ist verwundbar.“

Tatsächlich sind 10-Zoll-Quadcopter bereits um 450 Euro im Web zu bestellen, die teureren Versionen kosten bis zu 1000 Euro. Die Preise gelten für BNF (Bind-and-Fly, ohne Fernsteuerung, Brille und Akku). Zusätzlich kommen oft noch 80 bis 150 Euro für einen großen 6S-Akku (5000 bis 8000 mAh) dazu.

Neumann sieht auch ein Behördenversagen

Der bekannte Terrorexperte – sein neuestes Buch: „Das Sterben der Demokratie“ – sieht in diesem Fall auch schwere Fehler der deutschen Behörden: „Deutschland ließ einen Mann einreisen, den die Behörden bereits mit dem GRU in Verbindung brachten – und offenbar unbeobachtet durchs Land reisen. Falls sich die Berichte bestätigen, ist das keine Panne, sondern ein erhebliches Sicherheitsversagen.“

Und Neumann warnt: „Der Fall reicht über Deutschland hinaus. Ermittler sehen den Balkan, besonders Serbien, als Versorgungs- und Operationskorridor russischer Sabotage. Planung in Russland, Logistik über den Balkan, Wegwerfagenten in Schengen. Wer nur auf Leipzig schaut, übersieht das System.“

Interessant ist auch, dass der Terrorexperte mit seinen neuesten Informationen die Erst-Version der „Entschärfung“ der Sprengstoff-Drohne am Vorfeld des Flughafens Leipzig deutlich korrigiert: So sei die Drohne nicht wie anfangs berichtet „in vier Metern Höhe“ herumgeschwebt, sondern sie sei bereits am Boden gelegen. Dazu Neumann auf X: „Das Ziel war eine ukrainische Antonow mit 25.000 Litern Kerosin. Eine Drohne landete direkt daneben und blieb dort mehrere Stunden liegen. Der Zünder versagte. Wäre er explodiert, hätte der Anschlag völlig anders ausgehen können.“ Wie die von manchen Medien verbreitete Legende entstanden sein kann, dass „ein Flughafenbus-Fahrer die Drohne aus vier Metern Höhe mit einem Karate-Kick“ erledigt hätte, bleibt somit eine interessante Frage.

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