Keine Ermittlungen gegen Stadträtin – trotz eingeräumter Fehler

Im Fall der mutmaßlich vertuschten Vergewaltigung einer 16-Jährigen in Berlin-Neukölln gibt es keine Ermittlungen gegen die zuständige Jugendstadträtin Sarah Nagel. Gleichzeitig räumt sie „gravierende fachliche Fehler“ im Jugendamt ein – während der politische Druck weiter wächst.

IMAGO / Sabine Gudath

Ende 2025 soll eine 16-Jährige in einem Jugendzentrum an der Wutzkyallee in Berlin-Neukölln von mehreren Jugendlichen vergewaltigt worden sein. Bekannt wurde der Fall jedoch erst, als der Vater des Mädchens am 23. Februar Anzeige erstattete – nachdem weder die Einrichtung noch das zuständige Jugendamt den Vorfall gemeldet hatten.

Politisch verantwortlich für das Jugendamt ist die Neuköllner Bezirksstadträtin Sarah Nagel (Die Linke). Gegen sie wird nach Angaben der Staatsanwaltschaft kein Verfahren wegen Strafvereitelung im Amt geführt.

Der Fall entwickelt sich damit zunehmend zu einem Politikum. Denn obwohl Hinweise auf die Tat nach Angaben von Sozialarbeiterinnen frühzeitig vorlagen, wurde keine Anzeige erstattet. Die zunächst verbreitete Darstellung, das Opfer habe dies abgelehnt, wird von Mitarbeiterinnen eines beteiligten Mädchenzentrums eidesstattlich bestritten.

Der Fall fügt sich in eine Reihe von Vorgängen, bei denen Übergriffe im Umfeld bestimmter Jugendmilieus nicht konsequent zur Anzeige gebracht wurden. Bereits zuvor zeigte sich, dass solche Taten keineswegs isoliert auftreten, sondern sich in Strukturen einfügen, in denen Wegsehen und Beschwichtigen zum Problem werden.

Stattdessen steht ein anderer Verdacht im Raum: Die Entscheidung, keine Anzeige zu erstatten, könnte aus ideologischer Rücksicht auf die mutmaßlichen Täter gefallen sein. Diese werden als Jugendliche mit arabischem Hintergrund beschrieben. Demnach habe man eine mögliche „Stigmatisierung“ vermeiden wollen. Bewiesen ist das nicht – politisch brisant ist der Vorwurf dennoch.

Damit stellt sich erneut die Frage, ob der Schutz eines als sensibel betrachteten Umfelds höher gewichtet wurde als die konsequente Verfolgung einer schweren Straftat. Die jetzt bekannt gewordenen Abläufe lassen zumindest erkennen, dass diese Abwägung innerhalb der zuständigen Stellen eine Rolle gespielt haben könnte.

Während das Landeskriminalamt und die Staatsanwaltschaft inzwischen sowohl wegen der mutmaßlichen Tat als auch wegen möglicher Pflichtverletzungen innerhalb der Behörden ermitteln, bleibt die politische Leitung strafrechtlich außen vor. Zugleich räumt Sarah Nagel selbst ein, dass im Jugendamt „gravierende fachliche Fehler“ gemacht worden seien.

Nach eigenen Angaben erfuhr sie erst Anfang März von dem Fall – zu einem Zeitpunkt, als dieser bereits durch die Anzeige des Vaters bekannt geworden war. Zuvor hatte sie sich schützend vor ihre Mitarbeiter gestellt und die Vertuschungsvorwürfe zurückgewiesen.

Der Fall hat inzwischen personelle Konsequenzen: Eine Mitarbeiterin des Jugendamts wurde freigestellt, der betroffene Jugendclub geschlossen. Zudem setzte Nagel eine externe Kommission ein, die die Vorgänge aufarbeiten soll.

Zusätzlichen politischen Zündstoff lieferte ein Konflikt mit der Berliner Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU). Diese hatte im Abgeordnetenhaus erklärt, Nagel sei Gegenstand von Ermittlungen. Die Staatsanwaltschaft widersprach dem später. Nagels Anwalt bezeichnete die Aussage als unzutreffend und forderte eine Richtigstellung.

Damit verdichtet sich der Eindruck eines doppelten Versagens: einerseits das Ausbleiben einer unmittelbaren Anzeige trotz konkreter Hinweise, andererseits widersprüchliche Darstellungen im Nachgang.

