Im Ernstfall wenig Vertrauen in die Bundeswehr

Die neuesten Daten einer INSA-Umfrage könnten die Aufrüstungs-Freunde und Spitzen der Bundeswehr vielleicht wieder auf den Boden der Realität zurückholen: Nur 17 Prozent glauben an die Bundeswehr im Verteidigungsfall, trotz aller gigantischen Aufrüstungsbemühungen.

IMAGO / Björn Trotzki

Die Mehrheit der Deutschen traut der Bundeswehr nicht zu, das Land im Verteidigungsfall wirksam zu schützen – das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Instituts INSA im Auftrag der „Bild am Sonntag“. Nur 17 Prozent der Befragten glauben eher oder voll und ganz daran, dass die deutsche Armee einen Angriff erfolgreich abwehren könnte. 72 Prozent äußern hingegen deutliche Zweifel oder lehnen diese Möglichkeit komplett ab. Die Erhebung, durchgeführt vom 21. bis 22. Mai 2026 unter 1005 Personen, bestätigt ein mangelndes Vertrauen in die eigene Verteidigungsfähigkeit, trotz aggressiver Rhetorik vieler Politiker und trotz der Milliardenzahlungen an Rüstungskonzerne.

Laut INSA steigt vor allem die Angst vor hybriden Bedrohungen: Zwei Drittel der Befragten fürchten Cyberangriffe, Sabotageakte oder gezielte Desinformationskampagnen, die den Alltag in Deutschland massiv beeinträchtigen könnten. Nur 22 Prozent zeigen sich hier unbesorgt.

Die Umfrage zeigt: Die Bevölkerung nimmt die konventionelle militärische Bedrohung als weniger akut wahr, sieht aber die vulnerablen digitalen und gesellschaftlichen Flanken der Sicherheit klar.

Rekordsummen für die Aufrüstung

Dieses Stimmungsbild kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Europa wie nie zuvor seit dem Ende des Kalten Krieg aufrüstet: Laut dem Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI stiegen die Militärausgaben in Europa 2025 um 14 Prozent auf 864 Milliarden US-Dollar. Die 29 europäischen NATO-Mitglieder gaben allein 559 Milliarden US-Dollar aus, wobei 22 von ihnen die 2-Prozent-Marke des Bruttoinlandsprodukts (BIP) erreichten oder überschritten. Deutschland verzeichnete mit einem Plus von 24 Prozent auf 114 Milliarden US-Dollar (2,3 Prozent des BIP) den stärksten Zuwachs unter den großen Playern und übertraf erstmals seit 1990 das NATO-Ziel.

In der EU werden die Verteidigungsausgaben für 2025 mit 381 Milliarden Euro beziffert, das ist ein Anstieg um 11 Prozent gegenüber 2024 und um fast 63 Prozent seit 2020. Der Anteil am EU-Gesamt-BIP kletterte von 1,6 Prozent (2023) auf voraussichtlich 2,1 Prozent. Allein die Verteidigungsinvestitionen (Beschaffung und Forschung) sollen 2025 fast 130 Milliarden Euro erreichen. Die EU selbst treibt dazu die Integration voran: Mit Instrumenten wie dem European Defence Fund (EDF), dem European Peace Facility und neuen Initiativen wie dem Security Action for Europe (SAFE) mit bis zu 150 Milliarden Euro Krediten für gemeinsame Beschaffung soll die Fragmentierung des europäischen Rüstungsmarkts bekämpft werden.

Trotz dieser gewaltigen Aufrüstungs-Initiativen spiegelt die aktuelle INSA-Umfrage eine tiefe Skepsis wider: Jahrzehnte der Unterfinanzierung haben die Bundeswehr personell und materiell ausgehöhlt. Engpässe bei Gerät, Munition, Ersatzteilen und vor allem beim Personal sind bekannt. Das bürokratisch schwerfällige Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung in Koblenz, scheint hier eher Hürde als Teil der Lösung zu sein. Gleichzeitig dominieren hybride Bedrohungen wie Cyberangriffe und Desinformation das öffentliche Bewusstsein, gegen die klassische Panzer und Flugzeuge allein wenig ausrichten.

Die Sorge vor einem russischen Angriff nimmt hingegen deutlich ab: 38 Prozent der Befragten machen sich demnach Sorgen darüber, jeder Zweite (50 Prozent) hingegen nicht. In einer INSA-Umfrage von September 2025 hatte sich damals noch eine Mehrheit der Befragten (52 Prozent) über einen Angriff Russlands besorgt gezeigt.

