Lange warnte die Polizei vor Klarnamennutzung im Netz. Neuerdings sollen Identitätspflicht und EUdi-Wallet Pflicht werden. Tatsächlich steht der Umbau des Internets zum kontrollierten Zugangsraum für gläserne Bürger bevor. Und da wir alle auf das Internet angewiesen sind, ist das der Weg zur totalen Überwachung
Was bedeutet Klarnamenpflicht eigentlich ganz praktisch? Sie bedeutet nicht bloß, dass es im Netz angeblich höflicher, zivilisierter und ordentlicher zugehen soll. Sie bedeutet, dass an die Stelle eines offenen Kommunikationsraums ein Raum tritt, in dem jeder Nutzer vor dem Sprechen identifizierbar gemacht werden kann. Wer sich äußert, soll nicht mehr als Pseudonym, Nickname oder anonyme Stimme auftreten dürfen, sondern als eindeutig zuordenbare Person. Das ist der Kern. Ob der Klarname dann für alle sichtbar eingeblendet wird oder „nur“ im Hintergrund verifiziert bei Plattform, Staat oder Identitätsdienst hinterlegt ist, ändert am eigentlichen Vorgang fast nichts. Der freie Bürger wird zum registrierten Benutzer, der vor dem Sprechen erst einmal nachweisen muss, wer er ist. Der Zugang zum Internet wird gewissermaßen staatlich geregelt: Wer darf rein und wer nicht? Es ist ein Zensurgesetz, nicht mehr und nicht weniger
Kein freier Zugang mehr zum Internet
Denn ein System, das Jugendliche herausfiltern soll, funktioniert nur, wenn auch Erwachsene sich als Erwachsene kenntlich machen. Der angebliche Jugendschutz wird so zur Eintrittskarte für allgemeine Identifizierung. Versuchen Sie, per Internet die Mediathek des Staatssenders „Arte“ zu benutzen. Schon bei harmlosen Filmen müssen Sie auf einem komplizierten Weg ihren Personalausweis dokumentieren. Vor dem Film steht die staatliche Ausweiskontrolle. Übertragen auf das Internet: Der Polizeistaat überwacht, wer noch in das Netz darf.
Stolpern über die eigenen Füße
Und genau hier zeigt sich die ganze Schieflage dieser Debatte. Denn staatliche Präventionsstellen haben Bürger über Jahre gerade nicht dazu ermuntert, im Netz mit offenem Visier unter echtem Namen aufzutreten, sondern im Gegenteil zur Vorsicht geraten. Die Polizeiliche Kriminalprävention empfahl in ihren Onlinetipps ausdrücklich, zu überlegen, ob man wirklich den „kompletten Namen als Profilname“ verwenden wolle. In ihren Sicherheitshinweisen für Kinder und Jugendliche heißt es noch deutlicher, man solle „auf keinen Fall“ Namen, Adresse und Telefonnummer preisgeben; ein guter Spitzname sei wichtig. Das ist keine Nebensächlichkeit, sondern der nüchterne Kern polizeilicher Internetprävention: Wer im Netz zu viele echte Identitätsdaten offenlegt, macht sich angreifbarer für Missbrauch, Nachstellungen, soziale Manipulation und Identitätsdiebstahl. Genau deshalb wurde Pseudonymität über Jahre nicht als demokratieschädliche Unart behandelt, sondern als vernünftige Schutzmaßnahme. Und nun soll plötzlich dieselbe Offenidentifizierung, vor der Bürger zuvor gewarnt wurden, als Fortschritt, als Sicherheitsgewinn und als Beitrag zu besserer Debattenkultur verkauft werden. Das ist mehr als ein bloßer Widerspruch. Es ist der Versuch, eine Schutzregel von gestern in ein Kontrollinstrument von morgen umzudeuten. Was zuvor als Einfallstor für Missbrauch galt, soll nun auf einmal Voraussetzung verantwortlicher Teilhabe sein. Glaubwürdiger wird diese Wendung nicht dadurch, dass man sie mit den schönen Etiketten Jugendschutz, Respekt oder digitale Hygiene beklebt. Sie bleibt ein politischer Rollentausch, bei dem nicht die Realität sich geändert hat, sondern nur das Interesse des Staates.
Deutlicher kann ein Staat die Risiken der Offenidentifizierung kaum benennen. Und jetzt soll derselbe Staat plötzlich erzählen, genau diese Offenlegung diene dem Schutz aller? Das ist nicht nur widersprüchlich. Das ist politischer Etikettenschwindel.
Denn an der Wirklichkeit hat sich nichts geändert. Wer im Netz mit echtem Namen unterwegs ist, wird leichter auffindbar, angreifbar, einschüchterbar und durchleuchtbar. Lehrer, Angestellte, Beamte, Polizisten, Wissenschaftler, Ärzte, Unternehmer, Dissidenten, Hinweisgeber oder einfach nur politisch unbequeme Bürger verlieren mit der Anonymität oder auch nur dem Schutz des Pseudonyms eine wichtige Barriere gegen Denunziation, Kampagnen, berufliche Nachteile und private Nachstellungen. Wer sich vor jeder scharfen Äußerung fragen muss, ob Arbeitgeber, Aktivisten, Behörden, Nachbarn oder irgendwelche Irren sofort seine Identität mit der Aussage verknüpfen können, spricht anders. Vorsichtiger. Angepasster. Ängstlicher. Genau dieser Einschüchterungseffekt ist der wahre Kern der Klarnamenpolitik.
