Fulda: Angriff auf Pressefreiheit bei Antifa-Gegendemo zur Gründung AfD-Jugend

Bei der Antifa-Gegendemo gegen die Gründung der AfD-Jugend in Fulda wurde der dokumentierende Livestreamer Weichreite bedrängt, bedroht und an seiner Arbeit gehindert. Am Ende traf der Zugriff der Polizei nicht die aggressiven Bedränger, sondern den Mann mit der Kamera.

Screenprint via Youtube/Schmitdkes Welt

Weichreite ist ein unabhängiger Livestreamer, der politische Demonstrationen, Veranstaltungen und Straßenlagen dokumentiert und seine Aufnahmen über eigene Kanäle veröffentlicht. Am 28. März 2026 geriet er in Fulda bei der Antifa-Gegendemo gegen die Gründung des hessischen Landesverbands der AfD-Jugend in einen Einsatz, der nach den bislang vorliegenden Materialien erhebliche Widersprüche aufweist und den Verdacht eines Eingriffs in die freie Berichterstattung erhärtet.

Der Vorfall spielte sich im Umfeld der Gründungsveranstaltung der AfD-Jugend ab. Während im Bürgerhaus Johannesberg der hessische Landesverband gegründet wurde, sammelte sich draußen die linke bis linksextreme Gegendemonstration. Genau dort dokumentierte Weichreite das Geschehen mit seiner Kamera.

Aus seinem Stream ergibt sich zunächst eine direkte Konfrontation mit Teilnehmern der Gegenseite. Weichreite fragt nach ihrer Meinung zu der Parole „Kein Mensch ist illegal“. Darauf folgen Beschimpfungen wie „Halt die Fresse“ und „Verpiss dich“. Danach fällt der Satz „Ich krieg dich“. Weichreite wertet das als Drohung und fordert die Polizei mehrfach auf, eine Anzeige wegen Drohung und Nötigung aufzunehmen.

Aus dem Material ergibt sich nicht, dass die Polizei gegen diese Personen mit gleichem Nachdruck vorging. Stattdessen geriet Weichreite selbst in den Fokus. Beamte stoppten ihn an Absperrungen, verwiesen ihn aus Bereichen und erklärten ihm, wo er sich bewegen dürfe und wo nicht. Derjenige, der bei der Gegendemo dokumentierte, wurde behandelt wie der Störer.

Im Stream sagen Beamte ausdrücklich, gegen Weichreite sei ein Platzverweis ausgesprochen worden. Er müsse den Bereich verlassen. Kehre er zurück, werde man ihn nötigenfalls erneut herausbringen oder in Gewahrsam nehmen. Weichreite hält dagegen, er sei Presse, habe niemanden provoziert und eine Demonstration könne sich ihre Berichterstatter nicht aussuchen. Genau an diesem Punkt steht der Vorwurf im Raum, dass bei der Gegendemo nicht eine konkrete Störung unterbunden, sondern unliebsame Berichterstattung aus dem Sichtfeld gedrängt werden sollte.

Später heißt es plötzlich, er habe offenbar gar keinen Platzverweis. Kurz darauf wird ihm sogar erklärt, die Versammlungsleitung habe gegen seine Anwesenheit nichts einzuwenden, auch die Polizeiführung nicht, er könne sich frei bewegen. Genau darin liegt der zentrale Widerspruch: Erst Platzverweis, dann kein Platzverweis. Erst Ausschlusslogik, dann freie Bewegung. Wer so mit einem dokumentierenden Journalisten bei einer politischen Gegendemonstration umgeht, schafft keine klare Rechtslage, sondern Unsicherheit zulasten der Pressefreiheit.

Nach dieser zwischenzeitlichen Freigabe schildert Weichreite, wie Gegendemonstranten mit Regenschirmen gezielt Wege und Sichtachsen blockieren. Die Schirme bauten sich nach seiner Darstellung immer dort auf, wo er entlanggehen wollte. Schließlich sagt er, ein Mann mit buntem Regenschirm habe ihn weggeschubst. Wieder fordert er die Polizei zum Einschreiten auf. Wieder kündigt er Anzeigen an.

Wenn Demonstranten bei einer Antifa-Gegendemo gezielt Kameras abschirmen, Wege zustellen und unliebsame Berichterstattung abdrängen, den Berichterstatter physisch attackieren, ist das ein direkter Angriff auf freie Dokumentation im öffentlichen Raum. Wenn die Polizei in einer solchen Lage nicht zuerst die Behinderung der Pressearbeit unterbindet, sondern der Dokumentierende selbst unter Druck gerät, bekommt der Vorgang politische Schärfe.

Dass es danach zu einem Zugriff kam, ist unstreitig. Der Anwalt Markus Haintz erklärte, Weichreite sei von hinten von der Polizei angegriffen worden, nun werfe man ihm Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte vor. Die Polizei erklärte dagegen, eine männliche Person habe im Bereich der Bühne die Ordnung der laufenden Versammlung erheblich gestört, sei durch den Versammlungsleiter ausgeschlossen worden und habe bei der Durchsetzung Widerstand geleistet, ein Beamter sei dabei leicht verletzt worden.

— Polizei Osthessen (@Polizei_OH) March 28, 2026

Die Polizeidarstellung kollidiert mit mehreren Passagen des Streams (und den Aufnahmen des Streamers Schmidtkes Welt). Dort wird zwischenzeitlich ausdrücklich gesagt, dass die Versammlungsleitung nichts gegen Weichreites Anwesenheit einzuwenden habe. Dort wird ebenso ausdrücklich erklärt, dass ein Platzverweis offenbar nicht bestehe. Damit steht nicht nur die Grundlage des späteren Zugriffs in Frage. Es stellt sich auch die Frage, ob bei der Gegendemo gegen die Gründung der AfD-Jugend ein missliebiger Berichterstatter aus dem Geschehen gedrängt wurde.

Nach derzeitigem Stand lässt sich festhalten: Bei der Antifa-Gegendemo gegen die Gründung der AfD-Jugend in Fulda wurde Weichreite zunächst beleidigt, bedroht und später durch Schirmbarrieren und Wegdrängen an seiner Arbeit gehindert. Am Ende geriet nicht erkennbar der Störer, sondern der Livestreamer selbst in den Zugriff der Polizei.

Es verfestigt der Eindruck, dass bei der Antifa-Gegendemo am 28. März 2026 nicht die Behinderung der Pressefreiheit beendet wurde, sondern durch die Polizei fortgesetzt und derjenige entfernt wurde, der sie sichtbar machte.

In Fulda marschierten inmitten von Antifa und Linksextremen auch wieder eine breites Steuergeldalimentiertes Bündnis aus DGB, ver.di, GEW und weiteren Akteuren ebenso wie „Fulda stellt sich quer“ mit, also jenes Vereins, gegen den schwere Vorwürfe im Raum stehen. Nach Akteneinsicht zu den Jahren 2019 bis 2023 soll der Verein mindestens 73.123,60 Euro aus dem Programm „Demokratie leben“ zu Unrecht erhalten haben. Genannt werden Fristversäumnisse, fehlende Belege, Mehrfachabrechnungen, nicht erbrachte Leistungen, unzulässige Honorarverträge mit eigenen Mitgliedern und enge personelle Verflechtungen mit der eigentlich zuständigen Kontrollstelle.

Wer so aufgestellt ist und zugleich unter dem Banner von „Vielfalt und Demokratie“ aufmarschiert, zeigt ziemlich genau, wie dieses Milieu funktioniert.

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