Berlin ruft zum Kampf gegen Islamfeindlichkeit, während die wirklichen Zumutungen des Alltags immer offener zutage treten. Statt Ursachen zu benennen, produziert die Politik lieber Gedenktage, Schuldpädagogik und neue Verdachtsräume gegen die eigene Bevölkerung. Von Daniela Seidel
IMAGO
Ab sofort wird der „Internationale Aktions- und Gedenktag im Kampf gegen Islamfeindlichkeit“ begangen. Rassist ist schon, wer Angst hat, wer bei Bedrohung und Tat nicht lächelt oder wer sich über Lärm und Gestank in der S-Bahn beschwert. Viel zu tun also.
Es war einmal, vor gar nicht allzu langer Zeit, eine schöne deutsche Stadt namens Berlin. Der Staub des Krieges lag noch in den Ritzen der Straßen, und doch sprossen bereits kleine Hoffnungen wie rote Mohnblumen zwischen den Trümmern. In den verqualmten Hinterzimmern der Kneipen saß man bei Korn und Kartoffelsalat beisammen und stritt, halb ernst, halb heiter, über Kunst, Politik und den Sinn des Lebens. Es war eine Zeit des Aufbruchs und des Neubeginns. Freiheit lag in der Luft, verheißungsvoll wie der Duft warmen Asphalts nach einem Sommerregen. Und selbst das Grau der Fassaden hatte etwas Lebendiges, als könne die Stadt endlich wieder atmen.
Als das Wirtschaftswunder in voller Pracht blühte und im Jahr 1961 die ersten türkischen Gastarbeiter eintrafen, begegnete man ihnen mit gemischten Gefühlen. Oft mit Skepsis, vielerorts jedoch mit stiller, vorsichtiger Neugier. Sie waren Pioniere eines neuen Kapitels – Menschen, die mit Hoffnung im Gepäck und der Sonne Anatoliens im Herzen in ein fremdes Land aufbrachen.
Zwischen Fabrikhallen, Hinterhöfen und engen Treppenhäusern, fern der Heimat, entstanden nach und nach oft zwischenmenschliche Verbindungen, gewoben aus dampfendem Tee und unbekannten Speisen und geknüpft aus jener schlichten Herzlichkeit, die Brücken baut. Schlimm, sehr schlimm, wie sich seither alles entwickelt hat, nicht wahr? Höchste Zeit, endlich ein Zeichen zu setzen!
Nun also soll zukünftig und ab sofort der 15. März eines jeden Jahres als offizieller „Internationaler Aktions- und Gedenktag im Kampf gegen Islamfeindlichkeit“ begangen werden, um, so verkündeten die Initiatoren, ein weltweites Signal auszusenden, „verbunden im Kampf gegen Diskriminierung, Gewalt, Hass und Hetze“. Die etwas sperrigen und teils uneinheitlich verwendeten Begrifflichkeiten für diesen offensichtlich dringend einzuführenden Feiertag mögen damit zu tun haben, dass bereits seit 2015 ein „Tag gegen antimuslimischen Rassismus“ existiert, gefördert unter anderem vom Bundesfamilienministerium. Aber doppelt hält bekanntlich besser und schließlich gibt es nichts Bedeutsameres zu tun in unserer weltoffenen und bunten Metropole, als derartige Herzensprojekte zu verwirklichen.
Wohnungsnot, Haushaltskrise, Bildungsdesaster, Migrantengewalt, Angriffe auf Rettungskräfte und Polizisten, eskalierende Pro-Palästina-Demos, Straßenschlachten zu Silvester – wen schert’s? Frauen haben Angst, Juden haben Angst, die bis zum Erbrechen relativierte Kriminalstatistik spricht Bände – alles Nebensache, solange auch nur der Hauch von Islamfeindlichkeitsverdacht in der Berliner Luft liegt. Und somit müssen Menschen weiterhin noch deutlicher sensibilisiert und erzogen werden und es muss ein weiteres Mahnmal her. Dafür, wie wenig die Gesellschaft noch zu wissen scheint über die wahre Natur der Bedrohung, mit der sie (falls es Ihnen entgangenen sein sollte: von rechts, natürlich) konfrontiert wird.