Die totale digitale Kontrolle des Bürgers
Genau das ist der entscheidende Punkt: Die EUdi-Wallet ist nicht einfach eine nette digitale Brieftasche. Sie ist die Infrastruktur, mit der Alterskontrollen, Identitätsabfragen und Berechtigungsnachweise massenhaft in den Alltag eingebaut werden können. Heute heißt es, man wolle doch nur wissen, ob jemand über 16 oder 18 ist. Morgen heißt es, für sensible Debattenräume brauche es verlässliche Identitäten. Übermorgen gilt dann als normal, dass jede Plattform, jeder Messenger, jedes Forum, jeder Kommentarbereich und jede politische Kampagne an einen digitalen Nachweis gekoppelt ist. Die technische Architektur dafür wird gerade vorbereitet. Und wenn sie erst einmal steht, wird ihr Einsatz mit jedem neuen Vorwand ausgeweitet: Jugendschutz, Hass und Hetze, Desinformation, Extremismus, Sicherheit, Wahlen, Schutz vor Deepfakes. Die Liste ist endlos, weil der politische Hunger nach Kontrolle endlos ist.
Die eigentliche Machtfrage lautet nicht, ob eine Wallet theoretisch datensparsam arbeiten könnte. Die Machtfrage lautet, wer darüber entscheidet, wann ein Nachweis verlangt wird, welche Dienste ohne Identifizierung nicht mehr zugänglich sind und welche Behörden oder Unternehmen an diese Identitätsströme andocken dürfen. Wer diese Infrastruktur baut, der baut den Schalterkasten für das zukünftige Netz. Ein Netz, in dem nicht mehr Freiheit der Ausgangspunkt ist, sondern die erteilte Erlaubnis.
Freiheit stirbt immer scheibchenweise
Nein. Es ist genau umgekehrt. Die Klarnamenpflicht macht Bürger gläserner, verletzlicher und vor allem: fügsamer. Und die EUdi-Wallet liefert die technische Schiene, auf der diese neue Identitätspflicht durch den digitalen Alltag transportiert werden kann. Am Ende geht es also nicht um eine harmlose Verwaltungsmodernisierung und auch nicht bloß um Jugendschutz. Nochmal: Es geht um den Umbau des Netzes vom offenen Kommunikationsraum zum kontrollierten Zugangsraum. Wir sollen uns vor jeder öffentlichen Rede ausweisen müssen. Das ist die angestrebte neue Realität.





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Collien Fernandez-Ulmen war mir bisher nicht weiter groß bekannt. Ich wusste zwar, dass die so eine (nicht ausgebildete) Trallalla-Schauspielerin (also eigentlich nur eine Darstellerin) ist, aber zukünftig wird der Name des Gesetzes für mich untrennbar mit dieser armen Opferdarstellerin (die staatsanwaltlichen Ermittlungen wurden eingestellt) verbunden bleiben. Sowie jede weiter Gesetzesnovelle, analog der Hartz-Gesetzgebung. Fernandez I, II, II und IV. Klingt ja auch schöner als Stasi2.0-Ermächtigungsgesetz.
Die „Guten“ sehen ihre Diskurshoheit in Gefahr.
Auf der einen Seite hybristophil anmutende Täterverharmlosung („unser Land wird bunter werden, ja wie wunderbar…!“)
Auf der anderen Seite wird die Hälfte der Bevölkerung Deutschlands, nämlich Männer, von solchen wie Esken und Neubauer, unter Generalverdacht gestellt. Gemeint sind natürlich „Männer ohne Migrationsvordergrund“. Was ist eigentlich mit denjenigen „Männern „, die mehrere Ausweispapiere haben oder gar keine? Dürfen die sich dann nicht mehr im www. äußern?
Müssten Frauen dann nicht von der Klarnamenpflicht ausgeschlossen sein, wenn Täter nur Männer sind?
Man kann zensieren, wie man will. Die Menschen finden immer einen Weg ihre Meinung zu sagen. In der DDR hat man zwischen den Zeilen gelesen oder gehört (Kabarett) und es gab Gesprächsgruppen, wo man seine Gedanken austauschen konnte. Offiziell hat man das gesagt, was die Obrigkeiten hören wollten. Irgendwann bricht sich die Wahrheit immer Bahn. Unterdrückersysteme funktionieren nur eine bestimmte Zeit lang. Sie sind IMMER zum Untergang verurteilt. Erreichen tut man mit solchen Maßnahmen nichts. Der Mensch geht dann in den „Untergrund“. Deutschland ist nicht mehr weit weg vom Untergang. Wenn die Industrie gestorben ist und jeder nicht mehr weiß,… Mehr
Also wenn das von den Menschen ersonnen wurde die den Wasserkocher auf 700W begrenzen wollten um Strom zu sparen…. oder die den USB-C nach 5 Jahren intensiver Beratung als MUST-Standart durchgesetzt haben… dann kann die Klarnamenpflicht nur ein Griff ins Klo werden… gut es wird diejenigen, die brav den Vorgaben folgen schaden, aber der Rest wird es zu umgehen wissen… was machen eigentlich Bürger die ausserhalb der EU wohnen? …