Der Vorgang verweist über den Einzelfall hinaus. Er steht exemplarisch für ein staatliches Handeln, das bei sensiblen Konstellationen zwischen Strafverfolgung und politischer Rücksichtnahme abzuwägen scheint – mit der Folge, dass klare Zuständigkeiten und rechtliche Pflichten in den Hintergrund geraten. Ob es sich dabei um ein strukturelles Problem handelt, wird nun Gegenstand der weiteren Aufarbeitung sein.

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Kommentare ( 19 )

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Edwin Rosenstiel
2 Stunden her

„… räumt Sarah Nagel selbst ein, dass im Jugendamt „gravierende fachliche Fehler“ gemacht worden seien“ Vermutlich meint sie damit, daß man das Bekanntwerden der Vorfälle nicht energisch genug unterdrückt und verschleiert habe. Dazu passt doch der TICHY-Artikel über öffentliche Äußerungen von Muslimen im italienischen TV: „…rechtfertigen Zuwanderer und ein Imam Gewalt gegen Frauen, Kinderehen und männliches Eigentumsdenken. Die Fälle belegen den offenen Zusammenstoß und die komplette Inkompatibilität westlicher Zivilisation und archaischer Weltsicht.“ Und wie sagte der nette Christian Wulff doch: „Der Islam gehört zu Deutschland“ Willkommen in der Gegenwart. Gestern gab es im ZDF um 20.15 Uhr eine Sendung zu Ehren… Mehr

Last edited 2 Stunden her by Edwin Rosenstiel
HansKarl70
2 Stunden her

Früher, also viel früher sind solche Leute denen man die Verantwortung für ein solches Fehlverhalten nachweisen konnte auch schon mal von alleine zurückgetreten. Das scheint aber irgendwie völlig aus der Mode gekommen zu sein.

Last edited 2 Stunden her by HansKarl70
cernunnos
3 Stunden her

Garantiert kein Einzelfall. Und je mehr Polizei, Justiz und Behörden durchsetzt sind mit Leuten die aus dem gleichen „Kultur“kreis stammen wie die Täter, desto horrender wird es.

Dorn
3 Stunden her

Das war genau nur ein Anruf unter “ Freunden“. Ich bin mir auch ziemlich sicher das diese Vergewaltigung niemals vor ein Gericht kommt.

prague
3 Stunden her

Jetzt haben wir , nach den schlimmen digitalen Vergewaltigungen auch brutale physische Vergewaltigungen in zwei Kategorien. Man unterscheidet diese Vergewaltigungen nach Vergewaltiger. Es giebt gute Vergewaltiger, die man schonen muss und böse Vergewaltiger die man verurteilen soll und das entscheiden FRAUEN, ohne Epathie für andere Frauen und mit der RICHTIGE HALTUNG. Wo sind wir nur hingekommen mit diesen Linksgrünen, jetzt dürfen, oder eigentlich müssen, sich Schüler auch Schwulenpornos anschauen.

gummibaum
3 Stunden her
Antworten an  prague

Ist das vielleicht toxisches weibliches konkurrenzverhalten? Das soll ja mitunter recht gnadenlos sein.

maps
4 Stunden her

Die „Justiz“ und „Polizei“ kann ja auch nur Kritiker verfolgen und deckt den Mafia-Staat, wo sie nur kann.

Teiresias
4 Stunden her

Wäre die Vergewaltigung virtuell gewesen, hätte sie vielleicht zurücktreten müssen.

MartinKienzle
4 Stunden her

Fräulein Juwien, keineswegs in Larmoyanz verfallen, sondern die Auflösung des Besatzerkonstruktes BRD fordern (https://www.youtube.com/watch?v=hIu80oSC728 ab Minute 3:25), das mittlerweile derart verkommen ist, dass es eine nicht mehr hinnehmbare Bürde für das Deutsche Volke darstellt (siehe unter anderem den vorliegenden Artikel)!

Last edited 4 Stunden her by MartinKienzle
Der Person
4 Stunden her

So hat wahrscheinlich auch Rotherham angefangen bzw. dieses erst ermöglicht. Mit einem wichtigen Signal an die Tätergruppe: „Auch wir, die Behörden, sehen die Opfer als willige und rechtlose Schlampen an, mit denen ihr machen könnt, was ihr wollt.“

In einem funktionierendem Staat hätte man die Behörde erst mal komplett zerlegt, auch als Abschreckung an andere (potentielle) Vergewaltigerbeschützer.

Ralph Martin
5 Stunden her

Kartellpolitikerin müsste man sein.
Man kann machen was man will.