Müllabfuhr machte Regierungspropaganda – Berlin blieb verdreckt

Slogans auf Mülleimern wie: „Für Verschwörungsmüll“ und Mitarbeiter, die zur Impfung aufriefen: Diese Regierungspropaganda gönnte sich die Stadtreinigung Berlins (BSR) 2021 mit Kosten in Höhe von 38.500 Euro – auf Kosten der Bürger der Stadt. Die blieb verdreckt. Die Politisierung der landeseigenen Betriebe hat Methode.

Screenprint via X/BSR_de

Die Berliner Stadtreinigung hat eigentlich einen klaren Auftrag: Müll entsorgen, die Straßen sauber halten und im Winter für sichere Wege sorgen.

Kurz: Die Stadt muss funktionieren und sauber sein.

Wie gut das in der Praxis funktioniert, offenbarte unter anderem das Winterdesaster 2025, als sich zahllose Berliner auf vereisten Wegen Knochenbrüche zuzogen.

Aber immerhin: Ideologisch kann der Stadtreinigung niemand etwas vormachen, da ist man up-to-date und äußerst effizient.

Wagen wir einen Rückblick in die Corona-Krise. Damals, im August 2021, startete die BSR ihre sogenannte „Impfluencer“-Kampagne. Das Ziel: Die Impfbereitschaft erhöhen, indem aktiv für den „kleinen Pieks“ geworben wurde. Auf Social Media präsentierten sich BSR-Mitarbeiter in identischen orangefarbenen T-Shirts mit weißer Schrift: „Impfluencer – Gemeinsam gegen Corona: Lass dich impfen.“

Ganz wichtig: Die Frauen trugen selbstverständlich T-Shirts mit „Impfluencerin“ und nicht „Impfluencer“. Das Gendern durfte bei dieser wichtigen Kampagne nicht vergessen werden.

BSR-Mitarbeiter wurden zum Opfer der Corona-Ideologie

Jeder Mitarbeiter zählte seine Beweggründe für die Impfung auf. So etwa Kerstin, Mitarbeiterin im BSR-Recyclinghof, die mit der Impfung ihre Familie schützen wolle oder Jannik, Mitarbeiter im Marketing, der sich impfen ließ, damit seine Schwester im September des Jahres ungestört heiraten konnte. Die BSR warb nicht nur auf Instagram, Facebook und auf Mülleimern mit der Kampagne, sondern auch auf Müllfahrzeugen und Recyclinghöfen in der ganzen Stadt. Neben Mitarbeitern waren auch alle drei Vorstände von Aufsichtsräten, Beiratsmitgliedern und Vertretern der Belegschaft mit Bildmotiven und Zitaten dabei.

Heute kommentiert die Berliner Stadtreinigung die Zielsetzung der Aktion wie folgt: „Mit der Kampagne wurde im Schwerpunkt das Thema Gesundheitsschutz von BSR-Mitarbeitenden vor dem sozialpolitischen Hintergrund der damals herrschenden Corona-Pandemie adressiert – die konkrete Wirksamkeit auf die Stadtsauberkeit lässt sich nicht im Einzelnen erfassen und war auch nicht Gegenstand der Kampagne”, lautet die Antwort auf eine Anfrage von Tichys Einblick.

Ein konkreter Nutzen der Kampagne auf die Berliner Stadtsauberkeit war also nicht vorhanden und sei auch nie beabsichtigt gewesen. BSR-Mitarbeiter und Mülleimer wurden folglich als PR-Opfer für die Corona-Impfung missbraucht – und das für 38.500 Euro, wie aus der Antwort der BSR-Pressestelle hervorgeht. Das ist eine bessere Investition, als sich um den Unrat in der Hauptstadt zu kümmern.

Und apropos Gebühren: Lag der Gewinn der BSR 2021 bei weniger als einer Million Euro, stieg der Gewinn 2022 auf 28 Millionen Euro und in den Folgejahren sogar über 30 Millionen. Die Müllgebühren steigen trotzdem Jahr um Jahr.

Berlin und die Sauberkeit im Stadtbild

Jeder weiß, dass die Sauberkeit in Berlin von Jahr zu Jahr für jeden Menschen mit Augen im Kopf sichtlich abnimmt. Sauberkeit ist schon lange kein Ziel der Politik mehr, sondern nur noch die Begrenzung des Drecks. Zynisch wollte der Senat 2025 wissen, was die Stadtbewohner schlimmer finden: Menschenkot oder Drogenspritzen auf der Straße? An den Dreck hat die Stadt sich mittlerweile gewöhnt. Es geht darum, welcher Dreck den Anwohnern stärker auffällt. Womit können sie leben und womit nicht. Statt dieses Problem zu lösen, zuckt die Stadt Berlin lieber gleichgültig die Schultern und investiert bereits die nächsten Unsummen in Regenbogen-Flaggen.

Berliner Pride-Kampagne für rund 43.845 Euro

Ein Einzelfall ist das nicht. Auch andere landeseigene Betriebe in Berlin positionieren sich politisch, obwohl sie eigentlich zu Neutralität verpflichtet sind. Insgesamt belaufen sich die Kosten für solche Kampagnen mittlerweile weit über 100.000 Euro pro Jahr. Wie etwa im Jahr 2025, als allein die Berliner Verkehrsbetriebe für ihre Pride-Kampagne rund 43.845 Euro ausgeben haben. Dafür wurde die U-Bahnstation Bundestag mit Pride-Fahnen beklebt, U-Bahnen geschmückt und vieles mehr.

Die Berliner Verkehrsbetriebe gehören zu 100 Prozent dem Land Berlin. Alleine 2024 verzeichnete das Unternehmen 55,9 Millionen Euro Verlust. Im Folgejahr 2025 wird ein ähnlich schlechtes Ergebnis erwartet.

Doch für Propaganda ist Geld vorhanden: Auch die BVG hatten sich bereits im Zuge der Corona-Pandemie an einer Impfkampagne versucht, anstatt sich auf ihren Auftrag zu konzentrieren.

Verfehlter Auftrag

Die Stadtreinigung und die Verkehrsbetriebe sind keine politischen Akteure. Ihre Vorsitzenden und Chefs werden nicht von den Bürgern gewählt und damit ermächtigt, politisch aktiv zu werden. Sie sind kommunale Unternehmen mit einem klaren Auftrag: Müll entsorgen, die Kanalisation unterhalten, Bürger vom Wohnort an den Arbeitsplatz zu transportieren.

Stattdessen erfüllen sie ihren Auftrag mehr schlecht als recht, und die Stadt versinkt in Dysfunktionalität, Chaos und Dreck. Dafür kann man Berlin aber wenigstens ideologische Reinheit bescheinigen.

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Kommentare ( 1 )

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Antaam
6 Minuten her

Ich finde es immer wieder lustig (anders erträgt man die Ideologie nicht), wenn eine Firma, die eine bestimmte Tätigkeit liefern muss, wofür sie bezahlt wird, mit Ideologie anfängt. Was will der Recyclenhof erreichen? Was interessiert es den Bürger, wenn die Stadt dreckig bleibt, die Firmen nicht ihrer Geschäftstätigkeit ordentlich nachgehen, aber trotzdem vom Bürger bezahlt werden müssen, wenn diese Firma z.B. Impfen toll findet. Was kommt als Nächstes. Wird das Wahrzeichen der Berliner Stadtreinigung vielleicht der Regenbogen? Jede Firma muss ihren Kunden das liefern, was sein Geschäftsfeld ist und zwar ordentlich! Was der Firmenchef denkt ist irrelevant. Dafür werden die… Mehr