Aber keine Sorge, es geht mal wieder nicht darum, sich mit tatsächlichen Problemen oder gar deren Ursprung auseinanderzusetzen. Zum Beispiel der zunehmende Bedrohung der Rechtsstaatlichkeit durch Parallelgesellschaften oder den implodierenden gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Viel wichtiger ist es doch, gegen jede Art von zunehmender Feindseligkeit (sofern überhaupt im unterstellten Ausmaß vorhanden) zu Felde zu ziehen, die nicht zuletzt durch eigene katastrophale Fehlentscheidungen in Hinblick auf die unkontrollierte Massenmigration erst hervorgerufen wurde und sich immer weiter potenziert.
Doch zunächst einmal: was ist das überhaupt genau, diese sogenannte Islamophobie?
Auskunft gibt hier unter anderem der Nationale Diskriminierungs- und Rassismusmonitor des oft in der Kritik stehenden Instituts DeZIM (selbstverständlich ebenfalls staatlich gefördert). So erleben 61 % der Muslime laut diesem verstärkt subtile Diskriminierung und Rassismus. „Dazu zählt“, so erklärt Studienleiter Cihan Sinanoğlu „zum Beispiel, wenn man unfreundlich behandelt wird, wenn man ignoriert oder angestarrt wird, oder wenn Personen Angst vor einem haben.“
Nun, dieser (bislang nicht strafrechtlich relevante, aber noch ist nicht aller Tage Abend) Tatbestand ist allerdings schnell erfüllt. Zum Beispiel, wenn ich als Frau allein in der Dämmerung unterwegs bin (was ich seit Jahren tunlichst vermeide) und mir kommt eine Gruppe lautstarker, testosterongefluteter, E-Zigaretten-dampfender, ostentativ unter vermehrtem Speichelfluss leidender Talahons entgegen, die mich unmissverständlich zum näheren körperlichen Kennenlernen auffordern. Da wäre es natürlich mindestens grob unhöflich, diese erst misstrauisch in Augenschein zu nehmen, einsilbig oder gar garnicht zu antworten und dann schnellen Schrittes die Straßenseite zu wechseln.
Kein Wunder, wenn die zarten Seelen sich dann herabgesetzt und abgewertet fühlen, bei so viel schlechten Erfahrungen mit unserer ablehnenden Aufnahmegesellschaft. Bestenfalls geben sie dann beim Rassismusmonitor an, wie verletzend es ist, wenn der Wunsch nach interkultureller Begegnung so schroff zurückgewiesen wird. Schlimmstenfalls werden sie kriminell und gewalttätig, was wir uns dann selbst zuzuschreiben haben.
Dieser Linkslogik folgend sind demnach auch die deutschen charakterlichen Defizite alleinursächlich, wenn es zu zunehmenden Spannungen und Aversionen hinsichtlich unserer Kulturbereicherer kommt. Unmöglich kann dies darauf zurückzuführen sein, dass sich begründete Befürchtungen und gerechter Zorn breitmachen. Etwa, weil sich unsere Gäste mittlerweile wie unberechenbare, uns zutiefst verachtende Invasoren aufführen. Oder dass sich heutzutage jeder zweite, junge Muslim hierzulande zum Islamismus hingezogen fühlt. Oder man sich nicht einmal mehr getrauen darf, im öffentlichen Personennahverkehr um den Fahrschein zu bitten, ohne sein Leben zu riskieren – oder um Rücksichtnahme, ohne von drei Afrikanern mutmaßlich muslimischen Glaubens zusammengeschlagen zu werden, wie kürzlich in Rosenheim geschehen.
Bitter ironisch an dieser Stelle, dass die Wiener Verkehrsbetriebe mit ihrer Kampagne gegen lautstarkes Auftreten oder geruchsintensives Essen sofortige Schelte durch die NGO „Black Voices Austria“ kassierten. Solche Regeln könnten Menschen nämlich dazu verleiten, „Schwarze, muslimische Personen und People of Colour im öffentlichen Raum anzugehen“, warnt die Organisation. Ja, ganz offensichtlich scheint dies exakt Kern der Problematik zu treffen, zumindest im verdrehten Oberstübchen mancher Aktivisten.