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Kommentare ( 19 )

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Haba Orwell
1 Stunde her

> Zwei Drittel der Befragten fürchten Cyberangriffe, Sabotageakte oder gezielte Desinformationskampagnen, die den Alltag in Deutschland massiv beeinträchtigen könnten. Dagmar Henn im Bösen Medium: > „… Früher hätte man so etwas einfach ignorieren können. Heute werden die Behauptungen der Broschüre „Versteckte Botschaften“ des Verfassungsschutzes immer wieder zitiert werden, wenn es darum geht, jemanden zum „Antisemiten“ zu erklären und womöglich zu sanktionieren. … Etwas weiter hinten wird dann auch „Big Pharma“ als antisemitischer Code verkauft. … „Dieser Code steht für eine vermeintlich „jüdisch“ kontrollierte Pharmaindustrie.“ … Bayer, Pfizer, Merck – fällt da etwas auf? Big Pharma ist zu großen Teilen deutschen… Mehr

Schwabenwilli
1 Stunde her

Zur Bundeswehr hätte ich mehr Vertrauen als zu den beiden oben im Bild.

Dieter Rose
1 Stunde her

Die BW wurde von Anfang an als Lachnummer/zahnloser Tiger angelegt. Da sollen die Raubtierbezeichnungen vom Gerät nur drüber hinwegtäuschen…

Ostfale
1 Stunde her

„“““Die Umfrage zeigt: Die Bevölkerung nimmt die konventionelle militärische Bedrohung als weniger akut wahr, sieht aber die vulnerablen digitalen und gesellschaftlichen Flanken der Sicherheit klar.““““
Kann man das auch in verständlichem Umgangsdeutsch ausdrücken und überhaupt – was sin eigentlich digitale und gesellschaftliche Flanken der Sicherheit ? So ein Schiet Herr Schmitt.

PaulKehl
1 Stunde her

Die Farbe geht doch schon in Richtung einheitsbraun – lt. einer gewieften Politikerin. Das Zuckerfest feiern sie dann wieder mit dem Rauschebart eines sich als Präsident des Verfassungsschutzes schreibenden Alm-Öhis und in Badeschlappen. Die Kaftan-Gardine dann in hellbraun.

EndofRome
1 Stunde her

2014 betrug der Verteidigungsetat 34 Mrd. Euro, zehn Jahre später 52 Mrd, also eine Steigerung von mehr als 50 Prozent in nur einer Dekade. Kann man da von einer Unterfinanzierung sprechen?

humerd
1 Stunde her

trotz aller gigantischen Aufrüstungsbemühungen.“
echt jetzt? Bisher wurde nur gigantisch viel Geld ausgegeben.
Das Bundesverteidigungsministerium (BMVg) hat seit 2022 im Rahmen der „Zeitenwende“ rund 47.000 Verträge mit einem Volumen von 111 Milliarden Euro vergeben. Wo sich die Rüstungsgüter genau befinden, ist unklar: Das Ministerium kann trotz der massiven Aufträge nicht beziffern, wie viele dieser Güter tatsächlich einsatzbereit bei der Truppe angekommen sind. https://www.zeit.de/politik/2026-04/ruestungsvertraeg-bundeswehr-verteidigungsministerium-deutschland-111-milliarden-euro-gxe
die gigantischen Auftragsbemühungen sind für die Ukraine

Jatoh
1 Stunde her

Wenn man massiv aufrüstet, muss man notwendig auch Krieg führen. Der erreichte strategische Rüstungsvorteil gegenüber dem Gegner ist entscheidend für den Zeitpunkt des Losschlagens. Wettrüsten ohne Krieg ist außerdem vergeudetes Geld. Der Wiederaufbau nach dem Krieg ermöglicht die Verlängerung der Kriegsprofite. Im Übrigen profitieren mehr Menschen von den Kriegsvorbereitungen und vom Krieg, als man landläufig denkt.

August der Starke
1 Stunde her

Zu Jerry: Tarnklamotten sind das? Ich nahm an, es sei ein Foto vom
Gölner Garneval! Vom Erhabenen zum Lächerlichen ist es nur ein
Schritt.

jwe
1 Stunde her

Mich erinnert das Bild sofort an „Dick und Doof“.