Für Thilo Schneider zeichnete sich nach Helmut Kohl und Gerhard Schröder der Niedergang der Politik-Kaste ab. Für TE zählt er die Trostlosigkeiten auf, die der Bundesbürger seither zu ertragen hat.
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Die Älteren unter uns werden sich noch an ihn erinnern: Helmut Kohl, deutscher „Bundethkanthler“ von 1982 bis 1998. Wahrlich fette 16 Jahre regierte die „Walz aus de Palz“ erst die BRD, dann die BRDDR. Was haben wir den Mann, der das Erbe von Helmut Schmidt antreten musste, ausgelacht. „Birne“ war da noch die harmloseste Dauerbeleidigung. Er hat Beschimpfungen und Eierwürfe ertragen, Hohn und Spott, und einmal ist ihm der Kragen geplatzt und er hat versucht, sich einen Eierwerfer zu schnappen und konnte von einer Prügelei nur durch geistesgegenwärtige Beamte zurückgehalten werden. Der Eierwerfer wurde damals identifiziert, Kohl verzichtete auf eine Anzeige.
Tatsächlich hatte er hier mehr Format im kleinen Finger als Robert Habeck am ganzen Körper. Im Vergleich zu heutigen Politikern war der Mann nicht nur körperlich ein Gigant. Auch, wenn er zum Schluss wie eine Grabplatte auf dem Land lag und eine ganze Menge Affären auf dem breiten Kreuz trug – aber so verheult und dünnhäutig wie die heutigen Merz’, Strack-Zimmermanns, Habecks und wie sie sonst alle heißen mögen, war er nicht. Wenn der Spruch „Unter den Blinden ist der Einäugige König“ stimmt, so war er der Kaiser. Auch sein Nachfolger, Gerhard Schröder, der kurz vor seiner Wahl verkündete, der stattfindende Aufschwung sei, durch ihn als Vertreter der „Neuen Mitte“, sein Verdienst, war tatsächlich noch ein Politiker mit Format und Unempfindlichkeit, wenngleich von etwas rustikalerer Struktur als Kohl.
Aber bereits unter Schröder zeichnete sich der Niedergang der Politik-Kaste ab: Die Berufung des intellektuellen Totalausfalls Rudolf Scharping zum Verteidigungsminister war, neben dem intriganten Oskar Lafontaine (intern auch „der Verräter“ genannt), ein absoluter Fehlgriff. Wir erinnern uns alle noch an den fröhlich im Pool mit seiner Lieblingsgräfin planschenden Rudi, während die Bundeswehr im Kosovo ihren ersten scharfen Einsatz erlebte. Die Berichterstattung fand der selbstsensible Scharping dann verletzend. Er war das Menetekel, der Vorbote der heute so gefühligen Politikerkaste, die mehr mit den eigenen Befindlichkeiten, als mit der Politik und ihrer Aufgabe, „Schaden vom deutschen Volk zu wenden“, beschäftigt ist.
Sogar Joschka Fischer als Außenminister erscheint in der Rückschau weitaus seriöser und bemühter als alle seine Nachfolger im Außenamt, das bis heute zu einer Art Spielwiese kindlicher Außenpolitikfantasien herabgewürdigt wurde.
Angela Merkel wiederum war es, die endlich „Gefühl und weibliche Intuition“ in die Bundespolitik brachte, und solche Koryphäen wie Frank-Walter „mit Abscheu und Empörung“ Steinmeier, den wortkargen Olaf Scholz und die Allzweckwaffe Ursula von der Leyen ins Kabinett berief. Ab jetzt ging es steil bergab: Im Kabinett Merkel II dufte zwar noch ein Guido Westerwelle brillieren, aber das war es dann auch schon. Die restlichen Namen sind heute, bis auf den wegen Schummelns entlassenen Guttenberg, vergessen. Der Gegenkandidat der SPD war damals übrigens – man ahnt es – Frank-Walter „meine Gedanken sind bei den Opfern“ Steinmeier.
Merkel III: Steinmeier, Sigmar Gabriel und Heiko Maas als Bundesminister, ebenso zum Ministeramt fühlten sich Andrea „ätsch“ Nahles und Manuela Schwesig berufen und auserwählt. Es wurde emotional.
Merkel IV: Merkel, selbst mittlerweile eine ähnliche Grabplatte wie Kohl auf der deutschen Politik, hangelt sich mit Teil- und Vollversagern wie Olaf Scholz, Franziska Giffey, Christine Lambrecht, Annegret Kramp-Karrenbauer, Hubertus Heil und Heiko Maas, die alle vom Schulz-Zug gefallen waren, durch ihre letzte Kanzlerschaft.
Unter dem Nachfolger Olaf Scholz versammelte sich dann alles, was mit Kräften gegen seinen Amtseid verstoßen wollte: Nancy Faeser, Annalena Baerbock, Robert Habeck, Christine Lambrecht, Marko Buschmann, Karl Lauterbach, Anne Spiegel… Es hagelte Anzeige um Anzeige auf die Bürger herab, die frech genug waren, diese Regierung inselbegabter Wunderkinder zu kritisieren oder über sie öffentlich zu lachen. Kindische Ideologen mit fühligen Allmachtsphantasien hatten die verantwortungsvollen Pragmatiker endgültig von den Hebeln der Macht verdrängt und machten eher den Eindruck von Erstklässlern statt Erstklassigen, die vor einem riesigen Pult mit Knöpfen sitzen und abwechselnd darauf herum hämmern, um zu sehen, was passiert. Man könnte sagen, das Kabinett Scholz war die erste echte Idiokratie auf deutschem Boden.
Es rückt aber seitdem auch nichts nach: Bundeskanzler Merz verhält sich nicht viel anders oder besser als sein Vorgänger, Freiheit wird sehr klein und kleinlich geschrieben, stattdessen hat Merz ein Kabinett um sich versammelt, von dem mittlerweile der Eindruck ausgeht, dass es das deutsche Volk zutiefst hasst. Das Ganze wird flankiert von einem verlogenen öffentlichen Rundfunk und Hofberichterstattermedien, die die ewig gleichen Narrative predigen. Es ist schlicht kein Politiker mit Format mehr vorhanden.
So hart es klingt und so weh es tut: Der einzige, dem eine unfallfreie Kanzlerschaft derzeit zuzutrauen wäre, der vielleicht auch im Ausland etwas bewegen könnte, wäre Markus Söder, der Wendige. Auch er ist ein Einäugiger unter Blinden und zumindest nicht für sein krampfhaftes Festhalten an Ideologien bekannt. Oder sonstigen politischen Positionen. Insofern das Volk also Veränderung wünscht, würde er sie vielleicht auch umsetzen können.
Weitere Abwärtsspiralen des Autors unter www.politticker.de

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