Doch es ist ja nicht so, als wären wir nicht ebenfalls gewarnt worden. Sarrazins dystopische Prophezeiungen treffen schneller ein, als ein passloser Vollbartträger sich an der Grenze als minderjährig ausgeben und „Asyl“ sagen kann. Ebenso erschreckend sind die Parallelen zu Houellebecqs Roman „Unterwerfung“. Illustriert dieser doch wie kein zweiter die westliche Selbstkannibalisierung, bei welcher Aufklärung, Gleichberechtigung, Freiheit und Individualität im Tausch gegen ein verheißungsvolles Bild romantischer Einträchtigkeit zu pulverisieren drohen. Zeichnet er doch eine Zukunft, in der sich eine Gesellschaft freiwillig und bodenlos servil einer neuen Ordnung unterwirft, weil sie keinen Ausweg mehr aus ihrer existenziellen Krise sieht. Unfähig, ihre Errungenschaften und Werte zu verteidigen, Opfer ihrer eigenen Tugendhaftigkeit und ohnmächtiger Zeuge des eigenen Zerfalls.
Deutschland, einst das Land der Dichter und Denker und Weltmarktführer im Maschinenbau, jetzt Spitzenreiter im moralischen Selbstverrat. Ein Volk, das sich lieber eigenhändig demontiert, als auch nur den leisesten Verdacht der Ausgrenzung zu erwecken.
Seit 2015 läuft das soziale Großexperiment. Selbst bei schwersten Gewaltdelikten folgen Kuschelurteile für Täter. Stattdessen maximale Härte bei Denkverbrechen. Die Evolution wird gecancelt, die Instinkte des Menschen – Vorsicht, Sicherheitsbedürfnis, Abwehr – werden ins Lächerliche gezogen, pervertiert und als Kampfbegriffe geführt, Kritiker werden pauschal als intolerant oder rechtsextremistisch diffamiert und pathologisiert.
Wer beim dritten „Einzelfall“ nicht mehr an Zufall glaubt, gilt als Hetzer und wird zum Fall für den Verfassungsschutz. Wer Angst empfindet, ist das Problem – nicht der, der sie verursacht.
Ob dieser Irrsinn einer planlosen (beziehungsweise rettungslos ideologisierten) Gutmenscherei entspringt, das eigene Versagen verschleiern soll oder Ausdruck kalt kalkulierter Entgrenzungspolitik ist, spielt längst keine Rolle mehr. Der Effekt ist der gleiche: Eine Bevölkerung, die kleingemacht, verraten, verkauft, um ihre Sicherheit, ihre Kultur, ihr Selbstverständnis und Rechtssystem gebracht wird.
Die lernen soll, das gut, richtig und verdient zu finden und dabei zur Krönung den ganzen Spaß auch noch bezahlen darf. Und ist sie nicht willig, wird halt ein weiterer Gedenktag ersonnen, der sie nachdrücklich daran erinnert, wie schlecht und schuldig sie sich zu fühlen hat und dass sie sich gefälligst was schämen soll.


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„Berlin führt Gedenktag gegen Islamfeindlichkeit ein“
Derweil jeder 2. Muselmane dem Islamismus zugeneigt ist, Derweil auf unseren Schulhöfen während des Ramadan christliche Schüler ihr Pausenvesper heimlich verzehren müssen usw usf eine endlose Liste islamischer Frechheiten.
Aber bei diesem Bürgermeister wundert mich gar nichts mehr.
Der eigene Bürger ist inzwischen zum „Freiwild“ für die links-rot-grünen Politiker der Systemparteien geworden, als ob es im Amtseid heißen würden „.. dem deutschen Volk möglichst großen Schaden zuzufügen“. Und was passiert? Die Parteien, die das zu vertreten haben bekommen bei Wahlen mehr als 2/3 der Stimmen. Wie heißt es im Kälbermarsch von Berthold Brecht so zutreffend: „Hinter der Trommel her trotten die Kälber. Das Fell für die Trommel liefern sie selber.“
Daß dieser Regierende Wegener von der CDU ist. Das mag man wirklich nicht glauben.
Ich bin kein AfD-Anhänger; freue mich aber über jeden Zuwachs in dieser restlos kaputten Stadt.
„Wir sind die Türken von morgen“ – DeutschAmerikanischeFreundschaft (DAF), 1982.